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Reisen

Fünf unvergessliche Aktivitäten auf Madeira

Madeira ist wie gemacht für Reisende, die Natur, Bewegung und eine entspannte Zeit verbinden möchten. Zwischen wilden Küsten, geheimnisvollen Lorbeerwäldern und vulkanischen Landschaften entsteht eine Kulisse, die inspiriert und entschleunigt. Dies fünf Aktivitäten zeigen, wie abwechslungsreich die portugiesische Insel Madeira ist.

Wale und Delfine hautnah erleben

Leinen los für eines der beeindruckendsten Naturerlebnisse Madeiras: eine Bootstour zu den Walen und Delfinen. In den Gewässern rund um die Insel leben verschiedene Arten, wie etwa Fleckendelfine, Tümmler, Pilot- und Pottwale. Hier hat man beste Voraussetzungen für Sichtungen. Die Tiere kann man in freier Wildbahn erleben und mit etwas Glück auch Meeresschildkröten oder die geschützten Mönchsrobben der Desertas-Inseln entdecken. Dank ganzjährig angenehmer Temperaturen ist dieses Abenteuer zu jeder Jahreszeit möglich.

Abenteuer an der Küste: Kajak und Schnorcheln

Ein Ausflug mit der Fähre nach Porto Santo ist ein Erlebnis, das man sich nicht entgehen lassen sollte. Nach der Überfahrt eröffnet sich ein fast neun Kilometer langer goldener Sandstrand. Dessen feiner Sand und das kristallklare Wasser laden zu einem perfekten Strandtag ein. Wer es lieber aktiv mag, kann die Küste beim Kajakfahren erkunden; dabei versteckte Buchten entdecken und die beeindruckende Küstenlandschaft vom Meer aus genießen.

Auch auf Madeira selbst ist das Inselgefühl stets präsent. Beim Schnorcheln tauchen Reisende in eine faszinierende Unterwasserwelt ein. In den klaren, angenehm milden Gewässern begegnet man farbenfrohen Fischschwärmen und beeindruckenden Felsformationen, oft in geschützten Naturreservaten. Kajaktouren entlang der Küste eröffnen zudem immer wieder neue, spektakuläre Ausblicke.

Wanderungen auf Madeira

Madeiras Wanderwege bieten viele einfache Touren für Amateure, oder Leute, die gerade noch eine Knieverletzung beklagen. Ein Klassiker ist der PR11 „Vereda dos Balcões“ bei Ribeiro Frio – kurz, unkompliziert und mit großem Panorama-Finale. Entlang einer Levada führt der Weg durch den üppigen Lorbeerwald bis zu einem Aussichtspunkt mit Blick auf Täler und Berge. Etwas länger, aber ebenfalls gut machbar, ist der PR 6.2 Levada do Alecrim im Gebiet von Rabaçal. Auf rund 3,5 Kilometern geht es durch abwechslungsreiche Natur auf etwa 1.300 Metern Höhe – inklusive eines kleinen Wasserfalls und eines natürlichen Beckens, das unterwegs für eine erfrischende Pause sorgt.

PR 11_Vereda dos Balcões ©Francisco Correia

Traditionelle Korbschlittenfahrt

Einsteigen, festhalten und los geht’s: Die berühmten Korbschlitten von Madeira bescheren Reisenden ein ebenso nostalgisches wie überraschend rasantes Erlebnis.

Carreiros do Monte ©miguelmoniz

Seit dem 19. Jahrhundert gleiten die handgefertigten Wagen die steilen Straßen hinab, gelenkt von den traditionell gekleideten „Carreiros“, die mit viel Geschick und ihren Gummisohlen bremsen und steuern. Auf der rund zwei Kilometer langen Strecke erlebt man eine Mischung aus Nervenkitzel, Tradition und spektakulären Ausblicken über Funchal und den Atlantik.

Natürliche Lavapools in Porto Moniz

Die Naturschwimmbecken von Porto Moniz zählen zu den bekanntesten Ausflugzielen der Insel. Über Jahrtausende in vulkanischem Gestein entstanden und kontinuierlich vom Atlantik gespeist, verbinden sie ursprüngliche Landschaft mit Infrastruktur. Neben dem Naturerlebnis gibt es auch den nahegelegenen Strand von Seixal: Ein schwarzer Sandstrand, eingerahmt von steilen Klippen und üppiger Vegetation, der mit seiner geschützten Lage und seiner außergewöhnlichen Kulisse zu den schönsten der Insel zählt.

Piscinas naturais do Cachalote ©JoanaCarvalho

Über die portugiesische Insel Madeira

Die autonome Region Madeira, die zu Portugal gehört und knapp vier Flugstunden von Deutschland entfernt ist, liegt vor der Westküste Afrikas im Atlantischen Ozean. Beeindruckende Flora und Fauna, ganzjährig milde Temperaturen, malerische Fischerdörfer, Wandermöglichkeiten auf bis zu 1.800 Höhenmeter sowie außergewöhnliche Ausblicke auf Steilküsten, Felsformationen und Wasserfälle machen die Blumeninsel Madeira zum idealen ganzjährigen Outdoor-Ziel. Aber auch Kulturhungrige oder Strandurlauber kommen zum Beispiel in der historischen Hauptstadt Funchal oder an den inseltypischen schwarzen Sandstränden auf ihre Kosten.


Weitere Informationen zu Madeira: www.visitmadeira.com/de/
Quelle: presseportal.de

Titelbild: Piscinas naturais do Cachalote ©JoanaCarvalho


Pressekontakt:
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Doris Palito | Teresa Berberich | Elena Kohler
Hanauer Landstr. 184
60314 Frankfurt
Tel.: +49 69 17 53 71-046 | -050 | -042
E-Mail: madeira@gce-agency.com
Internet: www.gce-agency.com

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Kunst

Coming Soon: Blumen-Ausstellung in Baden-Baden

Mit Bloom up! Die Sprache der Blumen laden die Staatliche Kunsthalle Baden-Baden und das Badische Landesmuseum Karlsruhe zu einem floralen Erlebnis der besonderen Art ein. Die Ausstellung entführt auf einen sinnlich-intellektuellen Rundgang durch 2.500 Jahre Kulturgeschichte der Blume. 

Blumen begleiten unser Leben – im Alltag ebenso wie in besonderen Momenten. Sie prägen Rituale, markieren Übergänge und bergen Erinnerungen. In der Kunst werden sie zu Trägerinnen von Widerstand, Liebe, Hoffnung und Protest. In Krisenzeiten können sie Trost spenden und der Sehnsucht nach Schönheit Ausdruck verleihen. Zart und kraftvoll, persönlich und politisch, versöhnlich und widerständig – ihre Bedeutung wandelt sich stets, je nach Zeit, Ort und Kontext.

Ketuta Alexi-Meskhishvili, Tulip Season for Henri, 2024, Analog C-print, 32 × 41.4 cm, AP II/II of an edition of 2 + II AP © Courtesy of the artist and LC Queisser Tbilisi, Cologne, Foto: George Kolbaia

Bloom up! – Die Ausstellung in Baden-Baden

Bloom up! ist die erste gemeinsame Ausstellung der Staatlichen Kunsthalle Baden-Baden und des Badischen Landesmuseums Karlsruhe. Sie untersucht Blumen in der Kunst als Mittel der Kommunikation. Zudem macht sie die Anwendung floraler Motive von der Antike bis zur Gegenwart sichtbar.

Dialoge zwischen zeitgenössischen künstlerischen Positionen und kunst- und kulturgeschichtlichen Objekten zeigen, wie florale Motive ihre Bedeutung über Jahrhunderte tragen, verschieben oder neu aufladen. Blumen erscheinen hier als Trägerinnen von Geschichte, Emotionen sowie gesellschaftlichen und politischen Debatten. Sie eröffnen Raum für Projektion, Erinnerung und Reflexion.

Ausstellungsbeginn: Samstag, 13. Juni

Hier geht’s zu der Liste der besonders sehenswerten Ausstellungen im Juni 2026.


Quelle: kunsthalle-baden-baden.de

Titelbild: Ketuta Alexi-Meskhishvili, Tulip Season for Henri, 2024. Analog C-print, 32 × 41.4 cm, AP II/II of an edition of 2 + II AP © Courtesy of the artist and LC Queisser Tbilisi, Cologne, Foto: George Kolbaia

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Kultur

Nicht verpassen: Kulturabend in Karlsruhe

Orte, Menschen, Zeitreisen: In diesem Format begeben sich am Freitag, 12. Juni, fünf Literatinnen, zwei Schauspielerinnen und zwei Musikerinnen auf eine künstlerische Spurensuche durch die Literaturgeschichte der Region Karlsruhe und Baden-Württemberg. Im Mittelpunkt stehen prägende historische Persönlichkeiten wie Anna Ettlinger, Bertha Pappenheim und Clara Schumann, die in einen Dialog mit heutigen Stimmen der regionalen Literaturszene sowie mit Zukunftsentwürfen treten.

Die szenische Lesung verbindet Literatur, Musik, Theater, Performance und Videokunst zu einem vielschichtigen Abend. Dabei werden die künstlerischen und historischen Verflechtungen sichtbar gemacht, in denen sich Mut, Solidarität und Transformation als wiederkehrende Kräfte zeigen. Ergänzend werden aktuelle Ideen und Initiativen vorgestellt, die als mögliche Ausgangspunkte für literarisches Arbeiten der Zukunft verstanden werden können.

Mit freundlicher Unterstützung der Stadt Karlsruhe und der Baden-Württemberg Stiftung.

Diese Veranstaltung will ich euch gerne ans Herz legen, sie wird von einer meiner Lieblingskommilitoninnen veranstaltet. Und ich sag euch eins: die Gedanken dieser Frau sind Gold wert. Wenn sie etwas sagt, dann geht das unter die Haut. Ich bin sehr neugierig auf den Abend, weiß aber derzeit noch nicht, ob ich anwesend sein kann.

Mit Mut und Zuversicht – literarische Visionen für morgen

Mitwirkende: Martina Bilke, Ondine Dietz, Silke Karl, Martine Lombard, Hedi Schulitz, Sabine Stern, Ursula Zetzmann sowie im Film Elisabeth Stephan-Geißler (Sopran) und Anna Wegmer (Klavier).

Eine Veranstaltung des Literatursommers 2026 der Baden-Württemberg Stiftung (literatursommer.de) und der GEDOK Karlsruhe in Kooperation mit dem Roten Haus.

Eintritt frei, Spenden willkommen.


Quelle: karlsruhe-erleben.com

Weitere Infos: gedok-karlsruhe.de

Titelbild: Foto von nadi borodina auf Unsplash

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Blog

Alles auf den letzten Drücker – aber warum?


In den letzten 5 Tagen habe ich 8 Bücher runtergelernt und 8 entsprechende Klausuren rausgeschallert. Alles auf den letzten Drücker, aber ich habe es geschafft! Sogar 40 Minuten vor der Deadline. Na, wer macht das auch gerne? Seid ehrlich.

Sehen wir doch mal genauer hin, was dahinter steckt. Das Aufschieben von Aufgaben heißt Prokrastination im Fachjargon. Rund 20 Prozent der Erwachsenen sollen laut Studien chronisch prokrastinieren. Bei Studierenden sind es sogar bis zu 70 Prozent. Doch was genau bringt uns dazu, wichtige Aufgaben immer wieder hinauszuzögern – manchmal bis zur letzten Minute? Und was sagt dieses Verhalten über unsere Psyche aus?

Psychologische Erklärungen: Warum wir Dinge aufschieben

Prokrastination ist weniger ein Zeitproblem, sondern eine emotionale „Besonderheit“. Wir schieben Aufgaben oft dann auf, wenn sie mit negativen Gefühlen wie Angst, Überforderung, Langeweile oder Perfektionismus verbunden sind. In dem Moment, in dem wir etwas auf später verschieben, fühlen wir uns zwar ganz wohlig, blenden dabei aber aus, dass dieses Verhalten später negative Konsequenzen mit sich bringen kann.

Auch wer hohe Ansprüche an sich selbst stellt, aber innerlich zweifelt, nutzt das Aufschieben unbewusst als Schutzmechanismus. Misslingt das gewünschte Ergebnis nämlich, kann man es auf den Zeitdruck schieben – nicht auf die eigene Unfähigkeit. Diese Art kognitive Dissonanz schützt das fragile Selbstwertgefühl.

Foto von Aarón Blanco Tejedor auf Unsplash

Außerdem: Dopamin und Reizüberflutung

Neurologisch betrachtet aktiviert das Aufschieben kurzfristig das mesolimbische Belohnungssystem1 – der Verzicht auf unangenehme Aufgaben wird mit Dopamin belohnt. Gleichzeitig bleibt das präfrontale Cortex2, zuständig für Planung und Impulskontrolle, oft unteraktiviert; insbesondere bei Menschen mit ADHS oder impulsiver Persönlichkeitsstruktur.

Wer von euch hat eigentlich ADHS? Schreibt mal.

In einer Welt mit unzähligen Optionen (vor allem im digitalen Alltag) fällt es vielen schwer, Prioritäten zu setzen. Wer sich nicht entscheiden kann, entscheidet sich oft gar nicht – und wartet auf den „letzten Drücker“, wo externe Zwänge den Entscheidungsspielraum reduzieren.

Was sagt Prokrastination über den Charakter oder die Psyche aus?

  • Impulsivität und geringe Selbstkontrolle: Besonders bei Menschen mit ausgeprägter Impulsivität tritt Prokrastination häufiger auf.
  • Perfektionismus: Paradoxerweise schieben Perfektionisten oft auf – aus Angst, etwas nicht perfekt zu machen.
  • Neurotizismus: Menschen mit hoher emotionaler Labilität neigen dazu, unangenehme Emotionen durch Vermeidung zu regulieren.
  • Geringe Selbstwirksamkeit: Wer nicht daran glaubt, Aufgaben erfolgreich bewältigen zu können, prokrastiniert häufiger.
  • Vermeidungsmotivation: Aufgaben werden nicht aktiv angegangen, sondern eher „abgewehrt“ – ein passives Coping-Muster.

Es ist jedoch wichtig zu betonen: Prokrastination ist kein Zeichen von Faulheit, sondern oft ein Hinweis auf tieferliegende psychische oder emotionale Herausforderungen.

Prokrastination – Warum schieben wir so viel auf? | Quarks Dimension Ralph

Vorteile des „letzten Drückers“ – ja, die gibt es auch

  • Kreativität durch Zeitdruck: Zeitnot kann kreative Lösungsfindung fördern.
  • Fokus und Effizienz: Kurz vor der Deadline konzentriert sich der Geist auf das Wesentliche, Ablenkungen werden ausgeblendet. Bei mir selbst habe ich beobachtet, wie ich wirklich nur 20% der Inhalte meiner Lehrbücher Konsumiert habe, aber dennoch einen maximalen Effekt zu erzeugen versucht habe. Letztlich auch mit Erfolg.
  • Dopamin-Kick: Für manche ist die Deadline ein Ansporn – das Gefühl, es „doch noch geschafft zu haben“, erzeugt Hochgefühle. Beim Einsenden meiner letzten Klausur habe ich dieses Gefühl noch ein paar Minuten ausgezögert. Ich saß vor dem Bildschirm und klickte absichtlich nicht auf Absenden, um den Zustand dieser besonderen Freude, alles rechtzeitig und zu meiner Zufriedenheit erledigt zu haben, auszukosten. Ich sag’s euch: das war pure Magie, ein sehr besonderes Gefühl. Alles kribbelte, ich spürte Freude, Stolz, Erleichterung und Aufgeregtheit in einem. Mich würde es nicht wundern, wenn meine Pupillen in jenem Moment geweitet wären.
  • Optimierung durch Adrenalin: Manche Menschen arbeiten tatsächlich besser unter Druck – ihr Körper nutzt Stress als Motor.

Nachteile und Risiken von Prokrastination

  • Chronischer Stress: Dauerhafte Prokrastination führt zu erhöhtem Cortisolspiegel, Schlafproblemen und psychischer Belastung.
  • Selbstzweifel: Der wiederkehrende Kreislauf aus Aufschieben und schlechtem Gewissen untergräbt das Selbstwertgefühl.
  • Qualitätsverluste: Spontan zusammengezimmerte Ergebnisse sind oft schlechter durchdacht.
  • Karriere- und Beziehungsprobleme: Wer Deadlines verpasst oder unzuverlässig wirkt, gerät beruflich und sozial unter Druck.
  • Teufelskreis: Prokrastination kann Teil von depressiven oder angstbasierten Mustern sein – und diese wiederum verstärken.

Die Lösung könnte einfacher sein, als man denkt

„Alles auf den letzten Drücker“ zu machen, ist also mehr als nur undurchdachtes Aufschieben. Es ist oft ein Versuch, innere Spannungen zu regulieren – manchmal erfolgreich, oft aber auf Kosten der eigenen Zufriedenheit und weitestgehend auch der Gesundheit. Was machen wir also dagegen?

Zeitmanagement ist an der Stelle nicht das Problem, wie viele rationale Menschen denen könnten. Die Lösung liegt in der Auseinandersetzung mit den dahinterliegenden Emotionen, Überzeugungen und inneren Mustern. Nur wer diese versteht, kann nachhaltige Strategien entwickeln. Daher ist es in diesem und in vielen anderen Bereichen wichtig innezuhalten und sich zu fragen: „Was passiert gerade mit mir?“, „Wird mein Verhalten vielleicht durch X, Y, Z hervorgerufen?“ und „Wie fühle ich mich dabei?“

Passt auf euch auf, fordert nicht zu viel von euch selbst und fühlt euch geherzt. Eure Madlen.


  1. Das mesolimbische Belohnungssystem ist ein Teil unseres Gehirns, der auf unmittelbare Belohnung ausgerichtet ist. Es spielt eine zentrale Rolle bei Motivation, Lustempfinden und impulsivem Verhalten – und bevorzugt das schnelle Glück (z. B. Scrollen oder Naschen) gegenüber langfristigem Nutzen (z. B. Lernen oder Aufräumen). ↩︎
  2. Der präfrontale Cortex ist der Teil des Gehirns, der für Planung, Selbstkontrolle und langfristiges Denken zuständig ist. Er hilft uns, Impulse zu zügeln – zum Beispiel nicht sofort TikTok zu öffnen, sondern erst den Text zu beenden. Leider ist er oft schwächer als unser Belohnungssystem. ↩︎

Titelbild von Tim Gouw auf Unsplash

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Reisen

Nahtoderfahrung: Mach bitte niemals meinen Fehler

Tausendfach habe ich als Journalistin über Unfälle berichtet. Dann erlebte ich selbst einen. Heute erfahrt ihr von meiner ganz persönlichen Erfahrung auf „dem Roller des Todes“. Ich übertreibe nicht, es war tatsächlich eine Nahtoderfahrung auf der wunderschönen Insel Pulau Pangkor in Malaysia. Wie es zu meinem Unfall kam und warum der Roller, auf dem es passierte, von Anfang an verflucht schien.

Ankunft auf Pulau Pangkor: Ich miete mir einen Roller

Von Ipoh reiste ich mit dem Bus nach Lumut. Von dort nahm ich die Fähre auf die Insel Pulau Pangkor. Dort angekommen wusste ich ziemlich genau, dass ich mir jetzt einen Roller suchen werde. Ich freute mich seit Wochen drauf. Sobald ich einen Fuß auf die Erde gesetzt hatte, wurde ich schon von einem Rollervermieter angesprochen. Ich schwöre bei Gott, ich hatte kein gutes Gefühl bei ihm. Aber ich ignorierte es, weil ich dachte, dass es die Vorurteile sind, die ich ihm gegenüber womöglich habe.

Er pokerte hoch. „Diesen Preis bezahle ich nicht“, sagte ich und setzte zum Gehen an. Dann machte er mir einen Vorschlag: Er würde mir das Motorrad statt dem Roller geben, was mich die Hälfte kosten würde. Ich so, sinngemäß, „nö, du willst doch nicht, dass ich hier alles übern Haufen fahre“, und drehte mich erneut zum Gehen um. „Wait“, sagte er. Wenn ich kurz warten würde, würde er mir ein Moped besorgen. Ich stimmte zu unter einer Bedingung: 60 Ringgit, nicht mehr. Er holte das Ding. Ein gelbes Moped, top Zustand. Erst nachdem ich bezahlt hatte und bereits kilometerweit weggefahren war, merkte ich, dass der Tank auf null ist.

E wie: ey scheiss doch die Wand an.

Gedanken jeden Aggressionsgrades schossen mir durch den Kopf. Dieser Hund. Ich war müde, hatte eine lange Fahrt hinter mir und wollte nur eins: den Sonnenuntergang sehen. Eine alleinreisende Ausländerin zu verarschen können wirklich nur ganz bestimmte Menschen. Ich wusste nicht, ob mir der Tank zur nächsten Tanke reichen würde, ich wusste auch nicht wo sie war.

Die malaysischen Benzinpreise sind sehr angenehm

Sie befand sich natürlich in entgegengesetzter Richtung. Er hätte es mir doch einfach sagen können. Ich war so wütend. Und ich ließ es ihn spüren. Was ich an diesem Abend lernte: Auf der Insel sind jegliche Adressen und Ortsangaben auf Google Maps ungenau. Ich hatte also kein Plan, wohin ich fahre, ich hatte mein Gepäck dabei, es wurde dunkel, der Tank war leer. Und das Schlimmste: ich hatte hunger.

Als es schon stockfinster war, fand ich eine Tankstelle und tankte voll für 13 Ringgit (!!!). Umgerechnet sind das 2,79 Euro.

Chinesisches Restaurant auf der Insel Pulau Pangkor

Dann ging ich essen. Ich ließ es mir auf den Stress ganz gut gehen. Bestelle mit eine Krabbe, Muscheln und Babykohl. Eine trächtige Hündin bekam auch was ab. Bedient hatte mich der Besitzer.

Erst unterhielten wir uns nett, dann wollte ich, dass er aufhört, mich vollzulabern und mir mein Leben zu mansplainen. Klassiker halt. Als ich bezahlte, ließ er nicht locker. Er begleitete mich zu meinem gelben Roller und versuchte sich zu nähern. Ich weiß nicht, was er vorhatte. Naja. Ich weiß schon, was er vorhatte. Was er sich erlaubte, fragte ich mich aber. Es war schon fast interessant, wie weit er es treiben würde. Er versuchte mir meinen Helm aufzusetzen. Das ließ ich nicht zu, schmetterte seine Hand von mir und verpisste mich asap mit lautem Brumm-Brumm.

Kaum hab ich mich bei der ersten Abbiege verfahren, schon kam der Nächste. Ein älterer Mann mit weißen Bart, der mir nachfuhr und wissen wollte, in welchem Hotel ich untergebracht bin. „I forgot the name“ ist meine Standardantwort seit ich alleine durch die Welt reise. Als wäre das nicht Signal genug, dass ich gerade und grundsätzlich kein Interesse an seinem alten Arsch habe, ließ auch er nicht locker. Wann ließen die jemals locker? Er faselte irgendwas davon, dass ihm die ganze Insel gehörte. Ich richtete meine gespreizte Hand gen sein Gesicht und sagte: „Sorry, sir, i don’t want to talk right now, ok? I’m tired and I just want you to leave me in peace.“ Er fuhr davon. Erstaunlich.

Das Abenteuer geht weiter

Nicht ohne Weiteres fand ich schließlich mein Hotel. Es war sehr schön, der Garten sogar paradiesisch. Die Schilder zeigten eine Makaka mit Banane. „Warnung: Geben Sie Acht auf Ihre Wertsachen!“ Erst dachte ich, das sei ein Witz oder eine Art Meme. Bis ich am nächsten Tag in einem Restaurant eines Besseren belehrt wurde.

Auf ernst aber

Es war noch relativ früh in der Nacht und ich habe, meiner Ansicht nach, noch nicht genug Abenteuer erlebt. Schließlich wollte ich ja auch die kurze Zeit auf der Insel, die ich hatte, nutzen. Also fuhr ich los. Außer mir war sonst kaum jemand unterwegs. Ich wollte wissen, ob ich um die Uhrzeit noch Bier in Malaysia kaufen konnte. Konnte ich. Im 7-eleven in der Nähe des Polizeireviers (falls ihr mal auf Pulau Pangkor seid und auch Bock auf Bier habt). Dann fuhr ich einfach so umher. Es war stockdunkel, Laternen gab es nur selten auf der Strecke.

Da ist er wieder: der bärtige Alte

Lange ließ der Bärtige von vorhin nicht auf sich warten. Er fuhr mir nach, laberte mir während der Fahrt voll, ich verstand nicht, was er von mir wollte. Egal, ob ich langsamer fuhr und zurückblieb oder überholte und auf die Tube drückte. Er verpisste sich einfach nicht. Ich bereute relativ schnell, mich auf dieses Abenteuer eingelassen zu haben. Aber ich wollte es offenbar nicht anders.

Er: ein einheimischer Mann, der die letzten 500 Jahre Zeit hatte, um diese Insel in und auswendig zu lernen. Ich: eine Touristin ohne Orientierung. Auf einer fremden Insel in einem fremden Land. Ich malte mir aus, was ich tun würde, wenn es darauf ankäme. Der Alte eskortierte mich durch ganz Pulau Pangkor. Kein Witz. Er war sich nicht zu schade dafür. Was er damit erreichen wollte, weiß ich nicht. Falsche Überfürsorge, weil die Straßen auf der Insel recht hügelig sind und er einer weißen Frau nicht zutraute, zurechnungsfähig auf ihnen fahren zu können? Vielleicht war das ja gar nicht so realitätsfern.

Top. Ich verirre mich nachts im Wald

Zwischendurch, wenn ich abgebremst habe, wartete er hinter der nächsten Kurve auf mich. Als ich vorüberfuhr, versuchte er mich anzuhalten. So um die drei bis vier Mal. Wann würde diese Strecke endlich enden? Ein weiterer Versuch zurückzubleiben. Dummerweise hör ich nicht genau raus, was mein Navi sagt – und biege falsch ab. Jetzt bin ich allein im tropischen Wald. Fick mein Leben.

Nach langem Hin und Her fand ich den Weg hinaus. Wieder war der bärtige Alte dicht hinter mir. In der ersten Menschenmenge verlor ich mich dann nachhaltig. Dummerweise war das ganz in der Nähe meines Hotels. Er würde mich safe finden, wenn er wollen würde. Das gelbe Moped erkennt man nämlich von Weitem. Auch im Dunkeln. Dass der Typ nicht meine größte Sorge werden würde, hätte ich an dem Abend wahrscheinlich nicht mehr vermuten können.

Der perfekte Tag: Strand, Affen, Ananassaft

Der Start in den nächsten Tag war perfekt. Ich machte einen langen Spaziergang am Strand, war baden und aß zu Mittag. Bestellte mir frisch gepressten Ananassaft. Während ich ihn genoss und meine Enge-Freunde-Stories postete (diesmal bin ich irgendwie paranoid, dass Leute meinen Aufenthaltsort erfahren, die es nicht erfahren sollten), tauchte er aus dem Nichts auf: Der Affe, der meinen Saft quer über den Tisch schmetterte und ihn auf dem ganzen Tisch verteilte. Ich schrie auf, denn der Affe kam unerwartet. Als er auf meinem Tisch saß, schöpfte er den Saft in seine kleinen Pfoten und trank ein, zwei Schlucke. Ehe ich mir einfiel, ihn zu filmen, war er auch schon längt über alle Berge.

Da es wieder hell war, und ich plötzlich Dinge sehen konnte, die ich nachts nicht in der Lage war zu sehen, stellte ich fest, dass mir der Rollervermieter auch noch einen defekten Helm gab. Der war in der Mitte komplett gespalten. Komplett. Gespalten. Ich forderte ihn dazu auf, mir einen normalen zu geben. Er tat dies sogleich und entschuldigte sich für alles, was er mir angetan hat. Unterkühlt bedankte ich mich.

Ich war wohl nicht die Erste, die es auf der Insel Pulau Pangkor hingefetzt hat…

Es passiert…

Es ging weiter zu den Wasserfällen. Auf dem Weg dahin passierte der Unfall. Ich weiß immer noch nicht, wie. Ich verlor die Kontrolle über das Moped und wusste ziemlich schnell, dass ich in den Arsch gekniffen bin. Denn ich trug eine kurze Hose und ein Top und landete mit einem lauten Knall – und wahrscheinlich auch Schrei – auf der Schnauze. Der Roller lag auf mir. Ein Mann, mit dem ich kurze Zeit davor im Gespräch war, rannte mir zu Hilfe. Keine Ahnung wie er dort hin kam.

Was kurz nach dem Unfall mit mir passiert

Ich liege auf der Erde, es rauscht und dröhnt in meinen Ohren. Mein Puls ist hörbar. Ich spüre überall am Körper ein ganz merkwürdiges Kribbeln, wie wenn ein Bein gerade einschläft. Nur dermaßen intensiv, dass es schon weh tut. Am Boden liegend frage ich den Mann: „Is my face ok?“ Dann schau mein Bein an. Es sieht böse aus, die erste Blutwelle bahnt sich aus den Poren an. Keine Knochen zu sehen. Schon mal gut. Schmerzen spüre ich nicht. Nur die Gewissheit, dass sie bald kommen.

Ich kann ein paar Sekunden lang nicht atmen. Mich nicht artikulieren, nicht aufstehen, bis mich drei Männer aufheben und auf eine Anhöhe setzen. Ich schau mir meinen Arm an. Das sieht richtig böse aus. Ich habe wohl den ganzen Weg, den ich geschleudert wurde, mit meinem Ellbogen abgebremst. Was mir fehlt, weiß ich nicht. Ich spüre Hitze, Kälte und fange vor Schmerz an zu heulen wie ein wilder Wolf.

Ich baue einen Unfall auf meiner Reise durch Pulau Pangkor – und lande im malaysischen Krankenhaus
Sorry für den abgefuckten Sound (hab ihn isoliert, weil im Hintergrund die Waschmaschine lief).

Der Mann, den ich bereits kannte (von ihm erzähle ich euch ausführlicher in dem eingebetteten YouTube-Video), und ich entscheiden, was wir jetzt mit mir machen. Er ruft seine Freunde an. Die kommen binnen 5 Minuten angefahren. Ein Mädchen versorgt meine Wunde. Ich schreie und weine wieder wie ein Tier vor Schmerzen. Was passiert jetzt mit mir? Ist was gebrochen? Keiner kann es mir sagen. Die vier Freunde sind nämlich Rettungsschwimmer und keine Sanitäter oder Ärzte. Wir entscheiden uns, den Krankenwagen zu rufen, weil es mir irgendwie immer beschissener geht. In der Zwischenzeit halte mich selbst und die anderen bei Laune mit sauschlechten Witzen. Es hilft mir. Zwischendurch muss ich vor Schmerzen schreien.

!!!Trigger-Warnung: eklige Bilder von offenen Wunden.

Mit Tatütata durch Pulau Pangkor

Die Fahrt zum Krankenhaus ist spaßig. Der Doc stellt mir mit ruhiger, sanfter Stimme Fragen fürs Protokoll. Wir unterhalten uns auch über Privates. „Wenn Sie mit einer anderen Person reisen würden, würden Sie sich jetzt nicht so schlecht und allein fühlen“, sagt er vorsichtig. Ich weine unkontrolliert wie ein kleines Mädchen. Schlechter Zeitpunkt, Doc.

Im Krankenhaus werden meine Wunden gereinigt und die Steinchen / Sandkörner mit einer Pinzette aus dem Fleisch gezogen. Ohne Narkose, versteht sich. Die jüngere Krankenschwester sagt irgendwas und verpasst mir eine Spritze. Ich verstehe sie nicht. Also frage ich den Arzt, ob das ein Schmerzmittel sei. Er sagt nein. Es sei eine Impfung gegen Tetanus. Ich sage: Ich habe bereits zwei. Er schweigt.

Wie lange das her ist, will er wissen. Schon so ein paar Jahre, sage ich. Er ist sichtlich erleichtert. Man habe mir eine Dosis verabreicht, die man wohl ein Mal jährlich verabreicht bekommen kann. Irgendwie so. Ich vertraue ihm, ich habe keine andere Wahl. Ich glaube an alles, was er entscheidet. Weil ich meinen Körper und Geist auf eine schnelle Genesung einstellen will. Wenn er die Leute so heilt, dann wird das richtig sein. Ich spüre, dass ich diesem Mann voll und ganz vertrauen kann.

So wunderschön endete der Abend dann: ich am Leben, mit Blick auf meinen lang ersehnten Sonnenuntergang

Wie viel Glück kann man eigentlich haben?

Wenn ich jetzt, knapp zwei Monate später, darüber nachdenke, dann sehe ich mehrere Fehler: ich habe meine Erlebnisse in Malaysia zu schnell konsumiert. Durch den Unfall wurde mein Leben derart ausgebremst – das wirkt bis heute nach. Des Weiteren habe ich nicht auf mein Bauchgefühl gehört und hatte wahrscheinlich auch nicht genug Respekt vor dem Fahrzeug.

Glück gehabt hingegen habe ich damit, dass ich den defekten Helm etwa 10 Minuten bevor es knallte, ausgetauscht bekommen habe. Ich würde sonst nicht leben. Meine Sonnenbrille zersprang auch so schon in mehrere Teile und ich habe bis heute eine Narbe auf der Augenbraue. Ich habe mir nichts gebrochen oder gerissen. Das ist sowas von crazy. Da ich derzeit wieder moppelig bin, denke ich, dass mein Fettgewebe mich hat richtig weich landen lassen. Naja, den Umständen entsprechend. Jedenfalls kann ich seit wenigen Tagen wieder normal gehen; und das mit sehr geringem Schmerzpegel. Ich weiß nicht, warum Gott mich so sehr liebt.

Das Moped hatte nicht einen Kratzer. Der Rollervermieter bekam vom Unfall mit und schrieb mir, als ich noch im Krankenhaus war. Er wollte das Ding abholen, weil er schon die nächste Mieterin gefunden hatte. Ich hatte kaum Zeit, im Hotel meine blutverschmierte Kleidung abzulegen – schon stand er vor meiner Tür und hetzte.

Ich denke, ich mach hier mal einen Punkt. Alle weiteren Details hab ich euch im Video erzählt. Teilt doch gerne in den Kommentaren hier oder auf Insta, Tiktok, Facebook, Whatsapp oder whatever, eure Erfahrungen, falls ihr ähnliche hattet, was ihr von dem Ganzen haltet und ob ihr irgendwie anders gehandelt hättet als ich. Passt auf euch, hört auf euer Bauchgefühl, fahrt vorsichtig.

Kuss, Madlen.

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Reisen

Malaysias gut gehütetes Geheimnis: Taiping

Taiping döste vor sich hin. Eigentlich genau das, was ich nach meinem Unfall brauchte. Die Stadt, gebettet in eine grüne Berglandschaft, hat eine sehr überschaubare Hotelauswahl, das älteste Museum Malaysias, das älteste Gefängnis des Landes (direkt gegenüber), einen gigantischen Park samt Zoo sowie eine beachtliche Tier- und Pflanzenvielfalt.

Wer Taiping wirklich hautnah erleben möchte, sollte sich auf seinen langsamen Rhythmus einstellen. Es gibt hier keine Touristen weit und breit. Demnach sprechen auch bei Weitem nicht alle Einheimischen Englisch. Die Stadt ist auf ihre Einwohner ausgerichtet. Die Strukturen sind für uns Reisende recht unübersichtlich, was den Ort in meinen Augen allerdings besonders reizvoll macht. Ein kleiner Hinweis an alleinreisende Frauen: ihr werdet hier noch mehr auffallen, als an anderen Orten Malaysias.

Streetfood-Meile und Erdbeervodka

Besonders gefallen hat es mir, auf der Food Avenue zu essen. Sie ist wie eine riesige Streetfood-Halle. Die chinesische Küche dominiert hier zwar deutlich im Angebot, aber es finden sich Leckereien aus allen drei Hauptkulturen des Landes. Sogar thailändische Gerichte sowie auch portugiesische Törtchen kann man hier genießen.

Direkt nebendran gibt es Bars und Bistros. In einer davon probierte ich Soju, eine Art Vodka aus Korea mit Erdbeergeschmack (aber auch zig anderen Geschmacksrichtungen), von dem man angeblich todesbesoffen werden soll. Der Kellner warnte mich mit besorgtem Blick. Er meinte, sinngemäß, ich würde danach nicht mehr auf mein Leben klar kommen – allerdings erst eine Stunde nach der Einnahme. Auch meine (Stief-)Schwester riet mir zur Vorsicht, nachdem sie meine Enge-Freunde-Story gesehen hatte. Ihre Worte lauteten in etwa: „Wenn etwas nach Saft schmeckt und ,Vodka‘ im Namen trägt, kann es dich auch mal auf den Mond katapultieren.“ Ich vertraue der Frau. Sie weiß, wovon sie spricht.

Ich bestellte ein Fläschchen, war aber auf der Hut. Vor allem nachdem der Kellner so schockiert darauf reagierte, dass ich mir eine ganze Flasche reinpfeifen würde. Deshalb ein kleines Schlückchen nach dem anderen und zwischendurch auf die Reaktion des Körpers achten. Eine Basis hatte ich mir zuvor angefuttert. Aber nach einer Flasche war ich immer noch so nüchtern wie vorher. Gott sei Dank, dachte ich mir, ging zurück ins Hotel und schlief. Bereits zum zweiten Mal an diesem Tag.

Taiping: Das unternahm ich am Vormittag

Denn nach dem Besuch des Lake Gardens Parks (Eintritt frei) und anschließend des Perak Museums (Eintritt: 5 Ringgit) war ich so platt, dass ich erst einmal ein mehrstündiges Mittagsschläfchen einlegte. Im Zoo war ich nicht. Ich wollte mehr Malaysia und weniger Attraktionen. Ich wette, der Zoo dort ist so krass, wie die Einheimischen erzählen. Aber bei Zoos bin ich mittlerweile vorsichtig. Ich bin mir derzeit nicht sicher, was ich grundsätzlich von ihnen halten soll. Und bis ich diese Frage für mich beantwortet habe, gehe ich nicht hin.

Richtig schön an Malaysia finde ich die vielen Begegnungen mit wilden Tieren, die hier in freier Natur leben. So auch im Lake Gardens Park. Ich sah schneeweiße Kraniche oder Reier – die laufen übrigens auch überall in der Stadt umher –, Störche, Fische, Schildkröten, rote Libellen, leuchtend blaue Vögel, Nashornvögel, riesige Warane – gleich zwei Stück –, jede Menge freche Affen, Schmetterlinge und intensiv nach Honig duftende Blütenbäume.

Es war wunderschön, aber die Folgen meines Rollerunfalls hielten meine Mobilität und somit auch meine Möglichkeiten in Grenzen. Das Perak Museum lag übrigens nur etwa 15 Minuten Fußweg von den Waranen im Park entfernt. Kein ungefährlicher Weg. Dort traf ich einen Holländer, der YouTube-Videos drehte. Mich filmte er ebenfalls. In der Sequenz, die jetzt die YouTube-Runde macht, mansplaint er lediglich das, was er mir zwei Minuten zuvor bereits off camera mansplaint hatte. Er fragte weder nach meinem Namen noch nach Erlaubnis, mich zu filmen, noch sonst etwas. Hatte wohl Ausdrucks- und Redebedarf. Er geleitete mich bis zur Museumskasse und lud mich auf ein späteres Getränk ein. Ich lehnte dankend ab und machte mich aus dem Staub.

Kultur und Historie: Das Museum von Taiping

Ab ins Museum. Dieses gibt einen schönen, tiefen Einblick in die Kulturgeschichte der Region. Es zeigt die indigenen Völker der malaysischen Halbinsel, die Orang Asli – wörtlich übersetzt „ursprüngliche Menschen“. Gezeigt werden ihre hochentwickelten Jagdtechnologien und Musikinstrumente. Am meisten beeindruckten mich eine Eichhörnchenfalle und eine Flöte, die man mit der Nase spielt.

Darüber hinaus gab es Einblicke in traditionelle Trachten und Gesellschaftsspiele. Ich habe ohnehin den Eindruck, dass die Malaien ein sehr verspieltes Volk sind. Ihnen steht viel Unterhaltung zur Verfügung. Sie können relativ kostengünstig ihr eigenes Land bereisen, dabei unzählige Attraktionen nutzen und offenbar auch ohne Alkohol und Drogen richtig gut Spaß haben. Nicht so wie eure Vodka-Prinzessin Madlen 🙂

Spaß. Ich detoxe mehr, als ich es jemals zugeben würde.

Taiping: Eigentlich wollte ich auf den Berg Bukit Larut

Der nächste Tag brach an. Der Tag meiner Weiterreise. Ich erfuhr von der Möglichkeit, mit einem staatlichen Jeep auf den Berg Bukit Larut zu fahren. Von dort aus soll die Aussicht absolut wild sein. An meinem letzten Tag in Taiping hatte ich vor, mir das genauer anzusehen. Die Jeeps fuhren allerdings nicht mehr. Ich kam wohl zu spät. Um 11 Uhr vormittags. Obwohl die laut Stundenplan bis 17 Uhr fahren. Die dort arbeitenden Personen machten Mittagspause und schlugen mir den darauffolgenden Tag vor. Ich aber war auf dem Sprung und wollte weiter in die Cameron Highlands. Daher verzichtete ich auf den Bukit Larut, auch wenn es weh tat.

Der Taxifahrer, der mich zum Busbahnhof brachte, gab mir (oder besser gesagt nun euch) einen Tipp: vorab online buchen. Das ist angeblich möglich, meine Recherchen führten allerdings ins nichts. Vielleicht werdet ihr ja fündig. Solltet ihr mal dort sein, würde ich den Trip auf den Berggipfel so früh wie möglich buchen. Am besten ein paar Tage im Voraus und zwar direkt da an der Kasse. Sicher ist sicher. Ansonsten besteht die Möglichkeit, hochzuwandern. Das soll allerdings ziemlich anstrengend sein. Ich wäre die Erste, die das gerne gemacht hätte, aber mit meinen bereits erwähnten Verletzungen ging das schlicht und einfach nicht.

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Die geilsten Kunstausstellungen im Juni 2026

Heute landete etwas schönes in meinem Google-Discover-Feed. Die Frankfurter Allgemeine publizierte eine Gesamtübersicht über die Kunstausstellungen im Juni. Davon habe ich mir ein paar rausgepickt, die ich selbst sehen wollen würde. Das Auswahlkriterium: in der Region um Baden-Württemberg, oder mit einer zumutbaren Wegdauer.

Juni 2026: Kunstausstellungen in Frankfurt

  • Caricatura Museum: Stricheln und Sticheln. Satire in der Krise der Demokratie; Das kann nur Perscheid (bis 7. 6. LETZTE CHANCE!) hab’s tatsächlich schon gesehen. Sehr sehr geil wie immer. Du gehst rein zum Schmunzeln und gehst ganz geladen raus. Perscheid ist extrem kreativ. Nach dieser Ausstellung würde ich seinen Humor garantiert wiedererkennen.
  • Des Weiteren würde ich mir das Ikonenmuseum ansehen: Die Ausstellung heißt „Ikonen auf dem Weg“. Schätze aus dem Bode-Museum Berlin (bis 30. 8.)
  • Fotografie Forum: Gen Z. Shaping a new gaze (bis 30. 8.)
  • Städel Museum: Bruegel. Printed (18. 6. bis 20. 9.); Elmgreeen & Dragset. Stillleben mit Gemüse (bis 17. 1. 27); Monets Küste. Wobei mich Monets Küste gar nicht bockt. Ich weiß nicht, ob ich es euch hier schon mal gestanden habe, aber ich bin ein richtiger Hater, was Landschaftsmalerei angeht. Macht mich einfach aggressiv. Würd ich mir nicht reinziehen, auch wenn ich Monet mag. Naja. Vielleicht ja doch und vielleicht werde ich meine Meinung ändern.
  • Weltkulturen Museum: Sheroes. Comic Art from Africa (bis 30. 8.)
Caricatura Museum in Frankfurt am Main. Eines meiner Lieblingsmuseen
Das Caricatura-Museum in Frankfurt am Main. Neben dem Städel eine meiner Lieblingsadressen in FFM. Copyright: Caricatura Museum Frankfurt

Ich vermisse Frankfurt für die üppige Kunstvielfalt. Aber auch in Baden-Baden geht im Juni die Post ab.

Ausstellungen in Baden-Baden

Let’s go nach Freiburg, Ludwigshafen und Mannheim

Freiburg: Augustinermuseum: Zukunfts(t)räume. Museum im Wandel (bis 21. 2. 27)

Ludwigshafen: Wilhelm-Hack-Museum: Politik am Küchentisch. Ernährung in der Gegenwartskunst (bis 4. 10.), einfach weil ich finde, dass das Hack-Museum, vor allem für eine Stadt wie LU, ein wirklich tolles Museum ist.

Mannheim: Kunsthalle: Alexander Tillegreen (bis 10. 1. 27); Fokus Sammlung: Neue Sachlichkeit (bis 31. 12.); La vie moderne (bis 5. 7.). Da interessiert mich persönlich vor allem die Neue Sachlichkeit. Technomuseum: Crime. Die Technik des Verbrechens (25. 6. 26 bis 27. 6. 27)

Kunstexplosion im wunderschönen München

München, Alte Pinakothek: Stolzer Strauß und wütender Tiger. Tierbronzen des 19. Jahrhunderts (bis 11. 10); Wie Bilder erzählen: Storytelling von Albrecht Altdorfer bis Peter Paul Rubens (bis 5. 7.). Da hab ichs natürlich auf den Altdorfer abgesehen. Ja, München ist bisserl weit weg, aber eine Reise dort hin lohnt sich immer. Vor allem kann man das ja mit einem anschließenden Besuch im Lenbachhaus kombinieren, was für mich ein absolutes Must-see ist, jedes Mal, wenn ich in München bin.

Ansonsten habe ich vor, in Straßburg das Museum der schönen Künste zu besuchen. Das ist mein Plan für die nächsten Tage.


Quelle: faz.net

Titelbild: Ausstellungsansicht „Wettstreit mit der Wirklichkeit“ im Museum Frieder Burda, Foto: Jigal Fichtner

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Kunst

Alles, was du über meine Kunst nicht wissen wolltest

Vermutlich ist das Erste, was man in meinen Bildern wahrnimmt, die Farbe. Dann die Kommunikation darin. Sie besteht zwischen den einzelnen Farben, zwischen den Charakteren. Wenn ich etwas Abstraktes mache, besteht sie auch zwischen den gegenstandslosen Elementen. Zumindest mache ich so lange an ihnen rum, bis es sich für mich danach anfühlt.

Dieses regelmäßige Malen (und Kleben) kam schrittweise in mein Leben. Jetzt ist es die Luft, die ich zum atmen brauche. Das Ventil, durch das ist jede erdenkliche Scheisse verarbeite: Journalismus zum Beispiel ahaha oder Depressionen, oder anderweitigen Schmerz, den mir die Welt manchmal zufügt. Alles, was nach außen will.

Das Material, mit dem ich arbeite

Ich arbeite mir verschiedenen Papiersorten. Gerne fester. Rau, glatt, aquarellig, mit etwas gröberer Struktur. Bei den Bildträgern experimentiere ich gerne mit Sperrholz oder Leinwand. Sperrholz ist verhältnismäßig leicht und lässt sich ganz wunderbar bekleben, besprühen oder bemalen. Leinwand ist ein Klassiker. Am geilsten finde ich es, wenn Papier auf Holz klebt.

Eine bestimmte Sperrholzart, die ich immer und immer wieder verwende kenne ich aus dem Aufenthaltsraum meiner alten Schule. Die Wände wurden eines Tages komplett damit beschlagen. Jedes Mal, wenn ich den Duft frischer Bretter rieche, fühle ich mich wieder in diesen Raum hineinversetzt. Dort herrschte immer eine freie und friedliche Stimmung. Je länger der Raum mit den Brettern beschlagen war, desto mehr Kritzeleien, Sprüche und Penisse fanden sich auf den Wänden wieder. Es war fabelhaft. Da wurde viel mit Kugelschreibern gearbeitet, Edding, Aufklebern… Jeder, wie er wollte. Irgendetwas löst das in mir aus.

Ein bisschen zum Entstehungsprozess meiner Kunst

Meine Bilder entstehen oft impulsiv, seltener geplant – kommt aber auch vor. Wenn ich eine Idee habe, muss sie raus, bevor ich sie verliere. Manchmal setze ich mich auch aus Langeweile hin. Manchmal, weil ich mich ein bisschen zu meinem Glück zwinge.

Ich arbeite recht schnell. Als ich Comic- und Karikaturzeichnen gelernt habe, lernte ich die Spontaneität und Leichtigkeit der Bewegungen mit. Das schätze ich bis heute, weshalb meine Charaktere auch viel comichaftes haben. Nicht nur, weil sie nur aus wenigen Strichen bestehen und flach gehalten sind, sondern auch wegen des charakteristischen, meist schwarzen, Outline.

Bei den Portraits, die in etwa zu 95 Prozent aus Fantasiegestalten bestehen, lasse ich meistens den Pinsel oder den Bleistift führen. Bin selbst immer gespannt, wer dabei rauskommt. Die restlichen 5 Prozent (früher war es genau andersrum) male ich heimlich aus dem echten Leben, zum Beispiel, wenn ich Zug fahre.

Kunstgeschichte nimmt Einfluss auf meine Experimente

Dank des kunsthistorischen Studiums am KIT erfahre ich immer wieder von neuen Methoden und probiere sie aus. So habe ich es etwa mit dem Visualisieren und dann malen probiert. Das war überragend. So gewinnt nicht mehr der Stift die Überhand, sondern dein Geist. Bei den abstrakten Dingern gehe ich nach Kandinsky. Zwar in den aller meisten Fällen ohne Musik, aber der Mann hat so viele gute Gedankengänge mit der Welt geteilt, dass auch ich die Möglichkeit habe, nach ihnen die Farben, Formen und dessen Einwirkung aufeinander – und vor allem auf mich selbst – zu spüren. Und das ist ein sehr schöner und spaßiger Prozess.

Arbeitsweise und beschissene Körperhaltung

Ob ich kontrolliert male oder losgelöst? Je nach dem, was meine Seele verlangt. Wenn ich jedenfalls schlecht gemalt habe, wird das Ding zerschnitten. Die Zuschnitte werden für andere Zwecke verwendet.

Meine Arbeitsweise: Ich sitze auf dem Boden meines Wohnzimmers, der regelmäßig mit Aceton gereinigt werden muss, wegen der ganzen Farbflecken. Um mich herum ein Meer aus verschiedenfarbigen Papieren, die ihren Trocknungsprozess antreten. Hier bereite ich die Hintergründe vor. Im Wohnzimmer passiert quasi alles, was mit Acrylfarbe zu tun hat. Auch einige Portraits.

Da trocknet was…

Im Arbeitszimmer hingegen zeichne ich die comichaften Marker-Zeichnungen. Erst mit Bleistift vorzeichnen, dann Edding. Shoutout an Edding (unbezahlte Werbung). Ich feier die permanenten Marker jeder Form und Größe und neuerdings habe ich auch mal eine Sprühdose ausprobiert. Sie war überragend. Hab sie an einem Vormittag vollständig versprüht. Im Arbeitszimmer mache ich zudem noch die Papierzuschnitte. Im Bett loche ich manchmal die Mini-Blöcke.

Während des Malprozesses höre ich wahnsinnig selten Musik. Ich denk da einfach nie dran. Dabei habe ich eine ganz furchtbare Körperhaltung. Manchmal, wenn ich zu lange auf dem Boden rumsitze, wird mir richtig schlecht. Ist das normal?

Meinungen aus der Außenwelt

Am meisten und am liebsten male ich Gesichter. Und mir ist scheiß fick egal, ob alle die Schnauze voll davon haben. Oder ob es irgendjemanden stört, dass die meisten Charaktere ernst gucken. Seit meinem Interview mit Elena Politowa, weiß ich, was das Richtige für mich ist. Ich liebe Gesichter, ich verliebe mich erst ins Gesicht und dann den Charakter dahinter. Ich hab Bock sie zu malen, ich fühls einfach. Sie sind ernst, weil: Habt ihr bei uns in Deutschland schon mal Leute gesehen, die nicht auf Crack sind und lachend durch die Straßen laufen? Ich auch nicht.

Wenn die Ernsthaftigkeit in meinen Bildern euch stören sollte: Ich nehme auch Aufträge an. Da könnt ihr bestimmen, was ich male. Haut mich einfach an. Momentan bin ich relativ schwer zu kontaktieren, da ich Social-Media-mäßig ein wenig detoxen will. Aber wer sucht, der findet. Dafür hab ich plötzlich viel mehr Zeit für avecMadlen. Demnächst kommt hier ein Onlineshop, in dem ihr fertige Arbeiten kaufen werden könnt.

Signatur und Markenzeichen

Immer häufiger kommt Meine Schrift in den Bildern vor. Neongelb halte ich auch für eines meiner Wiedererkennungswerte, obwohl die Welt der Gegenwartskunst recht voll davon ist. Nicht voll genug, wenn ihr mich fragt. Diese Farbe macht mich mit ihrer Leuchtkraft ganz wuschig. Kandinsky hätte Neongelb gefeiert. Safe.

Meine Bilder sind mit Seriennummern versehen und ich stempel sie auf der Rückseite mit Madlen Romanowna. Also mit meinem echten Namen. Ich bin zwar in der Welt der Medien als Madlen Trefzer bekannt, aber ich hasse diesen Namen, deshalb verwende ich Romanowna, wo ich kann. Es ist der Vatersname, den wir Russen (und andere) von den Vornamen unserer Vätern übernehmen. Mein Vater heißt Roman. Mein voller Name, so wie er im Ausweis steht, lautet Madlen Romanowna Trefzer. Geboren wurde ich mit einem anderen Nachnamen, den ich vielleicht wieder annehme.

Es gibt ein bild, das ich nicht verkaufen würde. Es ist sehr simpel. Ein Kopf, besser gesagt die Silhouette eines Kopfes. Ohne Gesicht. In zartem Neongelb auf Lila Leinwand. Ich liebe es. Ich will es auf z wei ganz bestimmte Arten von Postkarten sehen. Die Farben sind perfekt füreinander. Der Kopf ist leicht geknickt, das ganze wirkt so zart und poetisch. Geb ich nicht her. Es gibt aber Einige, die ich nicht hergebe.

Wie dem auch sei. Freut euch auf den schon sehr bald kommenden Online-Shop. Wenn das Behördliche durch ist, geht es los.

Ich küsse euch,

eure Madlen

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Reisen

Haiphong bei Nacht: Von Lebensart und dunklen Gassen

Vietnam nachts zu erkunden ist wirklich traumhaft. Es war irgendwann zwischen 22 und 23 Uhr. Wie immer hatte ich kein Ziel, keinen Plan und keine Route. Einfach loslaufen und gucken, was passiert. Die Nacht war warm und ein wenig schwül. Mitten im Dezember fühlte sich Vietnam an wie Hochsommer. Dabei hing hier und da Weihnachtsdeko: Palmen, die mit Lichterketten geschmückt waren, Santa Claus und Weihnachtssterne vor tropischer Kulisse.

Ich lief durch die Straßen von Haiphong und war tiefenentspannt, glücklich, neugierig. Vor allem aber fühlte ich mich sicher. Während ich durch die Nacht schlenderte, roch es nach Benzin, heißem Gummi auf Asphalt und immer wieder nach vietnamesischer Küche. Nach Brühen, Kräutern und Gewürzen, die ich bis heute vermisse. Aus den Häusern und Restaurants drangen Stimmen. Vietnamesisch klingt für meine Ohren oft beinahe singend. Die Menschen plauderten, lachten, aßen gemeinsam oder saßen einfach beisammen.

Kinder, tanzende Senioren und meine geliebte Kaviarpizza

Kinder spielten draußen, obwohl es schon spät war. Einige waren vielleicht sieben, andere zehn Jahre alt. Als sie mich entdeckten, jubelten sie sofort los. Eine Mädchengruppe lief hinter mir her, umkreiste mich. Die Kleinen riefen „beautiful!“ und grinsten mich mit einer Herzlichkeit an, die mich ergriff. Zwischendurch hielten immer wieder Einheimische auf ihren Mopeds an und boten mir an, mich ein Stück mitzunehmen. Auf den Spiel- und Sportplätzen lief V-Pop. Senioren machten dazu ihre Gymnastikübungen. Kinder lachten. Motoren brummten. Die Stadt lebte.

Das Viertel, in dem ich wohnte, wirkte vergleichsweise westlich. Dort gab es schicke Cafés, Cupcake-Läden und Restaurants, in denen millionenschwere Influencerinnen tagsüber ihren Content produzierten. Pizza mit Kaviar wurde serviert – die fehlt mir bis heute.

Haiphong bei Nacht: Ab in die dunklen Gassen

Es zog mich auf die andere Seite der dicht befahrenen Straße. Dorthin wo es dunkler war und das andere Leben stattfand. Kaum überquerte man die breite Hauptstraße, die die zwei Stadtteile voneinander trennte, veränderte sich die Atmosphäre. Plötzlich saß das halbe Viertel in riesigen offenen Cafés zusammen. Menschen aßen Streetfood, tranken Tee und unterhielten sich. Überall standen die kleinen bunten Plastikhocker, auf denen man so tief sitzt, dass man fast in der asiatischen Hocke landet. Irgendetwas daran fand ich unglaublich anziehend.

Trotzdem brauchte ich eine Weile, bis ich mich traute, mich dazuzusetzen. Denn ja, auch ich habe nicht die größten Eier der Welt, obwohl ich grundsätzlich im yolo-Modus bin. Manchmal kickt eben die Social Anxiety rein. Irgendwie hatte ich hier das Gefühl, in eine große Familienfeier hineinzulaufen, zu der ich nicht eingeladen war. Ich fiel ohnehin auf. Nicht nur, weil ich Osteuropäerin bin, sondern auch, weil ich alleine unterwegs war. Die Menschen dort kamen gemeinsam. Familien, Freunde, Nachbarn. Ich hingegen lief alleine durch ihre Welt. Also blieb ich zunächst Beobachterin.

Glaskasten-Wohnzimmer: So leben die Vietnamesen

Und dabei fiel mir etwas auf, das mich bis heute fasziniert: Die Häuser. In Hanoi hatte ich dieses Phänomen bereits bemerkt, doch in Haiphong begegnete es mir überall. Viele Familien leben in schmalen, oft dreistöckigen Häusern. Unten befindet sich ein Geschäft, ein Café oder ein kleiner Laden. Darüber liegen die Wohnräume.

Manchmal allerdings befindet sich direkt im Erdgeschoss das Wohnzimmer. Mit einer kompletten Glasfront. Wer vorbeigeht, kann sehen, wie die Familie zu Abend isst, auf dem Sofa sitzt, Fernsehen schaut oder einfach entspannt. Anfangs hat mich das komplett geflasht. Ich erinnere mich an einen Abend auf einem Nachtmarkt in Hanoi. Menschenmassen schoben sich durch die Straßen. Und einen Meter weiter saß eine Familie in ihrem verglasten Wohnzimmer und verbrachte einen ganz gewöhnlichen Abend. Als würden zwei Welten unmittelbar nebeneinander existieren.

Auch in Haiphong sah ich diese Szenen ständig. Familien auf weichen Sofas. Menschen, die auf ihren Teppichen lagen. Jugendliche, die am Handy scrollten. Manche dösten einfach vor sich hin. Sie chillten. Und ich stellte fest, wie sehr ich es liebte, Menschen beim Chillen zuzusehen. Genau dort wurde mir etwas bewusst.

Vietnam upgradet meinen eigenen Lebensstil

In meiner eigenen Kindheit wurde Nichtstun konsequent bestraft. Einfach herumliegen, Löcher in die Decke starren; auf dem Sofa sitzen und nichts Produktives tun. Dafür schämte ich mich wahnsinnig lange. In Vietnam schien niemand ein Problem damit zu haben. Die Menschen ruhten sich aus. Ganz selbstverständlich. Sichtbar für alle. Hinter Glasfassaden, mitten in der Stadt, mitten in ihrem Ladengeschäft, auf dem Moped, am Straßenrand, in Cafés.

Niemand versteckte es. Niemand entschuldigte sich dafür. Diese Beobachtung hat nachhaltig etwas in mir verändert. Seit meiner Vietnam-Reise chille ich bewusst. Ich bin sogar schon soweit, dass wenn ich auf meinem Balkon sitze und die Nachbarn mich beim Chillen beobachten, ich mich nicht einmal mehr fürs Nichtstun schäme. Ich sitze einfach da und chille unverschämt weiter. Ohne schlechtes Gewissen. Das hat meine Lebensqualität enorm gesteigert. Außerdem kann ich mich viel besser erholen.

Neugierde gewinnt die Überhand: Ich fühle mich als ein kleiner Eindringling

Während meiner Spaziergänge blieb ich oft nur wenige Meter von diesen Wohnzimmern entfernt stehen. Ich fühlte mich manchmal wie ein kleiner Eindringling. Neugierig war ich trotzdem. Also wandte ich schnell wieder den Blick ab, aus Respekt. Gleichzeitig wollte ich jede Nuance dieser Atmosphäre aufsaugen. Dabei schienen sich die Viets überhaupt nicht an meiner Anwesenheit zu stören. Diese Offenheit hat mich begeistert.

Ich schwöre, ich liebe Vietnamesen. Ihre reiche Kultur und die mir bis dahin völlig unbekannte Lebensweise hat mich als Mensch einfach wachsen und blühen lassen. Ich bin unendlich dankbar dafür. Jede Reise bringt mir grundsätzlich so viel bei. Ich bin froh, dass die nächste bereits gebucht ist.

Gemeinschaft und Sauberkeit in Vietnam

Vielleicht interpretiere ich zu viel hinein, aber ich habe den Eindruck, dass die Architektur solcher Häuser die Menschen als Gesellschaft näher zusammenrücken lässt. In Vietnam erzählen viele, dass Freunde auch mal unangekündigt vorbeikommen. Dass sie mithelfen, wenn gekocht wird, oder die Wäsche gemacht wird. Dass Alltag etwas Gemeinsames ist. Ich weiß nicht, ob das überall so stimmt. Aber ich weiß, dass ein Teil von mir sich nach dieser Form von Gemeinschaft sehnt.

Noch etwas fiel mir auf: Die Sauberkeit. Abends sah ich häufig Frauen in der Hocke sitzen und Geschirr spülen. Anschließend wurden die Gehwege gefegt, gewischt und vom letzten Staubkorn befreit. Der Müll wurde ordentlich in kleine Tüten verpackt und für die Abholung am nächsten Morgen bereitgestellt. Diese Akribie beeindruckte mich. Dabei waren die großen Straßen oft tiefschwarz von den Abgasen der Mopeds. Die Wohnviertel hingegen wirkten liebevoll gepflegt.

Die Menschen selbst erschienen mir außergewöhnlich sauber. Kein Parfüm, keine Körpergerüche. Einfach Seife und Reinheit. Ja, ich gestehe, ich hab tatsächlich an ein paar Menschen geschnuppert.

Wie dem auch sei. Nach diesem nächtlichen Ausflug, mit all seinen Eindrücken,erlaubte ich mir, am nächsten Tag einfach mal nichts zu tun. Ich lag faul am Pool herum, guckte Tatort, ließ mich massieren und war einfach im Moment. Ich musste wohl Kräfte sammeln für meine abenteuerliche Reise zum Elefantenberg.


Kennst du schon meinen Tiktok-Account? Nein? Für wen poste ich dann 5 Videos am Tag??

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Reisen

Alqueva-See – Portugals stille Wasserlandschaft im Alentejo

Der Alentejo im Süden Portugals gilt mit seiner Weite und ruhigen Atmosphäre vielerorts noch als Geheimtipp. Mitten in dieser Landschaft liegt der Alqueva-See. Er gilt als eine der größten künstlichen Wasserlandschaften Europas und ist zugleich ein Ort, an dem sich Naturerlebnis und achtsames Reisen miteinander verbinden. Hier bestimmen jahrhundertealte Traditionen, nachhaltige Lebensweisen und eine enge Verbindung zur Natur bis heute den Alltag. Die verzweigten Ufer, ruhigen Buchten und offenen Horizonte schaffen einen Raum, der sich vom klassischen Reisetakt abhebt.

Blick über den Alqueva-See im Alentejo, Portugal, mit ruhigem Wasser, sanften Hügeln und typischer Landschaft der größten künstlichen Seenlandschaft Europas – beliebtes Reiseziel für Natur, Wassersport und Sternenbeobachtung.

Panorama des Alqueva-Sees im Alentejo in Portugal mit weitem Wasserblick und mediterraner Natur. Der Stausee zählt zu den bekanntesten Sehenswürdigkeiten der Region und zieht Urlauber, Naturliebhaber und Wassersportler an.
©fredericducoutphotography

Der Alqueva-See: Zwischen Wasser und Weite

Die verzweigte Wasserfläche des Alqueva-Sees fügt sich harmonisch in die offene Landschaft des Alentejo ein. Wer hier unterwegs ist, erlebt den See in ganz unterschiedlichen Facetten: im Kajak durch stille Buchten, unter Segeln oder vielleicht sogar vom Deck eines Hausboots – dort, wo sich die Landschaft langsam vorbeibewegt. Der Alqueva-See wirkt dabei fast wie ein Binnenmeer – ruhig, weit und von ungewöhnlicher Stille geprägt.

Entlang der Ufer wechseln sich kleine Anlegestellen, naturbelassene Abschnitte und historische Orte ab. Besonders Monsaraz, auf einem Hügel oberhalb des Sees gelegen, prägt das Bild der Region. Zwischen engen Gassen, weiß getünchten Häusern und weiten Ausblicken wird klar, wie Natur, Kultur und Alltag rund um den Alqueva-See miteinander verbunden sind. Im Juli verwandelt sich das Dörfchen in ein Open-Air Museum, wo man die Sitten und Bräuche des Alentejos kennenlernen kann. Doch auch die weniger bekannten, und dadurch auch ruhigeren Dörfer, sind einen Besuch wert.

©Visit Alentejo

Gleichzeitig steht der Alqueva-See für eines der bedeutendsten Infrastrukturprojekte Portugals: Er sichert die Wasserversorgung einer trockenen Region, ermöglicht landwirtschaftliche Nutzung und trägt zur Energiegewinnung bei. Die Entwicklung rund um den See zeigt, wie sich nachhaltige Ressourcennutzung, regionale Wertschöpfung und touristisches Erleben miteinander verbinden lassen.

Die Wunder Portugals: Slow Travel am Wasser

Die enge Verbindung von Landschaft, Alltag und regionaler Kultur prägt auch die Art des Reisens rund um den Alqueva-See. „Slow Tourism“ ist hier weniger Konzept als gelebter Alltag. Statt voller Tagesprogramme bestimmen kleine Dörfer, regionale Küche und eine offene Landschaft den Rhythmus des Aufenthalts. Die Atmosphäre lädt dazu ein, lokale Weine und traditionelle Produkte kennenzulernen. Viele Unterkünfte sind familiär geführt und mit der Umgebung verbunden – oft geprägt von regionaler Architektur, lokaler Handwerkskunst und einem bewussten Umgang mit Ressourcen. Wochenmärkte, lange Abende unter freiem Himmel und Wege durch die offene Landschaft gehören ebenso zum Erlebnis wie die Nähe zur Natur.

Wenn die Dunkelheit leuchtet: Dark Sky Alqueva

Mit dem Einbruch der Dunkelheit eröffnet sich rund um den Alqueva-See eine ganz besondere Sicht auf den Sternenhimmel. Dark Sky Alqueva gilt als ein Ort, an dem die Nacht zum Erlebnis wird. Es ist die weltweit erste Region, die als „Starlight Tourism Destination“ zertifiziert wurde. Hier eröffnet sich ein Nachthimmel, wie ihn viele Menschen in Europa kaum noch kennen: klar, tief und schier unendlich. Die Milchstraße ist sichtbar und die Sternbilder wirken greifbar nah. Ob bei geführten Beobachtungen oder in stiller Eigenregie – der Blick nach oben wird hier zu einem der eindrucksvollsten Reiseerlebnisse überhaupt.

©Miguel Claro

Zwischen Weltkulturerbe und gelebter Tradition

Rund um den Alqueva-See verbindet sich Naturerlebnis mit kulturellen Ausflügen: So liegt die Stadt Évora mit ihrem römischen Tempel, einer gotischen Kathedrale, verwinkelten Gassen und lebendigen Plätzen nur etwa eine Autostunde entfernt. Die Stadt gehört zum UNESCO-Weltkulturerbe und wird 2027 den Titel der Europäischen Kulturhauptstadt tragen.

Neben Évora ergänzt auch Elvas mit historischen Festungen das kulturelle Umfeld rund um den Alqueva-See. Die UNESCO-Welterbestadt zählt zu den am besten erhaltenen Festungsstädten Europas. Ihre sternförmigen Wälle, Bastionen und Aquädukte repräsentieren die strategische Rolle des Alentejo als Grenzregion.

Évora ©Visit Alentejo

Lieder über das Leben, die Arbeit und Geschichte: Die Stimmen des Alentejo

Rund um den Alqueva ist der Cante Alentejano bis heute fester Bestandteil der regionalen Kultur. Dabei handelt es sich um einen traditionellen mehrstimmigen Chorgesang, der meist ohne Instrumentalbegleitung vorgetragen wird. In Tavernen, auf Dorfplätzen und bei lokalen Festen singen die Menschen gemeinsam Lieder über das Leben, die Arbeit und die Geschichte des Alentejo. Seit 2014 gehört der Cante Alentejano zum immateriellen Kulturerbe der UNESCO.

Die meist männlichen Chöre singen in langsamen, mehrstimmigen Harmonien von Arbeit, Sehnsucht und dem Leben auf dem Land. Der Cante entsteht ohne große Inszenierung und gehört bis heute ebenso zu festlichen Anlässen wie zu lokalen Zusammenkünften.

Über den Alentejo

Zwischen Lissabon und der Algarve, bis hin zur spanischen Grenze, erstreckt sich im Süden Portugals der Alentejo – eine Region mit weiten Horizonten, weiß getünchten Dörfern und spürbarer Authentizität. Im Zentrum liegt der große See von Alqueva, ein beeindruckendes Binnengewässer am Fluss Guadiana, das sich zum Herzen der Region entwickelt hat. Hier vereinen sich Sternenbeobachtung unter einem der dunkelsten Himmel Europas, entspannte Wassererlebnisse, Weinberge und Olivenhaine sowie ikonische Hügeldörfer wie Monsaraz zu einer Kulisse, die wie geschaffen ist für entschleunigtes Reisen und intensive Begegnungen mit der lokalen Kultur.

©fredericducoutphotography

Von Korkverarbeitung, Keramik, gewebten Textilien und Korbflechterei bis hin zu Stickerei und regionaler Gastronomie: in der gesamten Region begegnen Besucher lebendigen Traditionen und handwerklicher Kunstfertigkeit. Diese werden von den lokalen Gemeinschaften bewahrt und zugleich mit zeitgenössischer Kreativität neu interpretiert.

Die internationale Vermarktung des Alentejo, umgesetzt durch die ARPTA, wird durch die Europäische Union im Rahmen der Programme Alentejo 2030 und Portugal 2030 unterstützt. Diese Förderung dient der Finanzierung der Positionierung der Region als internationales Reiseziel und steht im Einklang mit den Zielen der Kohäsionspolitik der Europäischen Union in den Bereichen nachhaltige Entwicklung, Kultur und Tourismus.


Quelle: Pressemitteilung der Global Communication Experts GmbH
Doris Palito | Frederike Fahr
Hanauer Landstr. 184
60314 Frankfurt
www.visitalentejo.pt, www.gce-agency.com

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