Dein Guide für Kunst, Reisen und mehr. Lass dich vom Schönen inspirieren.
Schlagwort:Kunst
Was ist Kunst? Ziemlich alles. Ich liebe die Kunst (und Architektur) mit jeder Faser meines menschlichen Daseins und sie liebt mich. Es ist vor allem die Kunst, die mich an dieses Gefühl erinnert, verliebt zu sein. Sie ergreift mich und sie katapultiert mich in eine Welt, in der meine Lungen mit dem Duft von Farbe und Firnis gefüllt sind, meine Seele frei ist und meine Augen mit ihren Farben leuchten.
Es ist die Kunst, die mich aus den düsteren Ecken meiner Gedanken befreit und in sich selbst ertränkt. Sie flutet meine Sinne, meine Gedanken – meine Empfindungen. Sie ist die Leidenschaft, nach der ich immer suchte und sie ist das Kostbarste, das ich habe.
Diese unendliche Liebe zur Kunst – und dementsprechend auch zur Architektur – will ich mit dir teilen. Wenn du kein Bock hast, darüber zu lesen, dann schau dir einfach die Bilder an. Ich wette, du findest etwas, das dich bewegt und inspiriert. Etwas, das du schon lange vermisst hast, oder einfach etwas, das dir optisch gut gefällt.
In dieser Rubrik findest du ikonologische und ikonographische Beiträge, spannende Ausstellungen, Künstler, Architekten, die besten Museen der Welt, Epochen, Handwerk,… – eben alles, was das kreative Herz begehrt.
Es ist das Museum mit dem mutmaßlich höchsten Komikgehalt in der deutschen Museumslandschaft: das Caricatura Museum Frankfurt. Mit Karikaturen, Bildgeschichten, Cartoons und Comics zeigt das Museum für Komische Kunst die Vielfalt des Genres.
2008 eröffnete das Caricatura in der Mainmetropole. Der Standort soll dabei kein Zufall gewesen sein: Seit den frühen 60er Jahren behauptet sich Frankfurt als Hauptstadt der Satire (und ganz nebenbei auch die der Kriminalität). Die hier gegründeten Satiremagazine Pardon und Titanic lockten zahlreiche Künstler wie F.W. Bernstein, Robert Gernhardt, Chlodwig Poth, Hans Traxler (der Urheber des ICH-Denkmals in Frankfurt), F.K. Waechter sowie Autoren wie Bernd Eilert, Eckhard Henscheid und Pit Knorr in die Stadt. Sie schrieben als Künstlergruppe Neue Frankfurter Schule Satiregeschichte und prägen bis heute die deutsche Komiklandschaft.
Das erste Obergeschoss des Caricatura Museums ist der Sammlung des Hauses gewidmet. Hier werden in regelmäßigen Neuhängungen die Werke des Sammlungsbestandes präsentiert. Geplant ist, das erste Obergeschoss um ein Kabinett zu erweitern, in dem kurzfristig aktuelle und vielfältige Themen und Ausflüge in die Nachbardisziplinen präsentiert werden. Zumindest schreibt das das Caricatura selbst. Ich hingegen habe dort während der Loriot-Ausstellung Loriot gesehen. Und während der POLO-Ausstellung das hier:
Habe ich etwas verpasst? Wem gehören diese wunderbaren Zeichnungen? Ich war mir sicher, dass sie von POLO sind. Irre ich mich? Weiß das jemand? Warum suche ich auch nicht vor Ort nach Hinweisen auf einen Urheber? Fragen über Fragen…
Die im Erdgeschoss und in der Galerie angesiedelten Wechselausstellungen präsentieren Werke weiterer namhafter Vertreterinnen und Vertreter der Komischen Kunst. Sammelausstellungen wie Einzelausstellungen. National wie international. Klassiker wie Zeitgenössisches.
Die Ausstellungen des Caricatura Museums werden regelmäßig um verschiedene öffentliche Veranstaltungen in und vor den Räumlichkeiten des Hauses ergänzt. Dazu gehören unter anderem Führungen, Lesungen, Konzerte, Buchvorstellungen und manchmal auch Workshops, die ich bis jetzt noch nicht belegen konnte, weil sie fortwährend ausgebucht sind.
Außerdem gibt es noch das Festival der Komik, das jährlich im Rahmen des Museumsuferfestes stattfindet. Dieses präsentiert drei Tage lang „erlesenste satirische Bühnenkunst“ direkt vor den Türen des Museums, heißt es in einer Mitteilung. Persönlich muss ich sagen, dass das Caricatura mein absolutes Lieblingsmuseum ist in Frankfurt. Sorry Schirn und Städel.
Achim Frenz, Mitbegründer der Caricatura Galerie Kassel, war der treibende Motor hinter der Gründung des Caricatura Museums in Frankfurt. Er konnte Hans-Bernhard Nordhoff, den damaligen Kulturdezernenten von FFM, von seiner Idee überzeugen.
Das Caricatura öffnete am 1. Oktober 2008 erstmals seine Pforten im restaurierten Leinwandhaus in der Frankfurter Altstadt. Das Wahrzeichen des Museums ist eine bronzene Elchskulptur mit Trenchcoat und Hut vor dem Gebäude – gestaltet von Hans Traxler.
Im Haus gibt es außerdem eine kleine Buchhandlung. Wenn ihr mal nicht wisst, was ihr mir oder anderen Personen, die ihr liebt, schenken sollt, geht einfach da hin. Es ist ein regelrechtes Schlaraffenland für alle, die einen zarten Dachschaden haben. Außerdem gibt es Postkarten en masse; all das natürlich mit Satire, Karikaturen, Comics, Tuschezeichnungen, Witzen und Co. Ernsthaft. Geht da hin.
Buchhandlung im CaricaturaMeine LieblingspostkarteEines der drei Postkartenvitrinen
Sexy Friedrich Ebert, auch bekannt als "Der Jüngling" von Richard Scheibe (1926)
Heute besuchte ich erstmals das Historische Museum Frankfurt (HMF). Eigentlich wollte ich ins Caricatura; dieses hatte jedoch zu. Neue Sommer-Öffnungszeiten. Dann fing es wie wilde an zu hageln. Also begab ich mich ins Historische.
Gründung vor rund 150 Jahren
Das HMF wurde 1877/1878 als Initiative der Bürgerschaft gegründet. Das Museum sammelte kulturelle und künstlerische Artefakte, wobei ein besonderer Fokus auf der Stadt Frankfurt am Main und ihrer Umgebung liegt. Ziel des Museums war es, eine Bildungseinrichtung zu sein und die Erinnerung an die Zeit der Freien Stadt Frankfurt am Leben zu halten.
Das Museum befindet sich in der Frankfurter Altstadt südlich des Römerbergs. Es liegt eingebettet zwischen der Alten Nikolaikirche und dem Mainkai.
Schon ziemlich cool eingerichtet
Historisches Museum Frankfurt: Ein Abriss folgt dem anderen
Im Jahr 1972 wurde das noch intakte Haus Freudenberg abgerissen, um Platz für den modernen Bau des Historischen Museums zu schaffen. Viele bedauerten diesen Verlust, da dieses Haus einer der wenigen Überlebenden aus der Altstadt war, die den Zweiten Weltkrieg überstanden hatten. Doch auch dieser Betonbau von 1972 hatte kein langes Leben. Er wurde 2011 ebenfalls abgerissen und durch einen neuen ersetzt.
Nach einer längeren Schließung aufgrund von Umbau- und Sanierungsmaßnahmen wurde das sanierte Altbauensemble des Museums am 26. Mai 2012 wiedereröffnet und das neue Gebäude am 7. Oktober 2017 eingeweiht.
Diese schöne Aussicht hat man direkt gegenüber des Eingangs ins Museum.
Das Historische Museum im Zweiten Weltkrieg
Gehen wir mal einen Schritt zurück. Im Zweiten Weltkrieg erlitt das Museum schwere Schäden durch die Luftangriffe auf Frankfurt. Insgesamt warfen britische Flugzeuge während des Krieges 14.017 Tonnen Bomben auf die Stadt. Amerikanische Bomber warfen von Oktober 1943 bis März 1945 weitere 12.197 Tonnen.
Die meisten Ausstellungsstücke im Historischen Museum waren zwar 1942 ausgelagert worden. Dennoch gingen sämtliche Akten, Teile der Bibliothek und alle fest eingebauten Exponate im Krieg verloren. „Verloren“.
Historisches Museum Frankfurt nach dem Krieg
Nach dem Krieg wurde das Museum in seiner ursprünglichen Rolle als Bildungseinrichtung wiedereröffnet. Heute bietet es einen Einblick in die Vergangenheit und sogar Gegenwart Frankfurts.
Zurzeit zeigt das Museum eine Vielzahl von Dauerausstellungen, darunter „MainMetropole: Frankfurter Stadtgeschichte 1866 bis 2001“, „Frankfurt Jetzt!“ und andere. Zudem beherbergt es Ausstellungsstücke wie den Heller-Altar aus der Dominikanerkirche, eine Skulptur von Karl dem Großen und ein Modell der historischen Altstadt.
So fand ich das Historische Museum in FFM
Wie fand ich das Museum? Weiß ich nicht, Digger. Kommen wir erstmal zu den Punkten, die ich gut fand. Dazu gehörte das ganze Aufwendige drum rum. Es ist wirklich interaktiv und macht unter Umständen schon Spaß. Es ist cool gestaltet. Der Mix aus alt und modern, das riesige, bewegliche Karussell in dem Bereich der älteren Stadtgeschichte ist wirklich wild. Man spürt an jeder Ecke, dass da akribisch dran gearbeitet wurde, den Besuchern ein ganzes Erlebnis zu schaffen. In jeder Ecke gibt es irgend eine Action. Das Kabinett mit der Gemäldesammlung ist fucking wild. Ich dachte, ich sehe nicht richtig. Dazu gibt es nochmal ein ausführlicheres Stück.
Sexy Friedrich Ebert, auch bekannt als „Der Jüngling“ von Richard Scheibe (1926)Habe wie immer ausschließlich die Highlights fotografiertStell dir vor: Das ganze Ding dreht sich„Von Jedem Eins“ Katsten Bott (2016)Karikatur Marcel Reich-Reinickis, Greser&Lenz (Reproduktion)Meine Lieblings-Brutalisten in Goldstein: Werke Frank Gehrys.Frankfurt-Modell
Doch: Als ich durch die Räumlichkeiten des HMF ging, verließ mich nicht das Gefühl, das Frankfurt gar nicht in Besitz wirklich wertvoller Artefakte ist. Und an dieser Stelle spreche ich für die Exponate, die ich dort an jenem Tag persönlich gesehen habe. Alles was ich sah, war sehr gepflegt und in top Zustand – aber irgend wie ein bisschen arg schlicht. So etwa die Porzellansammlung. Die Exponate hier waren in gutem Zustand, aber sie waren anspruchslos. Ich musste zwangsweise an das Rijksmuseum Amsterdam denken, das ich bei meiner Art, Drugs and Rock’n’Roll Tour besuchte. Frankfurt kann da einfach nicht mitreden. Ihr erinnert euch, ich hatte sehr ähnliche Punkte am Frankfurter Museum für Angewandte Kunst auszusetzen. Die „Schneekugel“ im HMF fand ich übrigens auch semi. Sie lag nicht in meinem Interessenbereich und ich kann mir vorstellen, dass gewisse Besucher da durchaus mehr Bock drauf haben könnten, als ich.
Die kleine PorzellansammlungDa hab ich gar nicht geschrallt, was abgeht und was das ist…aber ich werde es rausfinden!Mein trauriges Gesicht, weil ich lieber im Caricatura wäre
1-Tagesticket alle Ausstellungen: 12 €/ermäßigt 6 €
Öffentliche Führungen: Eintritt zzgl. 3 €
Öffentlicher Stadtgang: Eintritt zzgl. 3 €
Ausleihe Multimedia-Guide: 3 €
Müsste ich zahlen, würde ich keine 12 Euro blechen, um mir die Ausstellung erneut anzusehen. Was ich jedoch machen würde, wenn ich da jemals wieder Bock drauf bekomme, ist eine öffentliche Führung. Bestimmt kann ich dabei viel über Frankfurt lernen und es anschließend mit euch teilen. Bis dahin würde ich sagen: Wenns draußen hagelt und ihr in der Nähe seid – Yolo. Geht halt hin. Aber in diesen 6 Top-Museen der Bundesrepublik werdet ihr sicherlich mehr Spaß haben. Spoiler-Alarm: Leider ist keins davon in Frankfurt.
Quellen:
Ich war natürlich vor Ort, wie ihr sicher rauslesen konntet
Lissabon ist bekannt für seine Kacheln, die sogenannten Azulejos. Diese kunstvollen Fliesen zieren seit Jahrhunderten die Stadt und verleihen ihr einen unverwechselbaren Charme. Die farbenfrohe Pracht gibt es an Hausfassaden, in Kirchen, auf Plätzen und in vielen öffentlichen und privaten Gebäuden zu bewundern.
Die Azulejos, ein Erbe der maurischen Kultur, haben sich im Laufe der Jahrhunderte zu einem integralen Bestandteil der portugiesischen Kunst und Architektur entwickelt. Lissabon ist ein wahres Freiluftmuseum dieser Kunstform. In Vierteln wie Alfama, Mouraria und Bairro Alto leuchten die Fassaden der Häuser in kräftigen Farben und komplexen Mustern. Diese handbemalten Kacheln erzählen Geschichten aus vergangenen Jahrhunderten, der portugiesischen Kultur und Traditionen und reflektieren das kulturelle Erbe Lissabons.
Auch viele Kirchen und Klöster sind mit prächtigen Azulejos geschmückt. Darunter das Kloster São Vicente de Fora und die Kirche Igreja de São Roque. Die kunstvollen Fliesen zeigen religiöse Szenen und historische Ereignisse. Selbst ich habe bei mir im Zimmer eine Kachel mit dem hl. Antonius von Padua hängen. Diese brachte ich von meiner Reise durch Porto mit.
Doch zurück nach Lissabon. Sogar die Verkehrsknotenpunkte der Stadt, wie etwa der Bahnhof Rossio und zahlreiche Metrostationen, sind mit Azulejos verziert. Diese Orte verbinden moderne Funktionalität mit traditioneller Kunst und schaffen so eine einzigartige Atmosphäre. Auch Plätze wie der Praça do Comércio und der Rossio-Platz sowie viele Brunnen der Stadt sind mit bunten Kacheln dekoriert.
Ein Museum, das man in Lissabon gesehen haben muss
Ein absolutes Muss für jeden Kunstliebhaber ist das Museu Nacional do Azulejo. Dieses Museum, untergebracht im ehemaligen Kloster Madre de Deus, widmet sich vollständig der Geschichte und Entwicklung der Azulejos. Die Sammlung umfasst Werke vom 15. Jahrhundert bis zur Gegenwart und bietet einen Überblick über die Techniken und Stile, die diese Kunstform geprägt haben.
Die Ausstellung des Museums führt die Besucher durch die verschiedenen Epochen. Sie zeigt, wie sich die Designs im Laufe der Zeit verändert und weiterentwickelt haben. Ein Highlight ist das Panorama von Lissabon aus Azulejos, das einen einzigartigen Einblick in das Leben und die Architektur der Stadt vor dem großen Erdbeben von 1755 bietet.
Quelle:Pressemitteilung Turismo de Lisboa/Global Communication Experts GmbH
RECORD DATE NOT STATED Wanderer above the Sea of Fog, c. 1817. Creator: Friedrich, Caspar David 1774-1840. Copyright:xxFinexArtxImages/HeritagexImagesx / IMAGO ,2707261 ACHTUNG: AUFNAHMEDATUM GESCHÄTZT PUBLICATIONxNOTxINxUK Copyright:xFinexArtxImages/HeritagexImagesx / IMAGO
Der Run auf Caspar David Friedrich hat der Alten Nationalgalerie in Berlin eine erfolgreiche Ausstellung beschert. Bis zum abschließenden Sonntag, 4. August, kamen nach Angaben des Museums knapp 298.000 Menschen. Die Sonderausstellung „Caspar David Friedrich. Unendliche Landschaften“ lief seit April. Wegen des Andrangs auf die Werke des deutschen Romantikers Friedrich (1774–1840) waren die Öffnungszeiten mehrfach ausgeweitet worden.
Die Ausstellung zog viele Museumskollegen, Wissenschaftler und Caspar-David- Friedrich-Experten aus aller Welt an. Besucher reisten etwa aus den USA, Japan, Norwegen oder Italien an. Auch zeitgenössische Künstlerinnen und Künstler wie Julie Mehretu, Leiko Ikemura, Thomas Demand und Mark Grotjahn seien vorbeigekommen. „Der Publikumserfolg belegt die bleibende Relevanz dieses bedeutenden Künstlers für die Gegenwart“, sagte Gleis.
Besucher vor der Alten Nationalgalerie: Alles will die Ausstellung „Caspar David Friedrich. Unendliche Landschaften“ sehen. Copyright: Jens Kalaene/dpa
„Mönch am Meer“ und „Kreidefelsen auf Rügen“
In Hamburg hatte Friedrich zu Jahresbeginn rund 335.000 Menschen angelockt. Eine weitere Schau gibt es in Dresden. Die Berliner Ausstellung ist Teil einer Reihe thematisch eigenständiger Schauen: Zum Jubiläumsjahr in der Hamburger Kunsthalle, der Alten Nationalgalerie und den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden. Die drei Häuser haben die bedeutendsten Bestände an Werken Friedrichs weltweit.
In Hamburg ging es um den Maler in Bezug auf moderne Kunst. Berlin konzentrierte sich auf Arbeit und Wirken Friedrichs. In Dresden haben sich Albertinum und Kupferstich-Kabinett einen Blick auf „Wo alles begann“ vorgenommen.
Neben dem berühmten Bilderpaar „Mönch am Meer“ (1808-1810) und „Abtei im Eichwald“ (1809-1810) waren in Berlin so bekannte Werke wie „Das Eismeer“ (1823/24), „Kreidefelsen auf Rügen“ (1818/1819) oder „Lebensstufen“ (1834) zu sehen. Insgesamt wurden in Kooperation mit dem Kupferstichkabinett der Staatlichen Museen zu Berlin mehr als 60 Gemälde und 50 Zeichnungen aus dem In- und Ausland gezeigt.
Caspar David Friedrich, „Der Wanderer über dem Nebelmeer“ (1818) Copyright: IMAGO / Heritage Images
Deutschen Romantiker dem US-Publikum näherbringen
Im kommenden Jahr leihen die beteiligten Häuser zudem Werke nach New York aus, wo das Metropolitan Museum von Februar bis Mai 2025 den deutschen Romantiker Friedrich dem US-amerikanischen Publikum näherbringen will. (dpa/mad)
Und jetzt mal ohne Witz: Für mich gibt es ein paar Kunsthäuser in Deutschland, die alles rausreißen. Diese Museen sind die besten in der ganzen Bundesrepublik. Für mich zumindest – aber ich habe bei Weitem nicht alle gesehen. Zumindest noch nicht. Hier sind meine absoluten Lieblingsadressen, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Die Reihenfolge spielt übrigens keine treffliche Rolle.
Die Stuttgarter Staatsgalerie: Der Tag, an dem ich ihre Hallen betrat, wird mir für immer in Erinnerung bleiben. Die Sammlung der Staatsgalerie umfasst insgesamt rund 5.000 Gemälde und Plastiken und geht bis ins 13. Jahrhundert zurück. Die Staatsgalerie ist eines der wichtigsten Kunstmuseen in Baden-Württemberg und eine der renommiertesten Kunstsammlungen Deutschlands. Sie gewährt ihren Besuchern einen Einblick in die Vielfältigkeit der Kunstgeschichte. Gegründet wurde sie von König Wilhelm I. von Württemberg als Museum der Bildenden Künste.
Ein Blickfang ist der 1843 eröffnete Gründungsbau von Gottlob Georg Barth, die klassizistische Alte Staatsgalerie. Hier wird Malerei ab dem Hochmittelalter sowie Skulptur ab dem 19. Jahrhundert gezeigt. Der 1984 eröffnete, etwas merkwürdige Erweiterungsbau von James Stirling, setzt ein weiteres Glanzlicht. Hierbei handelt es sie um die postmoderne Neue Staatsgalerie. Sie gilt als Meisterwerk dieses Baustils in Deutschland. Kann man, muss man aber nicht verstehen.
Ich freue mich schon auf die Kunsthalle in Karlsruhe
Sehnsüchtig warte ich auf die Wiedereröffnung der Karlsruher Kunsthalle. Diese soll nach Abschluss der laufenden Bauarbeiten erfolgen. Und ich bin dann sowas von am Start, Leute. Ich weiß sogar schon, was ich anziehe, obwohl das Eröffnunfsdatum noch gar nicht feststeht und auch lange noch nicht feststehen wird. Die Ehre, die Kunsthalle selbst zu besuchen, hatte ich noch nicht, aber seit geraumer Zeit wird ein Teil der Dauerausstellung im ZKM (Zentrum für Kunst und Medien) gezeigt. Unfassbar schön – Gänsehautmomente. Würde ich jederzeit wieder besuchen. Gerne auch mit Begleitung.
Die Karlsruher Kunsthalle ist ein Museum der Bildenden Kunst. Sie beherbergt überwiegend Gemälde von deutschen, französischen und niederländischen Meistern aus insgesamt acht Jahrhunderten. Sie hat beeindruckende Exponate wie etwa einige Cranachs (ihr kennt ja meine Obsession mit diesem Mann), Dürer, Hans Thoma und andere. Die Gemälde sind top restauriert und außergewöhnlich erlesen. Dort sah ich den krassesten Rodin meines Lebens. Das Motiv war ein Klassiker – die Umsetzung war das, was mich aus der Bahn warf.
Keine Ahnung, was ich da wieder fotografiert hab.Hans ThomaAuguste Rodin – das Haupt des TäufersRembrandtIrgend ein holländischer Künstler (da hab ich wieder Mal gut recherchiert, was?)
Oh mein GOTT: Das ist wahrscheinlich das beste Museum Deutschlands
Die Liebe erfüllt meinen Brustraum, wenn ich an meinen Tag im Lenbachhaus in München zurückdenke. Hierbei spreche ich natürlich ausschließlich von der üppigen Dauerausstellung „Der Blaue Reiter“. Leck mich fett, das war… ich weiß nicht. Mir fehlen bis heute die Worte, um diese Ausstellung angemessen zu beschreiben. Sie war einfach wie ein feuchter Fiebertraum, bei dem du dir nie sicher sein kannst, ob du es wirklich gewagt hast, ihn zu träumen. Fahr einfach hin, ernsthaft. Du wirst es nicht bereuen – egal ob du Kunsthistoriker, Laie oder Kunsthasser bist. „Der Blaue Reiter“ wird dich mit seiner Farbekstase ich würde ja schreiben: „in alle Körperöffnungen bis zum Höhepunkt penetrieren“, unterlasse es aber und schreibe lieber inspirieren.
Im Lenbachhaus wirst du, neben den unheimlich dreisten Kassenmitarbeiterinnen und den unterirdisch schlechten Gegenwartskünstlern, Wassily Kandinsky von einer ganz neuen Seite erleben. Du wirst Werke aller Mitglieder der Künstlergruppe „der Blaue Reiter“ sehen, du wirst Alexej Jawlenskys Stil spüren, mindestens einen Orgasmus vom Gesehenen haben und schließlich das Lenbachhaus wie auf Drogen verlassen und mit einem heiteren Glow im Gesicht nach Hause fahren. Meine Münchner Freunde, die noch immer nicht im Lenbachhaus waren, kann und will ich einfach nicht verstehen. Geht doch einfach hin, verdammt.
Josef Scharl: Drei Korporierte (Larven), 1925Christian Schad: Operation, 1929Kandinsky, 1916: Zubrovsky PlatzGabriele Münter: In der Erdbeerzeit – 19191914: Große Studie zu einem Wandbild für Edwin R. Campbell (Summer)Gabriele Münter: Äpfel und Narzissen, 1909Wassily Kandinsky, 1909: OrientalischesWassily Kandinsky, my loveKandinsky, 1902: Bergige Landschaft mit SeeWassily Kandinsky, Allerheiligen II.
Die besten Museen Deutschlands: Gemäldegalerie
Die gute alte Gemäldegalerie in Berlin: Sie ist eine meiner großen Lieben. Wie viele von euch wissen, vergöttere ich neben Kandinsky und Jawlensky natürlich auch die alten Meister. Und davon gibt es in der Gemäldegalerie en masse. Sandro Botticelli, Lucas Cranach (was sonst), Giovanni Bellini, Caravaggio und andere Titane der Kunstgeschichte warten auf dich in der atemberaubenden Gemäldegalerie. Du wirst in jedem Raum staunen und dir denken, wie frech es von Berlin ist, alles Schöne für sich zu beanspruchen. Die Gemäldegalerie ist eindeutig eines der Gründe, warum Berlin die geilste Stadt Deutschlands ist.
Zugegeben: Ich hatte einen kleinen „Moment“, als ich letztens wieder dort war. In einem der Rubens-Räume spürte ich ein kleines Down und erschrak. Für eine kurze Zeit fühlte es sich an, als sei ich kunstmäßig ausgebrannt. Ich sah mir seine riesigen Gemälde an – ich kannte sie ja bereits – und ich spürte keine Begeisterung, nichts. Fuck. Es ist für immer vorbei, dachte ich mir. Aber der Schreck hielt nicht lange, denn ich betrat den nächsten Raum mit den deutschen Meistern und es wurde wieder sagenhaft wie immer. Will nicht sagen, dass Rubens das Problem sei – es gibt durchaus Bilder von ihm, die mir immer wieder den Atem Rauben, aber der Moment war echt merkwürdig. Das bedeutet für mich: Erst mal kurze Pause von der Gemäldegalerie – aber du solltest unbedingt hin.
Giovanni Bellini – Maria mit dem KindHans Baldung „Grien“ – Maria mit dem Kind und einem Engel (um 1539)Hans Holbein d.J. – Der Kaufmann Georg Gisze (1532)Lucas Cranach d.Ä. – Bildnis der Frau eines Rechtsgelehrten (1503)Sandro Botticelli – Maria mit dem Kind und singenden Engeln (um 1478)Giovanni Bellini – Maria mit dem Kind, das auf einer Brüstung stehtMein Gesicht beim Betreten der Berliner Gemäldegalerie. Hast du es schon mal SO glücklich erlebt? I doubt it.
Antikensammlung im Alten Museum Berlin
Das, was im Alten Museum in Berlin ausgestellt wird, ist leider nicht mein Topic. Zumindest noch nicht. Aber anhand der Qualität, Wucht und Menge der dortigen Exponate verstehe ich genau, dass dieses Kunsthaus mich für alle anderen deutschen Skulpturensammlungen verdorben hat. Das stellte ich zuletzt im Frankfurter Liebighaus fest – obwohl die dort ausgestellte Elfenbeinsammlung beeindruckend ist, wenn auch aus einem ganz anderen Zeitalter.
Denn das Alte Museum stellt seit 1904 antike Kunst aus. Es befindet sich am Lustgarten in Berlin-Mitte und gehört zum Bauensemble der Museumsinsel und damit zum Weltkulturerbe der UNESCO. Von 1942 bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs diente dieses bedeutende Bauwerk des deutschen Klassizismus vorübergehend als Möbelspeicher. Nach dem Wiederaufbau des Gebäudes wurden die Exponate der unglaublich geilen Antikensammlung wieder hier untergebracht.
Seit Juli 2010 wird im Obergeschoss die etruskische und römische Sammlung präsentiert. Das Hauptgeschoss beherbergt die griechische Antikensammlung. Darüber hinaus beheimatet das Alte Museum auch eine Kabinettausstellung mit antiken Münzen. Das interessiert mich aber leider nicht die Bohne. Kann man sich aber mit Sicherheit auch mal reinziehen, wenn man diese Vorliebe hat.
Germanisches Nationalmuseum in Nürnberg
Nürnberg beherbergt ein wahres Juwel der Kulturgeschichte – das Germanische Nationalmuseum (GNM). Als größtes kulturgeschichtliches Museum im deutschsprachigen Raum und eines meiner persönlichen Lieblingsmuseen, zieht es jährlich über 435.000 Besucher an und ist damit eines der meistbesuchten Museen in Deutschland. Seine Sammlung umfasst 1,3 Millionen Objekte, von denen „nur“ 25.000 ausgestellt sind. Dadurch bekommen Besucher einen tiefen Einblick in die germanische Kulturgeschichte.
Maria mit Kind und Edelsteinen (1530)Maria mit Kind und Papageien (1533)Lucas Cranach d.Ä., Die Fabel vom Mund der WahrheitLucas Cranach d.Ä., Judith
Hans Baldung, auch bekannt als Hans Baldung Grien wegen seiner angeblichen Vorliebe für die Farbe Grün, war ein bedeutender deutscher Maler, Zeichner und Kupferstecher der Renaissance. Geboren wurde er 1484 oder 1485 in Schwäbisch Gmünd. Im September 1545 verstarb er in Straßburg. Als einer der herausragenden Künstler seiner Zeit, arbeitete er eng mit Albrecht Dürer zusammen und hinterließ ein beeindruckendes Werk, das von Altarbildern bis zu Porträts reicht.
Hans Baldung Grien: Zwischen Nürnberg und Straßburg
1503 zog es Baldung nach Nürnberg, um bei Albrecht Dürer zu lernen. Dort wurde er schnell zu dessen wichtigstem Mitarbeiter. Während Dürers Abwesenheiten leitete er sogar dessen Werkstatt. Diese frühe Phase seiner Karriere krönte Hans Baldung mit der Schaffung zweier Flügelaltäre für die Maria-Magdalena-Kapelle der Moritzburg in Halle.
1509 kehrte er nach Straßburg zurück, erwarb das Bürgerrecht und gründete eine eigene Werkstatt, nachdem er als Meister von der Zunft „zur Steltz“ aufgenommen wurde. In dieser Zeit heiratete er auch Margarete Herlin, Tochter eines wohlhabenden Bürgers.
Dies sind die wunderbaren Bildnisse Baldungs, die ich bereits aus der Nähe betrachten durfte:
Maria mit dem Kind und einem Engel (um 1539)Madonna mit Kind und Papageien (1533)Maria mit Kind und Edelsteinen (1530)
Das Hauptwerk des Renaissance-Künstlers
Zwischen 1512 und 1518 schuf Hans Baldung in Freiburg im Breisgau sein Hauptwerk: den Hochaltar des Münsters Unserer Lieben Frau. Nach seiner Rückkehr nach Straßburg im Jahr 1518 stieg seine gesellschaftliche Stellung weiter; er diente sogar als Ratsherr und nahm Schöffenamt in seiner Zunft wahr.
Sein künstlerisches Schaffen wandelte sich über die Jahre. Während religiöse Themen zunächst dominierten, widmete sich Baldung später verstärkt privaten Kunstliebhabern. Lese hier über seine erotisch aufgeladene Madonna, die zu ihrer Zeit regelrechte Forore machte. Neue Themen wie Schönheit und Tod sowie Hexen- und Pferdedarstellungen traten nun in den Vordergrund seines Werks. Seine Darstellungen von Hexen zeigen dabei oft eine verführerische Ästhetik, die sich deutlich von den damaligen Hexentraktaten abhebt.
Baldungs Interesse an Pferden fand seinen Ausdruck in detailreichen Studien dieser Tiere, die neben sakralen Motiven auch das Triebhafte im Menschen symbolisierten.
Hier ist der Gute: Hans Baldung Grien, Selbstbildnis, 1507.
Porträts als wichtiger Bestandteil Baldungs Schaffens
Ein weiterer wichtiger Bereich waren Porträts; hier hat Hans Baldung eine Vielzahl bedeutender Persönlichkeiten seiner Zeit festgehalten. Zu den bekanntesten Porträts zählen Bilder des Markgrafen Christoph I. von Baden oder des Pfalzgrafen Philipp der Kriegerische.
Seine Arbeiten signierte Hans Baldung oft mit dem Monogramm HBG – ab 1510 – was ihm half, seine Werke auf dem Kunstmarkt zu bewerben.
Hans Baldung Grien bleibt durch seine innovativen Techniken und seinen individuellen stilistischen Ausdruck eine Schlüsselfigur der deutschen Renaissancekunst.
Bettina Heinen-Ayech (1937-2020): Selbstbildnis mit Zigarette, 1977 / Weiterer Text über ots und www.presseportal.de/nr/175102 / Die Verwendung dieses Bildes für redaktionelle Zwecke ist unter Beachtung aller mitgeteilten Nutzungsbedingungen zulässig und dann auch honorarfrei. Veröffentlichung ausschließlich mit Bildrechte-Hinweis.
Anfang Juni wurde Bettina Heinen-Ayech in den exklusiven Kreis der 50 wichtigsten historischen Frauenpersönlichkeiten in NRW aufgenommen. Der FrauenRat NRW zeichnete mit den „FrauenOrten NRW“ Frauenpersönlichkeiten aus, die die Geschichte des Landes Nordrhein-Westfalen entscheidend mitgeprägt haben. Der FrauenRat ist ein Zusammenschluss von rund 50 Frauenverbänden und Gruppen. Ayech wurde als herausragende Künstlerin, als wichtigste Protagonistin der Solinger Künstlerkolonie „Schwarzes Haus“ und für ihr Engagement als Botschafterin der Völkerverständigung zwischen Orient und Okzident ausgewählt.
Selbstbildnis mit Zigarette, 1977.
Die Solinger Aquarellistin und Plein-Air-Malerin erregte internationale Aufmerksamkeit als Künstlerin. Die damals noch unbekannte junge Malerin wurde zu der bedeutenden Gruppenausstellung „Deutsche Kunst der Gegenwart 1955/56“ eingeladen. Dort zeigte sie Werke von Karl Schmidt-Rottluff, Paul Klee, Max Beckmann, Max Ernst, Ernst Ludwig Kirchner und Käthe Kollwitz. Dann tourte sie durch Amerika, Afrika und Asien.
Sie war die Tochter des Journalisten und Lyrikers Hanns Heinen und Erna Heinen-Steinhoff, die in den Häusern der Künstlerkolonie „Schwarzes Haus“ ihren Kunst- und Literatursalon unterhielt. Hier lernte Bettina ihren wichtigsten Lehrer und Mentor kennen, den Maler Erwin Bowien (1899-1972). Sie blieb ihr Leben lang mit ihm verbunden und unternahm mit ihm zahlreiche Kunstreisen durch Europa.
Nach ihrer Ausbildung an den Kunsthochschulen in Köln, München und Kopenhagen führte Bettina Heinen-Ayech ein mehrmonatiger Aufenthalt im ägyptischen Luxor. Dort wurde ihr die Wüste und das Licht des Orients näher gebracht. 1963 zog die Malerin zu ihrem algerischen Ehemann, dem Bauunternehmer Abdelhamid Ayech, in dessen Heimatstadt Guelma.
Bis zu ihrem Tod im Jahr 2020 wird Algerien im Wechsel mit Solingen ihr Lebensmittelpunkt sein. Das Ausstellungsverzeichnis der Künstlerin umfasst über 90 große Einzelausstellungen in Museen und wichtigen Kulturinstitutionen in Europa und Nordafrika. Zahlreiche Museen besitzen Gemälde von ihr.
Quelle: presseportal.de, Pressemiteilung der Bettina Heinen-Ayech Foundation
BILD zu OTS - Alexej von Jawlensky (1864–1941), Mädchen mit grüner Stola, 1909/10, Öl auf Hartfaserplatte, 96 x 65 cm, Renate und Friedrich Johenning Stiftung, Düsseldorf
Ach du törichtes Tülpchen, es ist mal wieder so weit: Endlich schreibe ich wieder über Expressionismus, Jawlensky, Kandinsky, Kirchner, Modersohn-Becker, Münter und andere. Diese sollen nun nämlich in einen „imaginären Dialog“ mit österreichischen Expressionisten treten, heißt es in einer Pressemitteilung der Privatstiftung Leopold Museum.
Anhand von 17 Meisterwerken aus Privatsammlungen und der Sammlung Leopold, unter anderem Gabriele Münter, Wassily Kandinsky oder Ernst Ludwig Kirchner, zeigt das Leopold Museum eine erlesene Auswahl an Gemälden des Deutschen Expressionismus. Juhu! Und wer ist jetzt gerade vor Ort, um sich das ganze reinzuziehen? Richtig! Nicht ich, sondern meine Mutter. Noice.
Deutscher Expressionismus in Wien
Die aktuelle Fokuspräsentation „Deutscher Expressionismus“ im Rahmen der permanenten Ausstellung „Wien 1900. Aufbruch in die Moderne“ ermöglicht einen Einblick in die unterschiedlichen Ausprägungen expressionistischen deutschen Kunstschaffens. Zu sehen sind die ersten beiden Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts.
17 hochkarätige Werke von Lovis Corinth, Marianne von Werefkin, Alexej von Jawlensky, Wassily Kandinsky, haha „deutscher Expressionismus“ – if you know it, you know itPaula Modersohn-Becker, Gabriele Münter, Ernst Ludwig Kirchner, Max Pechstein, Erich Heckel und August Macke begegnen einander in der permanenten Präsentation. Im Leopold Museum findet dies erstmals in dieser fokussierten Form statt. Erinnert uns das mutmaßlich an die Ekstase der Farben beim Blauen Reiter im Münchner Lenbachhaus? Durchaus, durchaus.
Alexej von Jawlensky (1864–1941), „Mädchen mit grüner Stola“ (1909/10). Öl auf Hartfaserplatte, 96 x 65 cm, Renate und Friedrich Johenning Stiftung, Düsseldorf
Das macht diese farbenfrohe Kunstrichtung aus
Der Deutsche Expressionismus zeichnet sich durch die expressive Reduktion der Malmittel und eine radikale Vereinfachung von Form und Farbe aus. Impulse aus dem Formenrepertoire außereuropäischer, indigener Kunst und regionaler Volkskunst vervollständigen das Bild einer überaus facettenreichen Kunstrichtung. Diese wird durch die Verbindung mit der französischen Avantgarde wie den Nabis und den Fauvisten sowie eigenständige Positionen wie die Paula Modersohn-Beckers abgerundet.
Deutsche wie österreichische Expressionisten hinterfragten und erweiterten den Schönheitsbegriff radikal. Vereint unter einem Dach treten beide Strömungen in dieser Fokus-Schau in einen imaginären Dialog.
Was hat Expressionismus mit wirtschaftlichem Fortschritt zu tun?
Der Begriff Expressionismus wurde in Deutschland erstmals 1911 im Vorwort des Kataloges zur 22. Ausstellung der Berliner Secession in Zusammenhang mit den Werken junger französischer Künstler verwendet.
Der Deutsche Expressionismus wurzelt u.a. in den negativen Begleiterscheinungen des rasanten wirtschaftlichen Fortschritts der ersten Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts. Die Schattenseiten der Industrialisierung führten unweigerlich zu sozialen Konflikten. Mit der zunehmenden Entfremdung von Natur und Spiritualität entstand eine Sehnsucht nach Ursprünglichkeit, Innerlichkeit und freiem Ausdruck. Diese bildete im wilhelminischen Kaiserreich den Nährboden für den Expressionismus.
Die expressionistische Kunst umfasste radikale künstlerische Reaktionen auf den Impressionismus und auf konservative akademische Traditionen. Die Expressionisten nahmen hinsichtlich eines freien Umgangs mit Farbe und Form Anleihen beim Schaffen der französischen Künstlergruppe Nabis („Propheten“), bei den Fauves („Wilde“) um Henri Matisse sowie beim Norweger Edvard Munch. Ebenso bezogen sie Impulse aus dem Formenrepertoire außereuropäischer, indigener Kunst und aus der regionalen Volkskunst, etwa der Hinterglasmalerei.
Hier haben wir einen super frühen Henri Matisse: „Servierter Tisch“(1897), Öl auf Leinwand. Dieses Exemplar wird nicht im Leopold Museum zu sehen sein.
Wiener Leopold Museum: Schwerpunkte der Ausstellung
Die Präsentation Deutscher Expressionismus zeigt ausgewählte Beispiele aus dem Schaffen der Dresdner Künstlergemeinschaft Brücke, die sich ab 1905 um Ernst Ludwig Kirchner, Erich Heckel; Fritz Bleyl und Karl Schmidt-Rottluff formierte. Die Künstler rebellierten gegen den Impressionismus und die Wiedergabe der Außenwelt nach tradierten Regeln. Als Teil einer naturbezogenen Lebensreform sollte Kunst „Freiheit verschaffen“, die „unmittelbar und unverfälscht das wiedergibt, was […] zum Schaffen drängt“ (Kirchner, 1906).
Die Malerinnen und Maler im Umkreis des Münchner Almanachs Der Blaue Reiter*engelsgesang* begaben sich auf die Suche nach einer neuen Innerlichkeit in der Kunst. Ihre Werke zeichnen sich durch klare Konturen aus, die bisweilen intensive Farbigkeit löste sich zunehmend vom Gegenstand. Die im Leopold Museum ausgestellten Exponate sollen ein eine Hinwendung vom Impressionismus zum Expressionismus nachvollziehbar machen.
Gabriele Münter von der Künstlergruppe „Der Blaue Reiter“: In der Erdbeerzeit (1919). Wer dieses Werk jedoch in Wien sucht, wird leider nicht fündig. Es gehört nämlich zu der fantastischsten Ausstellung der Welt im Münchner Lenbachhaus.
Expressionismus in Deutschland und Österreich
Durch die im Leopold Museum gegebene räumliche Nähe zu den Werken österreichischer Ausdruckskunst – von Richard Gerstl, Oskar Kokoschka, Egon Schiele und Max Oppenheimer bis zu Anton Kolig, Anton Faistauer und Herbert Boeckl – ermöglicht die Fokusausstellung zum Deutschen Expressionismus nun einen besonders guten Vergleich der länderspezifischen Ausprägungen expressionistischer Strömungen.
Zu den Höhepunkten der permanenten Ausstellung „Wien 1900. Aufbruch in die Moderne“ zählt neben der Kunstproduktion in Wien um 1900 insbesondere die Kunst des österreichischen Expressionismus. Das Museum zeigt auch die weltgrößten Sammlungen von Werken des Expressionismus-Vorreiters Richard Gerstl und von Egon Schiele – einem der wichtigsten österreichischen Protagonisten der Kunstrichtung. Darüber hinaus besitzt das Leopold Museum einige bedeutende Werke des deutschen Impressionismus und Expressionismus, unter anderem von Max Liebermann, Lovis Corinth, Max Beckmann oder Ernst Ludwig Kirchner. Ein Besuch lohnt sich also auch außerhalb aller Sonderausstellungen.
Quelle: presseportal.de: Pressemitteilung des Leopold Museums
Ryan Gander, ein britischer Künstler der Gegenwart, hat auf der Art Basel 2024 sein neues Werk „School of Languages“ vorgestellt. Seine Gorilla-Installation soll die Beziehung zwischen unserer evolutionären Vergangenheit und den dynamischen Aspekten der modernen Gesellschaft untersuchen. Das Kunstwerk soll Verbindungen zwischen dem täglichen Leben und dem Mystischen ziehen.
Mein erster Eindruck von Ganders Gorilla
Bevor ich mich jetzt in die Interpretation dieses Werks stürze, will ich zunächst meine Gefühle vor Ort beschreiben. Ich hatte es eilig. In einer Stunde würde die Art Basel schließen und ich musste mich beeilen, um noch schnell das Beste von der Messe mitzubekommen. Ich ließ meine Mutter also in der Unlimited-Halle stehen und raste davon. Ja, so läuft das bei uns. Sie wollte sowieso im Café chillen. Egal. Ich eilte durch die Messe und blieb plötzlich wie angewurzelt stehen. Denn ich sah einen weißen Raum mit weißem Schreibtisch und weißem Ventilator. Um den Tisch herum versammelten sich Menschen mit großen Augen – da musste ich hin.
Als ich näher kam, schien es, als läge unter dem weißen Schreibtisch ein Hund, der da gar nicht hingehörte – so meine ersten Gedanken. Dann ging ich um das Möbelstück herum und sah: einen Gorilla. Mein Sehorgan musste ich zunächst mehrfach fokussieren, um mir ganz sicher zu sein, dass es sich um eine leblose Tierimitation handelte – so echt sah das Tier aus. Darüber hinaus atmete es, machte leichte Handbewegungen und gab auch anderweitige Geräusche von sich. Es war schon irgendwie außergewöhnlich.
Diese Bedeutungsebene hat der Gorilla laut Künstler
In Ryan Ganders Installationskunstwerk trifft der Betrachter also auf eine Mischung aus Objekten. Im Mittelpunkt steht der Büroschreibtisch im Corporate-Stil. Neben ihm befinden sich ein elektrischer Standventilator und eine digitale Wanduhr. Durch den Ventilator soll der Geruch von Feuchtigkeit und Urin verströmt werden. Vor Ort roch ich persönlich aber nichts dergleichen. Die Figur unter dem Schreibtisch stellt einen lebensgroßen, weiblichen Gorilla dar. Trotz ihrer scheinbaren Schüchternheit zeige sie den Wunsch zu lernen, indem sie Einheiten notiere – so die ikonologische Beschreibung im Katalog. What? Die Bedeutung ihrer Handlung bleibe laut Künstler jedoch für den Betrachter unklar: Notiert sie Zeiteinheiten? Währungseinheiten? Oder gar eine Akkumulation oder einen Rückgang einer anderen Größe? All diese Fragen habe ich mir natürlich nicht gestellt.
Holen wir mal ganz weit aus und ziehen den Messebesucher mit ins interpretative Boot der modernen Künste: Dadurch, dass einige Besucher unter den Schreibtisch blickten, machte es viel mehr den Eindruck, als sei der Gorilla in gewisser Weise ängstlich und nicht gerade gut auf die Menschen zu sprechen. Als würde er dort gezielt Schutz suchen. Dass der Betrachter auf die Installation einwirkt, hätte der Künstler ja aber nicht ahnen können. Oder? Da wären wir wieder bei unseren individuellen Realitäten und Paradigmen.
Ein weiteres bemerkenswertes, von mir jedoch unbemerkt gebliebenes, Detail ist die „Wanduhr, die zwei Anzeigen in einem einzigen Objekt kombiniert“. Diese „divergieren in seltsamen Winkeln und erzeugen dadurch die Illusion von Doppelbildern“, heißt es weiter in dem Art Basel Unlimited-Katalog, was auch immer das bedeuten mag.
Eine kurze Info zum Künstler Ryan Gander
Ryan Gander wurde 1976 in Chester, Großbritannien geboren. Er lebt und arbeitet in Suffolk und soll dafür bekannt sein, traditionelle Vorstellungen von Sprache und Wissen herauszufordern und gleichzeitig neue Wege in der Präsentation und Schaffung von Kunstwerken zu gehen.
Das denke ich über Ganders Gorilla
Was denken wir über dieses Kunstwerk? Ich fang mal an: Es ist cool. Es war cool, bis ich die Bedeutungsebene von Gander gelesen hatte. Genau das ist der Punkt, über den ich mich bereits tausendfach ausgekotzt hatte. Moderne Künstler bekleben ihre Werke regelrecht mit irgend welchen tieferen Symbolen und Bedeutungen. Wir erinnern uns an meinen Anfall, den ich nach der Nicolas Party Ausstellung in Baden-Baden hatte. Auch damals fand ich es unerträglich, dass Banalitäten irgend welche Biblischen Bedeutungsebenen zugeschrieben wurden, die da gar keinen Platz hatten.
Nun. Bei unserem Gorilla von Ryan Gander ist es nicht so extrem. Hier kann weder die Sprache von Banalitäten noch von talentfreier Zone sein. Immerhin ist das Werk wirklich interessant und ruft bei dem Betrachter eindeutig Emotionen hervor. Aber ich persönlich nehme mir hier das Recht raus zu sagen, dass mir die Beschreibung des Künstlers bisschen zu dick aufgetragen erscheint. Ich liebe die einfachen Dinge, weil sie genial sind. Und in ebendieser Einfachheit liegt meiner Meinung nach auch eine Kunst – gewissermaßen.
Ich fand das Kunstwerk „School of Languages“ nice. Aber Lu Yangs Avatar DOKU, dessen Film „The Flow“ nur wenige Meter weiter auf der Art Unlimited ausgestellt wurde, kann der liebenswerte Gorilla leider nicht das Wasser reichen. Nicht weil das DOKU-Werk etwa einfach gemacht oder aufgebaut ist. Weil es selbsterklärend, zugänglich und durch die Darstellungen der Künstlerin tief philosophisch ist, ohne dass sie es notwendig hatte, irgendwelchen unscheinbaren Elementen eine zweite Bedeutungsebene zu verpassen. Und diesen Effekt können meistens nur Genies erzeugen.
Diese Frauen schufen nicht nur Kunstwerke sondern knüpften auch von Paris und Frankfurt aus internationale Netzwerke, um sich gegenseitig zu unterstützen. Einige prägten als Lehrerinnen und Kunstagentinnen sogar die Geschichte des Städel Museums und der Städelschule.
Louise Catherine Breslau (1856-1927): Junge Frau und Chrysanthemen. Portrait von Mina Carlson-Bredberg, 1890. Öl auf Leinwand.
Städelfrauen: Meisterwerke erstmals öffentlich gezeigt
Besucher können rund 80 Gemälde und Skulpturen von 26 verschiedenen Künstlerinnen bewundern. „Wir stellen diese Künstlerinnen mit ihren individuellen Leistungen vor und machen ihre weitverzweigten Netzwerke sichtbar.“ Das erklären Alexander Eiling, Eva-Maria Höllerer und Aude-Line Schamschula, Kuratoren der Ausstellung im Städel Museum in einer Mitteilung. Sie betonen: „Es ist eine Ausstellung über die Selbstermächtigung von Künstlerinnen, die zu ihrer Zeit keine Ausnahmeerscheinungen waren“.
Die ausgestellten Exponate stammen aus renommierten US-amerikanischen und europäischen Museen sowie aus Privatbesitz. Einige dieser Arbeiten werden zum ersten Mal der Öffentlichkeit präsentiert. Auch bisher unveröffentlichtes Archivmaterial, darunter Fotografien und Briefe, die von internationalen Ateliergemeinschaften, professionellen Künstlerinnenverbänden und dem kontinuierlichen Streben nach Anerkennung erzählen ergänzen die Ausstellung.
Eugenie Bandell (1857-1918): Sonne am Mittag (Wilhelmsbad), 1913. Öl auf Leinwand.
Ausstellung im Städel Museum: Spiegel der gesellschaftlichen Umbrüche
Die ausgestellten Künstlerinnen zeichnen sich durch ihre Eigenständigkeit und Professionalität aus, in einem Kulturbetrieb, der zu ihrer Zeit von männlichen „Künstlergenies“ bestimmt wurde.
Die Ausstellung zeigt die stilistisch unterschiedlichen Herangehensweisen weiblicher Künstlerinnen und spiegelt die radikalen gesellschaftlichen und ästhetischen Umbrüche ihrer Zeit wider. Dabei setzten sie sich mit ihrer eigenen Existenz in einem männlich dominierten Umfeld auseinander und stellten traditionelle Geschlechterrollen infrage. Neben Malerei und Zeichnung eroberten sie auch die als „männlichste“ Gattung geltende Bildhauerei.
„Städelfrauen“ ist mal wieder eine gelungene Ausstellung. Ich bin sehr froh drum, dass die Kuratorinnen und Kuratoren des Städels sich wieder mal für ein klares Konzept entschieden haben. Jedes Mal freue ich mich über einfache und nachvollziehbare Strukturen einer Sonderausstellung, denn ich bin der Überzeugung, dass alles Geniale einfach ist.
Eugenie Bandell: Gelb und blau (Stillleben), um 1909. Öl auf Leinwand.Fragment von: Eugenie Bandell, Gelb und blau (Stillleben). Ich liebe diese spachtelähnliche Technik, die hier so präzise mit einem Borstenpinsel ausgeführt wurde.
Ich war sehr gerührt. Es war schmerzhaft zu erkennen, dass Frauen um 1900 nicht ansatzweise die gleichen Chancen hatten, wie Männer. Auch in der Kunst nicht. Aber das ist natürlich nichts Neues. Die Tatsache, dass die Künstlerinnen trotz allen Schwierigkeiten Wege fanden, um ihre Träume zu verwirklichen und ihrem Bedürfnis, Kunst auszuleben, folgten, jagt mir Tränen in die Augen. Denn bisher wusste ich gar nicht zu schätzen, was für ein Glück ich habe, dieses Handwerk – wenn auch in einer ganz anderen Dimension; wir erinnern uns, ich bin werdende Karikatur- und Comiczeichnerin – erlernen zu dürfen, ohne auch nur den Hauch eines Widerstandes zu spüren bekommen zu haben. Und das alles, weil ebendiese Künstlerinnen damals dafür kämpften, dass meine Generation alles machen kann, worauf sie Bock hat.