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Dein ultimativer Guide für den Teneriffa-Urlaub

Teneriffa, die größte der Kanarischen Inseln, begeistert auch 2025 mit ihrer Vielfalt: von atemberaubenden Vulkanlandschaften über malerische Strände bis hin zu charmanten Dörfern. Damit dein Aufenthalt unvergesslich wird, findest du hier die wichtigsten Informationen und Tipps.

Do’s – was du auf Teneriffa unbedingt tun solltest

  • Natur erkunden: Besuche den Teide-Nationalpark, wandere durch den Anaga-Wald und genieße die Vielfalt der Insel.
  • Lokale Küche probieren: Lass dir Gerichte wie Papas Arrugadas mit Mojo-Sauce oder frischen Fisch in Küstenrestaurants schmecken.
  • Auto mieten: Ein Mietwagen bietet dir die Flexibilität, abgelegene Strände und Dörfer zu entdecken. Mit dem Bus klappt’s aber auch prima – ich habe das Auto zu keinem Zeitpunkt vermisst.
  • Sonnenschutz nicht vergessen: Die kanarische Sonne ist intensiv. Sonnencreme und Kopfbedeckung sind ein Muss. Das merkst du spätestens, wenn du all die Touris an ihrem feuerroten Sonnenbrand erkennst, der einige Tage anhält.
Tipp: Auf Teneriffa Sonnenschutz nicht vergessen! Die Sonne kann recht aggressiv sein
Foto von Sarah Sheedy auf Unsplash

Dont’s – was du vermeiden solltest

  • Nur eine Region besuchen: Teneriffa bietet sowohl im Norden als auch im Süden einzigartige Erlebnisse – nutze die Vielfalt!
  • Umweltbelastung ignorieren: Vermeide überfüllte Strände und respektiere Naturschutzgebiete, um die Umwelt zu schonen.

Die Reise nach Teneriffa: Aktuelle Preise 2025

  • Unterkünfte: Günstige Hotels ab ca. 70 €, 3-Sterne-Hotels ab 85 €, Luxusressorts ab 150 € pro Nacht. Ich buche am häufigsten über Check24.
  • Essen & Trinken: Ein einfaches Gericht kostet etwa 10–15 €, ein Menü in einem gehobenen Restaurant ca. 25–40 €. In den Supermärkten sind die Preise mindestens so hoch, wie bei uns in Deutschland. Vor allem für Produkte, die vom Festland importiert wurden – so zumindest mein Eindruck. Einheimisches Obst und Gemüse kam mir günstiger vor.
  • Mietwagen: Tagespreise liegen zwischen 25–50 €, abhängig von Saison und Fahrzeugtyp.
  • Flüge: Hin- und Rückflug ab Deutschland ab ca. 200 €, je nach Buchungszeitpunkt und Airline.
Foto von Bastian Pudill auf Unsplash

Wichtige Hinweise & aktuelle Entwicklungen

Teneriffa ist ein attraktives Reiseziel mit vielfältigen Möglichkeiten – vor allem Naturliebhaber gehen hier auf. Mit der richtigen Vorbereitung und einem bewussten Verhalten kannst du die Schönheit der Insel gleich noch viel mehr genießen.


Titelbild von Hert Niks auf Unsplash

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Kunst

Auf der Jagd nach Cranachs blutrünstigen Frauen

„Ich bin besessen nach Cranach“, sagte ich zu der Dame an der Kasse im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg, ohne das so richtig gewollt zu haben. Meine Fetische behalte ich nämlich meistens für mich, aber das Phänomen Lucas Cranach teile ich gerne auch mit dir.

In diesen Städten hängt Lucas Cranach

Wegen Lucas Cranach d.Ä. fuhr ich schon nach Hamburg, Stuttgart, Karlsruhe und nach Frankfurt sowieso. Was mich dabei Fasziniert, ist schwer zu greifen. Wahrscheinlich diese einzigartige Plastik, mit denen Cranach seine bildschönen Kinderfrauen malt. Ich liebe die klaren und Ausdrucksstarken Mimiken, die reichen Farben und die üppigen Gewänder. Ich liebe seine Technik und den ganz eigenen Stil und ich freue mich einfach jedes Mal aus meiner vollsten Seele, wenn ich eines seiner Werke schon von Weitem sehe. Heute will ich aber über seine düsteren Werke sprechen.

Fangen wir an mit meinem neuesten Eindruck aus Nürnberg: Dort sah ich Salome – jedoch diese eine Salome, bei der der abgetrennte Kopf des Johannes abgetrennt wurde. Also buchstäblich: Das blutige Haupt des Täufers sollte ursprünglich in der Schüssel liegen, die Salome hielt. Dem Auftraggeber gefiel dieses schauderhafte Bildnis laut Museum allerdings nicht und er ließ Kunstwerk halbieren.

Lucas Cranach Salome im Germanischen Nationalmuseum Nürnberg. Das Gemälde ist ab der Hälfte abgetrennt
Lucas Cranach der Ältere im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg: Damenbildnis, früher Salome mit dem Haupt Johannes des Täufers um 1530 – Malerei auf Lindenholz.

Ein abgetrennter Kopf in seiner vollen Pracht lässt sich in einem der Cranach-Gemälde im Frankfurter Städel bestaunen:

Städel Museum Frankfurt: Gastmahl des Herodes von Lucas Cranach dem Älteren
Lucas Cranach der Ältere im Städel, Frankfurt: Gastmahl des Herodes, 1533 – Mischtechnik auf Lindenholz

Auf dem Frankfurter Gastmahl des Herodes finde ich die Gesichter der dargestellten Figuren einfach köstlich. Während Salomes Vater das blutige Präsent dankend ablehnt, scheint Mutti Heroidas, die Frau zu seiner Linken, in diesem Moment sagen zu wollen: „Ach, Herodes… Jetzt probier doch wenigstens ein Stückchen.“

Lucas Cranach: Eine weitere Darstellung des abgetrennten Kopfes

Judith mit Schwert und abgetrenntem Kopf des Holofernes in der Stuttgarter Staatsgalerie
Lucas Cranach der Ältere in der Stuttgarter Staatsgalerie: Judith mit dem Haupt des Holofernes – Mischtechnik auf Lindenholz

Ist das nicht spannend, dass Cranachs Täufer und sein Holofernes glatt eineiige Zwillinge sein könnten? Es scheint ja fast, als hätte er den gleichen abgetrennten Kopf wieder und wieder gemalt. Doch die ikonographischen Geschichten hinter diesen zwei Gemälden mit den geköpften Männern und den Bildschönen Frauen können unterschiedlicher nicht sein.

Die Geschichte von Salome und dem Kopf des Täufers

Salome war die Tochter von Herodias, der Frau des Tetrarchen Herodes Antipas. Johannes der Täufer war ein Prophet und Prediger, der im Neuen Testament als Vorläufer von Jesus Christus bekannt ist. Die Geschichte spielt sich während einer Feier im Palast des Herodes ab. Herodias war unglücklich in ihrer Ehe mit Herodes und wollte Rache an Johannes, der die Ehe als sündig verurteilte. Während der Feier tanzte Salome vor Herodes und seinen Gästen. In künstlerischen Tanz-Darstellungen ist Salome als Verführerin dargestellt und ist als solche auch zu verstehen. Sie erfreute Herodes so sehr mit ihrem Tanz, dass er ihr einen Wunsch gewährte.

Auf Anstiften ihrer Mutter Herodias bat Salome um den Kopf von Johannes dem Täufer auf einem Tablett. Obwohl Herodes Johannes respektierte und ihn für einen heiligen Mann hielt, fand er sich in einer schwierigen Situation und konnte seinem Versprechen nicht entkommen. Schweren Herzens ließ er Johannes hinrichten, und sein Kopf wurde auf einem Tablett präsentiert und Salome übergeben.

Die Geschichte von Judith und Holofernes…

…ist eine biblische Erzählung aus dem Buch Judith im Alten Testament. Judith, eine jüdische Witwe, begibt sich in das Lager des assyrischen Generals Holofernes, gewinnt sein Vertrauen und tötet ihn, als er betrunken ist. Dadurch rettet sie ihre Stadt Betulia vor einer Belagerung und wird als Heldin gefeiert. Judiths Tapferkeit und Glauben werden in der Geschichte betont, und sie bleibt ein symbolisches Beispiel für Standhaftigkeit in schwierigen Zeiten.

Die beiden biblische Szenen kann man auseinanderhalten, in dem man insbesondere auf die Attribute achtet. So hat Judith oft ein Schwert in der Hand, kann Holofernes‘ Kopf aber auch bei den Haaren halten oder gerade dabei sein, ihn zusammen mit einer weiblichen Hilfsfigur in einen Sack zu stecken. Judith hingegen trägt diesen Kopf auf einem Tablett oder in einer Schüssel vor sich oder befindet sich gerade mitten in ihrem verführerischen Tanz. Erfahre hier, welche weitere verführerische Frauenfigur aus der Bibel im Germanischen Nationalmuseum hängt.

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Reisen

Mama killt mich: Ich lasse mich in Vietnam tätowieren

Meine Mama killt mich. Ich hab mich in Vietnam tättoowieren lassen. Genau genommen in jener Nacht, als ich auf der Insel Cát Bà war. Mama, ich habe das gemacht, nachdem ich den Tättoowierer und seine Familie kennengelernt habe; nachdem ich mir sein Studio, seine Arbeiten und Materialien angesehen habe; nachdem ich gelesen habe, dass sich die vietnamesischen Tattoostudios an strenge Hygieneregeln halten, was Tättoowierungen angeht. Mir kamen sie viel strenger als in Deutschland vor.

Ich wollte mir eigentlich auf dem Oberarm etwas auf vietnamesisch stechen lassen. Was genau, konnte ich mir jedoch nicht auf die Schnelle ausdenken. Also wurde es ein Drache über dem Knöchel. Das Ding ist weniger als 24 Stunden alt und verheilt schon gut. (Ich schrieb das im November 2024, weniger als 24 Stunden nachdem ich mir das Ding habe machen lassen, logischerweise.)

Wtf, Tattoo-artists?

Mir gefällt es – der Künstler hat es genau auf den Stil meiner Meerjungfrau abgestimmt. Nur weiß ich nicht, was die Tätowierer immer mit ihren scheiß Schattierungen haben. Meine geliebten Tätowierer, schreibt mir mal bitte, was ihr immer mit euren scheiß Schattierungen habt. Gott sei Dank ist der Drache nach seiner vollständigen Abheilung viel heller geworden. Ich habe zwischendurch wirklich Panik geschoben.

Anthony sprach so gut wie gar nicht während des gesamten Prozesses. 100-prozentige Konzentration. „When I tattoo, I forget everything“, erzählte er mir, nachdem wir fertig waren. Selbstverständlich zeigte ich ihm ein paar meiner Comics. Er nannte mich Picasso und meinte, dass ich auch locker Tätöwiererin werden könnte. Ja, auch ich dachte bereits darüber nach. Hätte ich doch nur nicht Mischas Tattoomaschine in den Müll geschmettert, nachdem ich herausfand, dass er mich ersetzt hatte.

Fazit zu meinem Tattoo, das mich für immer an Vietnam erinnern wird

Um nun das ganze abzuschließen: Ich bin sehr zufrieden mit meinem Tattoo. Es war nicht billig. Es war ganz und gar nicht billig. Aber Anthony hat es in einer halben Stunde runtergestochen – absolut makellos und professionell. Würde ich wieder machen und sogar empfehlen. Wer also plemplem genug ist, um sich spontan auf Cát Bà tätowieren zu lassen, kontaktiert am besten Tattoo-Artist Anthony direkt über Facebook.

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Kunst Reisen

Insel-Schätze: Kunst und Handwerk auf Madeira

Madeira, bekannt für seine atemberaubenden Landschaften und das milde Klima, bietet weit mehr als nur natürliche Schönheit. Die portugiesische Insel beeindruckt mit einer facettenreichen Kunst- und Handwerkstradition, die tief in ihrer Geschichte verwurzelt ist. Zugleich lässt die Tradition Raum für moderne Kreativität. Filigrane Stickereien, bemalte Türen oder zeitgenössische Kunst in Museen – Madeiras kreative Szene spiegelt die Vielseitigkeit der Insel wider.

Madeira-Stickerei als traditionelles Handwerk

Die Madeira-Stickerei steht als Symbol für Tradition und Kunstfertigkeit. Ihre Wurzeln reichen bis ins 15. Jahrhundert zurück– in die Zeit der ersten Besiedlung Madeiras. Schon damals wurden Haushaltsgegenstände, Kleidung und Kirchen mit den detailreichen, von der Inselnatur inspirierten Motiven verziert. Diese Handwerkskunst wurde zunächst wohl von adeligen Damen ausgeführt. Über die Jahrhunderte entwickelte sie sich dann zu einem „Markenzeichen“ des Atlantikarchipels.

Im 19. Jahrhundert erlangte die Madeira-Stickerei durch den Export nach Großbritannien internationale Anerkennung. Die Stickerei erfordert außerordentliche Präzision und Geschick. Verarbeitet werden Materialien wie Leinen und Seide. Wobei Techniken wie der Richelieu- und Knopflochstich für höchste Qualität sorgen. Die Einsatzmöglichkeiten sind vielfältig: Von Tischdecken und Bettwäsche über Kleidung bis hin zu exklusiven Designerstücken. Mit rund 1.000 Stickerinnen bleibt dieses Kunsthandwerk ein lebendiger Ausdruck madeirensischer Identität.

Korbflechterei auf Madeira

Auch die Korbflechterei hat ihren festen Platz in der madeirensischen Kultur. Sie hat ihren Ursprung in der Gemeinde Camacha, wo die wasserreichen Böden ideale Bedingungen für den Anbau von Weidenbäumen bieten. Seit 1850 werden Körbe, Möbel und die berühmten Korbschlitten von Monte aus den biegsamen Ästen gefertigt. Während der Export heute kaum noch eine Rolle spielt, bewahren einige Handwerker diese traditionsreiche Technik und halten ein Stück Kulturerbe am Leben.

Korbflechterei © Miguel Moniz

Kunst zwischen Geschichte und Moderne 

Madeira vereint auch in der Kunst Tradition und Innovation. Im Museum für sakrale Kunst in Funchal erzählen flämische Gemälde, vergoldete Skulpturen und liturgische Gewänder von der kulturellen Blütezeit der Insel und ihrer historischen Verbindung zu Flandern. Die Quinta das Cruzes, einst Wohnsitz des Madeira-Entdeckers João Gonçalves Zarco, zeigt Möbel, exotische Holzarbeiten und luso-orientalische Kunstwerke. Ein Höhepunkt sind die detailreichen Krippenfiguren aus dem 18. Jahrhundert.

Museum für sakrale Kunst in Funchal © VisitMadeira

Moderne Kunst hat ebenfalls ihren festen Platz auf der Insel. Das MAMMA – Museum für Moderne Kunst Madeira – und die Casa das Mudas in Calheta präsentieren zeitgenössische Werke, die sich mit Themen wie Natur und Identität auseinandersetzen. Besonders die spektakulär über der Steilküste gelegene Casa das Mudas beeindruckt mit ihrer Architektur und einzigartigen Atmosphäre.

Kunst begegnet einem auf Madeira jedoch nicht nur in Museen. Die bemalten Türen in Funchals Altstadt, gestaltet im Rahmen des Projekts „Portas Pintadas“, haben die Stadt in eine lebendige Open-Air-Galerie verwandelt. Die farbenfrohen Werke verschönern das Stadtbild und verbinden architektonische Tradition mit moderner Kunst.

Ein paar Worte über die Insel des ewigen Frühlings

Die autonome Region Madeira gehört zu Portugal und ist knapp vier Flugstunden von Deutschland entfernt. Sie liegt vor der Westküste Afrikas im Atlantischen Ozean. Beeindruckende Flora und Fauna, ganzjährig milde Temperaturen, malerische Fischerdörfer, Wandermöglichkeiten auf bis zu 1.800 Höhenmeter sowie außergewöhnliche Ausblicke auf Steilküsten, Felsformationen und Wasserfälle machen die Blumeninsel zum idealen ganzjährigen Outdoor-Ziel.

Aber auch Kulturhungrige oder Strandurlauber kommen etwa in der historischen Hauptstadt Funchal oder an den inseltypischen schwarzen Sandstränden auf ihre Kosten. Weitere Informationen zu Madeira: visitmadeira.com


Quelle: Pressemitteilung der Global Communication Experts GmbH

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Kunst

Mind=blown: Henri Matisse in der Schweiz

Die Matisse-Ausstellung in der Fondation Beyeler (Riehen, Schweiz) habe ich mir am letzen Tag des Jahres angesehen. Sie war ein schöner Abschluss. Ich würde sie sogar zu den Top 2 Ausstellungen des Jahres 2024 rechnen. Meine Nummer 1 war natürlich die wiedereröffnete Dauerausstellung im Münchner Lenbachhaus: Der Blaue Reiter, der für mich nur schwer zu toppen sein wird.

Seine „Korallen“, meist aus mit Gouache bemaltem, ausgeschnittenem Papier auf Papier, fand ich sehr rührend. Die nette Unbekannte auf dem Bild sicher auch.

Matisse: Erste Retrospektive in der Schweiz

Matisse lief in Riehen so gut, dass er nun bis zum 26. Januar 2025 verlängert wurde. Nutzt also diese wirklich einmalige Chance und fahrt hin. Ihr werdet es nicht bereuen. Zu meinem Erstaunen hat man dort an der Kasse sogar meinen deutschen Presseausweis akzeptiert. Sehr angenehm. War aber schon immer eines meiner liebsten Kunsthäuser – mein „Happyplace“, seit ich ein kleines Mädchen war.

Die Fondation Beyeler zeigt mit dieser Ausstellung die erste Henri-Matisse-Retrospektive in der Schweiz. Wie so oft konnte das renommierte Museum extrem viele bedeutende Werke an Land ziehen. Darunter die Frau, die den Tisch deckt, über die ich euch in meiner Frühbiografie von Henri Matisse erzählt habe. Ihr könnt euch vorstellen, wie schnell mein Herz schlug, als ich vor diesem perfekt erhaltenen Gemälde stand. Es war einfach sagenhaft.

Henri Matisse schafft die Grundlage für eine neue Kunst

„Matisse (1869–1954) zählt zu den bedeutendsten Künstlern der Moderne“, schreibt die Fondation Beyeler in einer Pressemitteilung. Das bahnbrechende Werk des Meisters habe seine Zeit und viele spätere Generationen von Künstlerinnen und Künstlern bis heute wesentlich geprägt. In der Befreiung der Farbe vom Motiv und in der Vereinfachung der Formen habe er die Malerei revolutioniert. Dabei habe er eine bis dahin unbekannte Leichtigkeit in die Kunst gebracht. Und die war deutlich zu spüren, als ich vor seinen lebensfrohen Bildern stand.

Anhand von über 70 Hauptwerken aus europäischen und amerikanischen Museen sowie Privatsammlungen richtet die Ausstellung den Blick auf die Entwicklung und Vielfalt in Henri Matisse’ Schaffen. Sie setzt mit einigen um 1900 entstandenen Bildern der Frühzeit ein, führt über die revolutionären Gemälde des Fauvismus und die experimentellen Werke der 1910er-Jahre hin zu den sinnlichen Gemälden der Nizza-Periode und der 1930er-Jahre, um schliesslich in den legendären Scherenschnitten des Spätwerks der 1940er- und 1950er-Jahre zu gipfeln.

Darüber hinaus zeigt das Museum deutlich, wie sehr die Kunst von Henri Matisse von seinen Reisen geprägt war. So ließ sich der Künstler auf seinen Erkundungen von Ländern wie Italien, Spanien, Russland, Marokko, Amerika und Tahiti immer wieder von der Natur und Kunst anderer Kulturen inspirieren.

Ich werde diese Ausstellung niemals vergessen

Diesmal hat sich die Fondation Beyeler womöglich selbst übertroffen. Denn dass dort eine solch aufsehenerregende Schau gezeigt wurde, liegt bestimmt schon ein paar Jahre zurück. Vermutlich hat mich zuletzt nur Basquiat dort so fasziniert. Obschon die große Rodin-Ausstellung sogar Kunstbanausen im Gedächtnis blieb. Aber ich muss auch zugeben, dass ich vor allem in den letzten Jahren die meisten Ausstellungen verpasst habe.

Danke Mama, dass du das so eingefädelt hast, damit ich die wunderbaren Werke meines geliebten Henri Matisse aus nächster Nähe begutachten konnte.

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Kunst

Hier findest du russische Ikonen in Frankfurt

Russische Ikonen sind religiöse Gemälde, die in der orthodoxen christlichen Tradition eine wichtige Rolle spielen. Sie dienen als spirituelle Symbole und werden in orthodoxen Kirchen sowie in Privathäusern als Schutz- und Andachtsbilder aufgehängt. Jede Ikone repräsentiert einen Heiligen, eine biblische Figur oder ein religiöses Ereignis. Die Kunst der Ikonenmalerei hat in Russland eine lange Tradition und ist eng mit der orthodoxen Kirche verbunden.

Um so mehr erstaunte es mich, diesen spirituellen Teil meiner Kultur auf der Museumsinsel in Frankfurt zu finden. Im Ikonenmuseum (hier geht’s zum Webauftritt des Museums). Der größte Teil der Dauerausstellung besteht aus russischen Ikonen. Besucher finden dort auch Ikonen aus Griechenland, dem historischen Byzanz, Rumänien, dem Balkanraum und Ägypten.

Russische Ikone mit drei Heiligen im Ikonenmuseum in Frankfurt am Main
Die Heiligen Georg, Klemens und Menas | Russland, Nowgorod, 15. Jahrhundert: Malstil und Farbwahl kennzeichnen diese Ikone als ein herausragendes Beispiel der Malschule von Novgorod. Dort hatte sich seit dem 12. Jahrhundert eine eigenständige Maltradition entwickelt, die bis zum 14. Jahrhundert ihre Blütezeit erlebte. Für die Ikonen der späteren Novgoroder Maltraditiom ist der plastische Stil der Figuren typisch, der die spätbyzantinische Malerei imitiert.

Diese Techniken werden bei der Ikonenmalerei angewandt

Die Ausstellung war sagenhaft. Die Inszenierung war sehr geschmackvoll und passend. Ich muss sagen, dass das das beste war, was ich in Frankfurt seit Langem gesehen habe. Während ich die einzelnen Heiligenbildnisse aus der Nähe betrachtete, musste ich wieder einmal feststellen, wie sehr sich Ikonenmalerei von anderer sakralen Kunst unterscheidet.

Sehr lesenswert:  Interview mit dem zeitgenössischen Ikonenmaler Igor Kaplun

Gemalt wird nämlich auf ganz bestimmte Weise. Die traditionelle Reihenfolge der Tätigkeiten ist entscheidend für den Aufbau von Ikonen, die aus verschiedenen Materialien und Schichten bestehen:

  • Brett auswählen und bearbeiten
  • Vorbereitung des Bretts für das Grundieren, einschließlich Abschleifen
  • Herstellung des Malgrundes
  • Grundierung und Behandlung des Malgrundes
  • Zeichnen, Übertragen, Vergrößern oder Verkleinern der Zeichnung sowie Pauszeichnung
  • Vergoldung der Bildfläche
  • Vorbereitung der Farben und Mischung der Ikonenfarben
  • Ausführung der Detailarbeiten
  • Feine Modellierung der Details
  • Anwendung von verschiedenen Schichten, wie Sankir, erstes, zweites und drittes Ockern, und Ausführung des Inkarnats
  • Nachbearbeitung der Zeichnung und Malerei, einschließlich Einfärben der Flächen der Einfassung, des Randes, der Heiligenscheine und der Beschriftung
  • Schutz der Ikone durch Firnis und Lackierung

Gemalt wird mit Eitempera. Sie besteht aus wasserverdünntem Eigelb als Bindemittel und einem Pigment. Solch strikte regeln sind nur der Ikonenmalerei vorbehalten, soweit ich weiß.

Kalender-Ikone hängt im Ikonenmuseum in Frankfurt am Main
Kalenderikone für das ganze Jahr mit Passionsbild und Gottesmutterdarstellungen | Russland, 2. Hälfte 19. Jahrhundert – ein sakrales Kunstwerk, das mich besonders erstaunt hatte, da es sich hierbei um Kleinstarbeit handelt: Die Jahresikone beginnt oben links mit dem liturgischen Jahresbeginn, dem 1. September. Das orthodoxe Kirchenjahr endet unten rechts mit dem Monat August. Im Zentrum der Ikone ist das Osterbild dargestellt, um das sich der Passionszyklus Christi gruppiert.

Der Passionszyklus wird wiederum von den 12 Monaten des Jahres umgeben, die durch verschiedene Heilige oder Feste repräsentiert werden. Der äußere Zyklus zeigt schließlich zahlreiche Gottesmutterdarstellungen. Die Kombination all dieser Inhalte macht diese Ikone zu einem typischen Beispiel einer Sammelikone.

Russische Ikonen: Tradition und feste Vorgaben

Natürlich musste ich auch in dieser Ausstellung an Giovanni Bellini denken, wohingegen er die Darstellung der Heiligenbildnisse revolutionierte, als er die Sacra Conversazione ins Leben rief. Ich denke, dass es so etwas in der Russisch-Orthodoxen Kirche nicht geben könnte. Die Russen lieben ihre Ikonen und wissen das Bewahren ihrer Tradition, zumindest was sakrale Kunst angeht, sehr zu schätzen.

Drei russische Ikonen hängen im Ikonenmuseum in FFM
Vlnr: 1.) Gottesmutter von Kasan (Kasanskaja), Russland nach 1800 – Eitempera auf Holz, Oklad vergoldet
2.) Feuerflammende Gottesmutter (Ognevidnaja), Russland, 2. Hälfte 19. Jahrhundert – Eitempera auf Holz; Oklad: Metall, Samt, Flussperlen, Glassteine und Strass
3.) Gottesmutter als Lebensspendende Quelle, Russland, 19. Jahrhundert – Eitempera auf Holz

Es ist ja nicht nur die technische Ausführung, die seit Jahrhunderten in der russischen Ikonenmalerei unverändert bleibt. Auch die Darstellung der einzelnen Figuren, die Verwendung bestimmter Farben und die Voraussetzungen, die ein Mensch erfüllen muss, der sie letztlich zeichnet, ist fest vorgegeben.

Übrigens: Eine lange Tradition in der Fertigung dieser sakralen Kunstwerke haben Griechenland (seit dem 6. / 7. Jahrhundert), Russland (vermutlich seit dem 10. Jahrhundert) und Äthiopien (seit dem 15. Jahrhundert).

Russische Ikonen: Weitaus mehr als Kunstwerke

Im Teaserbild dieses Artikels siehst du einen Propheten- und Deesisrang aus einer Ikonostase. Nordrussland, Ende 17. Jahrhundert / Anfang 18. Jahrhundert – Eitempera auf Holz.

Russische Ikonen sind nicht nur Kunstwerke, sondern auch Fenster in die spirituelle Geschichte Russlands. Ihre Bedeutung, Geschichte und die Faszination, die sie auf Gläubige und Sammler ausüben, machen sie zu einem einzigartigen und wertvollen Teil des kulturellen Erbes der Welt. Egal, ob aus spirituellen oder künstlerischen Gründen – die Wertschätzung für Ikonen bleibt ungebrochen.

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Reisen

Abseits des Mainstreams: Madeiras versteckte Schätze

Madeira hat weit mehr zu bieten als die bekannten Sehenswürdigkeiten und Wanderwege. Wer sich abseits der ausgetretenen Pfade bewegt, entdeckt eine Insel voller Überraschungen. Von versteckten Buchten und vulkanischen Höhlen bis hin zu traditionellen Dörfern und kulinarischen Schätzen ist alles dabei. Bei tüll & trüffel findest du die besten Geheimtipps für die atemberaubende Insel Madeira.


Textquelle: Global Communication Experts GmbH
Bildquelle: Praia da Laje © Henrique Seruca

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Beauty

Trockene Hände im Winter: So pflegt ihr sie richtig

Wenn das Wetter nasskalt und winterlich ist und die Luft zu Hause wegen der laufenden Heizung austrocknet, brauchen trockene Hände besondere Aufmerksamkeit. Denn in dieser Zeit drohen sie besonders spröde zu werden. Die meist gerötete oder gar rissige Haut spannt und fühlt dabei nicht nur unschön an, sondern sieht schlimmstenfalls auch ungepflegt aus.

Dafür verantwortlich ist der Cocktail aus mehreren Umwelteinflüssen: Die winterliche Kälte hemmt unsere Talgdrüsen, schützendes Hautfett zu produzieren und die trockene Heizungsluft entzieht der Haut zusätzlich Feuchtigkeit. Wer dann noch regelmäßig Hände wäscht, sorgt zwar für Hygiene, merkt aber gar nicht, wie das den Säureschutzmantel der Haut schwächt.

Person in weißem Hemd pflegt ihre Hände mit einer Creme.
Foto von Nataliya Melnychuk auf Unsplash

Trockene Hände brauchen eine natürliche Pflege

Natürliche Wirkstoffe und ein paar neue Angewohnheiten lassen dem einfach entgegenwirken. Um die negativen Effekte der Kälte auszugleichen, brauchen unsere Hände in den kalten Monaten eine besonders fettreiche Pflege. Daher sollten wir am besten drauf achten, dass wir eine reichhaltige Handcreme verwenden und unsere Hände mehrmals am Tag mit ihr eincremen. Natürliche Fette wie Jojoba-, Kokos- oder Olivenöl sind da wohl die beste erste Hilfe.

Persönlich setze ich auch gerne mal auf parfümfreie Handpflege. Meine Erfahrung zeigt, dass je weniger Duftstoffe in einem Kosmetikprodukt enthalten sind, desto weniger versuchen die Hersteller verdächtige Inhaltsstoffe mit chemischen Eigengeruch zu kaschieren. Wirklich pflegend finde ich zum Beispiel die parfümfreie Neutrogena Handcreme oder die etwas parfümierte Olivenöl-Handcreme aus der Apotheke (unbezahlte Werbung).

Trockene Hände pflegen. Person hält eine Cremedose in der Hand und ist dabei, Pflege aufzutragen.
Foto von Nataliya Melnychuk auf Unsplash

Öltherapie für spröde Haut im Winter

Ist die Creme aber gerade alle, kannst du der trockenen Haut auch mit etwas reinem Öl entgegenwirken. Die meisten von uns werden Olivenöl oder gar Kokosöl im Küchenschrank stehen haben. Einfach ein paar Tropfen in die Haut einmassieren und einziehen lassen.

Außerdem ist es sehr wichtig, die Hände nicht zu heiß zu waschen und eine pH-neutrale Seife oder rückfettendes Handwaschöl zu verwenden. Liegt keine Verschmutzung vor, kann es unter Umständen sogar besser sein, die Hände einfach nur zu desinfizieren, statt zu waschen.

Wer seinen Händen den Extra-Pflegekick geben will, trägt eine fettige Creme dick auf und zieht sich Baumwollhandschuhe (ich mache das manchmal auch mit Latexhandschuhen) an und behält das ganze über Nacht an. Am nächsten Morgen fühlen sich die Händchen wie neu geboren an, versprochen. Diese Metthode pflegt die empfindliche Haut an den Händen intensiv und baut ihre wertvollen Schutzbarrieren wieder auf. Diese Methode eignet sich jedoch nicht, wenn ihr zu Allergien neigt, oder Produkte benutzt, bei denen ihr nicht zu 100 Prozent sicher seid, dass eure Haut gut auf sie reagiert.

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Blog

Diese Liebe macht mich wahnsinnig

Mein Herz ist schwer, mein Kopf ist leer. Heute denke ich den ganzen Tag über eine Liebe nach, die mein Leben nachhaltig verändert und einen viel zu großen Teil meiner Gedanken- und Gefühlswelt einnimmt. Es geht um meine schmerzhafte Liebe zur Ästhetik. Wie ich hier bereits einige Male gestanden habe, liebe ich mit den Augen. Diese Liebe bewegte mich zu Dingen, die ich bereue, zu Elementen, ohne die ich nicht Leben kann und letztlich auch zu meinen ganz eigenen Untergängen, aus denen ich immer wieder wie neu geboren hervorgehe, als wäre nichts gewesen.

Heute Morgen sprach ich noch mit einem Freund, den ich darin verdächtige, mich in dieser Hinsicht gut zu verstehen. Er hat den Sinn für das Wunderbare, obschon wir beide feststellten, dass er, anders als ich, das Schöne besitzen will. Ich hingegen gebe mich offenbar damit zufrieden, es aus der Ferne zu betrachten, ohne zwingend den Anspruch zu haben, darüber zu herrschen. Ohne dieser distanzierten Annäherung kann ich aber nicht leben. Leide ich manchmal, weil ich das, was ich liebe, nicht beherrsche? Ja. Finde ich diesen Schmerz geil? Womöglich schon ein kleines bisschen.

Sie entdeckt ihre Liebe zum Schönen: Rote Tulpen

Die Liebe zum Schönen hat jeder von uns. Es weilen jedoch einige unter uns, die danach besessen sind. Ich zum Beispiel. Ich bin besessen – und ich weiß, von wem ich es vererbt habe. Mama jedoch hat es nicht vererbt. Also fragte ich sie heute, wie ihre Obsession zustande kam. Sie erzählte mir von der grauen und traurigen Oblast Donezk. Sozialismus, Kohlekraftwerke, Plattenbauten. Grauer Staub, graue Gesichter, matschiger Himmel. „Und dann sah ich sie“, erzählte sie mir, „rote Tulpen – inmitten all der grauen Massen (bitte mit russischem Akzent lesen, sonst kommt das nicht authentisch rüber)“. Sie sei damals erst 3 oder 4 Jahre alt gewesen und die roten Tulpen seien so riesig, dass ihre Blüten auf der Ebene ihrer Augen blühten.

„Ich war wie gelähmt von ihrer Schönheit, von ihrem Duft. Ich stand hypnotisiert da und taumelte“, sagte sie mir. Die roten Tulpen wuchsen in dem kleinen Garten meiner Uroma. Bis heute liebt Mama Tulpen mehr als alles andere. Für sie sind sie wahrscheinlich das Ebenbild der Perfektion, die sie damals so ergriffen hatte. Die Faszination für „das Perfekte“ fand sie auch in den Blüten und Früchten der Stachelbeeren in Uromas Garten. Später auch in einem schwarz-weißen Fotobuch der Sankt Petersburger Ermitage, das sie „löchrig blätterte“. Dann in den Architektur-Kursbüchern meiner Tante und dann ist das ganze komplett ausgeartet und wurde auf ein Level gehoben, das mich zu meiner Zeit hart traumatisiert hat.

IMAGO / Depositphotos: Die Liebe zum Schönen und zut Ästhetik: Meine Mutter verliebte sich damals in rote Tulpen
Tulips. a bulbous spring-flowering plant of the lily family, with boldly colored cup-shaped flowers.

Sie zieht es eiskalt durch…

Meine Mutter ist scheinbar wie der Freund, den ich heute Morgen gesprochen hatte – sie will sich ausschließlich mit dem Schönen umgeben. Und sie zieht es eiskalt durch. Ich jedoch, brauche das Hässliche, Stinkende für den Kontrast, um das Schöne deutlicher spüren zu können. Vielleicht einer der Gründe, warum ich Frankfurt liebe? Idk.

Frankfurter Skyline vom Aussichtspunkt auf dem Dach der Skyline Plaza. Man sieht den Messeturm, das Hochhaus "One" uns andere bei gutem Wetter.
Hier ein random Foto von der Frankfurter Skyline – ganz einfach weil ich sie über alles liebe und mein Sinn für Ästhetik sich in ihren Glasfassaden widerspiegelt.

Dann sagte Mama: „Ich fragte mich schon immer wieder, wie sich meine Museumsbesuche während der Schwangerschaft auf dich auswirken würden.“ Tjaaaa. Meine Liebe zur Kunst ging irgendwann mit mir durch, als ich noch gar nicht in vollständigen Sätzen formulieren konnte. Kunst, Architektur, Couture, Autos, Diamanten, die Gesichter schöner Menschen – um ein paar meiner Fetische zu nennen. Ich würde am liebsten alles ablecken, was mir derart gefällt.

Habe ich meine Liebe verloren?

Neulich war ich in der Gemäldegalerie. Und weißte was? Als ich zwischen den ganzen Rubensen stand, dachte ich für einen Moment, ich hätte es verloren: Dieses Hochgefühl, dass immer dann aufkocht, wenn ich etwas sehe, das ich liebe und mein Herz beginnt anders zu schlagen und ich ein bisschen benebelt und lüstern werde. Es war einfach weg. Wahrscheinlich, weil ich die Rubense zuvor schon so lange angestarrt hatte, dass sie mich locker in meinen Träumen hätten heimsuchen können. Dennoch fühlte ich kaum etwas, als ich sie sah. „Ist es vorbei?“, dachte ich. Es fühlte sich ziemlich vorbei an.

Bei diesem Gemälde von Paul Peter Rubens würde ich immer etwas fühlen.

Dann betrat ich den nächsten Raum. Ich dachte, ich komme. Wirklich. Cranach d.Ä. en masse – Cranachs, die ich bislang noch nicht gesehen hatte, weil das letzte Mal, als ich in der Gemäldegalerie war, in diesen Räumen Umbauarbeiten stattfanden. Was auch immer die darin umgebaut haben. Ich war beruhigt – ich hatte meine größte Liebe nicht verloren. Sie war nur etwas betäubt. Doch was wäre, wenn ich sie eines Tages verlieren würde? Dieser Gedanke plagt mich seither und lässt mich nachts kaum Schlafen.

Kleiner Cranach-Reminder aus der Gemäldegalerie:

Ich will zum Punkt kommen. Besessenheit von den schönen Dingen dieser Welt – sie treibt mich voran, sie hält mich zurück, sie reißt mich zu Grunde, sie lässt mich Raum und Zeit vergessen. Sie macht mich geil, sie deprimiert mich, sie inspiriert mich, sie nimmt mir alles, was ich habe. Aber eins macht sie immer: sie nötigt mich regelrecht dazu, mich am Leben zu fühlen.


Titelbild Copyright: IMAGO / Depositphotos

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Kunst

Das Gösser Ornat: Kommunikation mit der Außenwelt

Geistliche Frauen versuchten im Mittelalter mit der Außenwelt zu kommunizieren. Sie taten dies mithilfe von Kunst, da sie in der Klosterkirche nicht anwesend sein durften. Diese Kommunikation war hauptsächlich an Verwandte und an Laien gerichtet, die sich in der Klosterkirche als Pfarrgemeinde versammelten. Die künstlerischen Botschaften sollen den Frauen dazu verholfen haben, in der äußeren Kirche Präsenz zu erlangen, von der sie räumlich getrennt waren.

Das Gösser Ornat ist nicht nur ein liturgisches Gewand, sondern auch ein „Kommunikationsmittel“ der geistlichen Frauen. Es besteht aus Seidenstickereien auf Leinen und zeigt die Marienvita, also das Leben der Jungfrau Maria. Die „Urheberin“ des Bildprogramms, das wir auf dem Gösser Ornat sehen, ist ebenfalls mehrfach dargestellt. Dies ist in der Paramentenkunst des 13. Jahrhunderts absolut einmalig ist.

Das Antependium des Gösser Ornats: Hier ist seine "Urheberin", Äbtissin Kunegunde II, im Gebetsgestus zu sehen. Die Bedeutung der Tiere, die sie umgeben, bleibt bis heute umstritten. Copyright: Museum für Angewandte Kunst Wien
Das Antependium des Gösser Ornats (Ein Bildausschnitt von links unten): Hier sehen wir seine „Urheberin“, Äbtissin Kunegunde II, im Gebetsgestus. Die Bedeutung der Tiere, die sie umgeben, bleibt bis heute umstritten. Copyright: Museum für Angewandte Kunst Wien

Was ist ein Ornat?

Das (oder der) Ornat ist die festliche Amtstracht eines Geistlichen, Herrschers oder hohen Beamten, die bei feierlichen, weihevollen und repräsentativen Anlässen getragen wird, wie z. B. bei der Krönung das Krönungsornat. Die Bezeichnung Ornat wird auch als Zusammenfassung der für den Gottesdienst verwendeten Paramente benutzt.

Grafik: Hier sind verschiedene Ornate mit ihren Attributen dargestellt. Zu sehen sind Adel und Klerus in üppig geschmückten Gewändern. Unterhalb der fünf prachtvoll gekleideten Personen sind weitere sechs Personen mit Kronen zu sehen.
Hier sind verschiedene Ornate mit ihren Attributen dargestellt.

Paramente sind die im Kirchenraum und in der Liturgie verwendete Textilien, die oftmals künstlerisch aufwendig gestaltet sind. In der katholischen Kirche versteht man unter einem Ornat die für ein Hochamt gebräuchlichen Paramente gleicher Farbe und gleichen Musters mit unterschiedlichem Zubehör.

Das Gösser Ornat beinhaltet mehrere kirchliche Gewänder, die eine liturgische Einheit bilden. Das Ornat wurde im ausgehenden Hochmittelalter im Stift Göß in der Steiermark in Österreich hergestellt.

Rihanna bei der Met Gala 2018: Hier trägt der Megastar ein Gewand, das stark an ein Ornat erinnert.
2018 trägt auch Rihanna bei der Met Gala etwas, das stark an ein Ornat erinnert. Das Thema der damaligen Gala: „Fashion and the Catholic Imagination“. Copyright: IMAGO

Aus welchen Teilen besteht das Gösser Ornat?

Das Gösser Ornat besteht aus den Teilen Antependium, Pluviale, Kasel, Dalmatika und Tunika. Alle Teile haben diverse Funktionen, da sie auch zu unterschiedlichen Anlässen getragen werden konnten.

Hier ist die Tunika des Gösser Ornats zu sehen. Die bestickte Seide aus dem 13. Jahrhundert ist hierbei sichtlich seht gut erhalten. Copyright: Museum für Angewandte Kunst Wien
Das ist die Tunika des Gösser Ornats. Man beachte den wunderbaren Zustand der bestickten Seide aus dem 13. Jahrhundert. Copyright: Museum für Angewandte Kunst Wien

Franz Bock erwähnt darüber hinaus zwei Stolen, die dem Gösser Ornat angehören sollen. Seine Theorie wird später von Gudrun Sporbeck widerlegt. Der Verbleib der bei Bock erwähnten Stolen bleibt somit bis heute ungeklärt. Weitere Kleinteile des Ornats befinden sich im Victoria & Albert Museum in London.

Diese Funktionen hatte das Ornat

Das textile Bildmedium des Gösser Ornats kommunizierte den Laien die Botschaften der Schenkung, der Heiligen Drei Könige, der Fundatorin Adala sowie die der jungfräulichen Bräute des Frauenkonvents. Betrachtet man die Abbildungen, so lässt sich entnehmen, dass die Äbtissin Kunegunde II den Armen, die während des Festes gespeist wurden, wie eine Maria lactans entgegentrat, also diejenige, die die Bedürftigen nährte. Heilgeschichtlich wird das Bildprogramm auf Christus bezogen. Aber auch die einzelnen Themenbereiche stehen in enger Verbindung zueinander. 

Die Gösser Stiftskirche war Maria geweiht. Daher scheint die Ikonographie des Ornats in erster Linie auf die Verehrung der Patronin ausgerichtet zu sein. Der Nutzungskontext der Paramente offenbart einen weiteren Marienbezug. Das Gösser Ornat war für die Gedächtnisfeier anlässlich des Todestages der pfalzgräflichen Stiftsgründerin Adala bestimmt.

Ist dieses Datum ein mysteriöser Zufall?

Der Todestag der Stiftsgründerin fällt auf den 7. September, den Tag vor der Geburt Mariens. Zu deren Gedenken wurde ein Gottesdienst gefeiert. Nur an diesem einzigen Tag im Jahr wurde das Gösser Ornat angelegt. Dadurch lässt sich seine relativ gute Erhaltung erklären.

Das liturgische Zentrum des Gedächtnisgottesdienstes war der Katharinenaltar, der mit einem bestimmten Teil des Gösser Ornats geschmückt wurde, nämlich dem Antependium. Für die Gösser Bevölkerung war dieser Gedächtnisgottesdienst ein bedeutsames Fest. Um es zu ehren, waren sie im pfarrkirchlich genutzten Teil der Stiftskirche zugegen.

Sie fertigten das Gösser Ornat – aber nicht für sich selbst

Bei den Festivitäten waren Äbtissin und die Kanonissen nicht wirklich anwesend. Kunegunde II fertigte folglich gemeinsam mit ihren Stiftsdamen die Paramente an, die sie selbst nie angelegt haben. Die Eucharistie fand an einem Altar statt, an dem die Frauen selbst nicht als sichtbar Agierende teilnehmen konnten. Sie waren räumlich davon abgesondert.

Zu sehen ist das Pluviale des Gösser Ornats. Im oberen Teil kann man gut erkennen, wie es vor geraumer Zeit geändert und wieder falsch zusammengenäht wurde. Die abgebildeten Teile passen gar nicht auf das restliche Muster und gehören eigentlich auf die Kasel, die im Titelbild dieses Beitrages hinterlegt ist. Copyright: Museum für Angewandte Kunst Wien
Zu guter Letzt: Das ist das wunderbare Pluviale. Im oberen Teil kann man gut sehen, wie es vor geraumer Zeit geändert und wieder falsch zusammengenäht wurde. Die abgebildeten Teile passen gar nicht auf das restliche Muster und gehören eigentlich auf die Kasel (siehe Titelbild). Copyright: Museum für Angewandte Kunst Wien

Die räumliche Absonderung wurde durch die Paramente des Gösser Ornats gemildert. Die Inschriften und Porträts von Kunegunde II und ihren Stiftsdamen erlangten in der Gedächtnisfeier und am Altar Präsenz. Die Donatrixporträts und Inschriften befinden sich jeweils auf der Rückseite der Gewänder, also auf der Schauseite der Stiftsdamen. So sollen sie sich an der Feier beteiligt gefühlt haben.


Folgende Quellen habe ich für diesen Beitrag verwendet:

Darüber hinaus trat ich mit dem Museum für Angewandte Kunst Wien in Kontakt und befragte die Mitarbeitenden zum Gösser Ornat. Freundlicherweise gaben sie mir auf alle meine Fragen Antworten. Sie gaben mir sogar Quellen, auf die ich selbst nie gekommen wäre. Einfach fabelhaft!

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