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Kunst & Architektur

Künstlicher Marmor: Imitat wertvoller als Original?

Die Technik, über die wir heute sprechen, verblüfft seit Jahrhunderten mit ihrer Schönheit – und ist dabei eine Illusion. Scagliola, auch bekannt als Gipsintarsien, ist eine kunstvolle Methode, um edle Gesteine wie Marmor nachzuahmen. Statt echtem Marmorstein kommen hier ein paar Zutaten zum Einsatz: Anhydrit, eine Form von Gips, wird mit Leimwasser vermischt. Dieses besteht meistens aus Perl- oder Knochenleim, also tierischem Bindematerial. Die Masse wird mit Farbpigmenten wie etwa gemahlenem Lapislazuli oder Granat angereichert, kräftig durchgeknetet und modelliert. Weil Anhydrit nur langsam aushärtet und der Leim diesen Prozess zusätzlich verzögert, bleibt genug Zeit, um die Mischung zu formen und kunstvoll ineinanderzuwirbeln, bis sie wie Marmor aussieht.

Anschließend wird die fertige Masse in etwa ein Zentimeter dicke Scheiben geschnitten und auf eine Unterlage, etwa Mauerwerk, aufgetragen. Wenn der Anhydrit zu Gips ausgehärtet ist, wird er grob geschliffen, Fehlstellen ausgespachtelt und die Oberfläche mit immer feiner werdenden Schleifsteinen geschliffen. Anschließend wird das Ganze aufpoliert.

Um es also auf den Punkt zu bringen: Künstlicher Marmor ist in seiner Herstellung extrem aufwendig und es werden (Halb-)Edelsteine beigemengt. Das macht das ganze besonders exklusiv.

Die Epoche des künstlichen Marmors

Diese Art Stuckmarmor gab es schon in der Spätantike, jedoch fällt seine Blütezeit in den Barock. Große Flächen dieses künstlich hergestellten Marmors finden wir etwa im Rastatter Residenzschloss oder im Schloss Favorite. Die Herstellung des „künstlichen Marmors“ war manchmal tatsächlich teurer als echter Marmor. Dennoch bevorzugten manche Baumeister Stuckmarmor für ihre Projekte, da sich mit ihm Farb- und Musterspiele erzeugen lassen, die natürlicher Marmor nicht bietet (z. B. blauer Marmor mit ockergelben Einfärbungen). Zudem können beliebig große Flächen hergestellt werden.

Scagliola im Wandel der Zeit

In Europa sind die ältesten Scagliola-Platten aus der Zeit um 1600 überliefert. Zu einem Zentrum dieses Kunsthandwerks entwickelte sich München. Viele Objekte schmücken die Münchner Residenz. Herzog Maximilian I. beanspruchte das fürstliche Privileg über die Scagliola-Technik. Die Marmoristen und Stuckateure durften ihr Wissen nicht unerlaubt weitergeben. Gegen Ende des 17. Jahrhunderts kam Stuckmarmor schließlich aus der Mode.

Im 21. Jahrhundert gibt es noch einige Restaurierungsbetriebe, die Stuckmarmor herstellen und ausbessern können. Stuckmarmor hat, neben der aufwendigen Herstellung, jedoch einige weitere Nachteile. Er ist nicht so hart wie echter Marmor (eignet sich daher beispielsweise nicht für stark beanspruchte Treppenbeläge) und ist nicht wetterfest, da Leim und Gips wasserlöslich sind. Schön, kostspielig und nicht alltagstauglich – so haben wir’s doch am liebsten.


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Kunst & Architektur

Barock zum Staunen: Das verbirgt sich im Rastatter Schloss

Wer nach Rastatt kommt, um nach Barock zu suchen, wird schnell fündig. Auch ich war dort auf den Spuren dieser Epoche. Besonders beeindruckt hat mich das Barockschloss. Ich ging in den vergangenen Jahren, als ich noch in Rastatt lebte, etliche Male daran vorbei, doch wusste es noch nie so richtig zu schätzen. Nun sollte sich das aber ändern: ich würde es auch mal von innen sehen. Das können alle. Betreten werden darf das Schloss allerdings nur im Rahmen einer Führung. Diese kostet 8 € (ermäßigte 4 €).

Einblicke ins Rastatter Schloss

Unsere Gruppe lauschte den Geschichten vom höfischen Leben und der Architektur. Die Dame, die uns durch die barocken Räumlichkeiten führte, teilte ihr Wissen mit einer solch ansteckenden Leidenschaft – es war einfach schön. Ich lernte viel von ihr. Ihre Art zu erzählen war aufregend und lebendig, sodass ich bei dieser Führung am liebsten gleich noch mal mitgemacht hätte.

Im Schlossinneren angekommen deutete sie auf eine Muschelarchitektur und sagte: „Die Muschel ist das Symbol des Barocks.“ Zudem spielte die Barock-Perle, eine unebene, meistens tropfenförmige Perle, eine Schlüsselrolle in der Epoche. Sie ist die Quelle der Ästhetik, die den Barock ausmacht und wurde als das Ideal angesehen. Ihre Struktur spiegelt sich oftmals in all den innen- und außenarchitektonischen Schnörkeleien und Verzierungen wider.

Die Muschel: Oft als Indiz für barocke Architektur zu deuten.

Rokoko im Barockschloss

Wir befanden uns im ehemaligen Einfahrtsbereich des Schlosses. Einer Art „Kutschen-Tiefgarage“ für Gäste, die einfuhren und dabei incognito bleiben wollten. Eine pompöse Deckenarchitektur im Stile des Rokoko begrüßte uns und blickte beinahe spöttisch auf uns herab. Rokoko erkennt man daran, dass die Zierelemente nicht so gleichschenklig sind wie die im Barock. Darüber hinaus ist es kantiger, unebenmäßiger, herausragender.

Dann ging es die Treppen hinauf. Die Dame zeigte uns pompöse doppelte Decken, güldene Verzierungen, Statuen, Reliefs und Gemälde. „Die große Pracht war dazu da, um die Gäste klein zu halten.“ All das war eine Hommage an die griechische Mythologie. Obwohl der Glaube christlich war, ließen die Architekten hier die Griechen hochleben – sie formten ihre Götter aus Stein und mindestens einen sogar aus Bronze. Schließlich galt der christliche Gott als unantastbar und durfte strenggenommen nicht dargestellt werden.

Fakten zum Schloss: Bauherr und Co.

Im größten und prächtigsten Raum des Schlosses, dem Ahnensaal, stießen wir auf noch mehr eindrückliche Elemente des Rokoko. Zahlreiche Fresken schmückten die meterhohen Wände. Sie zeigen nicht nur die Vorfahren des Bauherrn, sondern auch viele gefangene Osmanen. Diese Darstellungen sollten den Besuchern vermitteln, dass der Markgraf von Baden-Baden – auch bekannt als „Türkenlouis“ – als siegreicher Feldherr der Christenheit galt. Er wurde als jener gefeiert, der Europa vor den Osmanen beschützt hatte.

Ahnensaal im Barockschloss Rastatt

Der Markgraf residierte zu Lebzeiten im Schloss Rastatt. Es wurde ab 1697 nach den Entwürfen von Domenico Egidio Rossi erbaut. Zuvor hatte er zusammen mit seiner Frau Franziska Sibylla Augusta von Sachsen-Lauenburg im Neuen Schloss in Baden-Baden gelebt. Dieses war jedoch von französischen Truppen niedergebrannt worden. Eine neue Residenz musste her.

Franziska Augusta Sibylla und Ihre Schwester Anna Maria Franziska. Unbekannter Künstler.

Das Residenzschloss Rastatt wurde nach dem französischen Vorbild Versailles gebaut. Ganz Europa schaute auf die Machtfülle des französischen Monarchen und versuchte diesem nachzueifern.

Macht: So wurde sie im Barock repräsentiert

Mit dem Bau des Rastatter Schlosses verfolgte Ludwig Wilhelm ein ehrgeiziges Ziel: Er wollte die Kurwürde erlangen. Nachdem ihm trotz seiner militärischen Erfolge – sowohl in den Türkenkriegen als auch am Rhein – die erhofften Ehren verwehrt blieben, setzte er stattdessen auf repräsentative Architektur. Das prachtvolle Schloss sollte seine Machtansprüche sichtbar untermauern.

Allzu viel hatte Ludwig Wilhelm selbst jedoch nicht von seiner Residenz. Die meiste Zeit verbrachte er im Feld. Bereits 1707 starb er an den Folgen einer Kriegsverletzung.

Dieses Barockjuwel zeigt eindrucksvoll, wie Architektur, Macht, Kunst und Geschichte miteinander verbindet. Du kriegst von Schlössern nicht genug? Hier geht’s zu der atemberaubenden Münchner Residenz.


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Die Öffnungszeiten und alle andere Infos rund um deinen Besuch des Rastatter Schlosses findest du hier.

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Kunst & Architektur

Egon Eiermann baut die geilsten Türme Frankfurts

Als ich zum ersten Mal in Frankfurt aufwachte, erblickte ich die Türme von Egon Eiermann. Ich musste gleich ehrlich zu mir selbst sein: Die Konstruktion der beiden architektonischen Meisterwerke war bei Weitem das Beeindruckendste, das ich seit langer Zeit gesehen hatte. Und das, obwohl ich die Architektur vergangener Epochen viel besser kenne und, zugegeben, auch schätze. Bis zu meinem letzten Tag in Frankfurt fuhr ich aufgeregt an der Station „Börostadt Niederrad“ vorbei, weil man dort die Eiermann-Türme direkt aus der Straßenbahn heraus bestaunen kann.

Laut „stadtkindfrankfurt.de“ soll Egon Eiermann zu den einflussreichsten deutschen Architekten der Nachkriegszeit gehören. Seine beiden Türme in Frankfurt soll er erst im späten Abschnitt seines Lebens für die Firma Olivetti konstruiert haben. Olivetti ist ein Unternehmen, das heutzutage Computer, Bürogeräte und -maschinen sowie Anwendungssoftware herstellt.

Eiermann-Türme in Bürostadt-Niederrad in Frankfurt.
Es ist unfassbar, wie filigran der Architekt seine beiden Türme konstruiert hat. Zum Zeitpunkt der Konstruktion hatte er nur eine begrenzte Fläche, die er nutzen durfte. Das flache Gebäude in der Mitte der beiden Türme, das wir hier im Bild sehen, beeinflusste die Bauweise stark.

Die beiden Bauwerke wurden erst zwei Jahre nach dem Tod von Egon Eiermann fertiggestellt. Dass die extravagantesten Türme Frankfurts direkt am Stadtwald grenzen, intensiviert den Kontrast zwischen Naturkulisse und einer Architektur, die nicht von dieser Welt zu sein scheint.

Die Vita des Egon Eiermann

Egon Eiermann wurde am 29. September 1904 in Neuendorf bei Berlin geboren. Seine architektonische Reise begann er nach dem Abitur an der Technischen Hochschule in Berlin-Charlottenburg, wo er – man ahnt es – Architektur studierte. Während seines Studiums hatte er das Privileg, von herausragenden Lehrern wie Heinrich Tessenow und Hans Poelzig unterrichtet zu werden, von dem er später auch als Meisterschüler anerkannt wurde.

Nach dem erfolgreichen Abschluss seines Studiums im Jahr 1927 trat Egon Eiermann seine erste Anstellung im Baubüro der Karstadt AG in Hamburg an. Seine Fähigkeiten und sein Talent als Architekt blühten dort auf und ebneten den Weg für eine herausragende Karriere. 1931 wurde er selbstständiger Architekt und kehrte nach Berlin zurück.

Eiermann: Das macht den Architekten aus

Die Jahre von 1931 bis 1945 waren geprägt von Egon Eiermanns unermüdlichem Schaffen und seiner Leidenschaft für die Architektur. Während dieser Zeit schuf er Werke, die seine innovative Denkweise und sein strenges Designprinzip widerspiegelten. Seine Entwürfe und Projekte zeichneten sich stets durch Klarheit, Funktionalität und zeitlose Eleganz aus.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs eröffneten sich für Egon Eiermann neue Möglichkeiten. Im Jahr 1947 wurde er zum Lehrstuhl für Architektur an der Technischen Hochschule Karlsruhe berufen. In dieser Position konnte er sein umfangreiches Wissen und seine kreativen Ideen an die nächste Architektengeneration weitergeben. Neben seiner akademischen Laufbahn etablierte er auch sein eigenes Architekturbüro in Karlsruhe.

Fun Fact: Am KIT gibt es ihm zu Ehren sogar einen Egon-Eiermann-Hörsaal. Dort finden Vorlesungen der Architektur und Kunstgeschichte statt.

Egon-Eiermann-Türme im Frankfurter Stadtteil Niederrad.
Allein dafür lohnt es sich nach Frankfurt zu kommen. Traurig finde ich, dass die Grünfläche um die beiden Türme herum immer weiter verwahrlosen, obschon in den Gebäuden noch etwas Leben herrscht.

Eiermann stirbt – doch hinterlässt bleibenden Eindruck

Eiermann verstarb 1970 im Alter von nur 65 Jahren in Baden-Baden. Trotz seines viel zu frühen Todes hinterließ er ein beeindruckendes Erbe in der Welt der Architektur.

Seine Werke und sein Einfluss auf die moderne Architektur sind auch heute noch lebendig und inspirierend für kommende Generationen von Architekten und Designer. Egon Eiermann wird nicht nur für seine herausragenden Bauten, sondern auch für seine unermüdliche Hingabe an die Architektur in Erinnerung bleiben.


Quellen: stadtkindfrankfurt.de und egon-eiermann-gesellschaft.de

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Kunst & Architektur

Kirchen: Baden-Badens geheime Schatzkammern

In Baden-Baden liegt Geschichte nicht nur in der Luft. Sie spiegelt sich auch in Stein und Glas wider. Werfen wir doch mal einen Blick auf die architektonischen Meisterwerke der Stadt – die Gotteshäuser. Sie zeigen uns nicht nur, wie unsere Stadtbewohner seit vielen Generationen ihren Glauben leben, sondern geben auch Einblicke in die europäische Baukultur und Experimentierfreude an Gestaltung. Gehen wir sie einmal chronologisch durch und fangen mit der ältesten und wohl bekanntesten Kirche an.

Stiftskirche Liebfrauen in Baden-Baden

Markant thront die Stiftskirche Liebfrauen am Florentinerberg. Ihr rund 68 Meter hoher Turm prägt die Silhouette der Altstadt. Nicht nur meine Fotoarchive sind voll von ihr. Erstmals 987 urkundlich erwähnt, wurde sie im Laufe der Zeit mehrfach umgebaut, erweitert und geformt. Aus dem 13. Jahrhundert ist der romanische Turmschaft erhalten geblieben, während der Chor und das Langhaus zwischen 1453 und 1474 im spätgotischen Stil erbaut wurden.

Was erwartet uns im Inneren? Die Kirche ist dreischiffig mit Querhaus und Chor angelegt. Ihre Decken sind von Kreuzrippengewölben überspannt, die von Sandsteinpfeilern getragen werden. Im Chor finden wir das aufwendig gestaltete Hochgrab des Markgrafen Ludwig Wilhelm (Türkenluis). Davor bleibe ich immer besonders lange stehen, egal, wie oft ich es bereits gesehen habe.

Die evangelische Stadtkirche

Nachdem 1855 der Grundstein gelegt wurde, fand 1864 die Einweihung der Evangelischen Stadtkirche statt. Ihr denkt euch vielleicht: „Wie bitte?“ Zurecht – bei ihrem Anblick könnte man leicht glauben, sie stamme aus der Hochgotik. Doch dem ist nicht so. Tatsächlich gehört sie der Neogotik an, einem Stil des 19. Jahrhunderts, der bewusst die Formen und Motive der Gotik wieder aufgriff. Die Neogotik zählt zu den frühesten Unterarten des Historismus, der sich in Kunst und Architektur an den Stilen vergangener Jahrtausende und verschiedener Kulturen orientierte. Wir kennen das etwa auch vom (Neo-)Klassizismus, der sich an der Antike, vor allem am griechischen und römischen Tempelbau, orientiert hatte.

Die Stadtkirche ist meistens geschlossen, weshalb ich sie heute erstmals, nach all den Jahren, betreten habe. Wunderschön – auch von innen: Im Hauptschiff finden wir spitzbogige Fenster mit farbigen Glasmalereien, die viel Tageslicht hineinlassen. Das Kreuzrippengewölbe überspannt den gesamten Raum und über der Empore am Eingang steht seit 1973 eine eindrückliche Orgel, auf der während meines Besuchs fleißig geprobt wurde. Ein magischer Moment, der mir für lange Zeit im Herzen bleiben wird. Die Deckenhöhe beträgt schätzungsweise 15–20 Meter, aber manche von euch werden wissen, wie (un)zuverlässig ich im Schätzen bin, daher Angabe ohne Gewähr.

Stourdza-Kapelle auf dem Michaelsberg

Mit Neoklassizismus geht es weiter. Die rumänisch-orthodoxe Kapelle Heiliger Erzengel Michael, auch bekannt als Stourdza-Kapelle, wurde zwischen 1863 und 1866 nach Plänen der Architekten Leo von Klenze und Georg von Dollmann erbaut. Sie steht auf dem Michaelsberg. Von Weitem erkennen wir sie an einer der zwei güldenen Kuppeln der Stadt. Sie ist 24 Meter hoch und eine Miniaturreplik der Kuppel der Peterskirche in Rom.

So einfach lässt die Stourdza-Kapelle sich jedoch nicht betreten. Man muss schon einen Termin erbitten, um sie von innen zu sehen. Von außen sehen wir einen kubischen Baukörper, dessen Wandflächen abwechselnd mit weißem, rotem und gelbem Sandstein „gestreift“ sind. Die Vorhalle wird von vier ionischen Säulen getragen. Diese Kirche ist für mich immer wieder ein krönender Abschluss, nach einem Spaziergang auf dem Michaelsberg.

Russisch-Orthodoxe Kirche Baden-Baden

1880 bis 1882 folgt der nächste große Bau: Die russisch-orthodoxe Kirche an der Lichtentaler Straße wird nach den Plänen des St. Petersburger Architekten Iwan Strom errichtet. Sie gehört zum nordrussischen bzw. russisch‑orthodoxen Stil mit byzantinischen Elementen. Ihr Grundriss hat die Form eines griechischen Kreuzes. Das ist auch bei vielen katholischen Kirchen und Klöstern üblich. Wie ihr euch sicher denken könnt, ist das die zweite güldene Kuppel der Stadt. Nur hat sie eine etwas andere Form: Im Deutschen sagen wir „Zwiebelkuppel“ dazu. Diese wird gekrönt von einem dreibalkigen Kreuz.

Das Mosaik über dem Portal und der prächtig ausgestattete Innenraum stammen vom „Malerfürsten“ Grigor Gagarin. Eine sogenannte Ikonostase aus weißem Marmor trennt den Altarraum vom Gemeinderaum – der Blick auf den Altar wird, wie in der russischen Kultur üblich, nur zu bestimmten Gottesdienstzeiten freigegeben.

Weststadt: Katholische Kirche St. Bernhard

Sehenswert ist auch die katholische Kirche St. Bernhard in der Baden-Badener Weststadt. Sie wurde zwischen 1911 und 1914 nach den Bauplänen von Johannes Schroth erbaut. Diese stießen damals auf deutliche Kritik vom bischöflichen Ordinariat, da sie Jugendstil-Elemente aufwiesen. Der Architekt konnte seine Vision des Bauwerks jedoch verteidigen, indem er argumentierte, dass die katholische Kirche damit mit der Zeit gehe.

Stilistisch prägend ist außerdem eine byzantinisch-frühchristlich wirkende Architektur, die sich in der zentralen Rotunde mit Kuppel widerspiegelt. Ihre Fresken und das einfallende Tageslicht wirkten auf mich überwältigend. Ganz zu schweigen von der gigantischen Orgel auf der Empore über dem Haupteingang.

Den Namen St. Bernhard verdankt das Gotteshaus dem seligen Bernhard von Baden. Der verzichtete auf seinen Herrschaftsanspruch und linderte stattdessen die Armut und Not der Bevölkerung, indem er einen Großteil seines Vermögens hinterließ.


Kein Anspruch auf Vollständigkeit, es gibt nämlich noch mehr Kirchen in Baden-Baden, die ich euch nach und nach hier vorstellen werde. Freut euch also auf Updates.

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Kunst & Architektur

Wer war Lucas Cranach der Ältere? – Kleiner Crashkurs

Mit Lucas Cranach dem Älteren beginnt eine neue Ära in der deutschen Kunst: Eine, die Porträtmaler, Bildung, Begabung und handwerkliches Können miteinander verbindet. Unser Künstler wird 1472 in der oberfränkischen Stadt Kronach geboren. Das Malerhandwerk erlernt er bei seinem Vater Hans Molle, bevor er sich als Geselle auf Wanderschaft begibt. Er wählt den Nachnamen Cranach und signiert seine Bilder mit den berühmten Initialen „LC“. Eine Namensänderung beim Verlassen des Herkunftsorts war im Zeitalter der Renaissance absolut üblich, insbesondere bei Künstlern, Gelehrten und Handwerkern. Lucas Cranach bedeutet so viel wie „Lucas aus Kronach“.

Erst um das Jahr 1500 lassen sich die ersten erhaltenen Werke Lucas Cranachs datieren – zu diesem Zeitpunkt ist der Künstler etwa 30 Jahre alt. In Wien, dem kulturellen und humanistischen Zentrum Mitteleuropas, entstehen frühe Porträts sowie die Schottenkreuzigung.

Cranach ist Teil der künstlerischen Wandlung: Nicht mehr das Handwerk des mittelalterlichen Bildermachers soll im Vordergrund stehen, sondern die Bildung und Begabung des Renaissancemenschen. Im Porträt, einem damals neuen Bildtypus, spiegeln sich die Auftraggeber einer einflussreichen städtischen Gesellschaftsschicht wider: Kaufleute und wohlhabende Bürger.

Cranach: Künstler plus Werkstatt

Hören wir den Namen „Cranach“, so ist meistens Lucas Cranach der Ältere gemeint. Außerdem gab es da noch die Cranach-Werkstatt mit ihren anonymen Meistern, den Umkreis und natürlich auch Sohn Lucas Cranach den Jüngeren, der erst später als eigenständiger Künstler agiert. Er ist es auch, der Cranach d.Ä. als Werkstattleiter ablöst.

Bei machen Bildern lässt es sich trotz Analysen gar nicht so genau sagen, wer sie eigentlich gemalt hat. Manches passierte arbeitsteilig, bei manchen Bildern schafft Lucas Cranach d.Ä. die Vorlagen. Vielleicht kontroliert er das Bild am Ende auch und ergänzt letzte Details.

Im Sinne des damaligen Werkstattgedanken ist das Gesamtwerk als ein Produkt aus mehreren Händen zu betrachten. Ein traditioneller Handwerksbetrieb eben (ähnlich wie bei den Bellini in Venedig). Was die Werkstatt verlässt, wird mit dem Cranach-Emblem versehen – einer Art Markenlogo, das der Künstler im Jahr 1508 mit seinem Wappenbrief erhalten hat. Es zeigt eine Schlange mit aufgestellten Flügeln.

Philipp Melanchthon, zugeschrieben: Cranach-Werkstatt (1532). In der oberen Bildhälfte rechts können wir das Schlangenemblem sehr deutlich erkennen. Copyright: IMAGO / Artokolor

Übergang von Spätmittelalter zu Frührenaissance

Cranach gilt heute als Innovator zwischen Mittelalter und beginnender Neuzeit. Im Repertoire hat er sowohl mythologische als auch biblische Themen. Zusammen mit Albrecht Dürer, Hans Baldung Grien, Hans Holbein, Albrecht Alrdorfer und Matthias Grünewald gehört Lucas Cranach d. Ä. zu den bedeutendsten deutschen Künstlern seiner Zeit. Sie alle sind sowohl Kollegen als auch Kontrahenten und kennen das Werk des jeweils anderen. Teilweise sollen sie in ihren Bildern sogar aufeinander reagiert haben. Etwa, indem sie ähnliche Motive malten o.ä.

Wer heute durch ein Cranach-Gemälde blickt, spürt nicht nur die Technik eines Meisters, sondern auch den Geist einer ganzen Epoche, eingefangen in Farbe und Form. Hier geht’s zu Cranachs „blutrünstigen Frauen“ – da ich großer Fan bin, bin ich ständig auf der Suche nach seinen Bildern, sobald ich ein Kunsthaus betrete.


Quelle

Dankend erwähne ich an dieser Stelle ein ganz wunderbares Buch, das ich irgendwo in einem Museumsshop gekauft habe: Cranach A–Z von Teresa Präauer (ISBN: 978-3-7757-5179-7). Die Autorin schreibt in einer klaren und verständlichen Sprache, die nicht nur Kunsthistoriker begeistern kann, sondern auch jene, die sich viele spannende Fakten auf einmal reinballern wollen. Hinzu kommt ihr pointierter Humor und die sagenhafte Illustration des Buches. Sehr empfehlenswert.

Titelbild

Zu sehen ist unser Lucas Cranach d. Ä., laut Inschrift im Alter von 77 Jahren. Vermutlich von seinem Sohn gemalt (1550), manche Quellen schließen ein Selbstbildnis jedoch nicht aus. Man beachte die kontrastiert hervorgehobenen Hände des Künstlers. Sie schufen tausende Werke, die in ihrer Einzigartigkeit unter die Haut gehen. Copyright: IMAGO / H. Tschanz-Hofmann.

Hier nochmal in voller Pracht:

Die anderen ungekennzeichneten Bilder: Copyright avecMadlen.com

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Kunst & Architektur Reisen

Schloss Favorite: Hinter den Mauern der Markgräfin

Heute betat ich unverhofft die prunkvollen Räume des Schlosses Favorite in Rastatt. Hinter den kunstvollen Fassaden verbirgt sich das Vermächtnis einer Frau, die sich nicht mit der Rolle der stillen Fürstin und gehorsamen Ehefrau begnügte. Franziska Sibylla Augusta (1675–1733) ließ in Baden einige architektonische Meisterwerke bauen und konnte sich somit als Herrscherin, die im süßen Überschuss lebte, verewigen.

Sibylla Augusta: Kindheit und Intrigen

Nach dem Tod ihrer Mutter im Jahr 1681 wuchs Franziska Sibylla Augusta gemeinsam mit ihrer Schwester Anna Maria Franziska unter der Obhut der Gräfin Polixena von Werschowitz auf, deren Porträt heute in einem der Flure des Schlosses Favorite hängt. Als Tochter des Hauses Sachsen-Lauenburg wurde sie standesgemäß in höfischer Konversation, Malerei und Musik unterrichtet.

Franziska Augusta Sibylla und Ihre Schwester Anna Maria Franziska. In solch einer friedvollen Aufmachung soll man die beiden nur selten erlebt haben. Unklar, wann das Porträt entstand. Vor allem ist auch der Künstler unbekannt.

Sowohl das Verhältnis zur drei Jahre älteren Schwester als auch zur Gräfin war angespannt, da die Werschowitz die Ältere bevorzugt haben soll (Spekulation). Zudem soll bittere Konkurrenz zwischen den beiden Schwestern geherrscht haben. 1689 starb auch der Vater. In höfischen Kreisen wurde gemutmaßt, er sei vergiftet worden. Verdächtigt wurde Gräfin Polixena von Werschowitz, die angeblich auf das Vermögen aus war (ebenfalls Spekulation).

Fünf Tage vor seinem Tod hatte der Vater die Töchter jedoch testamentarisch unter den Schutz des Kaisers gestellt sodass die Gräfin leer ausging.

Ehe mit Türkenlouis

Später heiratete unsere Protagonistin Ludwig Wilhelm von Baden-Baden, besser bekannt als „Türkenlouis“. Mit gerade einmal 15 Jahren trat sie als seine Gemahlin auf die politische und kulturelle Bühne des badischen Hofes. Er war bei der Eheschließung 34 Jahre alt.

Als Ludwig Wilhelm 1707 im Krieg tödlich verwundet wurde, übernahm Franziska Sibylla Augusta die Regentschaft – die gemeinsamen Kinder waren noch zu jung dafür. Mit kluger Heiratspolitik, einem wachsamen Blick auf die Finanzen und durchgreifenden Verwaltungsreformen erwarb sie sich bald hohes Ansehen und das Vertrauen der Bevölkerung.

Sybilla Augusta als Bauherrin

Ihre Baupolitik schaffte Arbeitsplätze, doch dem Volk ging es erbärmlich. Ihr Versuch, die allgemeine Armut zu lindern, war da. Vor allem entfaltete ihre Bautätigkeit aber ihr künstlerisches Geschick.

Was mir bei unserer Schlossführung gleich ins Auge sprang, war natürlich der üppige Empfangsbereich. Unter anderem wachen in den Ecken des Raumes vier weibliche Figuren mit Füllhörnern über das Geschehen. Diese verweisen auf die katholische Prägung Badens, zu der auch Rastatt zählte: Der Segen der Fruchtbarkeit, so die Botschaft, bewahrte die Region vor Hungersnöten. Ein bisschen widersprüchlich kam mir das schon vor. Einerseits herrschte Armut, andererseits soll es während der Regentschaft von Sybilla Augusta keine außerordentlichen Hungersnöte gegeben haben. Aber dem gehen wir an anderer Stelle genauer auf den Grund.

Schloss Favorite: Bau und Besonderheiten

Als Bauherrin des Schlosses Favorite ließ sie einen privaten Rückzugsort errichten, der auch Ausdruck ihrer Sammelleidenschaft war – insbesondere ihrer Vorliebe für Porzellan. Hierzu gibt es eine gesonderte Führung durch andere Teile des Schlosses, die vor mir bisher jedoch verborgen blieben. Demnächst will ich euch die Porzellansammlung aber zeigen. Immerhin wurde für sie (und ganz nebenbei auch für die beiden Söhne) das Schloss Favorite überhaupt erst erbaut.

Zwischen 1710 und 1730 entstand der Bau unter der Leitung des Architekten Johann Michael Ludwig Rohrer. Die Arbeiten zogen sich über zwei Jahrzehnte hin – immer wieder verzögerten sie sich durch französische Truppenbewegungen in der Region.

Geile Fakten und Legenden rund ums Schloss Favorite

  • Es gilt als das einzige fast unveränderte Porzellanschloss Deutschlands.
  • Die Bauarbeiten begannen nur 3 Jahre nach dem Tod von Türkenlouis.
  • Das „Florentiner Kabinett“ im Schloss ist einzigartig in Europa und besteht aus 758 Paneelen aus Marmor, Granit und Halbedelsteinen. Unser Schlossführer nannte sie etwas verallgemeinert, aber umso verständlicher, „Steinbilder“. Sehr eindrücklich und sehenswert.
  • Der barocke Lustgarten rund um das Schloss wurde später in einen englischen Landschaftsgarten umgestaltet, der den Charakter der Gesamtanlage bis heute prägt.
  • Das Schloss wurde mehrfach für Film- und Fernsehproduktionen genutzt, darunter als Hauptschauplatz des ARD-Märchenfilms „Der Froschkönig“ im Jahr 2008.
  • Und mein persönlicher Favorit (haha verstehste, wegen Schloss Favorite xD) ist die Legende zur Kieselstein-Fassade: Die Markgräfin Sibylla Augusta soll während des Baus des Schlosses arme Kinder gebeten haben, in Bächen und im Flussbett der Murg Kieselsteine zu sammeln. Für jedes Körbchen bezahlte sie mit einigen Kreuzern1 und einem Stück Brot. Diese Geste wird als Umsetzung des biblischen Mottos „Steine zu Brot“ interpretiert. Die gesammelten Kieselsteine wurden anschließend als Verzierung an der Fassade des Schlosses angebracht und machen es absolut einzigartig.

Auch interessant: So erkennst du Barock auf den ersten Blick

Schlusswort

An dieser Stelle möchte ich zum Ende kommen und meine Eindrücke im Schlossinneren mit euch teilen. Besonders überragend fand ich den bereits erwähnten Empfangsbereich: Wände mit einem leuchtend roten, künstlich hergestellten Marmor, der etwa dreimal so kostbar sein soll, wie echter Marmor. Damals mischte man nämlich feinstes Edelstein-Pulver aus Granat, Lapislazuli und anderen in eine Betonmasse, um Farbintensität und Glanz zu erzeugen. Des Weiteren viel Gold und barocke Schnörkeleien, Skulpturen, handbemalte Platten, Reliefs und, und, und… Wirklich sehenswert. Führung gibt’s für 10 €, Ermäßigte 5€.

Eines meiner weiteren Lieblingsprunkstücke des Schlosses ist das Spiegelkabinett. Es diente weniger dem persönlichen Blick als dem gesellschaftlichen Statement – ein Symbol von Macht, Glanz und unerschütterlichem Selbstverständnis.

Ungewöhnlich an unserer Sybilla Augusta ist also nicht nur ihr architektonisches Erbe, sondern auch ihre Position: In einer Zeit, in der Machtfragen fast ausschließlich Männersache waren, gelang es ihr, als Frau Einfluss zu nehmen – und Markgräfin zu werden. Lieben wir! Oder?


NEU

Auf meinem TikTok-Account kannst du dir das Schloss Favorite sowie alle anderen Highlights aus der Region im Videoformat ansehen.

Fußnote

  1. Der Kreuzer war eine kleine Münze im Heiligen Römischen Reich und später in vielen deutschen Staaten. Sie diente als Zahlungsmittel für alltägliche Dinge und hatte nur einen geringen Wert – vergleichbar mit ein paar Cent heute. ↩︎

Bebilderung

Das Porträt der beiden Schwestern unterliegt urheberrechtlich der Stadt Rastatt.
Das linke Bild des Florentiner Kabinetts: Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, Günther Bayerl
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Kunst & Architektur

Kandinsky hört Farben

Hörte Wassily Kandinsky Musik, während er seine Genialität auf die Leinwand brachte? Das werden wir womöglich nie erfahren. Was wir jedoch mit Sicherheit sagen können, ist, dass er sich von den Werken Wagners, Schoenbergs und Mussorgsky’s inspirieren ließ. Seine Erfahrungen beim Musikhören beeinflussten ihn und seine Kunst sehr stark. Klang wandelte er nämlich in Farbbewegung um und nannte seine abstrakten Bilder zudem auch „Impression“, „Improvisation“ oder „Komposition“ – Begriffe, die wir sonst nur aus der klassischen Musik kennen.

links: Improvisation 26 (Rudern), 1912
rechts: Große Studie zu einem Wandbild für Edwin R. Campbell (Sommer), 1914

Was hat es mit dem Hören von Farben auf sich?

Dieser Umwandlugsprozess ist weniger mystisch als psychologisch. In der Forschung gibt es sogar einen gesonderten Begriff dafür: Synästhesie. Also der Prozess einer automatischen Kopplungen zwischen zwei verschiedenen Reizen (etwa Chromästhesie: Klänge→Farben). Das kann zum einen an einer engen Verschaltung benachbarter Hirnareale liegen („cross-activation“), oder an einer Enthemmung bestehender Rückkopplungen („disinhibited feedback“). Zweiteres heißt so viel wie: Das Gehirn lässt Infos aus einem Sinnesbereich leichter in andere Bereiche fließen, statt sie zu stoppen. Manche Menschen haben das, manche nicht.

Mein lieber Schatz (ein Geiger) sagte mir neuerdings, er könne das. Was mich überhaupt dazu veranlasste, mich mit diesem Thema auseinanderzusetzen. Er meinte, meine Sprechstimme würde gülden klingen. Wenn ich lustig gelaunt sei, eher zitronengelb. Wenn ich sowas schon höre, erlebe ich natürlich den Höhenflug des Jahrtausends. Das muss ich hier an der Stelle ganz offen zugeben.

Natürlich ist nicht jeder so gebaut wie dieser Musiker. Aber die aller meisten von uns werden unterscheiden können was mit „warme Farbe“ oder „kühler Ton“ gemeint ist. Was ein warmer Klang ist und was etwa ein metallisches, kaltes Geräusch ist. Und das obwohl Temperaturen weder gesehen noch gehört werden können. Höchstens ihre Auswirkungen. Ihr wisst schon, worauf ich hinaus will.

Entwurf 2 zu Komposition VII, 1913

Wassily Kandinsky: Synästhesie oder doch nur Strategie

„Farbe ist die Taste, das Auge der Hammer, die Seele das Klavier mit vielen Saiten“, schrieb Kandinsky in „Über das Geistige in der Kunst“ (1911). Vor allem in der abstrakten Phase seiner Kunst lebt er dieses Prinzip und spielt mit der Leuchtkraft und Kombination seiner Farben, die beim Betrachter eine tiefe Emotionalität hervorrufen können. Ich für meinen Teil bin nach einer Kandinsky-Ausstellung sehr auf Endorphinen und erreiche ebenso einen aufgeladenen Zustand, wie nach einem guten klassischen Konzert. Aber ich bin, ihr kennt mich ja, sehr empfänglich für all sowas.

Inwieweit Kandinsky jedoch eine angeborene Synästhesie hatte oder einfach nur konsequent seine Vision der Farben und Klänge durchgedrückt hatte – darüber streitet sich die Forschung bis heute. Doch dass unser geliebter Künstler wirklich wenig Menschen kalt lässt, ist Tatsache. Unzählige Sammlungen und Ausstellungen auf der ganzen Welt, tausende Besucher, tausende Artikel und Kunstbücher, Postkarten, Drucke usw. sprechen meines Achtens ganz dafür, dass er wohl doch mit seiner Kunst in vielen von uns einen ganz bestimmten Punkt unserer Seele berührt, was sonst selten einer schafft.

rechts:  Improvisation 19, 1911
links: St. Georg III, 1911

Farbwirkung und Emotionalität

Kandinsky’s Absichten in der Malerei waren nicht nur ästhetisch geprägt, sondern spirituell-emotional. Mit seinen Farben und Formen wollte er gezielt im Betrachter ähnliche Gefühlsreaktionen auslösen wie Musik es tut. Er war überzeugt, dass Farben eine direkte „seelische Vibration“ hervorrufen können. Daher ordnete er Farben bewusst bestimmten Stimmungen und Klängen zu:

  • Blau steht bei Wassily Kandinsky für Ruhe, Spiritualität und Unendlichkeit.
  • Gelb hat eine exzentrische, hervorbrechende Wirkung und einen hohen, durchdringenden Klang.
  • Rot symbolisiert Energie, Leidenschaft und Dynamik, ist dabei jedoch eine sehr widersprüchliche Farbe in Kandinsky’s Werk. Sie kann sowohl eine warme, reife und energiegeladene Kraft als auch eine innere Unruhe und Erregung darstellen. Rot kann gleichzeitig stürmisch und aufpeitschend, aber auch bodenständig und ruhig sein, je nach Nuance und Kontext.
  • Schwarz und Weiß: repräsentieren Gegensätze wie Dunkelheit und Licht.

Außerdem nutze er bewusst musikalische Begriffe als Malstrategie. „Kompositionen“ waren bei ihm streng geplante, komplexe Werke, „Improvisationen“ hingegen spontanere, emotionale Farbklänge.


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Kunst & Architektur

Ein Genie und seine Ikonen: Igor Kaplun

Heute stelle ich euch einen ganz besonderen Menschen vor. Ich habe Igor Kaplun (*1991) vor einiger Zeit bei Instagram gefunden. Er malt Ikonen. Nachdem ich ihn monatelang beobachtet hatte und seinen Stil, Humor sowie auch seine Leidenschaft für Ikonenmalerei kennenlernte, musste ich ihn um ein Interview bitten.

Das ist der Mann der Stunde: Igor Kaplun

Ikonenmalerei: Interview mit einem Gegenwartskünstler

avecMadlen: Wie begann Ihre künstlerische Reise und was hat Sie dazu inspiriert, sich auf Ikonenmalerei zu spezialisieren?

Igor Kaplun: Mein kreativer Weg begann, bevor ich zur Ikonenmalerei kam. Ich habe schon seit meiner Kindheit gezeichnet. Im Grunde war es das Einzige, was mir gut gelang. Deshalb besuchte ich Kunstkurse sowie auch eine Kunstschule. Später, als es Zeit wurde, mich für ein Studium zu entscheiden, wählte ich zwischen Architektur und Buchillustration. Schließlich landete ich an der Fakultät für Malerei.

Meine Lehrer waren Monumentalkünstler. Sie teilten ihre Erfahrungen in Wandmalerei und Mosaik mit uns. Daher war es nur logisch, dass wir uns in den letzten Semestern mit Mosaiken und Kleber auf Baugerüsten in der Nähe von Wänden wiederfanden. Diese Wände gehörten zu einer Kirche. Von diesem Punkt aus war der Schritt zur Ikonenmalerei klein, da ich mich bereits innerhalb der plastischen Welt der Kirchenmalerei befand.

Zwischen Tradition und Innovation

avecMadlen: Ihre Werke sind bekannt für ihre einzigartige Mischung aus traditionellen und unkonventionellen Elementen. Wie haben Sie diesen unverwechselbaren Stil entwickelt?

Igor Kaplun: Alle Überlegungen von Künstlern über ihren Stil oder die Suche nach ihrem Stil sind in der Regel sinnlos. Am Anfang des beruflichen Werdegangs beschäftigt es noch, aber wenn man sich in den Arbeitsprozess vertieft (bei mir geschah das etwa im dritten Studienjahr), verschwinden diese Fragen. Der Stil ist kein Ziel, sondern ein Bonus für die Arbeit.

Das Ziel ist es viel mehr, ein gutes, solides Bild zu schaffen. Wenn es um traditionelle und unkonventionelle Elemente geht, habe ich das Gefühl, dass ich innerhalb der Tradition der Ikonenmalerei lebe, aber mit verschiedenen Strömungen und Künstlern der Weltkunst vertraut bin. Daher erscheinen auf meinen Ikonen unterschiedliche plastische Ansätze und Entdeckungen, die sowohl aus der traditionellen Ikone als auch aus der sogenannten „weltlichen“ Malerei stammen.

avecMadlen: Welche spezifischen Aspekte der traditionellen russischen Ikonenmalerei faszinieren Sie am meisten und wie integrieren Sie diese in Ihre zeitgenössischen Arbeiten?

Igor Kaplun: Ich kann sagen, dass ich definitiv die Sprache der Ikonenmalerei benutze – das mittelalterliche Verständnis von Form und eine Reihe von Techniken, mit denen Form und Volumen in einer Ikone dargestellt werden. Außerdem ist mir die Freiheit der Ikone sehr nahe. In der Ikonenmalerei gibt es völlige Freiheit der Darstellung, im Gegensatz zur akademischen Malerei, zum Beispiel.

„Die Idee“ sei eher was für Autoren und Ingenieure

avecMadlen: Können Sie ein Beispiel eines Ihrer Werke nennen, das besonders gut Ihre moderne Interpretation eines traditionellen Themas zeigt?

Igor Kaplun: Leider nein. Ich glaube, dass ich als Künstler, der heute lebt, bereits zeitgenössisch bin. In jedem Fall werde ich meine heutigen Gefühle und mein heutiges Verständnis von Raum und Form zum Ausdruck bringen. Und die Idee – das ist schließlich ein Begriff für Schriftsteller oder Ingenieure. Ein Künstler spricht in einer plastischen Sprache – diese lässt sich schwer in Worte fassen. Wenn das möglich wäre, würde der Künstler nicht malen.

avecMadlen: Wie reagieren Kunsthistoriker oder Anhänger der klassischen Ikonenmalerei auf Ihre innovativen Ansätze?

Igor Kaplun: Ich kenne nicht viele Kunsthistoriker. Ich hoffe, dass der Beruf des Kunsthistorikers einen Blick auf die Gegenwart und die Zukunft richtet und nicht nur auf die Vergangenheit. Das würde nämlich bedeuten, dass er bereit wäre, Neues wahrzunehmen und es „auszuprobieren“. Ich bin offen für jede Meinung, und ich würde sogar sagen, dass mir Meinungen fehlen.

Ikonenmalerei: Mit diesen Materialien malt Kaplun am liebsten

avecMadlen: Gibt es bestimmte Techniken oder Materialien, die Sie bevorzugen?

Igor Kaplun: Ich liebe Tempera und Öl. Ikonen male ich jedoch nur mit traditionellen Materialien: Kasein– oder Eitempera.

avecMadlen: In welcher Weise reflektieren Ihre Werke aktuelle gesellschaftliche oder kulturelle Themen in Russland?

Igor Kaplun: Ich glaube, gar nicht. Ich bin nicht wirklich in der Welt der zeitgenössischen oder konzeptuellen Kunst zu Hause. Es interessiert mich mehr, wenn ich arbeite und sehe, wie die Farben zu Tönen werden und zusammen erklingen.

avecMadlen: Welche Herausforderungen begegnen Ihnen bei der Balance zwischen Ehrfurcht vor der Tradition und dem Drang zur Innovation?

Igor Kaplun: Für mich gibt es keine solche Schwierigkeit. Respekt vor der Tradition und das Streben nach Innovation existieren in mir untrennbar miteinander, noch bevor ich mir dieser Prozesse bewusst wurde. Ich liebe die Tradition, aber es interessiert mich, Neues zu schaffen. Ich denke, dass die Tradition, wenn sie nichts Neues erschafft, aufhört lebendig zu sein und somit aufhört, Tradition zu sein. Das Neue und die Tradition sind untrennbare Dinge.

Inspitation und Botschaft

avecMadlen: Was inspiriert Sie?

Igor Kaplun: Malerei, Natur und Literatur.

avecMadlenWas möchten Sie mit Ihren Werken ausdrücken und welche Botschaft hoffen Sie, dass Betrachter von ihnen mitnehmen?

Igor Kaplun: Ich hoffe, dass traditionelle Malerei, die auf einer Oberfläche mit Farben gemalt wird, gefragt sein wird. Und dass die Menschen sich diese Kunst anschauen, diskutieren, sich darüber freuen, sie kaufen und zu Hause aufhängen. Ich würde mir sehr wünschen, dass man sich an der Malerei erfreut und dass sie eine der schönen Dinge ist, die den Menschen umgibt.

Und wenn jemand meine Ikonen oder Bilder mag, freue ich mich sehr. Und wenn nicht – dann gibt es eben genügend große Künstler auf dieser Welt, an denen sich die Betrachter erfreuen können.

Ikonenmalerei: Ein Interwiev mit dem Gegenwartskünstler Igor Kaplun

Wie kann man eine Ikone von Igor Kaplun ergattern?

Der Künstler verkauft seine Ikonen auch ins Ausland. Trotz Einschränkungen und Sanktionen konnte er in diverse europäische Länder verkaufen. In einem einzigen Land kam es bisher jedoch zu Komplikationen an der Grenze: in Deutschland. In Österreich nicht und in der Schweiz bislang auch nicht. Wer Igor Kaplun kontaktieren will, tut dies am besten über Instagram.

Du bist auf der Suche nach Ikonen in deiner Nähe? Entdecke hier das Ikonenmuseum in Frankfurt am Main.


Dieses Interview veröffentlichte ich letztes Jahr schon bei tuellundtrueffel.com. Doch da die Kunst von Igor Kaplun für mich eine Herzensangelegenheit ist, wollte ich sie den Lesern von avecMadlen nicht vorenthalten.

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Brutalismus: Zwischen Faszination und Abscheu

Brutalismus polarisiert: roh, wuchtig, oft abweisend, aber faszinierend. Was auf den ersten Blick wie angsteinflößende Betonmassen wirken mag, ist einerseits die Schaffung von sozialem Raum – meistens unter Zeitdruck und auf begrenzten Flächen. Andererseits ist Brutalismus eine charakteristische Ästhetik der Extraklasse.

Brutalistisches Bauelement aus Beton
An diesen Betonmassen können viele gar nicht vorbei gehen, ohne stehenzubleiben und sie einige Momente lang betrachten zu wollen. Foto von Nenad Radojčić auf Unsplash

Was zeichnet Brutalismus aus?

Der Begriff stammt vom französischen béton brut – „roher Beton“. Dieser rohe Beton prägt viele Gebäude des Brutalismus. Doch die Bewegung ist mehr als nur ein Material. Brutalismus steht für eine Architektur, die Konstruktion und Materialien unverblümt zeigt. Keine dekorativen Fassaden, keine Verzierungen. Stattdessen bleiben konstruktive Elemente sichtbar: Träger, Stützen und der rohe Beton werden nicht verkleidet, sondern sind bewusst Teil des Designs. Statt Dekoration zeigt die Architektur ihre Struktur. Das Tragwerk wird dabei zur Gestaltung. Dazu gehören natürlich auch sichtbare Stützen, markante Linien und massive Baukörper.

Der Begriff „Brutalismus“ entstand in den 1950er-Jahren. Als Vorreiter gilt der französische Architekt Le Corbusier, der mit seinem Konzept des béton brut (roher Beton) stilistisch den Weg bereitete. Die britischen Architekten Alison und Peter Smithson entwickelten darauf aufbauend den sogenannten „New Brutalism“, eine bewusst reduzierte und konstruktionsbetonte Architektursprache. Der Architekturkritiker Reyner Banham trug maßgeblich dazu bei, den Begriff „Brutalismus“ als Bezeichnung für diese Bewegung zu etablieren.

rechts: Foto von Piotr Chrobot auf Unsplash
links: Foto von kiryl auf Unsplash

Was macht Brutalismus aus?

  • Materialehrlichkeit: Beton bleibt sichtbar, manchmal rau, manchmal geglättet – aber niemals verkleidet.
  • Massive Formen: Gebäude wirken blockhaft, wuchtig, fast monumental.
  • Offenlegung der Konstruktion: Tragende Elemente und funktionale Teile werden nicht versteckt, sondern betont.
  • Sozialer Gedanke: Brutalismus war oft Architektur für die Öffentlichkeit – Universitäten, Rathäuser, Sozialbauten. Es ging um Gemeinschaft, nicht um Eliten.
Foto von Aram Ramazyan auf Unsplash

Wo und wann entstand der Brutalismus?

Nach dem Zweiten Weltkrieg suchte Europa nach neuen Lösungen für den Wiederaufbau. Der Brutalismus entstand vor allem in Großbritannien und Frankreich, breitete sich aber schnell weltweit aus. In Deutschland finden sich brutalistische Bauten besonders in den 1960er- und 70er-Jahren: Kirchen, Universitäten und Schwimmbäder wurden im Stil des Betonbrut gestaltet.

Brutalistische Kirche Monte Grisa, Trieste, Province of Trieste, Italy
Ein schönes Beispiel für eine brutalistische Kirche. Diese steht nicht in Deutschland, sondern in Italien, Monte Grisa, Trieste. Foto von Daniel Diesenreither auf Unsplash

Wichtige Fakten und Eckdaten zum Brutalismus:

  • Zeitraum der Blüte: Der Brutalismus war vor allem zwischen den 1950er und 1970er Jahren weltweit verbreitet. In vielen Städten Europas und Nordamerikas prägen brutalistische Gebäude bis heute das Stadtbild.
  • Typische Baumaterialien: Neben Sichtbeton kamen häufig Stahl, Glas und Backstein zum Einsatz, oft in Kombination, um Funktionalität und Ästhetik zu vereinen.
  • Kritik: Brutalismus wurde teils als kalt, abweisend und unpersönlich wahrgenommen. Sichtbeton kann mit der Zeit durch Witterung Schäden zeigen, was den Ruf mancher Bauten beeinträchtigte.
  • Renaissance: Seit den 2010er-Jahren erlebt Brutalismus eine neue Wertschätzung, besonders bei jungen Architekten und Designliebhabern, die die Materialität und den markanten Charakter schätzen.
  • Geografische Verbreitung: Brutalismus ist kein rein westliches Phänomen – auch in Osteuropa und Teilen der ehemaligen Sowjetunion entstanden brutalistische Bauten, allerdings oft mit eigenständigen regionalen Varianten. Nicht zu verwechseln ist dies mit dem Sowjetischen Klassizismus.

Auch interessant: So erkennst du sofort, ob es sich bei der Kunst und Architektur um Barock handelt.


Artikelbild von Stefan Spassov auf Unsplash

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Die radikale Veränderung in Kandinskys Malstil

Wassily Kandinsky ist bekannt für seine farbenfrohe und ausdrucksstarke Malerei. Doch sein außerordentliches Werk „Roter Fleck II“ (1921) zeigt eine entscheidende Wendung in seiner künstlerischen Karriere.

Als der Erste Weltkrieg ausbrach, verließ Kandinsky Deutschland und kehrte in sein Heimatland Russland zurück. In dieser Zeit ruhte seine Kunst. Er widmete sich eher politischen und kulturellen Aufgaben.

Porträt von Wassiky Kandinsky. Der Künstler sitzt am Tisch und schaut in die Kamera
Wassily Kandinsky in seinem Studierzimmer. Copyright: IMAGO / Bridgeman Images

„Roter Fleck II“ von Wassily Kandinsky

Das Werk „Roter Fleck II“, das im Münchner Lenbachhaus hängt, steht symbolisch für den bedeutenden Wandel in Kandinskys Ausdrucksweise. Sein typischer lebendiger Farbauftrag wurde durch eine glattere Art der Farbgebung ersetzt. Seine Bilder wirken nun kühler und rationaler. Die geometrischen Formen wie Dreiecke, Kreise und Linien dominieren seine Werke. Das ist ein klarer Einfluss des russischen Konstruktivismus, einer Strömung in der Kunst, die Wert auf geometrische Strukturen legt.

Künstler des Konstruktivismus wie Ljubow Popowa, Wladimir Tatlin und Malewitsch haben sicherlich zu diesem Wandel beigetragen. Dennoch unterscheidet sich Kandinskys Arbeit von ihrer rein konstruktivistischen Ansatzweise. Denn obwohl er geometrische Formen nutzt, sind sie in seinen Werken nicht streng logisch angeordnet.

Ein besonderes Element ist dabei der Kreis – diese Form wird zu einem zentralen Aspekt während seiner Zeit am Bauhaus. Für Kandinsky repräsentiert der Kreis die perfekte Form für sein neues künstlerisches Schaffen. „Neues“, da sein Herz in der frühen Schaffensphase dem Expressionismus gehörte.

Wassily Kandinsky: Roter Felck II im Lenbachhaus München
1921: Roter Fleck II / Öl auf Leinwand

Konstruktivismus: Kandinskys streben nach reinen Formen

Mit seinen geometrischen Formen setzte er seine Suche nach immer reineren Formen fort. Diese sollten keine Erinnerungen oder ablenkende Assoziationen hervorrufen. Im Gegensatz zu anderen abstrakten Künstlern blieb Kandinsky jedoch stets bei der Darstellung von ‚Figuren‘, seien sie nun gegenständlich oder abstrakt.

Insgesamt betrachtet steht „Roter Fleck II“ als Zeichen eines neuen Kapitels in Kandinskys Werk. Es zeigt den Beginn seiner Auseinandersetzung mit dem Konstruktivismus und dem Streben nach reinen Formen. Erfahre hier von der größten Sammlung der Künstlergruppe „Der Blaue Reiter“, die Kandinsky mitbegründete.


Nicht ausdrücklich gekennzeichnete Bilder in diesem Artikel © avecMadlen

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