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Wettstreit mit der Wirklichkeit – 60 Jahre Fotorealismus

Mit der Ausstellung „Wettstreit mit der Wirklichkeit. 60 Jahre Fotorealismus“ widmet sich das Museum Frieder Burda einer der konsequentesten Bewegungen der gegenständlichen Malerei nach dem Zweiten Weltkrieg. Die Stilrichtung, die sich ab
Mitte der 1960er-Jahre in den USA herausbildete, steht für eine Kunst, die den fotografischen Blick auf die Welt zum Ausgangspunkt nimmt und diesen mit malerischen Mitteln auf illusionistische Weise reproduziert.

Über 90 bildgewaltige Werke von über 30 Künstlerinnen und Künstlern aus sechs Jahrzehnten zeigen, wie der Anspruch auf Wirklichkeitsnähe mit handwerklicher Präzision neu definiert wurde. Von frühen Positionen wie Robert Bechtle, Richard Estes, Ralph Goings und Audrey Flack bis zu internationalen Entwicklungen der Gegenwart. Ausgangspunkt der Schau ist die Sammlung Frieder Burda. Ergänzt wird sie durch hochkarätige Leihgaben aus rund 20 internationalen Sammlungen, darunter dem Whitney Museum of American Art in New York und dem Museo Nacional Thyssen-Bornemisza in Madrid.

Ralph Goings, Richmond Diner, 1983, Öl auf Leinwand, 101,6 x 147,3 cm, Waddington Custot, London, Paris, Dubai. Foto: Waddington Custot © Ralph Goings, Goings Family Estate, 2026

Eine Kunst, die täuschend echt wirkt


Seit der Antike gilt die möglichst detailgetreue Wiedergabe der Wirklichkeit als eines der zentralen Anliegen der Malerei. Schon früh wurden große Maler dafür bewundert, täuschend echte Bildwelten zu schaffen. Immer wieder erzählen antike Autoren von Werken, die so illusionistisch waren, dass Betrachter sie zunächst für Realität hielten. In dieser langen Tradition steht auch der Fotorealismus als eine Malerei, die das Ringen um Wirklichkeitsnähe im 20. Jahrhundert unter den Bedingungen der Fotografie neu in den Mittelpunkt rückte.

Als Gegenreaktion auf den Abstrakten Expressionismus wandten sich Künstler erneut der gegenständlichen Malerei zu. Ausgangspunkt ihrer Werke waren neben Fotografien auch Werbebroschüren und andere Bildvorlagen. Mithilfe von Projektionen oder Rasterstrukturen übertrugen sie die detailgenau auf die Leinwand. Motive fanden sie vor allem in der amerikanischen Konsum- und Alltagskultur. Die Motive: Sonnenbeschienenene Straßenzüge, polierte Oberflächen von Autos und Motorrädern, glänzende Diner-Interieurs oder farbintensiven Leuchtreklamen.

Fotorealismus: Bis ins kleinste Detail durchdacht


Der Fotorealismus bildet immer auch eine Wirklichkeit ab, die bereits durch den kühl objektiven Blick der Kamera vorgefiltert ist. Während das menschliche Sehen immer zwischen Schärfe und Unschärfe wechselt, zielen fotorealistische Gemälde auf eine
Genauigkeit, die bis ins kleinste Detail reicht. Charakteristisch sind es oft glatte Oberflächen, die an Fotoabzüge erinnern, sowie eine malerische Präzision, die selbst feinste Strukturen sichtbar macht. Teilweise kommen auch Sprühpistolen zum Einsatz, um die Spuren der Hand noch stärker zurückzunehmen. Einige Künstler setzen ihre Motive zudem aus mehreren fotografischen Quellen zusammen. Besonders bei Stadtansichten entstehen dabei komplexe Bildwelten, die zugleich vertraut wirken und in ihrer Perfektion leicht irritieren.

War der frühe Fotorealismus zunächst ein US-amerikanisches Phänomen, so fand die Bewegung in der zweiten und dritten Generation internationale Ausbreitung. Aauch heute noch ist sie im globalen Kontext präsent. Neue Entwicklungen in der Fototechnik und die Möglichkeiten digitaler Bildbearbeitung geben der Auseinandersetzung mit Wirklichkeitsnähe
immer wieder neue Impulse. In Europa wurde der Fotorealismus bereits in den 1970er Jahren intensiv rezipiert. Auf der documenta 5 in Kassel, die 1972 unter dem Titel „Befragung der Realität – Bildwelten heute“ stattfand, wurde die Bewegung institutionell anerkannt. Es folgten große Ausstellungen in London, Kopenhagen und Paris. Durch die etablierte sich die neue Kunstströmung auch außerhalb der USA.

Johannes Müller-Franken, Ferchensee, 2010, Öl auf Leinwand, 95 x 100 cm, Privatsammlung © VG Bild-Kunst, Bonn 2026, Foto: Johannes Müller-Franken

Museum Frieder Burda: Wettstreit mit der Wirklichkeit. 60 Jahre Fotorealismus


Mit „Wettstreit mit der Wirklichkeit. 60 Jahre Fotorealismus“ zeigt das Museum Frieder Burda eine der größten Ausstellungen zum Fotorealismus in Deutschland. Dabei wird die technische Meisterschaft und die thematische Vielfalt dieser Malerei sichtbar. Anhand von über 30 Positionen gibt die Schau einen facettenreichen Überblick von den Anfängen bis zur Gegenwart.

Im Erdgeschoss liegt der Fokus auf den Gründerfiguren der Bewegung und ihrem Interesse an der amerikanischen Lebenskultur. Darunter befinden sich Arbeiten von John Baeder, Robert Bechtle, Charles Bell, Chuck Close, Don Eddy, Richard Estes, Ron Kleemann und Richard McLean. Das Kabinett im Mezzanin ist als monografisches Kapitel dem Werk Karin Kneffels gewidmet. Im Obergeschoss versammelt die Schau jüngere Entwicklungen des internationalen Fotorealismus, mit Werken von unter anderem Pedro Campos, Andrés Castellanos, François Chartier, Ben Johnson, Bertrand Meniel, Johannes Müller-Franken, Rod Penner und Craig Wylie. Im Untergeschoss des Museums erweitern Fotografien von Lars Eidinger als zeitgenössischer Kommentar den Blick auf das Verhältnis von Bild und Realität.

Ausstellungsansicht „Wettstreit mit der Wirklichkeit“, Foto: Jigal Fichtner

Fakten zur Ausstellung


    Kurator: Dr. Daniel Zamani. Er ist Künstlerischer Direktor im Museum Frieder Burda, Baden-Baden.
    Assistenzkuratorin: Judith Irrgang, Leiterin der Sammlung Frieder Burda und wissenschaftliche Mitarbeiterin.

    Künstlerinnen und Künstler (*Anzahl der gezeigten Werke): Alexandra Averbach (2), John Baeder (2), Robert Bechtle (3), Charles Bell (4), Roberto Bernardi (9), Tom Blackwell (1), Pedro Campos (3), Andrés Castellanos (1), Franҫois Chartier (2), Chuck Close (1), Davis Cone (1), Robert Cottingham (5), Lars Eidinger (3), Don Eddy (3), Richard Estes (3), Audrey Flack (1), Ralph Goings (7), Don Jacot (4), Ben Johnson (5), Ron Kleemann (2), Alexandra Klimas (2), Karin Kneffel (8), Richard McLean (2), Bertrand Meniel (2), Malcolm Morley (2), Johannes Müller-Franken (3), Yigal Ozeri (1), David Parrish (1), Rod Penner (1), Gerhard Richter (2), John Salt (2), Raphaella Spence (6), Craig Wylie (4).

    Leihgeber: Acht Werke aus der Sammlung Frieder Burda von Richard Estes (1), Karin Kneffel (3),
    Malcolm Morley (2) und Gerhard Richter (2) treten in einen Dialog mit 87 Werken aus 18 internationalen Sammlungen. Die Leihgeber sind Roberto Bernardi, Holtzbrinck in Stuttgart, das Museo Nacional Thyssen-Bornemisza in Madrid, die Olbricht Collection, die Plus One Gallery in London, Raphaella Spence, Waddington Custot in London, Paris, Dubai, das Whitney Museum of Modern Art in New York, sowie zahlreiche nationale und internationale Privatsammlungen, die namentlich nicht genannt werden möchten.

    Passend zur Ausstellung gibt es auch einen Katalog

    Der reich bebilderte Katalog zur Ausstellung mit 200 Seiten ist im Hirmer Verlag in deutscher und englischer Sprache erschienen. Sonderpreis exklusiv im Concept Store des Museums: 39 Euro. Der Katalog enthält Beiträge von Lars Eidinger, Judith Irrgang, Jeremy Lewison, David M. Lubin, Christiane Righetti, Daniela Sistermanns und Daniel Zamani.

    Öffnungszeiten des Museums Frieder Burda: Dienstag bis Sonntag, 10.00 – 18.00 Uhr, an allen Feiertagen geöffnet. Hier geht’s zu meinen persönlichen Eindrücken von dieser Ausstellung.


    Quelle: Pressemitteilung des Museums Frieder Burda

    Titelbild: Alexandra Averbach, Aurora, 2025, Öl auf Leinwand, 122 x 97 cm, Plus One Gallery, London © Alexandra Averbach, courtesy Plus One Gallery, London, 2026, Foto: Plus One Gallery, London

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    Kunst

    Fotorealismus im Frieder Burda – lohnt sich der Besuch?

    Als ich die Ausstellung „Wettstreit mit der Wirklichkeit – 60 Jahre Fotorealismus“ im Museum Frieder Burda betrat, war ich aufs Angenehmste überrascht. Bereits nach wenigen Sekunden merkte ich, dass hier diesmal etwas gezeigt wird, das man nicht alle Tage sieht.

    Pedro Campos, A Hot Day II (2008)

    Fotorealismus im Frieder Burda: Was Eindruck hinterließ

    Mit Fotorealismus hatte ich mich vorher noch nie beschäftigt. Auf der Art Basel kam ich immer mal wieder in Berührung damit, aber ohne jemals wirklich die Hintergründe zu kennen. Selbst in meinem Epochenlexikon fand ich dazu nichts. Wer sich also ernsthaft mit dieser Kunstrichtung befassen will, muss tiefer graben. In unserer Region ist die beste Anlaufstelle für dieses Vorhaben die Badische Landesbibliothek in Karlsruhe. Hier gibt’s einen kleinen Vorgeschmack auf den Fotorealismus.

    Umso spannender war es, völlig unvoreingenommen durch die Ausstellung zu gehen. Was mich am meisten beeindruckte, war die technische Präzision. Immer wieder stand ich vor Gemälden und fragte mich, wie es überhaupt möglich sei, so etwas mit Farbe zu erschaffen. Wie ich mithörte, konnten einige Besucher es kaum glauben, dass es sich bei den Werken nicht um Fotografien handelt. Verständlich. Bei einem winterlichen Architekturbild von New York musste auch ich genauer hinsehen. Unbeschreiblich, wie viel handwerkliches Können in diesen Werken steckt.

    Wettstreit mit der Wirklichkeit: 50 Jahre Fotorealismus im Museum Frieder Burda in Baden-Baden

    Meine Lieblingsbilder

    Besonders in Erinnerung geblieben sind mir: ein gecrashtes grünes Auto, verschiedene Diner-Szenen und die asiatische Frau in städtischer Kulisse. Vor diesem Bild blieb ich am längsten stehen. Es war eines dieser wenigen Werke, das nicht nur durch Dramaturgie, hohe Ästhetik und surreales Lichtspiel fesselt, sondern auch durch die hyperrealistische Ausführung. Fast schon übermenschlich. Wirklich. Ich war elektrisiert. Und ich hoffe, dass keiner meiner Profs oder Kommilitonen dieses schmalzig-schnulzige Gesülze liest, weil ich es selbst gerade ein bisschen peinlich finde, wie sehr meine Emotionen außer Kontrolle geraten.

    Generell war die Ausstellung für mich vor allem technisch beeindruckend. Vielleicht habe ich die amerikanischen Künstler unterschätzt. Viele der gezeigten Werke stammen aus den USA, und gerade bei den Stadtansichten, Fahrzeugen und Alltagsszenen wird deutlich, wie konsequent diese Künstler ihre Technik perfektioniert haben.

    Wettstreit mit der Wirklichkeit: Ausstellungsprogramm und Präsentation

    Ich ziehe meinen Hut vor dem Kurator Dr. Daniel Zamani. Das ist der charismatische junge Kunsthistoriker und Künstlerische Direktor, der uns häufig auf dem Tiktok-Kanal des Frieder Burda begegnet. Den Kanal kann ich übrigens schwer empfehlen. Von allen Museen, die ich abonniert habe, hat das Frieder Burda den mit Abstand elegantesten und spannendsten Content.

    Eine solche Auswahl nach Baden-Baden zu holen dürfte einerseits nicht einfach gewesen sein. Andererseits schuf Zamani ein einzigartiges Ensemble an Werken, die die USA der letzten 60 Jahre spiegelt. Als Besucherin fühlte ich mich magisch in diesen Vibe versetzt. Das Ganze wurde natürlich durch üppige Formate und sowieso auch den Realismus intensiviert.

    Don Jacot, The Palace Theatre, 1953 (2014)

    Besonders schön fand ich diesmal wieder die Wandfarben. Da ist das Frieder Burda grundsätzlich sehr kreativ. Aufregende Schriftwahl bei den Werkbeschriftungen. Doch wie so oft habe ich die Materialangaben vermisst. Ich weiß, ich weiß. Das machen Kuratoren, damit man das Werk als Werk erlebt und nicht gleich anfängt technisch zu analysieren, aber meine Seele verlangt danach – und dagegen bin ich machtlos.

    Einige Leihgaben stammen aus renommierten internationalen Sammlungen. Die Qualität der Werke ist außergewöhnlich hoch. Wer Autos liebt, wird auf seine Kosten kommen. Für mich war die Schau eine der besten Ausstellungen, die ich bisher im Museum Frieder Burda gesehen habe. Die russischen Impressionisten von vor einigen Jahren toppt allerdings kaum etwas. Das schreibe ich immer und immer wieder und werde es auch immer und immer wieder hervorholen.

    Zugänglich, technisch stark und schier unvergesslich

    Das Schöne an der Ausstellung „Wettstreit mit der Wirklichkeit – 60 Jahre Fotorealismus“ ist zudem ihre Zugänglichkeit. Man muss Kunstgeschichte überhaupt nicht beherrschen. Man muss keine Konzepte (oder Pseudo-Konzepte) entschlüsseln. Man kann einfach staunen. Man sieht, dass hier Menschen am Werk waren, die eine nahezu unglaubliche Technik entwickelt haben und damit Bilder erschaffen, die selbst aus nächster Nähe faszinieren.

    Deshalb würde ich die Ausstellung eigentlich jedem empfehlen, der sich gerne überraschen lässt. Kunstliebhabern sowieso. Aber auch Menschen, die mit zeitgenössischer Kunst sonst wenig bis überhaupt nichts anfangen können. Denn hier steht handwerkliche Meisterschaft im Vordergrund. Und das auf höchstem Niveau. Das sieht man als Profi ebenso gut wie als Laie.

    Wie immer sah ich mir die Ausstellung alleine an. Könnte mir gut vorstellen, ein zweites Mal hinzugehen, wenn jemand Lust hat mitzukommen. Sie läuft noch bis zum 2. August 2026. Um nun abschließend auf die Frage in der Überschrift zu antworten: Ja, die Ausstellung lohnt sich absolut. Hier geht’s zu den Tickets.


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    Reisen

    Reisen mit Hund: Daran solltest du denken

    Wir lieben sie, wir verwöhnen sie – wir tragen vor allem aber auch die Verantwortung für sie. Hunde sind längst nicht nur Haustiere. Sie sind ein fester Bestandteil der Familie und damit oftmals auch treue Begleiter im Urlaub. Ob innerhalb Deutschlands oder auf Reisen ins Ausland: Das gemeinsame Abenteuer will gut vorbereitet sein. Mit der richtigen Planung kann Mensch wie Tier die Urlaubszeit entspannt und sicher genießen.

    Reisedokumente und Kennzeichnung

    Für Reisen innerhalb der EU ist ein gültiger EU-Heimtierausweis Pflicht. Dieser dokumentiert unter anderem den aktuellen Impfstatus. Ebenso vorgeschrieben ist die eindeutige Kennzeichnung des Hundes mittels Mikrochip. Ohne diese Voraussetzungen kann es bei Grenzübertritten zu Problemen kommen. Nicht verpflichtend vorgeschrieben, aber unbedingt zu empfehlen ist der Eintrag von Chip- und Halterdaten in den einschlägigen Tierregistern.

    Vor der Reise: Impfschutz rechtzeitig prüfen

    Ein vollständiger Impfschutz gegen Tollwut ist Voraussetzung für die Einreise in viele Länder. Die vorgegebenen zeitlichen Fristen sind unbedingt zu beachten. Für einige Länder muss der Tollwutimpfschutz auch serologisch nachgewiesen werden. Das bedeutet so viel wie: der Nachweis erfolgt über eine Blutuntersuchung. „Serologisch“ bezieht sich auf das Blutserum, also den flüssigen Bestandteil des Blutes. In diesem Fall wird im Labor geprüft, ob im Blut genügend Antikörper gegen Tollwut vorhanden sind. Diese Antikörper zeigen, dass der Körper nach der Impfung ausreichend Schutz aufgebaut hat.

    Kurz gesagt: Nicht die Impfung selbst wird bestätigt, sondern ihre Wirkung im Blut messbar nachgewiesen. Ein guter Impfschutz gegen die wichtigsten auch hier bedeutenden Krankheiten ist daher unbedingt empfehlenswert. Ggf. empfiehlt sich bei Reisen in südliche Länder auch die Impfung gegen die Infektionserkrankung Leishmaniose. Da es einige Zeit dauert bis nach einer Impfung der vollständige Impfschutz ausgebildet ist, sollte der Impfstatus frühzeitig durch den Tierarzt überprüft werden. Für einige Länder wie UK, Irland, Malta, Finnland oder Norwegen ist auch eine vom Tierarzt dokumentierte Behandlung gegen den Fuchsbandwurm Vorschrift.

    Ein Hund mit Koffer
    Bildrechte: Bundesverband für Tiergesundheit e.V.; Fotograf: Andrea Klostermann / BfT

    Parasitenprophylaxe nicht vergessen

    Je nach Reiseziel besteht ein erhöhtes Risiko für Ektoparasiten wie Zecken, Flöhe oder durch Mücken. Diese können verschiedene Krankheitserreger übertragen, darunter beispielsweise Leishmanien oder Babesien. Seid auc vor Würmern und Herzwürmern gewarnt. Vor allem in südlichen Regionen. Um den Hund bestmöglich zu schützen, sollte eine geeignete Parasitenprophylaxe vor der Reise gemeinsam mit dem Tierarzt abgestimmt werden.

    Transport und Versorgung unterwegs

    Während der Reise muss der Hund sicher untergebracht sein, beispielsweise in einer Transportbox oder durch andere geeignete Sicherungssysteme im Fahrzeug. Regelmäßige Pausen, ausreichend Wasser und Schutz vor Hitze sind essenziell. Besonders im Sommer kann es schnell zu lebensbedrohlicher Überhitzung kommen. Daher darf der Hund selbst bei kurzen Pausen niemals im Auto zurückgelassen werden.

    Chihuaha-Besitzer müssen sich womöglich noch intensiver um ihre zierlichen, aber nicht minder dramatischen Tiere kümmern. Das Flugzeug ist zu laut, lange Autofahrten zu anstrengend und Züge sowieso eine Instand-Panikattacke für die Minis. Wir haben unsere Valentina mal mit nach Zypern genommen (siehe Titelbild). Sie durfte im Salon mitfliegen. Nur erste Klasse gestattet. Fragt nicht mich, fragt Lufthansa, was das sollte. Der Hund kam nicht auf sein Leben klar. Aber im zypriotischen Klima ist sie derart aufgegangen – das war schon sehr schön mit anzusehen.

    Dafür fährt sie regelmäßig in die Schweiz oder nach Italien, wo sie komplett chillt und regelmäßige Pinkelpausen bekommt. Diese Fahrten verträgt sie gut.

    Andere Länder – andere Sitten

    Einige Länder haben spezifische Einreisebestimmungen oder Einschränkungen für bestimmte Hunderassen. Auch regionale Gesundheitsrisiken und tierärztliche Versorgungsmöglichkeiten vor Ort sollten vorab recherchiert werden. Es empfiehlt sich, bereits vor der Abreise eine Tierarztpraxis am Urlaubsort zu identifizieren. Zudem sollten auch die Rückreisebestimmungen aus Drittländern beachtet werden, um Probleme bei der Wiedereinreise zu vermeiden.

    Eine gut ausgestattete Reiseapotheke kann im Notfall hilfreich sein. Dazu gehören z.B. Mittel gegen Übelkeit und Durchfall, Verbandsmaterial für kleinere Verletzungen sowie Augenpflegeprodukte, beispielsweise bei Reizungen durch Sand oder Staub. Bei bekannten Allergien und chronischen Erkrankungen legt der Bundesverband für Tiergesundheit ans Herz, entsprechende Medikamente unbedingt mitzuführen. Informiert sich der Tierhalter frühzeitig und holt sich den Rat seiner Tierarztpraxis ein, steht einem entspannten Urlaub mit Hund nicht mehr viel im Weg.

    Weitere Informationen: Reisen mit Hund: Gut vorbereitet ins Ausland – 10 Tipps für eine gute Reise


    Quelle: Pressemitteilung des Bundesverbands für Tiergesundheit e.V., www.bft-online.de

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    Reisen

    Malaysia: Ipoh begrüßt mich mit tropischem Regen

    Angekommen in Ipoh merkte ich bereits am Bahnhof, dass hier die Natur und der Vibe besonders sind. Ich lud mein Zeug in meinem Horrorhotel ab und zog einfach los, um die Gegend zu Fuß zu erkunden. Schnell stellte ich fest, dass ich ganz nah am indischen Viertel wohnte. Zu diesem Zeitpunkt wusste ich noch nicht so genau, wie ich mich in Malaysia kleiden sollte. In Kuala Lumpur hab ich mich im Trägertop extrem fehl am Platz gefühlt, da ich von den Männern massiv angestarrt wurde. Dabei soll Ipoh noch konservativer sein. Wir erinnern uns: ich wusste bis zuletzt nicht, dass ich nach Malaysia reisen würde. Hätte ich das auch nur ansatzweise erahnen können, hätte ich mit hoher Wahrscheinlichkeit etwas nicht so ganz „offenherziges“ wie ein Trägertop angezogen.

    In einem der indischen Läden holte ich mir etwas Langärmliges. Als ich rausging, fing der Tropenregen an. Es war magisch. Ich stand unter einem Dach und durfte das Naturspektakel aus nächster Nähe erleben. Die riesigen tropfen Trommelten auf die blechernen Dächer alter Daimler hernieder. Schnell bildeten sich kleine Bäche mit strömendem Regenwasser an den Straßenrändern. Alles andere schien stillzustehen. Von einer Sekunde auf die nächste löste sich auch die schwere hitzige Luft auf.

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    Ipoh: Ich entdecke die Stadt bei Regen

    Als der Regen weniger wurde, holte ich mir einen Schirm und ging weiter. In wenigen Minuten war ich ziemlich nass. Mein neues indisches Gewand, meine Tasche, die Jeans… Da es aber warm war und ziemlich viele Passanten ebenso nass waren wie ich, störte mich das nicht. Ich ging vorbei an indischen Geschäften, Restaurants, die auf Bananenblättern servieren, Schmuckläden, indischen Lebensmitteln, kleinen Tonschälchen. Am meisten gefiel mit der direkt vor Ort geflochtene Blumenschmuck.

    Das finde ich in Malaysia auch so spannend hier leben drei wesentliche Kulturen miteinander (oder zumindest nebeneinander her): muslimisch geprägte Malaien sowie Inder und Chinesen. Wie ein gesprächiger Grab-Fahrer mir am nächsten Tag erklären würde, leben sie auch in Harmonie und haben Respekt voreinander. Ich sah einige Freundesgruppen, etwa mehrere muslimische Mädchen und eine Chinesin. Die Chinesen scheinen mir, so wie bereits in Shanghai beobachtet, auch in Malaysia mit der Mode sehr experimentell zu sein. Spätestens als ich ein Mädchen mit super knapper Hotpants und tiefem Ausschnitt sah, verstand ich, dass meine Befürchtung, jemandem mit meinem Kleidungsstil zu nahe zu treten, wahrscheinlich eher unbegründet war. Angestarrt wurde ich, von Männern versteht sich, aber dennoch. Scheißegal, was ich hatte.

    Ich laufe rum, bis es dunkel wird (gar kein Bock auf mein Hotel)

    Die malaysische Sprache habe ich bis jetzt noch nicht so richtig aufgenommen, da sich die Menschen untereinander sehr leise unterhalten. Sie erinnert mich, vom Klangmuster her, an die philippinischen Sprachen. Englisch sprechen in Malaysia die aller meisten. Probleme, mich zu verständigen, habe ich kaum.

    Von „Little India“ ging ich weiter zu einem Volkspark. Davor stand das Regenwasser teils knöcheltief, während in den Pfützen gelbe Blüten von den herabschmetternden Tropfen hin und her gewirbelt wurden. Hie und da versteckte sich jemand unter einem Dach. Es war schön.

    Das Essen in Malaysia

    Lange war ich unterwegs. Aß Tofu mit Gemüse, Ingwerreis und süß-sauer Soße. Alles, was ich bisher probierte, war köstlich. In Kuala Lupur aß ich etwas aus der kaschmirischen Küche, am Bahnhof zog ich mir Sushi rein. Egal, was ich probierte, es war einfach mega geil.

    Ich hatte den Eindruck, dass das Essen nicht nur einen zentralen kulturellen Punkt ausmachte, sondern auch dass die Malaysier ziemlich hohe Ansprüche an ihr Essen hatten. Frische und Qualität, Vielfalt und geschmack scheinen hier viel essenzieller zu sein, als in dem einen oder anderen westlichen Land.

    Und da frage ich mich schon, warum ich noch nie im Leben in einem malaysischen Restaurant war. Mir fiel auch noch nie eines auf. Aber ich lebe ja auch in Baden-Baden ahaha. Im Moment.

    Ipoh: Nichts gesehen, aber viel gefühlt

    Es war ein geladener Tag. Voller Wiedersprüche, Entdeckungen und Neugierde. Ein Tag, an dem ich nicht eine einzige Sehenswürdigkeit erblickt hatte, aber den Puls von Ipoh kennenlernte. Sehen durfte, wie die Leute hier leben, essen, arbeiten, miteinander umgehen, auf mich reagieren. Alle waren freundlich und reserviert. Vor allem die Frauen. Aber Frauen gehen auf Reisen IMMER gut mit mir um.

    Jetzt lese ich gerade, dass die Stadt (Stand 2005) rund 675 000 Einwohner hatte. Den Eindruck machte sie natürlich nicht auf mich. Ich dachte, es seien circa 10 Mal weniger. Muss mal kurz darüber reflektieren.

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    Kunst

    So erkennen wir Manierismus

    Um 1520 hatte die Malerei ihren Höhepunkt der Vollkommenheit erreicht. Harmonische Bewegungen, die Ruhe ausstrahlen; Darstellungen des idealisierten, heroischen Menschen prägen die Hochrenaissance. Doch diese utopische Vorstellung kann nicht lange bestehen und endet spätestens 1527. Ihr folgt der Manierismus, der sich nur schwer in zeitliche und ästhetische Rahmen setzen lässt.

    Mit dem Begriff „Maniera“ bezeichnet man zunächst den Spätstil Michelangelos, der als eine der zentralen Quellen des Manierismus gilt. Darin experimentiert der große Meister mit einer bis dahin unbekannten Vielfalt an Bewegungen und oft komplexen Körperhaltungen. Gemeinsam mit Raffael löst er er sich zunehmend von den Idealen der Renaissance. Der Fokus liegt nahezu vollständig auf dem menschlichen Körper. Viele junge Künstler orientieren sich stark an diesem Stil. Spätere Kritiker erkennen, dass diese jungen Maler mehr die Manier, als den Geist seiner Werke nachahmen. Also geben die dem Zeitabschnitt den Namen „Manierismus“.

    Michelangelo, Tondo Doni (Die heilige Familie mit dem Johannesknaben), um 1503/1504 oder um 1507. Galleria degli Uffizi, Florenz.

    Eigentlich gar kein Spätwerk. Doch wenn wir genauer hinsehen, erkennen wir schon erste Tendenzen: Die nicht ganz eindeutige Sitzweise der weiblichen Figur, die Spontanität der Bewegung – die sehe ich etwa in der Überreichung des Kindes – und natürlich die satte Farblichkeit mit einer Palette, die nicht ganz Renaissance-typisch ist.

    Was währenddessen gesellschaftlich passiert

    Der Beginn dieser Epoche fällt im Anschluss an eine Zeit tiefgreifender gesellschaftlicher und religiöser Erschütterungen. Mit dem Sacco di Roma im Jahr 1527, als spanisch-kaiserliche Truppen Rom plündern und verwüsten, gerät das geistige und kulturelle Zentrum der Hochrenaissance ins Wanken. Die Vorstellung einer stabilen, humanistisch geordneten Welt verlor ihre Glaubwürdigkeit.

    Die zuvor angeschlagenen Thesen Luthers (1517) zeigen auch in Italien ihre Nachwirkung. Die Reformation bricht die Einheit einer bisher einzigen Kirche und einer katholischen Wahrheit.

    Was passiert in der Kunst?

    Die Ideale der Renaissance werden in der Kunst zwar noch aufgegriffen, jedoch auch weiterentwickelt und oft bis zur Übersteigerung getrieben. An die Stelle der Norm tritt das Abnorme. Unnatürliche Proportionen, abrupt verkürzte Raumkonstruktionen, neue Farbkonstellationen, Asymmetrien und verschlüsselte Bildinhalte prägen diese vergleichsweise kurze Epoche von etwa 1527 bis um 1600.

    Angolo Bronzino, Allegorie der Liebe, vor 1550, National Gallery, London

    Vor allem die erste Generation der Manieristen stellt bewusst die Meister der Renaissance in Frage. Getrieben wird ihre Vision vom Wunsch, die großen Vorbilder zu übertreffen. Manche Künstler erreichen dies durch ungewöhnliche Themen und tiefsinnige Gegenstände, die ihre Werke mit einer Weisheit füllen sollen, dass nur die gut Gebildeten sie verstehen können. Andere gehen noch weiter und schaffen regelrechte Rätselbilder, in denen das Überraschende, Unerwartete oder sogar Unerhörte das Ziel ist.

    In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts reagiert die katholische Kirche mit massiven Eingriffen in die Kunst: Bilder sollen sich an Regeln halten und die katholische Lehre unmissverständlich vermitteln. Besonders deutlich zeigt sich dies an der Kritik an Michelangelos Jüngstem Gericht, das wegen der Vielzahl nackter Figuren als anstößig galt. Forderungen nach der Entfernung des Freskos stehen im Raum. Letztlich wurden die Nacktheit durch nachträglich gemalte Lendenschurze überdeckt. Das betraf die kirchliche Kunst. In der höfischen Malerei galten andere Regeln. Körperbetonte, wenn nicht sogar erotische Darstellungen sind hier weiterhin geschätzt und akzeptiert.

    Michelangelo, Jüngstes Gericht, um 1540, Sixtinische Kapelle, Vatikan

    Die Schule von Fontainebleau

    Bleiben wir mal bei der höfischen Malerei. Die Schule von Fontainebleau ist eigentlich gar keine Schule. Viel mehr eine Künstlergemeinschaft, die den Manierismus nach Frankreich bringt und daraus durch Experimente eine ganz neue Ästhetik und Bildsprache entwickelt. Der Begriff ist zwischenzeitlich problematisch, da mit ihm auch irgendwann der Manierismus, der in Italien geschaffen wurde, betitelt wird.

    Doch wie kommt Manierismus überhaupt nach Frankreich? König Franz I. holt gezielt italienische Künstler nach Frankreich, in sein Schloss Fontainebleu, um das Land als neue europäische Kunstmacht zu etablieren. Mit Rosso Fiorentino und Francesco Primaticcio prägen zentrale Vertreter des Manierismus die französische Hofkunst. An die Stelle biblischer Themen traten zunehmend mythologische Darstellungen, in denen Ornament und Figur eng miteinander verschmelzen und ein komplexes, dekorativ aufgeladenes Bildgefüge entsteht.

    Jean Mignon, das Urteil des Paris, um 1544–1545, Louvre

    Immer mehr gewinnt die Schule von Fontainebleu an Ornamentarik im Hintergrund der Figuren. Das soll besondere künstlerische Rafinesse zeigen. Hier in diesem Bild ist jedoch wenig Ornamentarik. Das, was allerdings stark den französischen Manierismus repräsentiert, sind die Figuren, die regelrecht in den Hintergrund „eingebettet“ sind. Sie verschmelzen fast mit dem Hintergrund, weil er ebenso reichhaltig ist.

    So erkennst du Manierismus

    In der Malerei des Manierismus wird Bewegung stark betont. Eine neue Figurenform entsteht: die Figura serpentinata, die sich spiralförmig zu winden scheint. Die Perspektive dient nicht mehr allein dazu, den Raum gesetzmäßig darzustellen, sondern wird eingesetzt, um mit ihm zu spielen, metaphorische Aussagen zu erzeugen oder Inhalte zu verschleiern. Häufig begegnen uns fragende Blicke aus dem Bild heraus, und die klassische Bildsprache wird buchstäblich verzerrt, wie etwa bei Darstellungen in Konvexspiegeln oder bei Parmigianino.

    Parmigianino, Selbstporträt im konvexen Spiegel, 1524, Kunsthistorisches Museum, Wien

    Ein besonders anschauliches Beispiel ist die Madonna mit dem langen Hals. Auch ihre Finger sind ungewöhnlich verlängert. Das wirkt anmutig und elegant, zugleich aber unnatürlich, besonders in der Körperhaltung. Das Christuskind scheint jeden Moment vom Schoß zu fallen. Der Vorhang im Hintergrund zerstört ein logisches Raumgefüge, und Marias Körperposition ist schwer einzuordnen: Etwas zwischen Stehen und Sitzen.

    Parmigianino, Madonna mit dem Langen Hals, 1534/1535, Uffizien, Florenz

    Den Höhepunkt des Manierismus erreichte Domenikos Theotokopolus (1541-1614), auch bekannt als der Grieche, „El Greco“, da er aus Kreta kommt. Dort erlernt er die griechische Ikonenmalerei. Als er nach Venedig kommt, sieht er erstmals, was sich in der Kunst gemacht hat. Als Tizians Schüler geht er neue Wege. Und bringt seinen einzigartigen Stil nach Spanien, wo er die bisherige, konservative Kunsttradition nachhaltig beeinflusst.

    El Greco, Das Begräbnis des Grafen von Orgaz,1586 und 1588

    Manieristische Skulpturen

    Eines der Haupterkennungsmerkmale manieristischer Skulpturen ist die Spontaneität der Bewegungen. Beispiele hierfür liefert Giambologna, eigentlich Jean de Boulogne (1529–1608), mit seinen Werken Fliegender Merkur und Raub der Sabinerin. In ihnen vereint sich Bewegung mit Ausdruck in einem zuvor unbekannten Maß. Giambologna stellte sich dabei bewusst eine scheinbar unmögliche Aufgabe: Eine Statue zu schaffen, die gegen alle Gesetze der Schwerkraft zu fliegen scheint. Merkur berührt den Luftstrom aus dem Mund einer Maske nur mit seiner Fußspitze.

    Architektur im Manierismus

    Florenz blieb im 16. Jahrhundert das führende Kunstzentrum, maßgeblich geprägt durch das Mäzenatentum der Medici. Giorgio Vasari entwarf hier die Uffizien als Verwaltungsgebäude. In ihrer Architektur zeigt sich der manieristische Gestaltungswille: Die gleichförmige Abfolge dekorativer Elemente erzeugt einen starken Sog- und Tiefeneffekt, der Bau wirkt bewusst in die Länge gezogen.

    Architektonisch macht sich die Epoche bemerkbar durch ungewöhnliche Lösungen, Gegensätze und asymmetrische Ordnungen. Klassische Bauelemente wie Säulen verlieren dabei ihre tragende Funktion und werden zu rein dekorativen Motiven, ergänzt durch ornamentale Details wie Fruchtgirlanden und Skulpturen, die an das Prinzip der Figura serpentinata erinnern.


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    Quellen:

    Ernst H. Gombrich, Die Geschichte der Kunst
    Henry Zerner, Die Schule von Fontainebleu: das graphische Werk, 1982
    Gerd Betz, Wie erkenne ich Manieristische Kunst? – Architektur, Skulptur, Malerei
    André Perret, Die Zyklen der europäischen Architektur: eine Theorie dynamischer Zyklen der europäischen Architekturgeschichte seit dem Jahr 1000
    Klaus Jan Philipp, Das Buch der Architektur, 2017

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    Reisen

    Kurz vor Abreise: Flug nach Bali annulliert

    Es war soweit. In 24 Stunden würde ich nach Bali fliegen. Ich buchte bereits vor Monaten, was mir eigentlich gar nicht ähnlich sieht, aber ich musste meine Reise diesmal auf einen bestimmten Zeitraum legen. Da heute mein letzter Tag in Deutschland war, hatte ich 700 Sachen zu erledigen und zudem noch zwei Reportagen auf dem Tisch. Alle stressten mich, als hätten sie sich abgesprochen. Dann kam die alles entscheidende Mail.

    Meine Reiseagentur blies meine Reise ab. Knapp 24 Stunden vor Abflug. Das Ding ist: Ich hätte eine Zwischenladung in Katar gehabt. Und in Nahost geht der Bevölkerung der Arsch auf Grundeis. Es herrscht Krieg. Wohl zu riskant, um dort zu landen. Zumal der Luftraum teils geschlossen ist. Warum das super gute Vergleichsportal CHECK24 dennoch Last-Minute-Flüge über Nahost anbietet, ist eine interessante Frage, die ich nicht beantworten kann.

    Ich muss nach Asien. Was mache ich jetzt?

    Ich war genervt und enttäuscht. Aber ich war entschlossen. Deshalb ging ich schlafen und fuhr am nächsten Morgen zum Frankfurter Flughafen. Dort hieß es: „Es steht schon seit Wochen fest, dass nichts nach Katar fliegt.“ Die Wahrheit: es stand nicht fest. Jede Fluggesellschaft genießt ihre eigenen Regelungen. Ich hätte es riskiert, in Katar zwischenzulanden.

    Am Stand einer Last-Minute-Reiseagentur wollte ich schon immer mal stehen, um weiß Gott wohin zu reisen. Nach Corona änderte sich wohl die Preispolitik solcher Flughafenstände. Die Preise vor Ort am Schalter sind heute nämlich höher, als wenn man selbst im Internet bucht.

    Das Schicksal hat entschieden: Es sollte Malaysia werden

    Mit leeren Händen kam ich nicht nach Frankfurt. Dennoch war das Budget begrenzt. „Malaysia“, sagte die pissige Frankfurterin am Schalter etwas über dem genannten Budget. Let’s fetz. Meinen Rucksack hab ich für alle Lebenslagen gepackt. Ich war sogar bereit für die Mongolei. Als ich allerdings erfuhr, dass dort kuschelige  -9 Grad herrschen, war ich, um ehrlich zu sein, mental etwas weniger bereit auf diese Art von Abenteuer. Ein wenig wärmer müsste es schon sein.

    Also dann ab nach Kuala Lumpur. Mit 21 Stunden Aufenthalt in Istanbul. Viel bekam ich von der Stadt nicht mit. Ich bin seit Monaten chronisch übermüdet und mein Nervensystem beschloss gerade in Istanbul runterzufahren. Ich fand ein kleines Hotel, fuhr mit der Metro hin und ging fußläufig weiter. Wurde fast kein einziges Mal um mein Geld betrogen hahaha. Naja. Fast.

    Der Flug nach Kuala Lumpur, Malaysia

    Jetzt sitze ich seit über 7 Stunden im Flugzeug. Turkish Airlines verwöhnen einen auf Langstrecken, wie ich gerade erfahre. In 3 Stunden lande ich in der Hauptstadt von Malaysia. Ich bin aufgeregt wie Scheiße. Was mich dort wohl erwarten wird… Diesmal bin ich ohne Hotelbuchung unterwegs. Daher bin ich frei, mich durch das ganze Land zu bewegen, wenn ich lustig bin.

    Meine Mutter äußert nicht mal mehr Einwände. Sie weiß, sie ist machtlos gegen Asien. Da ich, wie während des Flugs nach Vietnam auch, nicht schlafen kann, wird das wieder ein benebeltes Jetlag-Abenteuer, wenn ich dort ankomme… Ich bleibe einen Tag in der Hauptstadt und dann mal sehen, was mir einfällt.

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    Kultur

    Exklusiv: Interview mit Cellist Vasily Bystroff

    Beschreitet er die Bühne, spüren auch die letzten Reihen seine Präsenz. Er ist humorvoll, freundlich, energiegeladen – und vermutlich der geborene Entertainer; oder aber er machte sich selbst zu einem. Vasily Bystroff ist der vielseitigste Cellist unserer Region. Und wie einige andere Musiker, bei denen ich die Ehre hatte, hinter die Fassade blicken zu dürfen, hat er eines: ganz viel Leben ins sich. Gestern kamen wir ins Gespräch.

    Vasily kam 2006 aus St. Petersburg, Russland, zunächst nach Berlin, später führte ihn sein Weg zu uns nach Karlsruhe. Musik prägte seine Familie seit Generationen: Der Urgroßvater war Dirigent, mütterlicherseits spielten nahezu alle Klavier. Der Vater sang, die Mutter und die Großeltern musizierten ebenfalls. Eigentlich schien immer irgendwie klar, dass auch Vasily Musiker werden würde. Nur das Instrument war offen. Während seine Schwester eher unter familiärem Erwartungsdruck stand, entwickelte sich bei ihm der Wunsch aus eigenem Antrieb. Er wollte besser werden. Erst verliebte er sich ins Klavier, dann durfte er sich schließlich ein Instrument aussuchen. Dass es das Cello wurde, daran hatte seine Mutter wohl nicht ganz unbeteiligt Anteil.

    Vocalise by S.Rachmaninoff dedicated to my first teacher Tolbukhina N. (Cello & Piano)

    Heute bewegt sich Vasily Bystroff zwischen klassischer Musik, Popproduktionen, kleinen Konzerten und großen Bühnen. SAVE THE DATE: Sein nächstes Konzert spielt er am 29. August auf Burg Stettenfels bei Heilbronn gemeinsam mit seiner atemberaubenden Freundin Sia (ebenfalls Cello). Im Gespräch mit mir (Madlen von avecMadlen) spricht er über russische Musiktraditionen, Chaos, Energie auf der Bühne und darüber, warum Kunst Menschen verbinden sollte.

    avecMadlen: War Musik in deiner Kindheit Alltag oder etwas Heiliges?

    Vasily Bystroff: Totaler Alltag. Mein Opa war wahnsinnig talentiert. Viel talentierter als ich. Er wurde sehr streng erzogen. Dementsprechend war er genial, in dem was er tat. In gewissen Kreisen genoss er später besondere Anerkennung. So kamen etwa einige seiner Schüler groß raus.

    avecMadlen: Ist das Cello wirklich das „menschlichste“ Instrument?

    Vasily Bystroff: Wer hat das gesagt? Fragt er, ich hab natürlich gar keinen Plan. Ja. Von der Tonalität ist es einem Menschen sehr ähnlich. Im Russischen ist das Cello kein Neutrum, sondern ein Femininum. Er deutet die Form des Instruments an, das an weibliche Kurven erinnert.

    avecMadlen: Was unterscheidet russische und deutsche Musiktradition?

    Vasily Bystroff: Russisch: konservativ und diszipliniert. Wenn du aus der Reihe tanzt, wirst du belächelt. Die einzige Chance auf Anerkennung ist es, andere zu übertrumpfen. Wenn du einfach besser bist, als andere. Wenn du die Seele der Musik mit technischen Stärken beherrschst. In Deutschland gibt es weniger Druck. Auch in Russland ist es aber mittlerweile entspannter geworden. Ich habe einige Merkmale sowohl von dem als auch von dem System aufgenommen.

    avecMadlen: Wie viel russische Melancholie steckt in deiner Musik?

    Vasily Bystroff: In meiner Musik nicht immer, aber in mir sehr viel.

    avecMadlen: Klassische oder andere Genres? Ich stellte diese Frage, weil Vassily ein Repertoire an Klassischer Musik, Pop, Rock, Electro und Co. hat.

    Vasily Bystroff: Beides.

    avecMadlen: Warum?

    Vasily Bystroff: Ich kam mit 15 nach Deutschland. Allein. Damals hatte mein Leben nichts mit Popmusik zu tun. Ich wollte ein großer Cellist werden. Etwa so, wie mein Vorbild Mstislaw Rostropovitsch. Meine Eltern beschlossen, mich nach Deutschland zu schicken. Sie sahen dort bessere Chancen, sicherer war es auch. Die deutschen Behörden waren allerdings nicht sehr begeistert von einem minderjährigen Jungmusiker, der allein nach Deutschland kommen sollte. Es dauerte also ein paar Jahre, bis ich tatsächlich hier war. Er denkt kurz nach. Ich bin sehr dankbar dafür, dass ich so viele Schwierigkeiten auf meinem Lebensweg hatte.

    Als ich das Studium in Karlsruhe an der Musikhochschule anfing, suchte ich nach allen Möglichkeiten, Geld zu verlieren. Plötzlich bekam ich das Angebot, Popmusik in einem Studio aufzunehmen für eine holländische Sängerin. Ich nahm den Gig an. Später kam ein Geiger auf mich zu. Zwei Musiker wollten Simon and Garfunkel mit Streichquartett spielen. Der erste Termin kam nicht zustande, aber ich blieb dran. Vasily spielt bis zum heutigen Tag in der Simon & Garfunkel Tribute Show „Graceland“.

    Simon & Garfunkel Tribute meets Classic - Duo Graceland

    avecMadlen: Gibt es Stücke, die dich emotional an Grenzen bringen?

    Vasily Bystroff: Ich versuche mich manchmal absichtlich an emotionale Grenzen zu bringen, um das Gefühl ans Publikum zu tragen. Aber da muss ich echt aufpassen, damit ich danach nicht so fertig bin. Alles, was um mich herum passiert, nehme ich als Klangraum wahr. Vielleicht.

    avecMadlen: Wie viel Chaos braucht große Musik?

    Vasily Bystroff: Es hängt sehr davon ab, wer die Musik macht. Menschen sind unterschiedlich. Einige Artisten sind extrem chaotisch, aber extrem genial. Einige versuchen das Chaos mit Struktur zu bekämpfen und werden dadurch groß. Ich brauche sehr viel Chaos, aber für den Erfolg brauche ich jemanden an meiner Seite, der mich strukturiert.

    avecMadlen: Was reizt dich an kleinen Konzerten?

    Vasily Bystroff: Es gibt nichts Schöneres. Jeder Mensch ist ein eigenes Universum. Wenn ich auf der großen Bühne stehe, bekomme ich die geballte Energie. Bum. Eine 30-Meter-Welle, die schier überrollt. Danach bist du echt platt, weil du dieser Energie entgegengewirkt hast, um nicht in ihr zu versinken. Das ist besser als jede Droge, so eine große Bühne.

    Wenn du so ein kleines Konzert hast, oder auf der Straße spielst, ist es leichter, mit Leuten ins Gespräch zu kommen. Auch mit solchen, die kaum Berührungspunkte mit Musik haben. Diese Kontakte bereichern meine Seele. Bei einem kleinen Konzert ist mein Anspruch, dass die Leute die Energie bekommen, die ich auch auf der großen Bühne gebe. Aus zwei Metern Distanz spürst du sie nämlich genau. Das ist schon einzigartig.

    avecMadlen: Was war dein schwierigster Auftritt?

    Vasily Bystroff: Es gibt immer Sachen, die du zum ersten Mal machst. Solche Momente sind nicht selten. Zum ersten Mal das Konzert auf Deutsch moderieren, zum ersten Mal neben einem Schlagzeug spielen und mit der Lautstärke klarkommen, zum ersten Mal mit einem Mikrofon spielen. Das Cello klingt nämlich ganz anders mit Mikro. Technische Momente, die unverhofft kommen, sind Teil unseres Jobs. Improvisieren muss man deshalb können. Hier geht es darum, Verantwortung für die Situation zu übernehmen und einen Übergang zu schaffen, der beim Zuhörer so ankommt, als wäre er teil des Programms.

    Ich versuche mich immer an Schwierigkeiten mit einer positiven Note zu erinnern. Mein erster DJ-Gig zum Beispiel. Ja, Vasily ist auch DJ. Da ging technisch einiges schief. Plus die Aufregung… Er schüttelt den Kopf. Immerhin hat er an jenem Abend einiges gelernt.

    avecMadlen: Wird man als Musiker mit den Jahren freier oder strenger?

    Vasily Bystroff: Ich würde sagen freier. Durch die Hochschulausbildung wirst du in einen strengen Rahmen gesteckt. Dann gehst du auf die Straße und improvisierst. Du fragst dich: Was passiert, wenn ich Bach mit Vibrato spiele? Oh, den Leuten gefällt’s ja.

    avecMadlen: Fühlst du dich eher russisch oder europäisch?

    Vasily Bystroff: Beides. Europäisch und russisch liegen viel näher beieinander, als man glaubt. Viele Stereotypen hindern uns aber daran, dies zu erkennen.

    avecMadlen: Hat sich das Klima für russische Künstler verändert?

    Vasily Bystroff: Kunst und Sport sind die einzigen Dinge, die die Menschen vereinen müssen. Dass man die Leute da ausgrenzt, finde ich von beiden Seiten falsch. Eine Leidenschaft, und das ist das, was ich in Kunst und Sport erkenne, ist eine Sprache, über die man kommuniziert und sich näher kommt.

    avecMadlen: Welche Komponisten stehen dir am nächsten?

    Vasily Bystroff: Dvořák, Rachmaninoff und Skryptonite

    avecMadlen: Gibt es Musik, die du privat nie hören würdest?

    Vasily Bystroff: Nein. Er grinst. Es gebe für jede Lebenssituation den passenden Soundtrack.

    avecMadlen: Boheme oder harte Arbeit?

    Vasily Bystroff: Ich brauche beides. Am liebsten 14 Tage pausenlos arbeiten und dann fünf Tage nichts tun.

    avecMadlen: Was macht einen großen Musiker aus?

    Vasily Bystroff: Disziplin, Ehrlichkeit – vor allem zu sich selbst –, Glück und heutzutage auch die richtige Selbstwahrnehmung.

    avecMadlen: Würdest du denselben Weg nochmal gehen?

    Vasily Bystroff: Joa. Wenn ich den Weg mit dem Wissen, das ich heute habe, gegangen wäre, wäre das wahrscheinlich effektiv, aber langweilig.

    avecMadlen: Bewunderung oder Gefühl — was soll bei deinen Zuhörern bleiben?

    Vasily Bystroff: Gefühl. Aber jeder soll für sich selbst entscheiden, was er braucht.

    Kennengelernt habe ich Vassily bei der Show Deep Rouge im Casino. Er spielte dort mit Sia im Duett. Sia durfte ich sogar schon früher einmal hören, bei einem Weihnachtskonzert, das ein großer Medienkonzern, für den ich tätig war, intern organisiert hatte.

    Haltet gerne Ausschau nach den beiden. Sie sind außergewöhnlich und machen ganz viele spannende Sachen. Alle Insta-Profile habe ich euch oben verlinkt.

    UND: ich suche eine Begleitung für deren gemeinsames Konzert am 29. Mai. DM me on Insta.

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    Kunst

    Tieftauchen mit einer Künstlerin, die das Gute sichtbar macht

    Ich sitze in der Wohnung von Elena Politowa und Lukas Buol. Ich spüre, wie hier in der Gestaltung die beiden Charaktere einander begegnen. Die Decken sind hoch, es ist viel Platz zum Nachdenken und Schaffen. Glatte, graue Betonwände, Fokus auf Holz und Stein, freche Lösungen, die ebenso ästhetisch wie praktisch sind – Lukas‘ Handschrift ist deutlich erkennbar. Ich entdecke viele Kunstbücher, hier und da blinkt ein Philosoph hervor.

    Das besondere Augenmerk fällt auf die Wolkenbilder, die das Grau der Wände durchbrechen. Sie bewegen sich in einem zarten, aber leuchtenden Farbspektrum. Die Bilder hängen bewusst ohne Rahmen. „Ich will, dass es weitergeht“, sagt mir Elena Politowa mit einer Handbewegung, die grenzenlose Ferne andeutet. Dem Motiv soll durch das Framing keine physische Grenze gesetzt werden. Dadurch wirken die Bilder regelrecht wie Fenster – Fenster zu einer Welt, in der die Sonne immer auf- oder unterzugehen scheint.

    Elena Politowa: „Es zerreißt mich“

    Ihre künstlerischen Absichten sind klar definiert. „Ich will meinen Blick auf Emotionen richten, nicht auf Provokation.“ Heute erwartet man regelrecht eine versteckte politische Message von Künstlern. Doch es gibt auch die, die sich bewusst rausnehmen, weil sie sich von den massiven Aufdeckungen durch die Medien, Fehlgriffen der „großen Entscheider“, Kriegen und sonstigen Katastrophen, der die Menschen zur Zeit massiv ausgesetzt sind, überwältigt fühlen.

    „Es zerreißt mich innerlich. Und wenn ich die Geschehnisse der Welt abbilden würde, würde ich auch andere damit zerreißen“, sagt mir Elena Politowa. Dieses Gefühl kenne ich gut. Denn auch ich konnte es eines Tages nicht mehr tragen, Frankfurts blutige Geschichten zu schreiben. Ich ließ all die Wut der Menschen durch mich hindurch, die politisch oder religiös oder sonst wie motivierte Taten begingen, und transportierte diesen Hass hinaus in die Welt. Klar, wurde das ganze gut und gerne gelesen – der Mensch interessiert sich nun mal für das Düstere, das neben ihm her lebt. Doch ich musste mich eines Tages fragen, ob es wirklich das ist, was ich bin. Und entschied mich dagegen. Daher freue ich mich um so mehr, euch heute auf einen Tieftauchgang mitzunehmen, vielleicht sogar ein bisschen buchstäblich, um eine Künstlerin vorzustellen, die hart daran arbeitet, das Gute in die Welt zu setzen – und damit Anklang findet.

    Sie liebt es, den Himmel zu malen, „weil er niemanden angreift und niemandem weh tut.“ Sie probierte auch schon mal aus, politische Bilder zu malen. Es schmerzte sie sogar, die anzusehen. Dadurch erkannte sie die Wichtigkeit, „Gefühle in Bildsprache zu transportieren und mich dabei selbst nicht zu belügen.“ Sie will nicht das Medium sein, das Hass, Gewalt und politische Machtspielchen in die Welt trägt. „Ich war so übersättigt von dem Ganzen, dass ich anfing, Wolken zu malen. Es war so, als hätte ich nach langer Zeit wieder einatmen können“, teilt sie mit mir. Und fügt mit einem Schmunzeln an: „Es ist mir egal, ob sich die Bilder verkaufen oder nicht.“ Es sei ihr auch egal, was mit ihren Bildern nach ihrem Ableben passiert.

    Ich frage sie, was Kunst für sie ist

    Kunst ist für mich ein Fenster in die Freiheit. Ich bin offen für Themen, die das Schöne und das Positive dieser Welt beleuchten. Das mag kitschig sein, aber ich bin in dieser Phase meines Lebens, in der ich gerne den Himmel oder Tänzerinnen male, die kraftvoll, selbstbewusst und schön sind.“ Die Bilder wirken.

    „Jeder Mensch hat eine Bestimmung. Wenn mir die Gabe zu malen gegeben wurde, wäre es Blasphemie, diese nicht zu nutzen.“ Elena hatte schon immer sehr viel Humor und eine solch endlose Energie, von der ich bis heute gar nicht verstehe, woher sie sie nimmt und wie sie die überhaupt aufrechterhalten kann. Vielleicht verrät sie es mir eines Tages.

    Fest steht, dass sie diese Energie nimmt und sie mit Farben auf die Leinwand bringt. Der Entstehungsprozess ist für Elena eine Art Workout da er viel Armbewegungen und Sprünge erfordert, die man als Betrachter meint, erkennen zu können.

    Ihre Wolkenbilder transportieren die Emotion, die sie fühlt, während sie sie malt: Harmonie, Energie, Leichtigkeit und Zartheit. Sie deutet auf mein Lieblingswerk in ihrer Wohnung: „So eins kann ich nicht nochmal schaffen“, findet sie. Das Gemälde ist wirklich einzigartig: Leuchtkraft und frablicher Einklang. Ich kann und will nicht wegsehen. Es ist Bewegung und Stillstand drin, pastellige und leuchtende Töne, einzelne Wolken, ein sanft angedeuteter Horizont. Vor allem aber: Tiefe. Unklar, wo der Betrachter positioniert ist – mitten im Flug durch die Wolken, am Strand oder auf einer Anhöhe. Ich meine, dass unsere Künstlerin hier aus ihrem Kopf heraus gemalt haben könnte, da die Farben so fantasievoll wirken. Außerdem sind die Pinselstriche sehr geladen und frei; mitunter eines der Gründe, weshalb sie großformatige Leinwände bevorzugt. „Du gibst dem Pinsel die Möglichkeit, dich zu führen.“ Und das bracht Platz. „Ich berühre die Leinwand und ich spüre die elektrisch geladene Energie, die durch mich fließt. Dann geht’s los mit Farbe – ohne Vorzeichnung, ohne Skizze“, sagt sie zum Entstehungsprozess.

    Warum macht Elena Politowa Kunst?

    Sie zitiert eine chinesische Weisheit: „Frag den Vogel nicht, warum er singt.“ Die Chinesen meinten damit so viel wie: Schönheit, Kreativität oder Ausdruck brauchen keine Erklärung. Bzw.: Manche Dinge geschehen einfach aus innerem Antrieb, und nicht, weil sie einen Zweck erfüllen müssen. „Ich will nichts erklären“, sagt sie. „Ich will einen Raum schaffen, der auf die Menschen wirkt. Damit sie die Leichtigkeit und Zartheit nachempfinden, die ich in dem Moment empfand.“

    Seit sie ein kleines Mädchen ist, malt sie gerne. Mit 12 malte sie unaufhörlich Autos. Das führte sie irgendwann in die Architektur, und später in die Kunst.

    Im Atelier mit Elena Politowa

    Wir kommen in das Atelier. Neue Bildthemen hängen hier an den Wänden: Unterwasserszenen, ein unerklärliches Objekt im Wasser. Ich frage, was das ist. Elena sagt ganz selbstverständlich: „ich weiß es nicht“. Es könne etwas Lebendes sein, ein Schatten, ein Portal. Ich liebe es, dass sie sich selbst und den Betrachtern Interpretationsraum lässt.

    Doch diese Bilder gehen tiefer. Das höchst belastende Zeitgeschehen veranlasst Politowa dazu, sich zurückziehen zu wollen. „Ins Wasser, da wo es energetisch ist, da wo es sicher ist, wie im Mutterleib.“ Auch die Gefahr der Unterwasserwelt spiele dabei eine Rolle. Vielleicht verarbeite sie dadurch sogar eine schwierige Erfahrung. Als kleines Mädchen ertrank sie beinahe und vermutet, dass das Bedürfnis, Unterwasserszenen abzubilden, die Aufarbeitung dieses einschneidenden Erlebnisses sein könnte.

    Wann weißt du, wann ein Bild fertig ist?

    „Nie. Manche Bilder rühre ich einfach nicht mehr an. Je abstrakter ich male, desto lauter ist das Gefühl, wenn etwas fertig ist.“

    Ich frage: „Wirst du als Künstlerin, mit Betonung auf Frau, anders gelesen oder anders behandelt als männliche Kollgen?“

    Sie sagt: „Nein. Ich habe viel maskuline Energie in mir.“

    Das äußert sich für mich in einer praktischen Angehensweise der Künstlerin. Sie ist strukturiert, bei ihr funktioniert der Tagesablauf „nach System“, sie ist eine Macherin – keine Theoretikerin – ich habe sie als furchtlose Kraft erlebt. Eine, die rettet und hilft, eine die sich vor allem gegen gewaltvolle Männer auftürmt und als Beschützerin der Frauen und Kinder auftritt. Und wenn sie das macht, hat sie in ihren Augen nicht die Spur von Angst. Ich kriege beim Schreiben (jetzt auch beim Redigieren wieder) gerade nasse Augen, weil ich noch sehr klein war, als ich Elena in dieser Rolle erlebt habe. Aus erster Hand, versteht sich.

    Für mich wird sie deshalb immer eine kraftvolle Frauenrolle sein. Ein Vorbild, das mir gezeigt hat, wie geil es ist, vor nichts und niemandem Angst zu haben. Ihr wisst wahrscheinlich aber, wie ich es hin und wieder mit meinem riskanten Verhalten übertreibe.

    Was war das Risikoreichste, das Elena Politowa gemacht hat?

    „Das Riskanteste war es wohl, Künstlerin zu werden. 2003 neigte sich mein Architekturstudium dem Ende zu. Ich hörte von einigen Jungarchitekten, dass die Chancen auf dem Arbeitsmarkt eher schlecht stehen“, es war 2003. Elena musste neue Wege finden. Sie malte.

    2011 kommt ein neuer Schritt hinzu: Elena Politowa gründet ihre eigene Kunstschule, wo wir später zusammen sitzen. Ich kenne die Räumlichkeiten noch von früher. Damals war es nämlich ihr Atelier. Nach und nach baute sie es aus. Das Atelier verwandelte sich in eine Kunstschule mit Staffeleien, einer beachtlichen Sammlung an Pinseln, Monitoren, Stiften, Farben und sonstigen Materialien.

    In der Kunstschule Elena Politowa

    Die Wände werden geziert von Elenas großformatigen Unterwasserbildern (circa 7,5 (!) x 2 Meter). Die auch noch ganz neue Dimensionen des Farbauftrags eröffnen, sofern man UV- oder Schwarzlicht darauf richtet. Ich fühle mich wie auf einem unerforschten Planeten, während wir da sitzen und reden. Alles leuchtet violett und neon, die Unterwasserwesen umgeben uns und die eigenwillige Heizung gurgelt leise vor sich hin.

    Lenchik lacht. So habe ich sie all die Jahre in Erinnerung behalten. Es ist gemeingefährlich, mit dieser Frau unterwegs zu sein, denn das garantiert am nächsten Tag ein leichtes Ziehen im Bereich der Lachmuskulatur.

    2014 entdeckte sie durch Zufall, dass manche Bilder ganz anders wirken, wenn man das spezielle Licht hinzunimmt. Sie findet großen Gefallen daran und entwickelt diese Technik weiter. Ich frage die Künstlerin, wie die Arbeit mit Kindern ihre Kunst beeinflusst hat.

    „Sehr stark“, sagt sie, „Wenn ich mit Kindern interagiere, sehe ich, wie wenig es sie interessiert, was andere über ihre Werke denken. Sie haben extrem viele Ideen und eine Leichtigkeit in der Auffassung unserer Welt. Diese kindliche Leichtigkeit ist das Wichtigste, was du in der Kunstschöpfung hast. Du darfs keine Angst haben. Natürlich braucht es Mut, um das zu machen was man will. Willst du etwa ohne Punkt und Comma Wolken zeichnen? Tu das. Sei offen. Egal, was du machst, es führt dich zu einem positiven Ergebnis. Hab keine Angst, irgend etwas falsch zu machen, etwa Farben oder Material zu verschwenden. Das macht alles nichts. Es kann ja neues gekauft werden.“

    Elena Politowas Vision: „Es ist mir wichtig, dass die Kinder ihr Talent genießen, dass sie selbstbewusster werden.“


    Hier geht’s zu der Website der Künstlerin.

    Hier geht’s zu ihrer Kunstschule.

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    Kunst

    Hans Baldung Grien: Loth und seine Töchter

    Wir haben über dieses Gemälde bereits gesprochen: Hans Baldungs Loth und seine Töchter aus dem Jahr 1535/1540. Doch jetzt vertiefen wir das ganze ein kleines bisschen.

    Loth und seine Töchter: Prä-ikonografische Beschreibung

    Das Karlsruher Gemälde existiert heute in zusammengesetzten Fragmenten, die die ursprüngliche Komposition zeigen. In einem dieser ist ein liegender weiblicher Akt auf einer tiefroten Polsterfläche mit ausgestrecktem, fast bleichen Körper zu sehen. Der aufgerichtete Torso sowie die Gliedmaßen sind entkleidet dargestellt. Ein weißes Lendentuch verbirgt den Schambereich, doch betont zugleich subtil die entblößte, akkurate Brust. Der Blick der jungen Frau ist zum Betrachter gerichtet.

    Urheberrechte bei der Kunsthalle Karlsruhe

    Nach der Restaurierung wirken die Farben rein und vibrant. Vor allem der liegende Akt weist einen hohen Kontrast zum dunklen Hintergrund auf.

    Ein zweites Fragment zeigt den in ein pelzverziertes Gewand gekleideten Oberkörper eines bärtigen Alten. Über seinem Kopf, der verhältnismäßig auffällig größer ist, als der Kopf der jungen Frau, obschon der Mann tiefer im Bild steht, steht die Inschrift „LOTT“. Seine Körperhaltung wirkt leicht nach vorn, in Richtung des liegenden Aktes, geneigt. Er hält ein güldenes Gefäß mit flüssigem Inhalt in beiden Händen. Der Blick ist auf das dritte Fragment gerichtet, das derzeit durch eine schwarz-weiß-Fotografie des verschollenen Originals ersetzt wird. Darauf ist ein zweiter weiblicher Akt zu sehen, der die Szene im Vordergrund hinter einem Vorhang hervor zu beobachten scheint.

    Zustand vor der Restaurierung. Urheberrechte bei der Kunsthalle Karlsruhe

    Viertes Fragment: die brennende Stadt

    Fragment Nummer vier stellt eine brennende städtische Architektur dar, in der Flammen und Zerstörung sichtbar sind. In diesem Teil sind auch fragmentarisch Formen von Gebäuden und hell leuchtenden Orangetönen erkennbar. Eine Nachtszene. Davor ist eine weiße Säule erkennbar, die eine weibliche Silhouette andeutet. Abgegrenzt wird die Szene des Feuers durch einen Sockel, auf dem ein Weinfass positioniert ist.

    Urheberrechte bei der Kunsthalle Karlsruhe

    Die Fragmente sind auf Holztafeln gemalt. Farblich dominieren helle Töne für Haut und rote für Stoffe, begleitet von kontrastreichen Bereichen des lodernden Feuers im Hintergrund und dunkleren Partien im Umfeld der Figuren. Ihre Körper sind plastisch modelliert dargestellt. Die Blickrichtungen der Figuren sind voneinander abgewendet.

    Hans Baldungs Lot und seine Töchter: Die Ikonografie

    Hier erfährst du übrigens den Unterschied zwischen prä-ikonografischer Beschreibung, Ikonografie und Ikonologie.

    Baldungs Historienbild Lot und seine Töchter greift das alttestamentliche Motiv aus Genesis 19 auf: Nach der Zerstörung Sodoms flieht der betont fromme, „gerechte“, Lot samt Frau und den beiden Töchtern aus der Stadt. Seine Frau erstarrt zu einer Salzsäule, als sie ihren Blick nach hinten auf die brennende Stadt richtet, obwohl einer der Engel, der die Familie errettet, davon abrät.

    Lot und seine beiden Töchter ziehen weiter und finden Zuflucht in einer Höhle. Da es durch die Folgen der Zerstörung nun keine Männer mehr gibt, sind die Töchter voller Sorge, keine Nachkommen zeugen zu können. Die ältere Tochter kommt auf eine „glänzende“ Idee. Sie sagt zu ihrer Schwester: „So komm, lass uns unserm Vater Wein zu trinken geben und uns zu ihm legen, dass wir und Nachkommen schaffen von unserm Vater.“ In der Kunst der Renaissance dient dieses Thema häufig als moralisches Exempel, als Warnung vor Trunkenheit, Kontrollverlust, sexueller Grenzüberschreitung und letztlich auch das Offensichtlichste: Inzest.

    Interview zur Großen Landesausstellung „Hans Baldung Grien. heilig | unheilig“

    Wird die Frage nach der Schuld thematisiert?

    Baldung scheint nicht primär Lots Schuld zu akzentuieren, sondern verschiebt die Gewichtung auf die Töchter und den Wein, wenn man den vollen, übergroßen Becher, die dominierende weinrote Farbe, das Eichenfass im Vordergrund rechts unten im Bild, und sogar den Bildträger, Eichenholz, beachtet.

    Doch die körperliche Präsenz der älteren Tochter, dessen Namen uns im alten Testament nicht offenbart wird, ihre Schönheit und ihre Jugend stehen Vordergrund und geben im gesamten Gemälde den Ton an. Sie ist es, die das gesamte Bild mit einer höchst erotischen Atmosphäre erfüllt. Der alte Mann hingegen scheint passiv, wenn nicht sogar durch Alkohol entmachtet. Der Becher, den er grade zu Munde führt, fungiert ikonografisch als Zeichen der Trunkenheit und des Verlusts rationaler Selbstkontrolle. Damit wird Lot weniger als handelndes Subjekt denn als Objekt sündhafter Fremdeinwirkungen gezeigt.

    Gleichzeitig sieht Lot auf dem Gemälde nicht ganz unschuldig aus. Es gibt so manch eine Dissonanz, die ich vernehme. Sein Blick, die verengten Augen deuten eine bewusste Handlung an. Als wäre er gerade im Prozess, sich für die Sünde zu entscheiden. In der Bibelstelle bemerkt er gar nicht, dass sich die beiden Töchter in aufeinanderfolgenden Nächten zu ihm legen. Hier scheint Hans Baldung die Szene gezielt anders zu interpretieren. Doch was das eigentliche Ziel ist, lässt sich vermutlich nur erahnen.

    Erotik

    Die beiden weiblichen Akte sind nicht idealisiert im klassischen Sinn, sondern betont körperlich und sinnlich. Solche Frauengestalten könnten für Verführung, Gefahr und moralische Ambivalenz stehen. Spannungsfeld zwischen Intimität und Übergriff. Erotik und moralische Warnung fallen hier bewusst zusammen.

    Ihr seht es selbst: auch hier macht Hans Baldung ein Spannungsfeld auf. Durch die höchst erotische Darstellung des weiblichen liegenden Aktes versteht der Betrachter, welcher Versuchung Lot ausgesetzt war. Zudem zieht der Blick der jungen Frau uns regelrecht in die Mittäterschaft. Als würde er sagen wollen: das kann auch dir passieren.

    Hans Baldung Grien: Lot und seine Töchter (1535/1540)

    Die möglichen Absichten des Künstlers

    Die brennende Stadt im Hintergrund ist als Sodom identifizierbar. Ikonografisch verweist sie auf göttliches Strafgericht und bildet den moralischen Rahmen der Szene. Während im Hintergrund göttliche Ordnung durch Zerstörung wiederhergestellt wird, entfaltet sich im Vordergrund ein weiterer moralischer Grenzfall. Baldung stellt damit nicht Erlösung, sondern eine Kette von Verfehlungen dar.

    Typisch für Baldung ist die Verbindung von biblischem Sujet mit zeitgenössischen Diskursen über Weiblichkeit, Sexualität und Sünde. Das Motiv wird nicht erhaben oder distanziert behandelt, sondern körperlich zugespitzt. Ikonografisch bewegt sich das Werk zwischen moralischer Mahnung und voyeuristischer Reizsetzung. Gerade diese Ambivalenz ist programmatisch: Das Bild verurteilt nicht eindeutig, sondern zwingt den Betrachter in eine unangenehme Mitverantwortung des Sehens.

    In der Tradition der deutschen Renaissance steht Baldungs Gemälde „Lot und seine Töchter“ damit weniger für Frömmigkeit als für eine schonungslose Auseinandersetzung mit menschlicher Triebhaftigkeit und der Brüchigkeit moralischer Ordnung.

    Hans Baldung Grien

    Hans Baldung war einer der eigenwilligsten und radikalsten Künstler der deutschen Renaissance. Als Schüler Albrecht Dürers hatte er eine technisch hochentwickelte Zeichen- und Malweise, formte jedoch seinen eigenen Stil mit hohem Wiedererkennungswert. Baldung interessierte sich weniger für ideale Harmonie als für Grenzzustände menschlicher Existenz: Erotik, Tod, Hexerei und Vergänglichkeit gehören zu den zentralen Motiven seines Werks. Dabei verband er christliche Bildthemen mit einer bis dahin – zumindest in Deutschland – nicht dagewesenen Sinnlichkeit und psychologischen Schärfe. Besonders seine Frauendarstellungen changieren zwischen Anziehung und Bedrohung, idealisierter Schönheit und moralischer Warnung.

    Hans Baldung Grien: Markgraf Christoph I. mit Familie vor der heiligen Anna Selbdritt (um 1509-12)

    Damit unterlief Baldung bewusst die gängigen Bildkonventionen seiner Zeit und schuf Werke, die irritieren, provozieren und bis heute eine teils verstörende Wirkung entfalten. Seine Kunst ist geprägt von einer Lust am Experiment, von starken Farbkontrasten und von einer übersteigerten Körperlichkeit und Stilisierung. Baldung war ein eigenständiger Bildschöpfer, der das Unheimliche, Abgründige und das Unkontrollierbare ins Zentrum der deutschen Renaissancekunst rückte. Dabei versetzte er die traditionelle christliche Ikonographie mit unkonventionellem persönlichen Akzent, der den sakralen Sinn neu hervortreten lässt.

    Hans Baldungs Werk: Zwischen Erotik, Sünde, und Religion

    Er malte Werke, die von einer tief empfundenen Religiosität erfüllt sind. Wechselt aber auch zwischen sakralen und profanen Themen. Bei einigen Bildern Baldungs wird deutlich das Erotische und Sündhafte betont. Um zu verstehen, wie Hans Baldung in seinen Bildern die moralische Uneindeutigkeit biblischer Figuren darstellt, ist es sinnvoll, auch andere Werke zu betrachten, in denen er sich mit sündhaftem Verhalten auseinandersetzt. Etwa seine Eva mit Schlange aus dem Jahr 1510. „Als Adam mag oder soll sich der männliche Betrachter fühlen, denn ihm wendet sich die vollkommen nackte Eva in ihrer ganzen Schönheit zu. Sie ergreift den verhängnisvollen Apfel, wendet den Blick jedoch ernst und nachdenklich zur Seite: Ihr Sündenfall vollzieht sich nicht naiv oder übermütig, sondern mit Bedacht…“. Eva ist nur eines seiner Bilder, die bewusst so angelegt sind, dass sie den Betrachter zum Nachdenken verleihen.

    Das „ungleiche Paar“

    Das Gemälde kann sich im Kontext der frühneuzeitlichen Thematik des ungleichen Paares betrachten lassen. Immerhin ist die Ungleichheit zwischen Lot und seiner älteren Tochter auffällig. Sie kommt nicht nur durch den Alters- und Rollenunterschied zum Ausdruck, sondern wird auch durch unterschiedliche Gesichtsausdrücke und Inkarnate hervorgehoben. Zudem ist sie jung – er hingegen alt. Sie entkleidet – er in Oberbekleidung dargestellt.

    Lucas Cranach d.Ä: "Das ungleiche Paar" Gemälde im Germanischen Nationalmuseum
    Die Thematik des ungleichen Paares am Beispiel von Lucas Cranach d.Ä.

    Weibermacht

    Der verführerisch wirkende Blick der älteren Tochter in Richtung des Betrachters ist präsent, selbstbewusst und tritt vielleicht sogar kontrollierend auf. Sie erscheint dadurch als Initiatorin des unheiligen Vorhabens. Untermauert wird dies zudem durch ihre Nüchternheit, die sich, wenn man bedenkt, dass Loth des Alkohols wegen errötet sein könnte und sie hingegen bleich ist. Diese Konstellation verweist auf zeitgenössische Darstellungen der sogenannten Weibermacht, in denen männliche Selbstbeherrschung untergraben und weibliche Verführungsmacht ins Zentrum gerückt wird. Im 16. Jahrhundert gilt diese Spannung für viele als besonders interessant.

    Doch das ist nicht das einzige, was Hans Baldung mit seinem Gemälde zu kommunizieren scheint. Da es naheliegt, dass er dieses Bild für einen adeligen bis hochadeligen Auftraggeber fertigte, könnte es auch die Thematik der höfischen Moralvorstellungen anschneiden, die insbesondere die Kontrolle über die eigenen Gefühle als Zeichen sittlicher Integrität verstanden. Außerdem enthält das Bild eine mahnende Dimension. Es kann als Warnung vor dem Verlust der Selbstkontrolle gelesen werden, sei es durch Trunkenheit oder durch das Eingehen sündiger Liebesbeziehungen zu den eigenen Kindern.


    Quellen:

    • 1. Buch Mose 19
    • Essay: Lot und seine Töchter oder: Heiliges und Unheiliges bei Baldung, Holger Jacob-Friesen aus dem Sammelband Hans Baldung Grien heilig / unheilig, Deutscher Kunstverlag, 2019 (S. 23-39 und 380-382)
    • kunsthalle-karlsruhe.de
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    Single am Valentinstag? Das ist dein Notfall-Plan

    Single am Valentinstag und etwas verzweifelt? Ich auch. Wir wissen beide: Der Valentinstag wird oft mit romantischen Gesten und verliebten Paaren in Verbindung gebracht. Doch dieser Tag bietet auch Singles wie dir und mir die perfekte Gelegenheit, unser Single-Dasein noch mehr wertzuschätzen. Das sind meine Vorschläge für dieses Jahr:

    Single am Valentinstag? Bleib daheim

    Schritt Nummer eins (unumgänglich): Kauf dir einen üppigen Strauß Blumen. Verbringe dann einen semi-langweiligen Wellness-Tag zu Hause: Verwandle dein Zuhause in deine persönliche Spa-Oase. Gönn dir eine ausgiebige Pflegeroutine, wirf einen Blick auf mein Masken-Einmaleins und nimm ein entspannendes Bad – vorausgesetzt, du hast eine Wanne. Selbstfürsorge ist an solchen Tagen das A und O, um dich von dir selbst verwöhnt zu fühlen.

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    Wage ein kulinarisches Experiment: Nutze den Valentinstag, um ein neues Rezept auszuprobieren, das du schon immer mal kochen oder backen wolltest. Ob es sich um ein komplexes Gericht handelt oder um etwas einfaches, ist egal. Hauptsache es ist neu und erfordert etwas Konzentration. Denn Spaß am Kochen kann sich oftmals richtig gut anfühlen – und vor allem ablenkend sein. Mach einen Rotwein auf, wenn du drauf stehst. Aber sauf dir bloß nicht die Hucke voll – das macht alles nur noch schlimmer. Wenn du gerade, wie ich, Alkohol-Detox machst, dann kauf dir einen hochwertigen alkoholfreien Prosecco. Stößchen!

    Kochen am Valentinstag: die perfekte Ablenkung
    Foto von Jason Jarrach auf Unsplash

    Valentins-Abfuck? Sofort das Haus verlassen

    Stürze dich in ein Outdoor-Abenteuer (hier findest du Anregungen und Reiseziele): Nutze die Gelegenheit, die Natur zu erkunden. Eine Wanderung, ein Spaziergang im Park oder ein Tag am Wasser können Wunder für deine Stimmung und dein allgemeines Wohlbefinden bewirken. Auch bei schlechtem Wetter, wohlgemerkt. Die frische Luft und die Schönheit der Natur bieten eine perfekte Kulisse, um den Valentinstag als Single zu genießen.

    Zieh dir Kunst und Kultur rein: Besuche ein Museum, eine Kunstgalerie oder ein Theater in deiner Nähe. Kulturelle Aktivitäten können bereichernd sein und bieten eine wunderbare Möglichkeit, den Tag alleine zu verbringen, während du dich von der Kunst inspirieren lässt und schöne optische Eindrücke sammelst.

    Geh in ein kostspieliges Restaurant: Wer frühzeitig einen Tisch reserviert, ist klar im Vorteil. Wenn du Schwierigkeiten hast, alleine zu gehen, nimm deine Mutter, deine Freundin oder eine Single-Kollegin mit.

    Zugegeben: Diese Szenerie nachzuspielen, wird schwer, wenn du dich gerade in Deutschland befindest. Aber du weißt bestimmt, worauf ich hinaus will. Foto von Holger Woizick auf Unsplash

    Mach was für Körper und Geist

    Starte einen Lese-Marathon: Hast du Bücher, die du schon lange lesen wolltest, aber nie die Zeit dafür gefunden hast? Der Valentinstag könnte der perfekte Tag sein, um dich mit einem guten Buch zurückzuziehen und in andere Welten einzutauchen. Oder lese dich einfach durch avecmadlen.com.

    Geh ins Gym: Setz dir eine sportliche Herausforderung für den Tag. Ob es ein neues Workout ist, ein Yoga-Kurs, eine Runde Joggen oder nein neuer TikTok-Tanz ist – die Bewegung wird Endorphine freisetzen und dir ein positives Gefühl geben.

    Tipp: Auch für Zuhause gibt es auf YouTube jede menge Workouts. Such dir einfach das spannendste aus und leg los! Foto von Dane Wetton auf Unsplash.

    Single-Freunde und kreative Hobbies

    Kruschel dein kreatives Hobby aus der Kiste: Nutze den Tag, um deinen liebsten Hobbys nachzugehen, oder um ein neues auszuprobieren. Ob Malen, Schreiben, Musik oder Handwerk – kreative Aktivitäten können therapeutisch wirken und große Freude bereiten.

    Rufe einen anderen Single an und beklage dich über deine Einsamkeit. Manchmal hilft auch das. Wenn du keine Lust hast, dich zu beklagen, dann ruf deine Freunde auch einfach mal so an – sie freuen sich sicherlich. Oder schreib mir auf Instagram, ich freu mich auch immer, wenn ich nützlich sein kann.

    Der Valentinstag muss nicht ausschließlich Paaren vorbehalten sein. Als Single hast du die Freiheit, den Tag auf eine Weise zu gestalten, die allein dir Freude bereitet und dein Wohlbefinden fördert. Denke daran, dass Selbstliebe die wichtigste Form der Liebe ist, die es zu feiern gilt. Wichtiger Hinweis: Ohne Kerzen und Rosenblüten, die überall in deinem Zuhause verteilt sind, brauchst du gar nicht erst feiern. Besorge sie dir im Vorfeld.

    Hier geht’s zu Ideen an Weihnachten – für alle, die alleine feiern.

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