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Bevor du einziehst: Altbau-Check in 3 Minuten

Knarrende Dielen, hohe Decken, stuckverzierte Träume – eine Altbauwohnung ist für viele die pure Wohnromantik. Aber bevor du dein Pinterest-Board Realität werden lässt, solltest du ein paar Dinge genauer unter die Lupe nehmen. Denn wo Charme ist, ist manchmal auch Chaos.

Altbauwohnungen sind nicht jedermanns Sache. Aber die, die sie lieben, wissen, warum sie es tun. Foto von Strange Happenings auf Unsplash

Heizung, Fenster & Co. in der Altbauwohnung: Der Wintertest

Die meisten Altbauten wurden lange vor der Ölkrise gebaut – sprich: Energieeffizienz war damals noch kein Thema. Wenn die Fenster nicht mindestens doppelt verglast oder die Heizkörper vor dem Zweiten Weltkrieg montiert worden sind, zahlst du im Winter Unmengen an Geld.

Diese Checkliste kannst du bei einer Wohnungsbesichtigung durchgehen:

  • Sind die Fenster dicht oder zieht’s bei Wind aus den Ritzen?
  • Wann wurde die Heizanlage zuletzt gewartet oder erneuert?
  • Gibt es Thermostatventile? (Viele Altbauheizkörper laufen noch auf gut Glück.)
  • Lass dir außerdem die letzten Heizkostenabrechnungen zeigen – das sagt mehr als tausend Worte.
Was für fantastische Fenster! Bleibt nur noch herauszufinden, wie gut sie isoliert sind. Foto von Florence Gray auf Unsplash

Wände mit Geschichte – und Überraschungen

Altbauten haben den ultimativen Old-Money-Charme – und das ist toll. Aber manchmal verbirgt sich hinter dem Putz nicht nur Charakter, sondern auch Schimmel, Asbest oder Bleirohre.

Fragen, die du dem Makler / Eigentümer stellen könntest (und solltest):

Strom und Kabelsalat aus der Nachkriegszeit?

In vielen Altbauten ist der Sicherungskasten ein kleines Museum. Zu wenige Steckdosen, keine FI-Schalter und Kabel, die schon vor Jahrzehnten überfordert waren.

Wichtig zu wissen:

  • Ein veralteter Stromkreislauf ist nicht nur nervig – er ist gefährlich.
  • Frag gezielt nach einem E-Check oder dem letzten Elektrikerbesuch.
So verkabelt sollte weder eine Klingelanlage, noch der Telefonanschluss noch der Stromkasten aussehen. Foto von Yung Chang auf Unsplash

Hellhörig? Ja. Schön? Nicht immer.

Das klassische Altbauproblem: Trittschall. Die Nachbarn über dir könnten genauso gut auf deiner Couch sitzen, wenn sie morgens barfuß zur Kaffeemaschine schlendern.

Akustik-Test: Geh am besten zu verschiedenen Uhrzeiten in die Wohnung – wenn das überhaupt möglich ist. Ich weiß ja selbst, wie gestresst man bei der Wohnungssuche sein kann. Höre und horche genauer hin, wie der Lautstärkenpegel ist. Hältst du das auf Dauer aus? Frage ruhig nach, ob der Boden entkoppelt ist. Teppiche könnten auch ein bisschen dabei helfen, um den Lärm der Hausgemeinschaft zu dämmen.

So sehr wir diese alten Dielen lieben: Sie sind nicht immer so praktisch, wie wir sie gerne hätten. Foto von Nathan Bang auf Unsplash

Eigentümer-Egonummer? Wirf einen Blick in die Protokolle

Altbauten werden oft von WEGs (Wohnungseigentümergemeinschaften) verwaltet. Klingt harmlos, kann aber zur Geduldsprobe werden. Wer blockiert notwendige Sanierungen? Gibt es Rücklagen für Reparaturen? Steht eine Dachsanierung an? Tipp: Protokolle der Eigentümerversammlungen geben Aufschluss über Streitpunkte und Baustellen.

Stilvoll leben im Altbau bedeutet auch, seine Schwächen zu kennen. Foto von Kseniia Zapiatkina auf Unsplash

Deine Altbauwohnung ist ein Denkmal?

Wenn dein Altbau unter Denkmalschutz steht, kannst du nicht mal eben neue Fenster einsetzen oder die Fassade streichen lassen. Auch der Einbau moderner Bäder oder Balkone kann eingeschränkt sein.

Daher unbedingt vorab klären:

  • Steht das Haus unter Denkmalschutz?
  • Welche baulichen Veränderungen sind erlaubt – und welche nicht?

Ja, Altbau kann anstrengend sein. Aber auch wunderbar. Es gibt kaum etwas Schöneres, als morgens auf alten Dielen in eine lichtdurchflutete Küche zu tappen, in der schon vor 100 Jahren jemand Kaffee gekocht hat. Wenn du weißt, worauf du achten musst, wird der Einzug nicht zum bösen Erwachen – sondern zum Neuanfang mit Geschichte.


Artikelbild von Aleksander Stypczynski auf Unsplash

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Reisen

Reisen ohne Internet: So war’s auf Teneriffa

Was erwartest du, hier zu lesen? Es war normal. Es war gut. Erstaunlicherweise braucht man das Handy nicht, wenn man so planlos unterwegs ist, wie ich. Ich merke mir einfach den Weg den ich gegangen / gefahren bin und gehe oder fahre ebenden auch wieder zurück. Und wenn ich lustig bin, mit Umwegen. Das Handy brauchte ich ausschließlich zum Bilder machen. Und natürlich Videos machen. Ich hab jetzt nämlich endlich wieder Tiktok. Dort kannst du alle meine Abenteuer im Videoformat erleben.

Aber, wie sonst auch immer, war meine Anreise nicht ohne Abenteuer. Genau weil ich kein Internet hatte, konnte ich mein Hotel nicht finden. Aber die netten Bewohner von Puerto de la Cruz haben mir geholfen. Zwischendurch bin ich aber, zugegeben, fast verzweifelt. Das aber habe ich als Teil meines Experiments verstanden.

Zufall oder Schicksal? Unverhofft finde ich einen Naturpfad

Am schönsten fand ich meinen Geburtstag. Den 30sten wollte ich unbedingt alleine feiern. Ich holte mir morgens eine kleine Torte, pustete die Kerzen aus und setzte mich in einen Bus, von dem ich nicht wusste, wohin er fahren würde. Der Plan war es, da auszusteigen, wo es mir am meisten gefiele. Das war dann die Endstation. Planlos schlenderte ich durch die Gässchen, erlebte die Natur der Kanarischen Insel ganz nah, lernte wie immer Katzen kennen und ging, wohin der Wind mich trug.

Durch mein Treibenlassen entdeckte ich einen Wildpfad. Den hätte ich wahrscheinlich niemals , hätte ich mich bei Google Maps bedient. Dort war es so schön, dass ich an einer Stelle das Gefühl hatte, das Leben neu verstanden zu haben. Es war das beste Geburtstagsgeschenk, das mit Mutter Natur, das Universum, Gott und wer auch immer daran beteiligt gewesen war, hätte machen können.

Internet gab’s nur im Hotel

Es war total befreiend, für keinen verfügbar zu sein, während ich meine Abenteuer gelebt habe. Zu Hause in Deutschland hatte man sogar etwas Verständnis für meine Entscheidung. Im Hotel hab ich dann wieder Internet genutzt, vor allem um meine Mitteilungsbedürftigkeit auf Insta zu befriedigen. Diesmal war diese recht ausgeprägt.

Während meiner Zeit in Portugal, oder meinem Trip in die Türkei, oder sonstigen Auslandsaufenthaltne kam nicht ein kleiner Post von mir. Hängt wohl mit meinem Gemütszustand zusammen. Oder womit auch immer. Wie ist denn das eigentlich bei euch?

Teneriffa: Kurze Kein-Internet-Krise in Güimar

Da fällt mir gerade ein Moment ein, in dem ich wünschte, doch etwas Internet gehabt zu haben. An meinem Tag in Güimar, als ich beschlossen hatte, südlichere Teile Teneriffas zu sehen, hat mich meine Landkarte aus Papier so hart verirrt, dass ich mir einfach nur noch dachte: Yo. Fick doch alles. Fick das Handy, fick das nicht vorhandene Internet – ich will gar nichts mehr. Ich will eine rauchen.

Fazit: Lohnt sich das Reisen ohne Internet?

Abschließend lässt sich sagen (Gott, mit diesem Einstieg in den Schlussteil komme ich mir vor wie ChatGPT – if you know, you know): Ich kann den Flugmodus während deiner nächsten Abenteuerreise sehr empfehlen. Es ist ein anderes feeling. Du merkst schnell, wie all deine Sinne geschärft sind und du dich noch mehr auf deinen inneren Kompass, die Instinkte und das Gedächtnis verlassen musst. Und du gehst zudem auch noch verantwortungsvoll damit um.

Außerdem gab es mir, zugegeben, auch ein bisschen den Kick. So nach dem Motto „komme ich an, oder übernachte ich heute mal am Strand?“

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Blog

Das ist dein Zeichen, mit Tiktok anzufangen

Vor etwa einem Monat habe ich angefangen, TikTok zu nutzen. Ich wollte ein neues Auditorium für meine Blogs avecMadlen und Tüll & Trüffel finden, war neugierig und hatte das Bedürfnis, meine Erlebnisse mit anderen zu teilen. Aber ich hab mich nicht getraut. Ich hatte schlicht keine Lust auf Haterkommentare, wollte etwas wirklich sinnvolles produzieren und fragte mich fortwährend, ob meine Ideen überhaupt gut oder spannend genug sind für ein Format wie Tiktok.

Irgendwann hab ich mich dann mit ChatGPT beraten – er schlug mir vor, einfach mal Landschaften mit cooler Musik zu posten. Ich hielt das für eine gute und vor allem sichere Idee, dachte noch eine Weile darüber nach… und dann, eines Nachts, hab ich einfach meine ersten Videos rausgeballert.

Hier geht’s zu meinem Tiktok-Account

So fühlt es sich an, endlich Tiktoks zu machen

Es fühlte sich erstaunlicherweise total geil und richtig an. Ich dachte mir: „Yeah, i did it!“ Nach all den Jahren voller Zweifel. TikTok hat jetzt nicht mein Leben umgekrempelt. Aber: Ich filme neben dem Fotografieren für meine Blogs inzwischen auch kurze Clips. Ganz automatisch. Und das fühlt sich an wie eine natürliche Erweiterung meiner Arbeit.

Blonde Frau, die am Strand hockt mit dem Handy die Wellen filmt.
Ist doch scheißegal, wie das auf andere wirkt: Hauptsache du bist in deiner Schaffensphase und hast (hoffentlich) auch noch Spaß dabei. Foto von Patti Black auf Unsplash

Was ich dabei gelernt habe: Ich kann tatsächlich Videos schneiden. Außerdem kann ich sie so gestalten, dass ich selbst Freude daran habe – und ein paar andere Menschen auch. Und das Schönste: Jedes Mal, wenn ich meine Clips anschaue, sie zusammenschneide und mich mit ihnen beschäftige, erlebe ich meine Reisen noch einmal. Sehr intensiv sogar. Es fühlt sich an, als wäre ich wieder mittendrin – in all diesen schönsten Momenten meines Lebens. Dieses Material wird dadurch zum Input für mich selbst. Es inspiriert mich über einen langen Zeitraum – zu Texten, zu neuen TikToks, sogar zu kleinen Malereien oder Comics. Es ist irgendwie ein Kreislauf, den ich mir da selbst schaffe, durch den ich mich wieder auflade und inspiriere.

Kurz zum Equipment: Ich habe eine gute Handykamera, nutze das Xiaomi Mi 14T pro mit Leica-Kamera. Ich bin wirklich begeistert davon. Fotos und Videos sehen damit wild aus. Licht, Mikrofon, andere Kameras habe (oder nutze) ich bis jetzt noch nicht. Bin demnächst dann wahrscheinlich aber offen für Anschaffungen.

Kamera- und Handy-Equipment für Blogger. Stative, Objektive, Mikrofone, künstliches Licht, Gopro und viel mehr.
Du kannst mit dem Equipment übertreiben, du musst aber nicht. Foto von Jakob Owens auf Unsplash

Trau dich, Schatz. Wenn ich es kann, kannst du es auch

TikTok hat mich in diesen Wochen mutiger gemacht und mir beigebracht, dass ich einfach losgehen kann. Ohne Masterplan und Rücksicht auf Perfektion. Ohne alles zu zerdenken und einfach mal Gleichgesinnte zu inspirieren und mich von ihnen inspirieren zu lassen. Kunst, Kulturen und die Liebe zu Abenteuern auch an die Jungs und Mädchen weiterzugeben, die noch gar nicht wissen, wie sehr sie das alles lieben könnten. Quasi all das, was ich auch mit avecMadlen versuche umzusetzen.

Und falls du denkst, TikTok wäre nur Trash-Content oder man müsste direkt mit dem ersten Video viral gehen: Das habe ich auch geglaubt. Beides trifft für mich aber nicht zu. Mit meinen kleinen Videos mache ich jetzt einfach mal stabil weiter. Weil ich stur bin, weil es wahnsinnig viel Spaß macht; und weil ich nach nur einem Monat sehe, dass es vorwärts geht – langsam, aber spürbar. Falls du also selbst überlegst, dort anzufangen: Warte nicht so lange wie ich.


Beitragsbild von J A N U P R A S A D auf Unsplash

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Kunst & Architektur

Warum München das Herz des Blauen Reiters wurde

Als ich letztes Jahr erstmals das Lehnbachhaus betrat, war ich wie auf Ecstasy, ehrlich. Die Farbenpracht der Werke Kandinsky’s und Franz Marcs war nicht in adäquate Worte zu fassen (im verlinkten Artikel findest du auch weitere Exponate).

Da ich vor wenigen Tagen wieder in München war, um den Geburtstag meiner guten Freundin zu feiern, dachte ich mir: ich schnei da wieder vorbei. Natürlich war ich genauso überwältigt, wie damals. Doch die „Blauer Reiter“-Ausstellung, so wie sie jetzt gerade ist, wird es nicht ewig geben. Daher nichts wie hin ins wunderschöne München!

Manch einer könnte sich fragen, warum ausgerechnet die bayerische Landeshauptstadt zum Epizentrum einer internationalen Kunstbewegung wurde. Die Gruppe „Blauer Reiter“ entstand 1911 in München – initiiert von Wassily Kandinsky und Franz Marc. Ihre Wurzeln lagen in der Münchner Avantgarde1. Das Lenbachhaus, einst Zuhause des Malers Franz von Lenbach2, wurde zum Zentrum dieser Bewegung. Unten in den Fußnoten erfährst du, warum das ein bisschen ironisch ist.

Gabriele Münter: Kandinsky und Erma Bossi am Tisch, 1912

Woher stammen die Bilder?

Der Kern der Sammlung geht auf ein großzügiges Vermächtnis zurück: 1957 schenkte Gabriele Münter über 1.000 Werke dem Museum, darunter etwa 90 Ölgemälde, 330 Aquarelle, Skizzen und Glasmalereien. Ergänzt wurde diese Sammlung 1965 durch Schenkungen der Bernhard Koehler-Stiftung – etwa Werke von Franz Marc und August Macke.

Da ich bisher noch nicht konkret herausfinden konnte welche Bilder genau Münter dem Kunsthaus schenkte, hier einfach eine random Auswahl der Exponate:

Ausstellungslaufzeit & Aufbau

Die aktuelle Schau unter dem Titel „Eine neue Sprache“ läuft voraussichtlich bis Ende 2025 oder sogar Winter 2026. Gezeigt werden rund 250 Werke. Von frühen Jugendstil-Werken und Holzschnitten über Hinterglasbilder bis zu seltenen Fotografien und Skulpturen. Elisabeth Epstein, Katharine Schäffner und Neuankäufe sind ebenso vertreten wie unser geliebter Kandinsky, Klee und Marc.

Diese Ausstellung beleuchtet nicht nur die Entstehung, sondern auch die Vorgeschichte und Nachwirkungen der Künstlergruppe, inklusive Einflüssen aus Japan, Volkskunst und Kinderzeichnungen. Zum ersten Mal werden hier auch die Neuankäufe des Vereins vorgestellt; etwa von Franz Marc, Maria Franck-Marc und dem NS-verfolgten Moissey Kogan3.

Ein begleitender Filmbereich und eine Bibliothek laden zum Eintauchen in spirituelle und theoretische Kunstaspekte des Blauen Reiters ein. Außerdem ist die Ausstellung Teil eines internationalen Austauschs: ab April 2025 wandern zahlreiche Werke nach London für „Expressionists. Kandinsky, Münter and the Blue Rider“ in der Tate Gallery of Modern Art.


NEWS
Kunst- und Reiseimpressionen gibt’s jetzt auch im Video-Format: Hier geht’s zu meinem Tiktok-Account

Bebilderung dieses Artikels

Bild von der Außenansicht des Lenbachhauses: von Maria M. auf Unsplash
Alle anderen Bilder © avecMadlen

Fußnoten

  1. Der Blaue Reiter war ein zentraler Bestandteil der Münchner Avantgarde, aber nicht mit ihr gleichzusetzen. Die Münchner Avantgarde war eine breitere Bewegung in der Kunstszene der Stadt um 1900 bis etwa 1914, in der sich verschiedene Künstlergruppen gegen den Akademismus und die traditionelle Kunst wandten.
    Der Blaue Reiter, gegründet 1911 von Kandinsky und Marc, war eine der bedeutendsten Gruppierungen innerhalb dieser Avantgarde und repräsentierte deren radikalsten und international ausgerichteten Flügel. Während andere Strömungen der Münchner Avantgarde eher dem Jugendstil oder frühen Expressionismus verpflichtet waren (z. B. Künstler der Phalanx oder der Neuen Künstlervereinigung München), suchte der Blaue Reiter bewusst nach einer universellen, spirituellen Bildsprache jenseits traditioneller Grenzen.
    Kurz gesagt: Der Blaue Reiter war eine der prägendsten Gruppen der Münchner Avantgarde, die den künstlerischen Aufbruch Münchens zu einem Zentrum der Moderne entscheidend mitgestaltete. ↩︎
  2. Franz von Lenbach war kein Teil der Münchner Avantgarde und auch nicht am Blauen Reiter beteiligt – ganz im Gegenteil: Er verkörperte die traditionelle Kunstauffassung des 19. Jahrhunderts. Lenbach (1836–1904) war ein berühmter Porträtmaler, der für seine realistischen Darstellungen von Politikern, Adeligen und Künstlern bekannt war. In München gehörte er zur etablierten Kunstszene und war Vertreter des Historismus.
    Sein Wohnhaus und Atelier, das Lenbachhaus, wurde jedoch später zum Ausstellungsort genau jener Künstler, die sich von seinem Stil abwandten: der Avantgarde und insbesondere dem Blauen Reiter. Heute ist das Lenbachhaus weltberühmt für seine Sammlung von Werken dieser Künstlergruppe – ein spannender Kontrast zum Namensgeber. Ironie? ↩︎
  3. Moissey Kogan (1879–1943) war ein jüdisch-rumänischer Künstler, der vor allem für seine filigranen Skulpturen, Reliefs und Zeichnungen bekannt wurde. Er bewegte sich im Umfeld der europäischen Avantgarde, hatte aber keinen direkten Bezug zum Blauen Reiter. Auch zur Münchner Avantgarde gehörte er nicht im engeren Sinne. Kogan war eher dem Pariser Kreis um Künstler wie Maillol und Brancusi verbunden und später auch Teil des Bauhaus-Umfelds.
    Seine Arbeiten zeigen eine Hinwendung zu antiken und archaischen Formen, oft mit Anklängen an Jugendstil und Symbolismus. Im Gegensatz zu den expressionistischen, farbgewaltigen Arbeiten des Blauen Reiter bevorzugte Kogan zurückhaltende, ornamentale Ausdrucksformen.
    Sein Schwerpunkt lag also außerhalb der Münchner Strömungen. Im Lenbachhaus wird er heute dennoch ausgestellt, da seine Kunst den erweiterten Kontext der Moderne mitprägt – als leise, formbewusste Gegenposition zur expressiven Kunst des Blauen Reiter. ↩︎
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Reisen

Van Huong: Ein Spaziergang durch Vietnams Geisterstadt

Auf der Halbinsel Van Hương angekommen, merkte ich gleich die Stille, die dort herrschte. Mein Plan war es eigentlich im Meer zu baden und faul am Strand zu liegen, aber ich entschied mich dazu, die Halbinsel, die größer war als vermutet, zu Fuß zu erkunden.

Dort begegnete ich nur sehr wenigen Menschen. Es war der wahrscheinlich friedlichste Ort, an dem ich seit Langem war. Doch ich verstand nicht ganz, was auf Van Huong abging. Einerseits hatte ich den Eindruck, dass die Insel mitten in der Bebauungsphase sei, damit dort eines Tages ein touristisches Zentrum entsteht. Andererseits sahen viele Häuser und einige Baustellen verlassen aus, ohne jemals belebt gewesen zu sein. Das eine oder andere Luxushotel war zwar in Betrieb – außer als ein paar Bauarbeitern und Snackverkäufern bin ich jedoch nicht begegnet.

Fischerboote im stillen Wasser.
So ruhig hier… Sogar des Meeres Wellen scheinen zu schlummern.

Diese Menschenleere führte dazu, dass ich den wenigen Anwesenden noch mehr auffiel, als in den sonstigen nicht-touristischen Gegenden Haiphongs. Ich kann nicht sagen, dass mir das Gefühl besonders gefiel. Aber die Vietnamesen begegneten mir zu jedem Zeitpunkt meiner Reise mit vollem Respekt, Herzlichkeit und Aufgeschlossenheit. Viets, wenn ihr mich lest: ich liebe euch und eure Kultur.

Ein Blick auf die Karte. Fest stand, dass ganz in meiner Nähe wohl eine künstliche Insel in der Form einer Blume entstand. „Nichts wie hin“, dachte ich mir und betrat den trockenen, staubigen Weg, der mich dort hin führen sollte. Keine Menschenseele weit und Breit. Nur Sonne, Palmen, die staubige Straße und ich. Die Entfernung habe ich wie so oft unterschätzt und ging lang und stur zu meinem Ziel. Bald würde ich es erreichen, oder?

Vietnam: Allein (?) auf der Halbinsel Van Huong

Felder und künstliche Seen, ein paar quakende Enten, in der Ferne ein vielgeschossiges Hotel mit eigenem Strand. Ich ging weiter, genoss dabei die Sonne auf meiner Haut. Ein Lkw mit Schotter kam mir entgegen. Schnurgerade blickte ich daran vorbei und tat so, als wäre ich gar nicht da. Plötzlich hupt der Fahrer. In mir zieht sich alles zusammen. Er zeigt mir Handgesten, dass es da nicht weitergeht. Erzwingen wollte ich es nicht und ging brav zurück in Richtung Ghost-town.

Nachdem ich meine große Runde gedreht, mich in einem verlassenen Hotel umgesehen habe und bis zur vordersten Spitze der Halbinsel gegangen war, hatte ich Hunger und wollte wieder unter Menschen sein. Ein Taxifahrer fuhr mich zurück in die Innenstadt von Haiphong.

Auch spannend: Mitten in der Ha Long Bay kommen mir die Tränen.


Was ist los auf der Halbinsel Van Huong?

Die Halbinsel Van Huong liegt im Stadtbezirk Do Son, etwa 20 Kilometer südlich des Zentrums von Haiphong, der drittgrößten Stadt Vietnams, die ich vollumfassend erkunden konnte. Einst galt Do Son als beliebter Erholungsort für französische Kolonialbeamte, später als Treffpunkt der vietnamesischen Elite. Heute jedoch scheint vieles auf der Halbinsel im Dornröschenschlaf zu liegen.

Einfach unfassbar, diese Architektur.

Van Huong: Großprojekte mit ungewisser Zukunft

Eines der größten Vorhaben ist die künstliche Insel Hoa Phuong Island. Das Projekt wurde erstmals 2003 angekündigt. Geplant war ein luxuriöses Tourismuszentrum mit Villensiedlungen, 5‑Sterne-Hotels, Yachthafen, Einkaufszentren und künstlichen Seen – teilweise in Form einer Blume (Hoa Phuong bedeutet Flamboyant, die Stadtblume von Haiphong).

Der Bauträger war das Unternehmen Glexhomes, das zur Gleximco Group gehört, einem mächtigen vietnamesischen Mischkonzern unter Leitung von Vũ Văn Tiền, einem der reichsten Männer des Landes. Die Bauarbeiten begannen Anfang der 2000er, kamen jedoch nie über erste Aufschüttungen und einige Rohbauten hinaus. Immer wieder wurden neue Etappen angekündigt – zuletzt 2021. Dennoch bleibt das Gelände bis heute weitgehend leer.

Die Geisterstadt von Do Son

Wer sich auf der Halbinsel umsieht, entdeckt halbfertige Gebäude, verlassene Zufahrtsstraßen und leerstehende Baucontainer. Teilweise scheint das Projekt komplett eingestellt – offizielle Stellungnahmen dazu gibt es kaum. Auch das benachbarte Projekt Hon Dầu Resort, das ursprünglich botanische Gärten, Themenparks und Konferenzzentren vorsah, entwickelt sich nur schleppend. Einzelne Bereiche – wie ein künstlicher Strand oder kleinere Resorts – sind bereits in Betrieb. Der Rest wirkt wie aus der Zeit gefallen.

Auf der Halbinsel Van Huong: Luxushotel in Betrieb
Dieses Resort schien mir in Betrieb zu sein.

Eine Halbinsel im Schwebezustand

Laut Plänen der Stadt Haiphong soll Do Son als Küstenstadt mittelfristig wieder touristisch belebt werden. Dazu gehören:

  • ein Fokus auf Vier-Jahreszeiten-Tourismus (Konferenzen, Wellness, Sport),
  • der Ausbau des internationalen Fährhafens in Lạch Huyen,
  • und langfristig der Anschluss an die großen Investitionen im nördlichen Wirtschaftsraum.

Doch die fehlende Investitionssicherheit und veränderte geopolitische Prioritäten scheinen diese Entwicklungen zu bremsen. Einige Flächen sind zudem ökologisch sensibel – der Sandaufschüttung für künstliche Inseln steht oft Widerstand von Umweltorganisationen entgegen.

Van Huong ist also ein Ort voller Widersprüche. Die Visionen von Luxustourismus und wirtschaftlichem Aufschwung stehen leerstehenden Hotelruinen und verlassenen Bauprojekten gegenüber. Während Haiphong rasant wächst, bleibt die Halbinsel in einer Art Warteschleife. Doch genau das macht sie in meinen Augen zu einem verwunschenen Ort, den man unbedingt gesehen haben sollte, wenn man im schillernden Haiphong unterwegs ist. Diese Atmosphäre, der (nicht ganz fertiggestellte) Prunk und die verdächtige Ruhe machen das Erlebnis unvergesslich.


Der Fakten-Teil dieses Beitrags wurde mithilfe von ChatGPT übersetzt und recherchiert. Auf diese Quellen wurde dabei Bezug genommen:

  1. Vietnam Investment Review, „Glexhomes launches Hoa Phuong Island tourism complex“
  2. Vietnam Tonkin Travel, „Hon Dau – A new significant attraction in Haiphong City“
  3. Haiphong.gov.vn (EN) Haiphong develops four-season tourism
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Kunst & Architektur

War Henri Matisse für die Kunst bestimmt?

Der Maler Henri Matisse, geboren am 31. Dezember 1869 in Le Cateau-Cambrésis im Nordosten Frankreichs, war eigentlich für eine andere Karriere bestimmt. Wie er selbst sagte, sollte er als „Sohn eines Samenhändlers“ im Geschäft seines Vaters nachfolgen.

Henri Matisse: Vase d'anémones, 1946 auf der Art Basel 2024
Henri Matisse: Vase d’anémones (1946) – eines seiner Werke, die ich erst neulich sehen durfte. Dieses fand ich auf der Art Basel 2024.

Henri Matisse: Der lange Weg zu seiner Kunst

Matisse war kein Wunderkind wie Pablo Picasso; statt dessen entwickelte er seine Kunst langsam und kontinuierlich aus seiner Begeisterung für Farbe, Licht und Raum. Seine Eltern Emile Matisse und Héloïse Matisse (geb. Gérard) betrieben ein Lebensmittelgeschäft in Bohain mit angeschlossenen Samen- und Farbenabteilungen.

Ursprünglich absolvierte Matisse humanistische Studien am Henri-Martin-Gymnasium in Saint-Quentin (1882-1887). Es folgte ein zweijähriges Jurastudium in Paris. An wen erinnert uns das nur? Im Jahr 1889 wurde er Anwaltsgehilfe in Saint-Quentin.

Porträt des französischen Künstlers Henri Matisse; schwarz weiß
Henri Matisse, Ende der 1940er Jahre in Frankreich. Copyright: IMAGO/teutopress

Geschenk der Mutter entfacht Henris Leidenschaft

Einen entscheidenden Wendepunkt stellte eine lange Krankheitsphase dar, während der ihm seine Mutter einen Malkasten schenkte, um ihn aufzumuntern. Dieses Geschenk entfachte sein Interesse an der Malerei weiter. Denn es stellte sich heraus: Er hatte bereits zuvor Zeichenkurse besucht.

Nachdem er sich endgültig für die Malerei entschieden hatte, kehrte er spätestens Anfang 1891 nach Paris zurück, um sich auf der Académie Julian zu lernen. Trotz einer ersten gescheiterten Aufnahmeprüfung an der Ecole des Beaux-Arts, ließ Matisse sich nicht entmutigen. Schließlich wurde er im März 1895 offiziell als Schüler des symbolistischen Malers Gustave Moreau an der Kunstschule akzeptiert.

„Ich bemühe mich darum, eine Kunst zu schaffen, die für jeden Beschauer verständlich ist.“

Henri Matisse

Einflüsse: Die Entwicklung seines eigenen Malstils

Henri Matisse entdeckte den Impressionismus durch seinen Nachbarn und Kollegen Emile Wéry. Diese Entdeckung führte zu einer leidenschaftlichen Begeisterung für die Farben des Regenbogens, die Matisse etwa in seinem Werk „Servierter Tisch“ zum Einsatz brachte. Es ist ein von Camille Pissarro beeinflusster, maßvoller Impressionismus, der die Hinkehr zur reinen Farbe ahnen lässt.

Das wachsende Interesse von Matisse für diese Richtung der Malerei muss Gustave Moreau mit seiner symbolistischen Auffassung geärgert haben. Die Achtung des Lehrers für den Schüler erlitt dadurch dennoch keinen Bruch, da Interieurs, Porträts, Stillleben und Landschaften weiterhin dem System der Valeurs1 unterworfen blieben. Im Jahre 1897 verteidigte Moreau sogar den „Servierten Tisch“, der im „Salon de la Nationale“ ausgestellt wurde, gegen Kritiker.

Henri Matisse: Servierter Tisch
Henri Matisse: Der Servierte Tisch (1897), Öl auf Leinwand; Copyright: Volkmar Essers – Matisse (Taschen Verlag, 1986)

Henri Matisse: Eine neue Ära der Farben und Darstellungen

Matisse heiratete Amélie-Noémie-Alexandrine Parayre. Sie hatten eine Tochter, Marguerite, und zwei Söhne, Jean und Pierre. Im Jahr 1898 verließ Matisse die Ecole des Beaux-Arts. Dann fuhr er nach Korsika, wo er den Frühling und Sommer in Ajaccio verbrachte. Dort wurde seine Begeisterung für den Süden geweckt. Landschaftsbilder, Stillleben und Interieurs entstanden in zumeist kleinem Format. Das Licht des Mittelmeers hellte die Farbskala immer mehr auf.

Entdecke hier ein paar Impressionen aus der Matisse-Ausstellung in der Fondation Beyeler

Paul Cézanne übte zwischen 1900 und 1904 einen entscheidenden Einfluss auf Matisses Werk aus, wie etwa der Männliche Akt „Der Knecht“ zeigt. Männliche Aktbilder gibt es bei Matisse nur in der kurzen Periode von 1899 bis 1903, die mit der Phase seiner intensiven Cézanne-Begeisterung zusammenfällt. Über die Art, das Motiv zu behandeln, notierte er: „Ich betone seinen Charakter und scheue nicht das Risiko, den Charme dranzugeben, um eine größere Standfestigkeit zu erzielen.“

Henri Matisse, Männlicher Akt: Der „Knecht“ (1900), Öl auf Leinwand. Copyright: Volkmar Essers – Matisse (Taschen Verlag, 1986)

Was bei Bildern wie dem „Männlichen Akt“ an Cézanne erinnert, ist die Darstellungsart. Matisse wählte keine Ruhestellung, sondern eine Körperhaltung voll Spannung. Die gespreizte Stellung der Beine gewährt den festen Stand, von dem er sprach. Die Eleganz weicht der Konstruktion mit Farbflächen. Die Ebenen stoßen hart aneinander.


Quelle: Volkmar Essers – Matisse (Taschen Verlag, 1986)

  1. Das System der Valeurs (oder deutsch: Wertesystem) der Literatur und Kunst ist ein System der geistigen und künstlerischen Werte, die sich in literarischen und künstlerischen Werken kristallisiert haben und der Seele, dem Intellekt und der Persönlichkeit dienen. Das Wertesystem der Literatur und Kunst besteht aus zehn Werten, darunter Widerspiegeln der Tatsachen, Kreativität, Menschlichkeit, Nation usw. Mehr dazu liest du hier↩︎
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Reisen

Vietnams schwebende Dörfer: Ha Long Bay

Dass ich hier heute lande, hätte ich nicht gedacht: ich sitze gerade auf einem schwimmenden Dorf in der Ha Long Bay und trinke das beste warme Bier meines Lebens. Mich begleitet ein französisches Paar. Beide sind – danke Gott dafür – sehr reserviert, aber freundlich und aufgeschlossen. Wir sehen unserem Captain gerade zu, wie er versucht mittels einer einzelnen Nylonschnur Fische aus dem Meer zu fangen. Die Sonne scheint auf uns herab und wir werden von hunderten, wenn nicht tausenden steinernen Inseln umgeben.

Ohne Eile trinken wir aus. Der Franzose lädt mich freundlicherweise sogar ein. Unser Schiff wartet schon auf uns, nun holt der Captain seine Zigaretten raus und raucht. Eben zeigte uns der Betreiber des Cafés auf einem der schwimmenden Grundstücke, wie er fischt. Riesige Karpfen fing der Mann heute bereits, die er uns stolz präsentierte.

Weiter geht’s. Während unserer Fahrt durch die Inseln weinte ich. Ich fragte mich andauernd, wie man nur so gesegneter und glücklicher Mensch sei kann, wie ich. Dass ich diese Schönheit der Natur mit meinen eigenen Augen sehen darf, das berührt mich bis in die Mitochondrien.

Ha Long Bay: Zwischen schwimmenden Dörfern und Kalkstein

Kaum ein Ort in Südostasien vereint so viel landschaftliche Poesie mit kultureller Tiefe wie die Ha Long Bay im Norden Vietnams. Mit über 1.600 Kalksteininseln, die wie Skulpturen aus dem smaragdgrünen Wasser ragen, ist sie nicht nur eines der meistfotografierten Naturwunder Asiens, sondern auch ein UNESCO-Weltnaturerbe – und das bereits seit 1994.

Schiffchen fährt durch die Ha Long Bay

„Ha Long“ bedeutet übersetzt „Bucht des herabsteigenden Drachen“. (Witzig, dass ich das jetzt gerade selbst erfahre, mir aber auf der Insel Cat Ba, zu der die Ha Long Bay gehört, einen Drachen habe tätowieren lassen.) Der Legende nach sandten die Götter eine Drachenmutter mit ihren Jungen auf die Erde, um das vietnamesische Volk vor Invasoren1 zu schützen. Die Drachen spuckten Juwelen und Jade2, die sich in Inseln verwandelten und eine natürliche Barriere gegen Feinde bildeten. Als der Frieden gewahrt war, blieben Mutter und Kinder – und legten sich zur Ruhe in den Gewässern der heutigen Bucht.

Geologische Meisterleistung

Die Ha Long Bay ist das Ergebnis von über 500 Millionen Jahren tektonischer und klimatischer Prozesse. Die bizarren Kalkfelsen und Karstformationen entstanden durch Erosion, Verwitterung und den Einfluss des tropischen Meeresklimas. Dort findet man auch Höhlen. Die Hang Sửng Sốt (Surprise Cave) oder die Đầu Gỗ Cave zählen zu den eindrucksvollsten Naturphänomenen der Region – voller Tropfsteine, die wie eingefrorene Wasserfälle wirken. Die sehe ich mir dann beim nächsten Mal an.

In der Bucht finden wir mehrere schwimmende Dörfer, darunter Cửa Vạn oder Vung Viêng. Die Menschen hier leben traditionell vom Fischfang und der Austernzucht, viele Familien bewohnen seit Generationen Hausboote. Der Zugang zu Bildung, Strom und Trinkwasser war lange Zeit prekär. Inzwischen werden jedoch mobile Schulen, Solaranlagen und staatliche Programme zur nachhaltigen Entwicklung eingesetzt. Dennoch droht vielen Dörfern die Umsiedlung, teils aus Umwelt-, teils aus Tourismusgründen.

Tourismus: Chance und Herausforderung

Ha Long Bay zieht jährlich rund 14 Millionen Besucher an – davon etwa die Hälfte internationale Reisende wie meine Wenigkeit. Während luxuriöse Kreuzfahrten mit Kajakausflügen, Seafood-Dinnern und Sonnenuntergang an Deck die romantische Vorstellung vom Leben auf See bedienen, kämpfen die Behörden gleichzeitig mit den Folgen des Massentourismus: Müll im Wasser, Lärm, Korallensterben. Um dem entgegenzuwirken, hat die Provinz Quảng Ninh strenge Regulierungen eingeführt. Nur lizensierte Boote dürfen in bestimmten Zonen verkehren, Einwegplastik ist auf vielen Schiffen verboten, und der Zugang zu besonders sensiblen Höhlen wird stark kontrolliert.

Gleichzeitig mehren sich die Initiativen für sanfteren Tourismus. Einige Anbieter setzen auf Zero-Waste-Konzepte, Bildungsangebote zu Ökosystemen oder die Integration lokaler Fischer in geführte Programme. Auch Ha Longs Status als UNESCO-Erbe zwingt zum Handeln: 2019 drohte die Aberkennung des Titels, sollte die Bucht nicht besser geschützt werden. Seither ist die Umweltpolitik deutlich sichtbarer geworden.

Ha Long Bay ist überwältigend schön. Einfach Gänsehaut. Aber sie ist weit mehr als ein Postkartenmotiv. Sie ist ein lebendiges Naturwunder, kulturelles Symbol und ökologisches Mahnmal zugleich. Wer sie bereist, sollte wissen, dass er Teil eines fragilen Systems wird – und entsprechend respektvoll handeln. Denn die Zukunft dieses ruhenden Drachen liegt nicht in alten Mythen, sondern in heutigen Entscheidungen.


  1. Invasoren sind Eindringlinge, meist in einem militärischen oder feindlichen Zusammenhang. Der Begriff bezeichnet Gruppen oder Staaten, die gewaltsam in ein fremdes Gebiet eindringen, um es zu besetzen oder zu erobern. ↩︎
  2. Jade ist ein Sammelbegriff für zwei verschiedene, aber ähnlich aussehende Mineralien: Nephrit und Jadeit. Beide gelten als wertvolle Schmuck- und Heilsteine.
    Jadeit ist seltener und härter, oft intensiv grün, aber auch in Lavendel, Weiß, Gelb oder Rosa zu finden. Nephrit ist meist grünlich oder weißlich und etwas weicher.
    Jade wird seit Jahrtausenden besonders in China, Mittelamerika und Neuseeland als kulturell bedeutsamer Stein verwendet – für Schmuck, Werkzeuge, Statuetten oder Rituale. Sie steht symbolisch oft für Reinheit, Weisheit und Harmonie. ↩︎

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Kunst & Architektur

Der Teufel im Münster: Versteckte Dämonen und deren Bedeutung

Wer durch das Westportal des Straßburger Münsters tritt, wird nicht nur von himmlischen Figuren empfangen. Zwischen Aposteln, Propheten und Tugenden lauern Fratzen, Krallenhände und spöttische Grimassen. Dämonen, Teufel, Mischwesen – verborgen, versteinert und doch voll Ausdruckskraft. Warum hat ein Ort des Lichts und Glaubens so viel finstere Gesellschaft? Die Antwort liegt in der Symbolsprache der Gotik, der mittelalterlichen Theologie und vielleicht sogar in uns selbst.

Das Böse im Stein: Absicht oder Abschreckung?

Gotische Kathedralen erzählen durch ihre Architektur Geschichten. Besonders in Frankreich und dem Heiligen Römischen Reich entwickelten sich Portale und Fassaden zu steinernen Lehrbüchern. Dämonen dienten dabei keineswegs der Unterhaltung, sondern der Warnung. Sie zeigten, was passiert, wenn der Mensch sündigt.

Das Westportal des Straßburger Münsters inszeniert eine eindrucksvolle Dialektik von Tugend und Verführung. Auf der linken Seite steht die kluge Jungfrau als Symbol des Himmelreichs – würdevoll, gesammelt, das Gesicht dem Licht zugewandt. Ihr gegenüber, am rechten Portal, tritt das Laster in teuflischer Gestalt auf: Ein höhnisch grinsender Verführer und weibliche Figuren, teils mit gespaltenem Blick.

Man beachte den Verführer mit Apfel im Vordergrund. Copyright: IMAGO / imagebroker

Diese Bildsprache entfaltet sich besonders im Tympanon1 des rechten Portals, das dem Jüngsten Gericht gewidmet ist. Hier wird das Gleichnis von den klugen und törichten Jungfrauen (Matthäus 25,1–13) eindrucksvoll in Stein übersetzt: Während die klugen Jungfrauen auf der einen Seite mit gefüllten Öllampen Einlass ins Himmelreich finden, folgen die törichten (auf der anderen Seite) einem Dämon in Menschengestalt, der sie mit einem Apfel lockt. Sein Rücken ist von kriechenden Tieren bedeckt – eine Allegorie auf Versuchung und Sündenfall. Diese Darstellungen wirken wie ein moralisches Theater: offen sichtbar, jedoch nicht belehrend. Wer sie sieht, fängt zwangsläufig an zu interpretieren.

So sieht ein Tympanon aus. Unten sieht man das kleine Stückchen Tür, über der all die Pracht stattfindet. © avec Madlen

Auch im Inneren der Kathedrale zeigen die mittelalterlichen Glasfenster eine Vielzahl von Höllenszenen. Dämonen, die aus den Mündern der Verdammten tanzen, Heilige versuchen zu verführen oder Sünder in Flammen verbrennen lassen – diese Darstellungen dienten dazu, die Gläubigen zu erschrecken und zur Buße zu bewegen. In einer Zeit, geprägt von Pest, Hungersnöten und religiöser Angst, waren solche Bilder ein effektives Mittel der moralischen Unterweisung. Hier findest du mehr Bilder.

Der Teufel als Pädagoge: Theologie trifft Bildhauerkunst

Im Mittelalter war der Teufel kein Gegenspieler Gottes im modernen Sinne. Er war ein Prüfstein, ein Werkzeug der göttlichen Ordnung. Dämonen durften nicht angebetet, aber dargestellt werden. Gerade in Kathedralen wie Straßburg wurde so die Theologie sichtbar: Gut und Böse existieren nebeneinander – im Leben wie im Stein.

Die dämonischen Skulpturen am Münster speisen sich aus mittelalterlichen Bestiarien2, biblischen Quellen und volkstümlichen Erzählungen. Der Künstler übersetzte das Unsichtbare in das Sichtbare. Dämonen bekamen Körper, Klauen, Hörner – und ein Ziel: den Betrachter zu erschrecken, zu belehren und zur Umkehr zu bewegen.

Straßburger Münster: Spuren der Angst, Spuren der Macht

Die Position der Dämonen ist niemals zufällig gewählt. Oft sind sie an Rändern, in Kapitellen, unter Wasserspeiern zu finden, als sogenannte „Grotesken“. Während sie tagsüber kaum auffallen, verändern sie bei Dämmerung und Schattenwurf ihr Gesicht. Man könnte sagen, sie „erwachen“.

In der Forschung werden diese Figuren heute auch psychologisch interpretiert. Sie geben Einblicke in kollektive Ängste: vor dem Tod, dem Jüngsten Gericht, der Lust. Gleichzeitig spiegeln sie gesellschaftliche Machtstrukturen wider. Wer dämonisch war, wurde ausgeschlossen – Frauen, Außenseiter, Ketzer3. Die Dämonen zeigen damit auch, wen die Kirche als Bedrohung empfand.

Zwischen Himmel und Hölle: Das Münster als Spiegel

Das Straßburger Münster ist mehr als eine Kirche. Es ist ein Spiegelbild des mittelalterlichen Weltbildes, in dem der Mensch zwischen Licht und Dunkelheit steht. Die Dämonen erinnern daran, dass Erlösung nicht ohne Erkenntnis des Bösen möglich ist. Wenn du das nächste Mal die Stufen zum Westportal hinaufsteigst, schau doch mal genauer hin und denk dabei an mich. Vielleicht lacht dich dabei ein kleiner Dämon an.

Peace 🙂

Fun fact am Rande: Eine lokale Legende erzählt, dass der Teufel, geritten auf dem Wind, das Münster betrat, um seine eigenen Darstellungen zu bewundern. Während er sich im Inneren verlor, blieb der Wind draußen zurück und umkreist seitdem unruhig die Kathedrale, in Erwartung der Rückkehr seines Meisters. Dieser ist vor allem hoch oben auf meiner geliebten Aussichtsplattform wahrnehmbar.

Empfehlung: Etwa 40 Minuten Fahrt davon entfernt liegt das Alte Schloss von Baden-Baden. Erfahre alles über seine Geschichte und den Bau.


Quellen:

  1. Halbrunde oder dreieckige dekorative Wandfläche über einem Eingang, einer Tür oder einem Fenster, die von einem Sturz und einem Bogen begrenzt wird  ↩︎
  2. Mittelalterliche Tierdichtung, die moralisierend tatsächliche oder vermutete Eigenschaften von Tieren und Fabelwesen, allegorisch mit der christlichen Heilslehre verbindet. ↩︎
  3. Eine Person, die von der offiziellen Kirchenlehre abweicht. Oder: jemand, der öffentlich eine andere als die für gültig erklärte Meinung vertritt. ↩︎
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Reisen

So sicher ist Ägypten für alleinreisende Frauen

Ägypten fasziniert mich immer wieder aufs Neue mit seinen antiken Schätzen, lebendigen Städten und atemberaubenden Landschaften. Dieses Jahr könnte ich dort wieder landen, um eine liebe Freundin zu treffen. Doch es stellt sich die Frage nach der Sicherheit.

Für alleinreisende Frauen bietet das Land natürlich einzigartige Erlebnisse, erfordert jedoch kulturelles Feingefühl und sorgfältige Planung. Mit den richtigen Strategien lässt sich Ägypten sicher und unvergesslich entdecken.

Kulturelle Sensibilität und angemessene Kleidung

In Ägypten ist konservative Kleidung ein Zeichen des Respekts gegenüber der lokalen Kultur. Empfehlenswert sind locker sitzende, nicht durchsichtige Kleidungsstücke, die Schultern, Oberarme, Brust und Beine bedecken. Diese Outfits schützen nicht nur vor der intensiven Sonne, sondern minimieren auch unerwünschte Aufmerksamkeit.

Besonders in Moscheen sollte zusätzlich ein Kopftuch getragen werden. Auch außerhalb religiöser Stätten wird es von vielen Einheimischen als respektvolle Geste empfunden – insbesondere in ländlicheren Regionen. Ein leichtes Tuch im Gepäck ist daher in jedem Fall sinnvoll. Es muss nicht gleich ein Hijab sein. Dieser würde, falls du eine Frau mit europäischem Erscheinungsbild bist, nur noch mehr unnötiges Interesse erregen.

Foto von Phillip Wang auf Unsplash

Sichere Unterkünfte und Transportmittel in Ägypten

Die Wahl einer sicheren Unterkunft ist entscheidend. Hotels mit positiven Bewertungen, insbesondere von alleinreisenden Frauen, bieten oft ein höheres Maß an Sicherheit. In Städten wie Kairo und Alexandria sind App-basierte Fahrdienste wie Uber und Careem eine zuverlässige Alternative zu herkömmlichen Taxis. Zudem haben viele öffentliche Verkehrsmittel spezielle Bereiche für Frauen, die zusätzlichen Schutz bieten.

Verhalten im öffentlichen Raum

Selbstbewusstes Auftreten, ohne provozierend zu wirken, hilft, unangenehme Situationen zu vermeiden. Direkter Blickkontakt mit Männern kann missverstanden werden und sollte vermieden werden. Ja, ich fasse es selbst nicht, dass ich das jetzt gerade, im Jahr 2025 niederschreibe.

In überfüllten Verkehrsmitteln oder auf Märkten ist es ratsam, Abstand zu halten und bei Bedarf deutlich „Nein“ zu sagen. Auf arabisch: لا، شكراً – laa, shukran. Ein Ehering kann zudem signalisieren, dass man nicht an Flirts interessiert ist.

Am Abend empfiehlt es sich, auf belebte und gut beleuchtete Gegenden zu achten oder das Hotel frühzeitig wieder aufzusuchen. In touristischen Zonen ist es meist unproblematisch, später unterwegs zu sein, doch nicht ohne Vorsicht. Wer abends ausgehen möchte, sollte idealerweise mit vertrauenswürdigen Begleitpersonen unterwegs sein.

Foto von Tom Podmore auf Unsplash

Reiseplanung und Notfallvorsorge

Vor der Reise sollten wichtige Dokumente wie Reisepass, Visum und Versicherungspolicen digital und in Papierform gesichert werden. Eine lokale SIM-Karte ermöglicht ständige Erreichbarkeit. Es ist hilfreich, sich grundlegende arabische Phrasen anzueignen und stets die Kontaktdaten der Unterkunft sowie der Botschaft griffbereit zu haben.

Auch interessant: Historisches Zentrum Kaleiçi in Antalya

Empfehlenswerte Reiseziele für alleinreisende Frauen

Städte wie Kairo, Luxor, Assuan, Hurghada und Sharm El Sheikh gelten als besonders sicher für Frauen. Diese Orte bieten nicht nur beeindruckende Sehenswürdigkeiten, sondern auch eine Infrastruktur, die auf die Bedürfnisse von Touristinnen zugeschnitten ist.


Quellen:

  • Urlaubspiraten
    Ein Erfahrungsbericht über die Sicherheit und das Verhalten als alleinreisende Frau in Ägypten.

Titelbild von Tom Podmore auf Unsplash

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Reisen

Dein ultimativer Guide für den Teneriffa-Urlaub

Teneriffa, die größte der Kanarischen Inseln, begeistert auch 2025 mit ihrer Vielfalt: von atemberaubenden Vulkanlandschaften über malerische Strände bis hin zu charmanten Dörfern. Damit dein Aufenthalt unvergesslich wird, findest du hier die wichtigsten Informationen und Tipps.

Do’s – was du auf Teneriffa unbedingt tun solltest

  • Natur erkunden: Besuche den Teide-Nationalpark, wandere durch den Anaga-Wald und genieße die Vielfalt der Insel.
  • Lokale Küche probieren: Lass dir Gerichte wie Papas Arrugadas mit Mojo-Sauce oder frischen Fisch in Küstenrestaurants schmecken.
  • Auto mieten: Ein Mietwagen bietet dir die Flexibilität, abgelegene Strände und Dörfer zu entdecken. Mit dem Bus klappt’s aber auch prima – ich habe das Auto zu keinem Zeitpunkt vermisst.
  • Sonnenschutz nicht vergessen: Die kanarische Sonne ist intensiv. Sonnencreme und Kopfbedeckung sind ein Muss. Das merkst du spätestens, wenn du all die Touris an ihrem feuerroten Sonnenbrand erkennst, der einige Tage anhält.
Tipp: Auf Teneriffa Sonnenschutz nicht vergessen! Die Sonne kann recht aggressiv sein
Foto von Sarah Sheedy auf Unsplash

Dont’s – was du vermeiden solltest

  • Nur eine Region besuchen: Teneriffa bietet sowohl im Norden als auch im Süden einzigartige Erlebnisse – nutze die Vielfalt!
  • Umweltbelastung ignorieren: Vermeide überfüllte Strände und respektiere Naturschutzgebiete, um die Umwelt zu schonen.

Die Reise nach Teneriffa: Aktuelle Preise 2025

  • Unterkünfte: Günstige Hotels ab ca. 70 €, 3-Sterne-Hotels ab 85 €, Luxusressorts ab 150 € pro Nacht. Ich buche am häufigsten über Check24.
  • Essen & Trinken: Ein einfaches Gericht kostet etwa 10–15 €, ein Menü in einem gehobenen Restaurant ca. 25–40 €. In den Supermärkten sind die Preise mindestens so hoch, wie bei uns in Deutschland. Vor allem für Produkte, die vom Festland importiert wurden – so zumindest mein Eindruck. Einheimisches Obst und Gemüse kam mir günstiger vor.
  • Mietwagen: Tagespreise liegen zwischen 25–50 €, abhängig von Saison und Fahrzeugtyp.
  • Flüge: Hin- und Rückflug ab Deutschland ab ca. 200 €, je nach Buchungszeitpunkt und Airline.
Foto von Bastian Pudill auf Unsplash

Wichtige Hinweise & aktuelle Entwicklungen

Teneriffa ist ein attraktives Reiseziel mit vielfältigen Möglichkeiten – vor allem Naturliebhaber gehen hier auf. Mit der richtigen Vorbereitung und einem bewussten Verhalten kannst du die Schönheit der Insel gleich noch viel mehr genießen.


Titelbild von Hert Niks auf Unsplash

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