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Kandinsky hört Farben

Hörte Wassily Kandinsky Musik, während er seine Genialität auf die Leinwand brachte? Das werden wir womöglich nie erfahren. Was wir jedoch mit Sicherheit sagen können, ist, dass er sich von den Werken Wagners, Schoenbergs und Mussorgsky’s inspirieren ließ. Seine Erfahrungen beim Musikhören beeinflussten ihn und seine Kunst sehr stark. Klang wandelte er nämlich in Farbbewegung um und nannte seine abstrakten Bilder zudem auch „Impression“, „Improvisation“ oder „Komposition“ – Begriffe, die wir sonst nur aus der klassischen Musik kennen.

links: Improvisation 26 (Rudern), 1912
rechts: Große Studie zu einem Wandbild für Edwin R. Campbell (Sommer), 1914

Was hat es mit dem Hören von Farben auf sich?

Dieser Umwandlugsprozess ist weniger mystisch als psychologisch. In der Forschung gibt es sogar einen gesonderten Begriff dafür: Synästhesie. Also der Prozess einer automatischen Kopplungen zwischen zwei verschiedenen Reizen (etwa Chromästhesie: Klänge→Farben). Das kann zum einen an einer engen Verschaltung benachbarter Hirnareale liegen („cross-activation“), oder an einer Enthemmung bestehender Rückkopplungen („disinhibited feedback“). Zweiteres heißt so viel wie: Das Gehirn lässt Infos aus einem Sinnesbereich leichter in andere Bereiche fließen, statt sie zu stoppen. Manche Menschen haben das, manche nicht.

Mein lieber Schatz (ein Geiger) sagte mir neuerdings, er könne das. Was mich überhaupt dazu veranlasste, mich mit diesem Thema auseinanderzusetzen. Er meinte, meine Sprechstimme würde gülden klingen. Wenn ich lustig gelaunt sei, eher zitronengelb. Wenn ich sowas schon höre, erlebe ich natürlich den Höhenflug des Jahrtausends. Das muss ich hier an der Stelle ganz offen zugeben.

Natürlich ist nicht jeder so gebaut wie dieser Musiker. Aber die aller meisten von uns werden unterscheiden können was mit „warme Farbe“ oder „kühler Ton“ gemeint ist. Was ein warmer Klang ist und was etwa ein metallisches, kaltes Geräusch ist. Und das obwohl Temperaturen weder gesehen noch gehört werden können. Höchstens ihre Auswirkungen. Ihr wisst schon, worauf ich hinaus will.

Entwurf 2 zu Komposition VII, 1913

Wassily Kandinsky: Synästhesie oder doch nur Strategie

„Farbe ist die Taste, das Auge der Hammer, die Seele das Klavier mit vielen Saiten“, schrieb Kandinsky in „Über das Geistige in der Kunst“ (1911). Vor allem in der abstrakten Phase seiner Kunst lebt er dieses Prinzip und spielt mit der Leuchtkraft und Kombination seiner Farben, die beim Betrachter eine tiefe Emotionalität hervorrufen können. Ich für meinen Teil bin nach einer Kandinsky-Ausstellung sehr auf Endorphinen und erreiche ebenso einen aufgeladenen Zustand, wie nach einem guten klassischen Konzert. Aber ich bin, ihr kennt mich ja, sehr empfänglich für all sowas.

Inwieweit Kandinsky jedoch eine angeborene Synästhesie hatte oder einfach nur konsequent seine Vision der Farben und Klänge durchgedrückt hatte – darüber streitet sich die Forschung bis heute. Doch dass unser geliebter Künstler wirklich wenig Menschen kalt lässt, ist Tatsache. Unzählige Sammlungen und Ausstellungen auf der ganzen Welt, tausende Besucher, tausende Artikel und Kunstbücher, Postkarten, Drucke usw. sprechen meines Achtens ganz dafür, dass er wohl doch mit seiner Kunst in vielen von uns einen ganz bestimmten Punkt unserer Seele berührt, was sonst selten einer schafft.

rechts:  Improvisation 19, 1911
links: St. Georg III, 1911

Farbwirkung und Emotionalität

Kandinsky’s Absichten in der Malerei waren nicht nur ästhetisch geprägt, sondern spirituell-emotional. Mit seinen Farben und Formen wollte er gezielt im Betrachter ähnliche Gefühlsreaktionen auslösen wie Musik es tut. Er war überzeugt, dass Farben eine direkte „seelische Vibration“ hervorrufen können. Daher ordnete er Farben bewusst bestimmten Stimmungen und Klängen zu:

  • Blau steht bei Wassily Kandinsky für Ruhe, Spiritualität und Unendlichkeit.
  • Gelb hat eine exzentrische, hervorbrechende Wirkung und einen hohen, durchdringenden Klang.
  • Rot symbolisiert Energie, Leidenschaft und Dynamik, ist dabei jedoch eine sehr widersprüchliche Farbe in Kandinsky’s Werk. Sie kann sowohl eine warme, reife und energiegeladene Kraft als auch eine innere Unruhe und Erregung darstellen. Rot kann gleichzeitig stürmisch und aufpeitschend, aber auch bodenständig und ruhig sein, je nach Nuance und Kontext.
  • Schwarz und Weiß: repräsentieren Gegensätze wie Dunkelheit und Licht.

Außerdem nutze er bewusst musikalische Begriffe als Malstrategie. „Kompositionen“ waren bei ihm streng geplante, komplexe Werke, „Improvisationen“ hingegen spontanere, emotionale Farbklänge.


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Bebilderung dieses Artikels: © avecMadlen

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Kunst

Die radikale Veränderung in Kandinskys Malstil

Wassily Kandinsky ist bekannt für seine farbenfrohe und ausdrucksstarke Malerei. Doch sein außerordentliches Werk „Roter Fleck II“ (1921) zeigt eine entscheidende Wendung in seiner künstlerischen Karriere.

Als der Erste Weltkrieg ausbrach, verließ Kandinsky Deutschland und kehrte in sein Heimatland Russland zurück. In dieser Zeit ruhte seine Kunst. Er widmete sich eher politischen und kulturellen Aufgaben.

Porträt von Wassiky Kandinsky. Der Künstler sitzt am Tisch und schaut in die Kamera
Wassily Kandinsky in seinem Studierzimmer. Copyright: IMAGO / Bridgeman Images

„Roter Fleck II“ von Wassily Kandinsky

Das Werk „Roter Fleck II“, das im Münchner Lenbachhaus hängt, steht symbolisch für den bedeutenden Wandel in Kandinskys Ausdrucksweise. Sein typischer lebendiger Farbauftrag wurde durch eine glattere Art der Farbgebung ersetzt. Seine Bilder wirken nun kühler und rationaler. Die geometrischen Formen wie Dreiecke, Kreise und Linien dominieren seine Werke. Das ist ein klarer Einfluss des russischen Konstruktivismus, einer Strömung in der Kunst, die Wert auf geometrische Strukturen legt.

Künstler des Konstruktivismus wie Ljubow Popowa, Wladimir Tatlin und Malewitsch haben sicherlich zu diesem Wandel beigetragen. Dennoch unterscheidet sich Kandinskys Arbeit von ihrer rein konstruktivistischen Ansatzweise. Denn obwohl er geometrische Formen nutzt, sind sie in seinen Werken nicht streng logisch angeordnet.

Ein besonderes Element ist dabei der Kreis – diese Form wird zu einem zentralen Aspekt während seiner Zeit am Bauhaus. Für Kandinsky repräsentiert der Kreis die perfekte Form für sein neues künstlerisches Schaffen. „Neues“, da sein Herz in der frühen Schaffensphase dem Expressionismus gehörte.

Wassily Kandinsky: Roter Felck II im Lenbachhaus München
1921: Roter Fleck II / Öl auf Leinwand

Konstruktivismus: Kandinskys streben nach reinen Formen

Mit seinen geometrischen Formen setzte er seine Suche nach immer reineren Formen fort. Diese sollten keine Erinnerungen oder ablenkende Assoziationen hervorrufen. Im Gegensatz zu anderen abstrakten Künstlern blieb Kandinsky jedoch stets bei der Darstellung von ‚Figuren‘, seien sie nun gegenständlich oder abstrakt.

Insgesamt betrachtet steht „Roter Fleck II“ als Zeichen eines neuen Kapitels in Kandinskys Werk. Es zeigt den Beginn seiner Auseinandersetzung mit dem Konstruktivismus und dem Streben nach reinen Formen. Erfahre hier von der größten Sammlung der Künstlergruppe „Der Blaue Reiter“, die Kandinsky mitbegründete.


Nicht ausdrücklich gekennzeichnete Bilder in diesem Artikel © avecMadlen

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Kunst

War Henri Matisse für die Kunst bestimmt?

Der Maler Henri Matisse, geboren am 31. Dezember 1869 in Le Cateau-Cambrésis im Nordosten Frankreichs, war eigentlich für eine andere Karriere bestimmt. Wie er selbst sagte, sollte er als „Sohn eines Samenhändlers“ im Geschäft seines Vaters nachfolgen.

Henri Matisse: Vase d'anémones, 1946 auf der Art Basel 2024
Henri Matisse: Vase d’anémones (1946) – eines seiner Werke, die ich erst neulich sehen durfte. Dieses fand ich auf der Art Basel 2024.

Henri Matisse: Der lange Weg zu seiner Kunst

Matisse war kein Wunderkind wie Pablo Picasso; statt dessen entwickelte er seine Kunst langsam und kontinuierlich aus seiner Begeisterung für Farbe, Licht und Raum. Seine Eltern Emile Matisse und Héloïse Matisse (geb. Gérard) betrieben ein Lebensmittelgeschäft in Bohain mit angeschlossenen Samen- und Farbenabteilungen.

Ursprünglich absolvierte Matisse humanistische Studien am Henri-Martin-Gymnasium in Saint-Quentin (1882-1887). Es folgte ein zweijähriges Jurastudium in Paris. An wen erinnert uns das nur? Im Jahr 1889 wurde er Anwaltsgehilfe in Saint-Quentin.

Porträt des französischen Künstlers Henri Matisse; schwarz weiß
Henri Matisse, Ende der 1940er Jahre in Frankreich. Copyright: IMAGO/teutopress

Geschenk der Mutter entfacht Henris Leidenschaft

Einen entscheidenden Wendepunkt stellte eine lange Krankheitsphase dar, während der ihm seine Mutter einen Malkasten schenkte, um ihn aufzumuntern. Dieses Geschenk entfachte sein Interesse an der Malerei weiter. Denn es stellte sich heraus: Er hatte bereits zuvor Zeichenkurse besucht.

Nachdem er sich endgültig für die Malerei entschieden hatte, kehrte er spätestens Anfang 1891 nach Paris zurück, um sich auf der Académie Julian zu lernen. Trotz einer ersten gescheiterten Aufnahmeprüfung an der Ecole des Beaux-Arts, ließ Matisse sich nicht entmutigen. Schließlich wurde er im März 1895 offiziell als Schüler des symbolistischen Malers Gustave Moreau an der Kunstschule akzeptiert.

„Ich bemühe mich darum, eine Kunst zu schaffen, die für jeden Beschauer verständlich ist.“

Henri Matisse

Einflüsse: Die Entwicklung seines eigenen Malstils

Henri Matisse entdeckte den Impressionismus durch seinen Nachbarn und Kollegen Emile Wéry. Diese Entdeckung führte zu einer leidenschaftlichen Begeisterung für die Farben des Regenbogens, die Matisse etwa in seinem Werk „Servierter Tisch“ zum Einsatz brachte. Es ist ein von Camille Pissarro beeinflusster, maßvoller Impressionismus, der die Hinkehr zur reinen Farbe ahnen lässt.

Das wachsende Interesse von Matisse für diese Richtung der Malerei muss Gustave Moreau mit seiner symbolistischen Auffassung geärgert haben. Die Achtung des Lehrers für den Schüler erlitt dadurch dennoch keinen Bruch, da Interieurs, Porträts, Stillleben und Landschaften weiterhin dem System der Valeurs1 unterworfen blieben. Im Jahre 1897 verteidigte Moreau sogar den „Servierten Tisch“, der im „Salon de la Nationale“ ausgestellt wurde, gegen Kritiker.

Henri Matisse: Servierter Tisch
Henri Matisse: Der Servierte Tisch (1897), Öl auf Leinwand; Copyright: Volkmar Essers – Matisse (Taschen Verlag, 1986)

Henri Matisse: Eine neue Ära der Farben und Darstellungen

Matisse heiratete Amélie-Noémie-Alexandrine Parayre. Sie hatten eine Tochter, Marguerite, und zwei Söhne, Jean und Pierre. Im Jahr 1898 verließ Matisse die Ecole des Beaux-Arts. Dann fuhr er nach Korsika, wo er den Frühling und Sommer in Ajaccio verbrachte. Dort wurde seine Begeisterung für den Süden geweckt. Landschaftsbilder, Stillleben und Interieurs entstanden in zumeist kleinem Format. Das Licht des Mittelmeers hellte die Farbskala immer mehr auf.

Entdecke hier ein paar Impressionen aus der Matisse-Ausstellung in der Fondation Beyeler

Paul Cézanne übte zwischen 1900 und 1904 einen entscheidenden Einfluss auf Matisses Werk aus, wie etwa der Männliche Akt „Der Knecht“ zeigt. Männliche Aktbilder gibt es bei Matisse nur in der kurzen Periode von 1899 bis 1903, die mit der Phase seiner intensiven Cézanne-Begeisterung zusammenfällt. Über die Art, das Motiv zu behandeln, notierte er: „Ich betone seinen Charakter und scheue nicht das Risiko, den Charme dranzugeben, um eine größere Standfestigkeit zu erzielen.“

Henri Matisse, Männlicher Akt: Der „Knecht“ (1900), Öl auf Leinwand. Copyright: Volkmar Essers – Matisse (Taschen Verlag, 1986)

Was bei Bildern wie dem „Männlichen Akt“ an Cézanne erinnert, ist die Darstellungsart. Matisse wählte keine Ruhestellung, sondern eine Körperhaltung voll Spannung. Die gespreizte Stellung der Beine gewährt den festen Stand, von dem er sprach. Die Eleganz weicht der Konstruktion mit Farbflächen. Die Ebenen stoßen hart aneinander.


Quelle: Volkmar Essers – Matisse (Taschen Verlag, 1986)

  1. Das System der Valeurs (oder deutsch: Wertesystem) der Literatur und Kunst ist ein System der geistigen und künstlerischen Werte, die sich in literarischen und künstlerischen Werken kristallisiert haben und der Seele, dem Intellekt und der Persönlichkeit dienen. Das Wertesystem der Literatur und Kunst besteht aus zehn Werten, darunter Widerspiegeln der Tatsachen, Kreativität, Menschlichkeit, Nation usw. Mehr dazu liest du hier↩︎
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Auf der Jagd nach Cranachs blutrünstigen Frauen

„Ich bin besessen nach Cranach“, sagte ich zu der Dame an der Kasse im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg, ohne das so richtig gewollt zu haben. Meine Fetische behalte ich nämlich meistens für mich, aber das Phänomen Lucas Cranach teile ich gerne auch mit dir.

In diesen Städten hängt Lucas Cranach

Wegen Lucas Cranach d.Ä. fuhr ich schon nach Hamburg, Stuttgart, Karlsruhe und nach Frankfurt sowieso. Was mich dabei Fasziniert, ist schwer zu greifen. Wahrscheinlich diese einzigartige Plastik, mit denen Cranach seine bildschönen Kinderfrauen malt. Ich liebe die klaren und Ausdrucksstarken Mimiken, die reichen Farben und die üppigen Gewänder. Ich liebe seine Technik und den ganz eigenen Stil und ich freue mich einfach jedes Mal aus meiner vollsten Seele, wenn ich eines seiner Werke schon von Weitem sehe. Heute will ich aber über seine düsteren Werke sprechen.

Fangen wir an mit meinem neuesten Eindruck aus Nürnberg: Dort sah ich Salome – jedoch diese eine Salome, bei der der abgetrennte Kopf des Johannes abgetrennt wurde. Also buchstäblich: Das blutige Haupt des Täufers sollte ursprünglich in der Schüssel liegen, die Salome hielt. Dem Auftraggeber gefiel dieses schauderhafte Bildnis laut Museum allerdings nicht und er ließ Kunstwerk halbieren.

Lucas Cranach Salome im Germanischen Nationalmuseum Nürnberg. Das Gemälde ist ab der Hälfte abgetrennt
Lucas Cranach der Ältere im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg: Damenbildnis, früher Salome mit dem Haupt Johannes des Täufers um 1530 – Malerei auf Lindenholz.

Ein abgetrennter Kopf in seiner vollen Pracht lässt sich in einem der Cranach-Gemälde im Frankfurter Städel bestaunen:

Städel Museum Frankfurt: Gastmahl des Herodes von Lucas Cranach dem Älteren
Lucas Cranach der Ältere im Städel, Frankfurt: Gastmahl des Herodes, 1533 – Mischtechnik auf Lindenholz

Auf dem Frankfurter Gastmahl des Herodes finde ich die Gesichter der dargestellten Figuren einfach köstlich. Während Salomes Vater das blutige Präsent dankend ablehnt, scheint Mutti Heroidas, die Frau zu seiner Linken, in diesem Moment sagen zu wollen: „Ach, Herodes… Jetzt probier doch wenigstens ein Stückchen.“

Lucas Cranach: Eine weitere Darstellung des abgetrennten Kopfes

Judith mit Schwert und abgetrenntem Kopf des Holofernes in der Stuttgarter Staatsgalerie
Lucas Cranach der Ältere in der Stuttgarter Staatsgalerie: Judith mit dem Haupt des Holofernes – Mischtechnik auf Lindenholz

Ist das nicht spannend, dass Cranachs Täufer und sein Holofernes glatt eineiige Zwillinge sein könnten? Es scheint ja fast, als hätte er den gleichen abgetrennten Kopf wieder und wieder gemalt. Doch die ikonographischen Geschichten hinter diesen zwei Gemälden mit den geköpften Männern und den Bildschönen Frauen können unterschiedlicher nicht sein.

Die Geschichte von Salome und dem Kopf des Täufers

Salome war die Tochter von Herodias, der Frau des Tetrarchen Herodes Antipas. Johannes der Täufer war ein Prophet und Prediger, der im Neuen Testament als Vorläufer von Jesus Christus bekannt ist. Die Geschichte spielt sich während einer Feier im Palast des Herodes ab. Herodias war unglücklich in ihrer Ehe mit Herodes und wollte Rache an Johannes, der die Ehe als sündig verurteilte. Während der Feier tanzte Salome vor Herodes und seinen Gästen. In künstlerischen Tanz-Darstellungen ist Salome als Verführerin dargestellt und ist als solche auch zu verstehen. Sie erfreute Herodes so sehr mit ihrem Tanz, dass er ihr einen Wunsch gewährte.

Auf Anstiften ihrer Mutter Herodias bat Salome um den Kopf von Johannes dem Täufer auf einem Tablett. Obwohl Herodes Johannes respektierte und ihn für einen heiligen Mann hielt, fand er sich in einer schwierigen Situation und konnte seinem Versprechen nicht entkommen. Schweren Herzens ließ er Johannes hinrichten, und sein Kopf wurde auf einem Tablett präsentiert und Salome übergeben.

Die Geschichte von Judith und Holofernes…

…ist eine biblische Erzählung aus dem Buch Judith im Alten Testament. Judith, eine jüdische Witwe, begibt sich in das Lager des assyrischen Generals Holofernes, gewinnt sein Vertrauen und tötet ihn, als er betrunken ist. Dadurch rettet sie ihre Stadt Betulia vor einer Belagerung und wird als Heldin gefeiert. Judiths Tapferkeit und Glauben werden in der Geschichte betont, und sie bleibt ein symbolisches Beispiel für Standhaftigkeit in schwierigen Zeiten.

Die beiden biblische Szenen kann man auseinanderhalten, in dem man insbesondere auf die Attribute achtet. So hat Judith oft ein Schwert in der Hand, kann Holofernes‘ Kopf aber auch bei den Haaren halten oder gerade dabei sein, ihn zusammen mit einer weiblichen Hilfsfigur in einen Sack zu stecken. Judith hingegen trägt diesen Kopf auf einem Tablett oder in einer Schüssel vor sich oder befindet sich gerade mitten in ihrem verführerischen Tanz. Erfahre hier, welche weitere verführerische Frauenfigur aus der Bibel im Germanischen Nationalmuseum hängt.

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Kunst

Hier findest du russische Ikonen in Frankfurt

Russische Ikonen sind religiöse Gemälde, die in der orthodoxen christlichen Tradition eine wichtige Rolle spielen. Sie dienen als spirituelle Symbole und werden in orthodoxen Kirchen sowie in Privathäusern als Schutz- und Andachtsbilder aufgehängt. Jede Ikone repräsentiert einen Heiligen, eine biblische Figur oder ein religiöses Ereignis. Die Kunst der Ikonenmalerei hat in Russland eine lange Tradition und ist eng mit der orthodoxen Kirche verbunden.

Um so mehr erstaunte es mich, diesen spirituellen Teil meiner Kultur auf der Museumsinsel in Frankfurt zu finden. Im Ikonenmuseum (hier geht’s zum Webauftritt des Museums). Der größte Teil der Dauerausstellung besteht aus russischen Ikonen. Besucher finden dort auch Ikonen aus Griechenland, dem historischen Byzanz, Rumänien, dem Balkanraum und Ägypten.

Russische Ikone mit drei Heiligen im Ikonenmuseum in Frankfurt am Main
Die Heiligen Georg, Klemens und Menas | Russland, Nowgorod, 15. Jahrhundert: Malstil und Farbwahl kennzeichnen diese Ikone als ein herausragendes Beispiel der Malschule von Novgorod. Dort hatte sich seit dem 12. Jahrhundert eine eigenständige Maltradition entwickelt, die bis zum 14. Jahrhundert ihre Blütezeit erlebte. Für die Ikonen der späteren Novgoroder Maltraditiom ist der plastische Stil der Figuren typisch, der die spätbyzantinische Malerei imitiert.

Diese Techniken werden bei der Ikonenmalerei angewandt

Die Ausstellung war sagenhaft. Die Inszenierung war sehr geschmackvoll und passend. Ich muss sagen, dass das das beste war, was ich in Frankfurt seit Langem gesehen habe. Während ich die einzelnen Heiligenbildnisse aus der Nähe betrachtete, musste ich wieder einmal feststellen, wie sehr sich Ikonenmalerei von anderer sakralen Kunst unterscheidet.

Sehr lesenswert:  Interview mit dem zeitgenössischen Ikonenmaler Igor Kaplun

Gemalt wird nämlich auf ganz bestimmte Weise. Die traditionelle Reihenfolge der Tätigkeiten ist entscheidend für den Aufbau von Ikonen, die aus verschiedenen Materialien und Schichten bestehen:

  • Brett auswählen und bearbeiten
  • Vorbereitung des Bretts für das Grundieren, einschließlich Abschleifen
  • Herstellung des Malgrundes
  • Grundierung und Behandlung des Malgrundes
  • Zeichnen, Übertragen, Vergrößern oder Verkleinern der Zeichnung sowie Pauszeichnung
  • Vergoldung der Bildfläche
  • Vorbereitung der Farben und Mischung der Ikonenfarben
  • Ausführung der Detailarbeiten
  • Feine Modellierung der Details
  • Anwendung von verschiedenen Schichten, wie Sankir, erstes, zweites und drittes Ockern, und Ausführung des Inkarnats
  • Nachbearbeitung der Zeichnung und Malerei, einschließlich Einfärben der Flächen der Einfassung, des Randes, der Heiligenscheine und der Beschriftung
  • Schutz der Ikone durch Firnis und Lackierung

Gemalt wird mit Eitempera. Sie besteht aus wasserverdünntem Eigelb als Bindemittel und einem Pigment. Solch strikte regeln sind nur der Ikonenmalerei vorbehalten, soweit ich weiß.

Kalender-Ikone hängt im Ikonenmuseum in Frankfurt am Main
Kalenderikone für das ganze Jahr mit Passionsbild und Gottesmutterdarstellungen | Russland, 2. Hälfte 19. Jahrhundert – ein sakrales Kunstwerk, das mich besonders erstaunt hatte, da es sich hierbei um Kleinstarbeit handelt: Die Jahresikone beginnt oben links mit dem liturgischen Jahresbeginn, dem 1. September. Das orthodoxe Kirchenjahr endet unten rechts mit dem Monat August. Im Zentrum der Ikone ist das Osterbild dargestellt, um das sich der Passionszyklus Christi gruppiert.

Der Passionszyklus wird wiederum von den 12 Monaten des Jahres umgeben, die durch verschiedene Heilige oder Feste repräsentiert werden. Der äußere Zyklus zeigt schließlich zahlreiche Gottesmutterdarstellungen. Die Kombination all dieser Inhalte macht diese Ikone zu einem typischen Beispiel einer Sammelikone.

Russische Ikonen: Tradition und feste Vorgaben

Natürlich musste ich auch in dieser Ausstellung an Giovanni Bellini denken, wohingegen er die Darstellung der Heiligenbildnisse revolutionierte, als er die Sacra Conversazione ins Leben rief. Ich denke, dass es so etwas in der Russisch-Orthodoxen Kirche nicht geben könnte. Die Russen lieben ihre Ikonen und wissen das Bewahren ihrer Tradition, zumindest was sakrale Kunst angeht, sehr zu schätzen.

Drei russische Ikonen hängen im Ikonenmuseum in FFM
Vlnr: 1.) Gottesmutter von Kasan (Kasanskaja), Russland nach 1800 – Eitempera auf Holz, Oklad vergoldet
2.) Feuerflammende Gottesmutter (Ognevidnaja), Russland, 2. Hälfte 19. Jahrhundert – Eitempera auf Holz; Oklad: Metall, Samt, Flussperlen, Glassteine und Strass
3.) Gottesmutter als Lebensspendende Quelle, Russland, 19. Jahrhundert – Eitempera auf Holz

Es ist ja nicht nur die technische Ausführung, die seit Jahrhunderten in der russischen Ikonenmalerei unverändert bleibt. Auch die Darstellung der einzelnen Figuren, die Verwendung bestimmter Farben und die Voraussetzungen, die ein Mensch erfüllen muss, der sie letztlich zeichnet, ist fest vorgegeben.

Übrigens: Eine lange Tradition in der Fertigung dieser sakralen Kunstwerke haben Griechenland (seit dem 6. / 7. Jahrhundert), Russland (vermutlich seit dem 10. Jahrhundert) und Äthiopien (seit dem 15. Jahrhundert).

Russische Ikonen: Weitaus mehr als Kunstwerke

Im Teaserbild dieses Artikels siehst du einen Propheten- und Deesisrang aus einer Ikonostase. Nordrussland, Ende 17. Jahrhundert / Anfang 18. Jahrhundert – Eitempera auf Holz.

Russische Ikonen sind nicht nur Kunstwerke, sondern auch Fenster in die spirituelle Geschichte Russlands. Ihre Bedeutung, Geschichte und die Faszination, die sie auf Gläubige und Sammler ausüben, machen sie zu einem einzigartigen und wertvollen Teil des kulturellen Erbes der Welt. Egal, ob aus spirituellen oder künstlerischen Gründen – die Wertschätzung für Ikonen bleibt ungebrochen.

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Kunst

Das Gösser Ornat: Kommunikation mit der Außenwelt

Geistliche Frauen versuchten im Mittelalter mit der Außenwelt zu kommunizieren. Sie taten dies mithilfe von Kunst, da sie in der Klosterkirche nicht anwesend sein durften. Diese Kommunikation war hauptsächlich an Verwandte und an Laien gerichtet, die sich in der Klosterkirche als Pfarrgemeinde versammelten. Die künstlerischen Botschaften sollen den Frauen dazu verholfen haben, in der äußeren Kirche Präsenz zu erlangen, von der sie räumlich getrennt waren.

Das Gösser Ornat ist nicht nur ein liturgisches Gewand, sondern auch ein „Kommunikationsmittel“ der geistlichen Frauen. Es besteht aus Seidenstickereien auf Leinen und zeigt die Marienvita, also das Leben der Jungfrau Maria. Die „Urheberin“ des Bildprogramms, das wir auf dem Gösser Ornat sehen, ist ebenfalls mehrfach dargestellt. Dies ist in der Paramentenkunst des 13. Jahrhunderts absolut einmalig ist.

Das Antependium des Gösser Ornats: Hier ist seine "Urheberin", Äbtissin Kunegunde II, im Gebetsgestus zu sehen. Die Bedeutung der Tiere, die sie umgeben, bleibt bis heute umstritten. Copyright: Museum für Angewandte Kunst Wien
Das Antependium des Gösser Ornats (Ein Bildausschnitt von links unten): Hier sehen wir seine „Urheberin“, Äbtissin Kunegunde II, im Gebetsgestus. Die Bedeutung der Tiere, die sie umgeben, bleibt bis heute umstritten. Copyright: Museum für Angewandte Kunst Wien

Was ist ein Ornat?

Das (oder der) Ornat ist die festliche Amtstracht eines Geistlichen, Herrschers oder hohen Beamten, die bei feierlichen, weihevollen und repräsentativen Anlässen getragen wird, wie z. B. bei der Krönung das Krönungsornat. Die Bezeichnung Ornat wird auch als Zusammenfassung der für den Gottesdienst verwendeten Paramente benutzt.

Grafik: Hier sind verschiedene Ornate mit ihren Attributen dargestellt. Zu sehen sind Adel und Klerus in üppig geschmückten Gewändern. Unterhalb der fünf prachtvoll gekleideten Personen sind weitere sechs Personen mit Kronen zu sehen.
Hier sind verschiedene Ornate mit ihren Attributen dargestellt.

Paramente sind die im Kirchenraum und in der Liturgie verwendete Textilien, die oftmals künstlerisch aufwendig gestaltet sind. In der katholischen Kirche versteht man unter einem Ornat die für ein Hochamt gebräuchlichen Paramente gleicher Farbe und gleichen Musters mit unterschiedlichem Zubehör.

Das Gösser Ornat beinhaltet mehrere kirchliche Gewänder, die eine liturgische Einheit bilden. Das Ornat wurde im ausgehenden Hochmittelalter im Stift Göß in der Steiermark in Österreich hergestellt.

Rihanna bei der Met Gala 2018: Hier trägt der Megastar ein Gewand, das stark an ein Ornat erinnert.
2018 trägt auch Rihanna bei der Met Gala etwas, das stark an ein Ornat erinnert. Das Thema der damaligen Gala: „Fashion and the Catholic Imagination“. Copyright: IMAGO

Aus welchen Teilen besteht das Gösser Ornat?

Das Gösser Ornat besteht aus den Teilen Antependium, Pluviale, Kasel, Dalmatika und Tunika. Alle Teile haben diverse Funktionen, da sie auch zu unterschiedlichen Anlässen getragen werden konnten.

Hier ist die Tunika des Gösser Ornats zu sehen. Die bestickte Seide aus dem 13. Jahrhundert ist hierbei sichtlich seht gut erhalten. Copyright: Museum für Angewandte Kunst Wien
Das ist die Tunika des Gösser Ornats. Man beachte den wunderbaren Zustand der bestickten Seide aus dem 13. Jahrhundert. Copyright: Museum für Angewandte Kunst Wien

Franz Bock erwähnt darüber hinaus zwei Stolen, die dem Gösser Ornat angehören sollen. Seine Theorie wird später von Gudrun Sporbeck widerlegt. Der Verbleib der bei Bock erwähnten Stolen bleibt somit bis heute ungeklärt. Weitere Kleinteile des Ornats befinden sich im Victoria & Albert Museum in London.

Diese Funktionen hatte das Ornat

Das textile Bildmedium des Gösser Ornats kommunizierte den Laien die Botschaften der Schenkung, der Heiligen Drei Könige, der Fundatorin Adala sowie die der jungfräulichen Bräute des Frauenkonvents. Betrachtet man die Abbildungen, so lässt sich entnehmen, dass die Äbtissin Kunegunde II den Armen, die während des Festes gespeist wurden, wie eine Maria lactans entgegentrat, also diejenige, die die Bedürftigen nährte. Heilgeschichtlich wird das Bildprogramm auf Christus bezogen. Aber auch die einzelnen Themenbereiche stehen in enger Verbindung zueinander. 

Die Gösser Stiftskirche war Maria geweiht. Daher scheint die Ikonographie des Ornats in erster Linie auf die Verehrung der Patronin ausgerichtet zu sein. Der Nutzungskontext der Paramente offenbart einen weiteren Marienbezug. Das Gösser Ornat war für die Gedächtnisfeier anlässlich des Todestages der pfalzgräflichen Stiftsgründerin Adala bestimmt.

Ist dieses Datum ein mysteriöser Zufall?

Der Todestag der Stiftsgründerin fällt auf den 7. September, den Tag vor der Geburt Mariens. Zu deren Gedenken wurde ein Gottesdienst gefeiert. Nur an diesem einzigen Tag im Jahr wurde das Gösser Ornat angelegt. Dadurch lässt sich seine relativ gute Erhaltung erklären.

Das liturgische Zentrum des Gedächtnisgottesdienstes war der Katharinenaltar, der mit einem bestimmten Teil des Gösser Ornats geschmückt wurde, nämlich dem Antependium. Für die Gösser Bevölkerung war dieser Gedächtnisgottesdienst ein bedeutsames Fest. Um es zu ehren, waren sie im pfarrkirchlich genutzten Teil der Stiftskirche zugegen.

Sie fertigten das Gösser Ornat – aber nicht für sich selbst

Bei den Festivitäten waren Äbtissin und die Kanonissen nicht wirklich anwesend. Kunegunde II fertigte folglich gemeinsam mit ihren Stiftsdamen die Paramente an, die sie selbst nie angelegt haben. Die Eucharistie fand an einem Altar statt, an dem die Frauen selbst nicht als sichtbar Agierende teilnehmen konnten. Sie waren räumlich davon abgesondert.

Zu sehen ist das Pluviale des Gösser Ornats. Im oberen Teil kann man gut erkennen, wie es vor geraumer Zeit geändert und wieder falsch zusammengenäht wurde. Die abgebildeten Teile passen gar nicht auf das restliche Muster und gehören eigentlich auf die Kasel, die im Titelbild dieses Beitrages hinterlegt ist. Copyright: Museum für Angewandte Kunst Wien
Zu guter Letzt: Das ist das wunderbare Pluviale. Im oberen Teil kann man gut sehen, wie es vor geraumer Zeit geändert und wieder falsch zusammengenäht wurde. Die abgebildeten Teile passen gar nicht auf das restliche Muster und gehören eigentlich auf die Kasel (siehe Titelbild). Copyright: Museum für Angewandte Kunst Wien

Die räumliche Absonderung wurde durch die Paramente des Gösser Ornats gemildert. Die Inschriften und Porträts von Kunegunde II und ihren Stiftsdamen erlangten in der Gedächtnisfeier und am Altar Präsenz. Die Donatrixporträts und Inschriften befinden sich jeweils auf der Rückseite der Gewänder, also auf der Schauseite der Stiftsdamen. So sollen sie sich an der Feier beteiligt gefühlt haben.


Folgende Quellen habe ich für diesen Beitrag verwendet:

Darüber hinaus trat ich mit dem Museum für Angewandte Kunst Wien in Kontakt und befragte die Mitarbeitenden zum Gösser Ornat. Freundlicherweise gaben sie mir auf alle meine Fragen Antworten. Sie gaben mir sogar Quellen, auf die ich selbst nie gekommen wäre. Einfach fabelhaft!

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Wer ist Selma Selman?

Die Künstlerin Selma Selman stammt aus Bosnien und Herzegowina und lebt und arbeitet in New York, Amsterdam sowie Bihać. Nach ihrem Bachelor of Fine Arts an der Fakultät für Malerei der Universität Banja Luka 2014 machte Selman weiter. Sie schloss ihr Studium an der Syracuse University 2018 ab. Und das mit einem Master of Fine Arts in Transmedia, Visual and Performing Arts.

Von 2021 bis 2023 war sie Stipendiatin an der Rijksakademie in Amsterdam. Ihre Werke wurden international gezeigt. Ausgestellt wurde sie unter anderem im Gropius Bau, Hamburger Bahnhof, documenta fifteen, Manifesta 14 in Pristina, Kunstraum Innsbruck, MO Museum Vilnius, Kasseler Kunstverein Museum Fridericianum, National Gallery of Bosnia and Herzegovina, acb Gallery in Budapest und FutuRoma Pavillon auf der Biennale di Venezia 2019.

Seit 2017 richtet Selma Selman in ihrer Heimatstad Bihać das Filmfestival „The Open Screen at Selma’s“ aus. Dieses soll den Austausch der ansässigen Rom*nja mit interessiertem Publikum fördern. Mit „Get the Heck to School” (seit 2017) gründete sie zudem ein Projekt, das insbesondere jungen Romnja-Mädchen eine Schulbildung ermöglichen soll.

Selma Selman in der Schirn Kunsthalle Frankfurt
Selma Selman in der Schirn von ihren eigenen Werken. © Schirn Kunsthalle Frankfurt 2024, Foto: Esra Klein

Selma Selman in der Frankfurter Schirn Kunsthalle

Die Schirn Kunsthalle Frankfurt widmete der Künstlerin vom 20. Juni bis zum 15. September 2024 eine Soloausstellung. Erst vor wenigen Jahren ist sie in die internationale Kunstwelt vorgedrungen und bezeichnet sich selbst als „gefährlichste Frau der Welt“. Zusammen mit ihrer Familie schlachtet Selman vor Publikum einstige Statussymbole aus. Dabei schlachtet knöpft sie sich etwa Mercedes Benzer vor, um an die wenigen noch verwendbaren Edelmetalle zu gelangen.

Besonders laut sind in der Regel auch die sprachlichen Performances der Künstlerin mit Rom*nja-Hintergrund. In ihnen kommen Wut und der Drang nach einer Umkehrung der Machtverhältnisse zum Ausdruck.

Selma Selman thematisiert Diskriminierung, Gewalt und Sexismus

Selmans Kunst behandelt in unterschiedlichen Medien die Erfahrungen mit Diskriminierung, Gewalt, Sexismus und dem Patriarchat. Ihr Werk umfasst Performances, Skulpturen, Malereien auf Autoteilen und Altmetall, Zeichnungen und Video.

In der Schirn präsentiert die Künstlerin Grafiken, kleine skulpturale Arbeiten aus Edelmetallen und zwei Performances. Die Installation Flowers of Life (2024) aus Mehrschalengreifern verweist auf die Lebensgrundlage ihrer Familie. Die soll auf dem Sammeln und dem Weiterverkauf von Metallschrott fußen.

Die Videoarbeit Crossing the Blue Bridge (2024) basiert auf den Erinnerungen ihrer Mutter an Erlebnisse in ihrer Heimatstadt Bihać während des Bosnienkrieges (1992–1995). Selman nimmt diese familiären Erfahrungen als Ausgangspunkt, um sich selbst als feministisch-aktivistische Künstlerin zu verorten. Heute setzt sich die Künstlerin international für ihre Community einsetzt.

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Ikonenmalerei: Exklusives Interview mit Igor Kaplun

Ich freue mich, euch mitteilen zu dürfen, dass der Ikonenmaler Igor Kaplun sich auf ein exklusives Interview mit mit eingelassen hat. Entdecke seine faszinierende Welt der Ikonenmalerei! In unserem spannenden Gespräch erzählt der zeitgenössische Künstler über seinen Werdegang, seinen einzigartigen Stil und die Balance zwischen Tradition und Innovation. Erfahre auf tuellundtrueffel.com mehr über Kapluns Techniken, Inspirationen und wie er es schafft, klassische Ikonenmalerei in die moderne Kunstszene zu integrieren.

Du interessierst dich für Ikonenmalerei? Dann solltest du das Ikonenmuseum in Frankfurt unbedingt kennenlernen.

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Meine Quellen der Inspiration

Quellen der Inspiration sind so individuell wie wir Menschen selbst. Sie können uns in unerwarteten Momenten und durch unterschiedlichste Auslöser begegnen: Kunstwerke, inspirierende Menschen oder berührende Momente. Doch manchmal sind es auch die scheinbar negativen oder ungewöhnlichen Dinge, die uns zu kreativen Höhenflügen verhelfen können. Heute will ich mit euch ein paar meiner persönlichen Inspirationsquellen teilen, die auf den ersten Blick vielleicht banal erscheinen mögen, aber mich immer wieder aufs Neue antreiben.

Negative Inspiration: Schlechte Ausstellungen und Co.

Schlechte Ausstellungen. Die guten inspirieren mich natürlich auch. Aber eben auf einer ganz anderen Ebene. Während ich über die Guten schreiben will, will ich die Schlechten zu meinem Eigen machen und sie in meiner eigenen Art reproduzieren. Nachdem ich mir schlechte Ausstellungen reinziehe, bin ich meistens wütend und kann an nichts anderes mehr denken, bis ich mir eines der Exponate imitiert habe. Für mich ist das eine „Negativinspiration“, die Spaß macht und dabei eine intime und emotional geladene Erfahrung ist.

Madlen Romanowna: Stillleben 2024
Das war spaßig. Inspiriert wurde das von einem Gemälde von Nicolas Party. Der Künstler gab seinen Werken mehr Bedeutung, als es je angemessen sein würde. Als angehende Kunsthistorikerin (und Fan der Alten Meister) bekam ich zunächst ein nervöses Zucken im Auge und schließlich auch in den Fingern.

Menschen, die mir seelischen Schmerz zufügen. Der Klassiker. Manche Situationen erlebe ich so intensiv, dass ich mich danach tagelang in meiner Wohnung einsperren muss, um überhaupt verarbeiten zu können (ich bin neurotypisch btw). Mit ein bisschen Glück durchlebe ich dabei einen unendlichen Flow. Worte, Themen, Skizzen, Ideen sprudeln nur so aus mir heraus, machen dabei Sinn und werden auch noch zu etwas Größerem, als ursprünglich geplant. Im weitesten Sinne bin ich dankbar – ohne dieser Zwischenfälle wäre ich wahrscheinlich nicht so erfüllt. Immer wieder sage ich, dass es nicht darauf ankommt, wie heftig der emotionale Schmerz ist, der dir zugefügt wurde, oder wie groß das Problem ist, mit dem du klarkommen musst – viel wichtiger ist, wie du damit umgehst. Also versuch das Ganze in Inspiration umzuwandeln. Faustregel, die ich dabei allerdings aufstellen musste: Immer erst dann publizieren, wenn ich wieder abgekühlt bin. Nicht, dass avecMadlen wieder verboten wird.

Auch im Schönen suche ich die Inspiration

Menschen, die meine Energie spiegeln. Am liebsten bin ich zwar immer noch mit mir selbst, habe aber mit den Jahren gelernt, dass nicht alle Mitmenschen mich überfordern. Es gibt auch jene, mit denen ich Zeit verbringe und mich danach gut fühle. Manche Begegnungen gehen dabei so tief unter die Haut, dass sie in meinem Kopf Steine ins Rollen bringen. Je seltener das passiert, desto mehr wachse ich durch diese intensiven Begegnungen und es kommen Stücke wie etwa „Diese Liebe macht mich wahnsinnig“ zustande.

Die Natur – sie ist ein Teil von mir und ich bin ihre treue Dienerin. Geht es mir wegen Punkt 1 oder 2 schlecht, sperre ich mich erst ein bisschen in meiner Wohnung ein, mache mein Ding und traue mich später aus der Tür, um mir einen zweiten Inspirationsschub zu holen. Mein Kopf wird frei, wenn ich in einen Wald hinein starre. Wenn ich Gräser, Büsche, Blätter berühre und an Blumen rieche, komme ich sofort wieder zur Vernunft. Auch dann, wenn ich meine Hände in der Erde vergrabe, Samen säe, Äste schneide, gieße, grabe und Blätter sammle, fühle ich mich glücklich und inspiriert.

Quelle meiner Inspiration: Die Schwanheimer Düne. Hier komme ich her, um mich instand aufladen zu lassen.
Eine der Quellen meiner Inspiration: Die Schwanheimer Düne. Hier kam ich her, um mich instand aufzuladen. Seit ich wieder in Baden-Baden lebe, wurde die Düne von den Geroldsauer Wasserfällen abgelöst.

Herbst, depressive Verstimmungen und Romane

Der Herbst. Er ist eine Inspiration an sich. Das Wetter wird trüb und traurig, die Blätter färben sich gülden und depressive Verstimmungen kommen wie bestellt. Die Kombi aus Herbst und Verstimmung ist eh ein Unschlagbares Duo und daher oft auch inspirierend. Ich tendiere dazu, mich mit dem Sinn des Lebens auseinanderzusetzen und das Größere zu erkennen – auch dann, wenn es gar nicht da ist. Wie die meisten von euch aber wissen, können depressive Verstimmungen leicht in richtige Depressionen übergehen und dann geht bei mir leider gar nichts mehr. Aber ja, der Herbst ist super, um sich Denkanstöße zu holen.

Bücher. Selbsterklärend. Romane, biografische Sachbücher, Monographien zum Thema Kunst und Modezeitschriften am liebsten. Bei literarischen Meisterwerken am liebsten Kafka, Dostojewski und Erich Maria Remarque.

Psychischer Druck als Inspirationsquelle

Unter Druck entstehen Diamanten. Ich liebe den Druck, den meine Psyche an mir selbst übt. Es ist wie ein Sich-Selbst-Auffressen, das mich gleichzeitig beflügelt. Einen positiven Effekt hat Druck aber nur dann, wenn ich ihm gerecht werde und ihn gezielt dazu nutze, um über mich selbst hinaus zu wachsen. Sei es, um meine Emotionen unter Kontrolle zu nehmen und meine Gedanken zu strukturieren, oder um jene Emotionen in Texte oder andere kreative Tätigkeiten umzuwandeln. Dabei spielt es keine Rolle, welchen Druck ich als Quelle der Inspiration verwende: Zeitdruck, Perfektionsdruck, Gelddruck, zu Hohe Erwartungen an mich selbst, Ungeduld – jede Art des Drucks inspiriert in irgendeiner Weise.

Zwei Extreme, die mich wahrscheinlich am meisten inspirieren

Industriebauwerke. Gott, ich HASSE Industriebauwerke. Sie machen mir Angst, sie widern mich an, sie sind das, was in meinen Augen direkt aus der Hölle kommt. Rohre, Rauch, massige Gebäudeteile, die das Landschaftsbild versauen, ekelhafte Wendetreppen und Leitern aus Metall sowie rot blinkende Warnlichter. Ich hasse es so sehr, dass es mich jedes Mal durchschüttelt, wenn ich davorstehe. Diese eigenartige Erfahrung inspiriert mich aber jedes Mal aufs Neue. Merkwürdig, oder? Ich weiß gar nicht, wo dieser Ekel herkommt, ein paar einschneidende Erfahrungen machte ich jedoch. Wenn ich bereit bin, sie zu teilen, lasse ich es euch wissen.

Meine geliebten Leser. Für mich ist jede Reaktion auf mein „pseudointellektuelles Geschreibsel“, wie einst ein Leser sagte, ein Geschenk. Ich liebe jedes Wort, das ihr mir schreibt, nachdem ihr mich gelesen habt. Ich könnte jedes Mal vor Glück weinen, wenn ihr mir mitteilt, dass ihr das Gleiche durchlebt habt, dass ihr meine Worte nachvollziehen könnt, oder dass ihr meine Geschichten witzig oder geil oder spannend fandet. Für meine Leser ALLES. Egal, von welchen Portalen, Zeitungen, Kanälen ihr mich auch lesen mögt – ihr seid die Besten und Geilsten. Hört niemals auf, mir eure Kommentare und Nachrichten zu schreiben, auch wenn ihr mich einfach nur kritisieren wollt und mir mitteilen wollt, dass ich wieder mal nur Scheiße publiziere. Ich lebe dafür, euch zu unterhalten, zu inspirieren und von euch inspiriert zu werden. Danke, dass es euch gibt.


Zum Beitragsbild: Das ist Nicolas Party’s, wie ich ihn gerne nenne, „Osthaufen“. Dieses Werk existiert nicht mehr, da es wieder von den Wänden des Museums Frieder Burda in Baden-Baden abgetragen wurde. Das Bild an sich gehörte zu den stärksten Arbeiten, die dort zu dem Zeitpunkt ausgestellt wurden. Die leuchtenden Farben mochte ich besonders. Doch die Bedeutungstiefe der Früchte, die als die menschliche Sexualität im Bezug auf Adam, Eva, Kain und Abel zu lesen war, fand ich etwas weit hergeholt. Aber so ist die Kunst der Gegenwart nun mal. Manchmal zumindest.

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Kunst

Franz Kafka in Frankfurt

Franz Kafka: brillanter Schriftsteller und… Künstler? Ganz genau. Diese bislang wenig bekannte Seite seines Schaffens wurde erst 2021 der Öffentlichkeit zugänglich gemacht, als Prof. Andreas Kilcher von der ETH Zürich Kafkas Zeichnungen edierte.

Die Zeichnungen, die viele Jahre in einem Zürcher Banksafe aufbewahrt wurden, sind nun in einem Band veröffentlicht, der bereits in mehr als zehn Sprachen übersetzt wurde. Diese Veröffentlichung hat eine neue Dimension von Kafkas künstlerischem Vermächtnis offenbart und bietet neue Perspektiven auf seine literarischen Werke.

Franz Kafka Buch: Die Zeichnungen
Na ratet mal, wer es von seinem Ex zu Weihnachten bekommen hat.

Franz Kafka: Verbindung zwischen Kunst und Literatur

Prof. Kilcher widmet sich in seinem jüngsten Buch „Kafkas Werkstatt. Der Schriftsteller bei der Arbeit“ der Verbindung von Kafkas zeichnerischem und schriftstellerischem Wirken. Er argumentiert, dass Kafkas Schreiben durch visuelle Elemente beeinflusst wurde und dass das Verständnis seiner Zeichnungen auch neues Licht auf sein literarisches Werk wirft.

Am Donnerstag, 12. September, beleuchtet das Jüdische Museum am Bertha-Pappenheim-Platz 1 in Frankfurt diese Thematik. In Kooperation mit dem Buber-Rosenzweig-Institut an der Goethe-Universität Frankfurt findet um 19 Uhr eine Veranstaltung statt. Bei dieser werden Kafkas Zeichnen und sein Schreiben ins Verhältnis gesetzt.

Das Gespräch mit Prof. Kilcher moderiert Julia Encke, Feuilletonchefin der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. Ich werde vor Ort sein und euch mehr von dieser fantastischen Veranstaltung erzählen.

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