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Buchempfehlung: „Das Geheimnis der hohen Eich“ von Rahsan Dogan

Wie wirkt sich eine Diktatur auf das Leben und die Entscheidungen einzelner Menschen aus? Mit dieser Frage beschäftigt sich die Lesung von Buchautorin Rahsan Dogan in der Neuen Fledermaus in Karlsruhe. Mit der musikalischen Begleitung von Dunja Hofheinz stellt sie ihren Roman „Das Geheimnis der hohen Eich“ vor, der den Bogen zwischen dem Zweiten Weltkrieg und der Gegenwart spannt. Unsere Buchautorin ist gleichzeitig Rechtsanwältin für Scheidungen und Recht während die Musikerin Standesbeamtin ist. Die beiden Frauen, dessen Berufswahl kaum gegensätzlicher sein könnte, verbindet die Kunst und Kultur.

Die Neue Fledermaus Karlsruhe, Veranstaltung. Lesung, Kulturveranstaltung am Wochenende

Lesung in der Neuen Fledermaus

Für mich ist das der erste Besuch in dem ungewöhnlichen Kulturraum „Die Neue Fledermaus“ in Karlsruhe. Durch die Fenster fällt sommerliches Tageslicht. Vor Beginn wird noch gelacht und gestaunt: Ein Paar aus dem Publikum erzählt, wie es einst unbeabsichtigt in Handschellen geheiratet habe, nachdem sich der Trauzeuge einen Scherz erlaubt hatte. Wenige Minuten später weicht die heitere Stimmung einer fast greifbaren Konzentration.

In dem Roman steht der Ort die Hohe Eich bei Karlsruhe im Fokus. Die erzählende Protagonistin ist Juristin, wie auch die Autorin. Sie findet einen künstlich angelegten Erdwall im Wald, im Bereich der Hohen Eich. Die Neugierde packt sie und sie gelangt in die kleine Hütte, die seit dem Zweiten Weltkrieg kaum von einer anderen Person betreten wurde. Der Fund, den sie dort macht, verschlägt ihr die Sprache: Ein Jutesack mit Reichsadler, ein Hakenkreuz.

Rahsan Dogan: Stil, Spannung, Sprache

Rahsan Dogan benutzt eine klare, bildliche Sprache. Die Spannung baut sie Schritt für Schritt auf. Während sie aus ihrem Buch vorliest, habe ich das Gefühl, mitten in der Szene zu stehen. Fast alle meine Sinne werden angesprochen. Ich kann mir genau vorstellen, wie diese gottverlassene Hütte von innen aussieht, wie es darin riecht. Dogan liest konzentriert, zugleich lebhaft. Im Publikum herrscht absolute Stille.

In der Hütte findet die Erzählerin einen Blechkasten. Der Inhalt: amtliche Papiere, ein Stoffbeutel, Kennkarten eines Mannes und einer Frau. Er hatte ein Rangabzeichen der Waffen-SS. Die dritte Kennkarte war ohne Bild. Dafür mit einem großen „J“ gekennzeichnet. In dem kleinen Beutel ein Ring mit zwei Herzen. Des weiteren findet die Erzählerin ein Tagebucht, das sie in die Kriegsjahre zurückversetzt. Es gehörte Rudolf Heinrichs, dem SS-Mann. Das darin festgehaltene Gedankengut war allerdings nicht SS-typisch.

Er beschreibt heimliche Treffen mit und die Liebe zu einer Jüdin. Laut Einträgen hieß sie Frieda und lebte im Wald. Wohl, um sich vor den Nazis versteckt zu halten. Heinrichs beschrieb sie als die perfekte Frau, „mit einem Makel“.

Lesung musikalisch unterrahmt

Das Programm wird durch musikalische Zwischenspiele abgerundet, die Dunja Hofheinz zurückhaltend einsetzt. Sie spielt und singt etwa Ozzy Osburnes „Changes“, sehr gefühlvoll und fast tragisch. Die Musik verbindet die Zeitebenen des Romans miteinander, und gibt der Lesung eine sehr individuelle und emotionale Note. Die Gäste der Neuen Fledermaus werden nachdenklich.

Es wird spürbar, wie der NS im Verlauf des Regimes immer weiter in die Intimsphäre der Menschen eingreift. Damit verändert sich auch das Denken und Handeln der Menschen. Letztlich finden Bücherverbrennungen statt, die von den Nazis gezielt vorbereitet wurden. Während Rudolf Heinrichs dem SS-Regime anfangs noch misstrauisch gegenüber war, schien er im weiteren Verlauf die Bücherverbrennung zu befürworten, wenn auch etwas zwiespältig. Zudem suchte er sich eine neue Liebschaft, mit der er sich öffentlich blicken lassen konnte. Sie ist eine Denunziantin, die voll und ganz hinter dem Führer zu stehen scheint. Ein Tagebucheintrag aus dem Jahr 1943 beschreibt, wie er die neue Frau in seinem Leben Frieda gegenüber erwähnt. Daraufhin will Frieda nicht mehr leben. Damit enden die Einblicke in den Roman von Rahsan Dogan.

Fazit: Rahsan Dogans Roman „Das Geheimnis der hohen Eich“

Ein historisch gut recherchierter Roman, der auch mit etwas Fiktion spielt, die wiederum gar nicht so abwegig zu sein scheint, da sie vielmehr die Legenden, die von Generation zu Generation weitergegeben werden, befeuert. Dogan legt hohen Wert darauf, einen exakten Bezug zu der Region zu haben, über die sie schreibt, kann Stimmungen besonders markant wiedergeben und die Spannung bis ins unermessliche steigern. Daher ist ihr Roman „Das Geheimnis der hohen Eich“ eine klare Buchempfehlung, die sich nicht nur für Menschen aus der Region eignet, sondern alle, die außergewöhnliche Liebesgeschichten, Krimis und Kriegsromane lieben.

Das Buch kann überall bestellt werden und kostet 16 Euro. ISBN: 978-3765091704.


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Eckdaten zur Autorin findet ihr hier.

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Reisen

Der „verbotene Strand“ von Teneriffa

Wenn ich nicht weiß, was ich auf einer Reise unternehmen soll, gehe ich tief in mich hinein. Dort lausche ich dann meinem Herzen, meinen Bedürfnissen. Am Tag vor meiner Abreise hatte ich wohl Lust auf den „verbotenen Strand“, auf dem ich die Tage zuvor bereits war. Also machte ich mich auf den Weg, kletterte über jenen Zaun, passierte das Baustellennetz mit den Verbotsschildern und ging den steilen Pfad hinunter.

Verboten war das Betreten des Strandes wegen Einsturzgefahr. Die betraf definitiv den Pfad, der zum Strand hinunter führte. An einer Stelle war er wohl wegen eines Erdrutschs bereits eingestürzt und somit nicht sicher. Mich und vereinzelte andere Abenteuerlustige hielt das aber nicht davon ab, unseren Spaß zu haben. Die meisten ließen sich jedoch von den Verbotsschildern einschüchtern. Besser für uns so hatten wir alle viel mehr von unserem „verbotenen Strand“.

Erstmals betrat ich ihn zu meinem 30sten Geburtstag. Ich fand ihn durch Zufall. Hier kannst du genauer nachlesen, wie es dazu kam. Der Ausblick war wuchtig. Hier hatte man freie Sicht auf zwei gigantische Vulkanfelsen, die über Jahre vom Salz der mächtigen Wellen abgetragen wurden, sodass einer von beiden wie eine naturgemachte Arc de Triumphe aus dem Wasser empor ragte.

Teneriffas Vielfalt an Gesteinsarten und Meeresbewohnern

Alle Steine hier waren erstaunlich. Ein Bereich bestand aus glatten, runden Steinen. Schwarz, Grau; manche porös wie es sich für Vulkangestein eben gehört. Perfekt rund, dadurch dass sie alle vermutlich schon lange dem Salz des Ozeans ausgesetzt sind. Ein weiterer Abschnitt war durch mächtige Gesteinklotzen besetzt, die in der Sonne glänzten so, als seien sie nass. Waren sie aber gar nicht. Vielmehr waren sie trocken und warm; nur hatten sie diese faszinierend glatte Oberfläche. Auf ihnen lebten kleine Krabben, Muscheln, und Meeresschnecken, die sich mit jedem Schritt, den ich näher kam immer weiter verkrochen.

Als ich die glänzenden Steine näher begutachtete, bekam ich große Lust, über sie zu spazieren. Von einem Stein auf den anderen zu hüpfen. Zu sehen, wie die Wellen alles mit ihrem Schaum bedecken. Neue Blickwinkel meines „verbotenen Strandes“ zu entdecken. Ich liebte alles an meinem Strand. Meine Lust zu klettern brachte mir fast den Tod. Daher achtet, wenn ihr sowas macht, auf das richtige Schuhwerk. Aber damit war meine Lust nach Adrenalin nicht gestillt. Von einem Stein aus sah ich eine natürliche Höhle, die wie eine kleine Lounge für Meeresfreaks aussah.

Ab zum Wildpfad

Und da auch die nicht genug war, kletterte ich den Berg hinauf, der mich zum Wildpfad führen würde. Ich hatte Angst, aber auch viel zu viel Spaß. Der weg war trocken, staubig, eng. Auch hier bestand höchstwahrscheinlich Einsturzgefahr. Die Aussicht war es aber wert. Hier oben fand ich Frieden.

Oben angekommen kletterte ich erneut über Zäune, um wieder auf den „legalen“ Pfad zu gelangen. Ich hatte richtig Spaß. Am schönsten fand ich die Vegetation: Kakteen, Löwenzahn, der ganz und gar nicht so aussieht wie der bei uns, Kamille, wilde Blümchen, fikusartige Gewächse. Für mich war diese Vielfalt auf Teneriffa pure Exotik. Besonders beeindruckend fand ich es, die gigantischen Wellen auch mal von Hinten zu sehen. Wie sie langsam in Richtung Strand ankommen, sich auftürmen, wie sie sich an den Steinen zerschlagen einfach traumhaft schön.

Ich könnte wetten, dass dieser wilde Strand bald schon wieder zugänglich und ungefährlich ist. So können ihn viel mehr Menschen aus der Nähe erleben.

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